Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Verlauf der Berichterstattung deutscher Zeitungen über den Prozess 3
3. Vergleich der beiden Zeitungen 4
3.1. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung 4
3.2 Die Zeit 7
4. Zusammenfassung der Analyseergebnisse 12
5. Fazit 13
6. Quellen - und Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
„An dieser Stelle, an der ich vor Sie trete, Richter in Israel, stehe ich nicht allein. Mit mir treten zu dieser Stunde sechs Millionen Kläger auf. Aber sie können sich nicht mehr erheben. (…). Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Hügeln von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas. (…). Ihre Gräber sind verstreut über alle Länder Europas. (…). In ihrem Namen werde ich die furchtbare Anklage erheben.“ 1
Mit diesen Worten des israelischen Generalstaatsanwalts Gideon Hausner begann im April 1961 der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der in entscheidender Schlüsselrolle für die Ausrottung des jüdischen Volkes im Dritten Reich verantwortlich war. Als Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt war er zwar am direkten Tötungsprozess nicht beteiligt, allerdings organisierte er die Transporte in die Vernichtungslager, arbeitete die Fahrpläne aus und sorgte für die ausreichende Nutzung der Gaskammern. 2 Nach seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst wurde er 1961 vor Gericht gestellt und die ganze Welt schaute zu. 500 Journalisten berichteten vom Prozess, die israelischen Rundfunksender übertrugen wichtige Teile aus dem Gerichtssaal und das Deutsche Fernsehen informierte die Zuschauer nicht nur in den Tagesnachrichten, sondern auch zweimal wöchentlich in Sondersendungen unter dem Titel „Eine Epoche vor Gericht“ über die Geschehnisse in Jerusalem. 3 Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, wie die Verbrechen Adolf Eichmanns und der Prozess gegen ihn in der bundesdeutschen Presse thematisiert wurden. Dazu sollen die Berichterstattungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Zeit genauer untersucht werden, wobei sich die Untersuchung auf den Zeitraum von April bis Juli 1961 konzentriert. Auch soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die deutsche Öffentlichkeit den Prozess nutzte, um die nationalsozialistischen Verbrechen zu verarbeiten. Wurde der Prozess zum Anlass genommen, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen oder forderte man einen „Schlussstrich“? Galt Eichmann als Ausnahme, die nichts mit den Moralvorstellungen des „normalen“ Deutschen gemein hatte oder wurde angenommen, dass sich jeder in seiner Situation und Stellung so verhalten hätte? Wie verlief die Berichterstattung und wo lag ihr zeitlicher Höhepunkt? Welche thematischen Schwerpunkte wurden jeweils gesetzt?
1 Nellessen, Bernd, Der Prozess von Jerusalem: Ein Dokument, Düsseldorf [u.a.] 1964, S. 15.
2 Lang, Jochen von, Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre,
Wien 2001.
3 Lamm, Hans, Der Eichmann-Prozess in der deutschen öffentlichen Meinung. Eine
Dokumentensammlung, Frankfurt am Main 1961, S.71.
2
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist mit einer Auflