Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG 4
II. DIE VORBEDINGUNGEN ZU NIETZSCHES RELIGIONSKRITIK 5
III. NIETZSCHES RELIGIONSKRITIK 6
IV. DAS PATHOLOGISCHE IM CHRISTENTUM UND CHRISTLICHE MORAL. 8
V. DIE PRIESTERKASTE UND PAULUS´ LÜGE 12
V.I CHRISTENTUM ALS ETHIK. 12
V.II DIE PRIESTERHERRSCHAFT. 14
VI. DIE FIGUR JESU 17
VII. ANTHROPOMORPHISMEN BEI NIETZSCHE 18
VIII. NIETZSCHE EIN ATHEIST? 19
IX. ERGEBNIS 21
X. LITERATURVERZEICHNIS 22
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I. Einleitung
Der Antichrist, Götzendämmerung, Nietzsche contra Wagner. Reißerische Titel verlieh Friedrich Nietzsche seinen halb philosophischen, halb poetisch-aphoristischen Werken. Und bei den Kapitelnamen der autobiographischen Spätschrift Ecce homo - Warum ich so weise bin, Warum ich so klug bin, Warum ich so gute Bücher schreibe - weiß man nicht, ob man den Autor bemitleiden oder aber besser über ihn lachen sollte. In der Tat liegt Nietzsches Stärke wohl nicht gerade in strenger philosophischer Argumentation. Nietzsche spricht eher aus, als dass er argumentiert, er verkündet. Und trotzdem kann er kaum einen Anspruch von Ernsthaftigkeit erheben, den man Nietzsche ja entgegen allem Anschein doch nicht absprechen möchte, wenn er nicht zumindest einige begründete Ansätze vorbringt. Andernfalls wäre sein Werk ja wohl auch kaum im Interesse ernsthafter Philosophie. Was sind also die Gründe Nietzsches, die ihn so hart gegen Religion und Moral sprechen lassen? Was sind die Argumente gegen das Christentum? Und war Nietzsche eigentlich der unumstößliche Atheist und konsequente Nihilist, als der er immer gehandelt wird? Das sollen die Leitfragen der vorliegenden Arbeit sein, um deren Klärung ich mich bemühen möchte. Hauptsächlich beziehen möchte ich mich hierbei auf Nietzsches Spätwerk, vor allem den 1888 entstandenen Antichrist. Dieses kurz vor Nietzsches geistiger Umnachtung im Jahr 1889 verfasste Werk zeugt von der abgrundtiefen Abneigung, die der noch nicht alte Nietzsche in seinem unstetigen und von schwerer Krankheit gezeichnetem Leben gesammelt hat, es ist quasi als die Kulmination seines religionskritischen Denkens zu verstehen. Moral, Christentum - diese Ideologie der Schwachen ist ihm zutiefst vergällt. Und er versucht, sie aufgrund einiger weniger, kaum ausformulierter, aber doch wohl durchaus mitreißender Argumente vernichtend zu schlagen. Durchaus schwierig ist hierbei Nietzsches nicht sonderlich kohärenter Stil, sowohl in der Argumentation als auch im Äußeren. Etwaige Widersprüche und die unklare, oft auch zweifache Verwendung von Begriffen, ja teilweise mit einer diametral entgegengesetzten Intention, erschweren das Erkennen eines Tenors in seiner Kritik. Doch will man bereits im Voraus einen eindeutigen Vorgeschmack von Nietzsches Antichristentum geben, so lohnt es wohl am meisten, die Anklage des christlichen Kultes und der christlichen Moral am Ende eben des Antichristen zu zitieren: „Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, - ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerliche Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem
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kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist - ich heiße es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…“ 2
II. Die Vorbedingungen zu Nietzsches Religionskritik
Bevor ich mich nun mit Nietzsches Religionskritik selbst auseinandersetzen werde, muss doch zunächst einmal geklärt werden, warum denn überhaupt dieses nicht wenig heikle Thema eines der Hauptthemen von Nietzsches philosophischer und aphoristischer Auseinandersetzung darstellte. Darum möchte ich kurz auf Nietzsches geistigen und persönlichen Hintergrund eingehen.
Geboren 1844 als Sohn des protestantischen Pfarrers Carl Ludwig Nietzsche, gehörte Friedrich Nietzsche einer Familie an, die sowohl im mütterlichen, wie auch im väterlichen Zweig bereits viele Geistliche hervorgebracht hatte. Bereits dem fünfjährigen Nietzsche verstarb sein Vater und der begabte Junge wurde Halbwaise; ein Jahr später verstarb ebenfalls sein älterer Bruder Ludwig Joseph. Vielleicht liegen schon in diesen beiden Todesfällen frühkindliche Erlebnisse begraben, die den erwachsenen Nietzsche an den Werten zweifeln ließen, in denen er einst erzogen worden war. Da auch früh bereits seine musischen und sprachlichen Begabungen festgestellt worden waren, wurde er entsprechend gefördert. In seiner Internatszeit in dem angesehenen und traditionsreichen Internat Schulpforta bildete sich so in Anschluss an sein philologisches und musisches Interesse auch seine lebenslang fortdauernde Begeisterung für die Antike und einhergehend mit seiner individuellen Differenzierung des Begriffes der Antike distanzierte er sich wohl zunehmend von der Welt und dem Geiste des elterlichen Hauses, welche natürlich dem Bürgertum und der christlich-evangelischen Tradition entstammten. Nach abgeschlossener Schulausbildung begann er 1864 in Bonn ein Studium der klassischen Philologie und der evangelischen Theologie. Durch eingehendes Studium junghegelianischer Philosophie war er allerdings nach bereits einem Semester darin bestärkt, die Theologie wieder aufzugeben, erlangte aber im weiteren Verlauf seines philologischen Studiums ein so hohes Ansehen, dass er 1868 noch vor seiner Promotion eine Berufung an die Universität Basel erhielt. Nach wenigen Jahren der Amtsausübung allerdings musste er - durch schwere Krankheit gezwungen - seine Pro- 2 Nietzsche,Friedrich: Der Antichrist. In: Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Werke. Kritische Studienausga-
be in 15 Bänden. München/Berlin/New York: Deutscher Taschenbuch Verlag und Verlag Wilhelm de
Gruyter 1999 (2. Auflage; Hrsg.: Giorgio Colli und Mazzino Montinari), Band 6: Der Fall Wagner. Göt-
zen-Dämmerung. Der Antichrist. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner. S.253.
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fessur wieder niederlegen und bekam seither eine lebenslange Rente ausgezahlt. Sein weiteres Leben verbrachte er mit der unruhigen Reise durch Europa auf der Suche nach einem seiner Krankheit zuträglichen Klima. In dieser letzten Phase seines Lebens konnte er sich voll und ganz seiner dichterischen und literarischen, aber auch musikalischen Tätigkeit widmen, bis er 1889 aus nicht gänzlich geklärten Gründen in eine geistige Umnachtung fiel, während derer er die letzten elf Jahre seines Lebens bis zu seinem Tode im Jahre 1900 von seiner Mutter und seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935) gepflegt wurde.
Nicht zu Unrecht versteht sich Nietzsche geistig als der große Nachfolger Schopenhauers. Und wenn man natürlich auch sagen muss, dass die Stärke Nietzsches nicht in strenger Argumentation liegt, so ist es doch eine Tatsache, dass seine Theorien einen weit größeren inneren Zusammenhang vorweisen können und weit kohärenter sind als das System Schopenhauers. Äußerst prägend ist für Nietzsche, wie bereits erwähnt, auch das klassische Altertum, wobei hier die Bezeichnung klassisch vielleicht schon irreführend ist, denn die Epoche, die wir in der heutigen Geschichtswissenschaft als die klassische bezeichnen, war für Nietzsche bereits der Niedergang seiner so hochgeschätzten Antike. Sokrates, Platon und die folgenden Schulen sind Nietzsche verhasst, durch sie habe das Christentum überhaupt erst Fuß fassen können. Was Nietzsche hier im Auge hat und worauf er anzuspielen versucht, ist der Wandel des Fokus des frühen griechischen Denkens weg von der Naturphilosophie und hin zur Ethik im 5. Jh.v.Chr.also der Schritt von den Vorsokratikern zu Sokrates und den Sokratikern, und dann natürlich auch zu Platon und den Akademikern. Stark wesensverwandt und in der Ausdrucksweise oft ähnlich scheint Nietzsche hier dem oft dunklen und geheimnisvollen Vorsokratiker Heraklit von Ephesos (6./5. Jh.v.Chr.), dessen dialektisches Weltbild und Weltverständnis er übernommen zu haben scheint, wie wir später auch bei der Behandlung von Nietzsches Naturverständnis sehen werden.
III. Nietzsches Religionskritik
„Bei Nietzsche nimmt die Auseinandersetzung mit der Religion wieder die Gestalt der Kritik an. Aber was jetzt kritisiert wird, ist gerade der metaphysische Gottesgedanke,
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Arbeit zitieren:
Manuel Uth, 2009, Der Antichrist - eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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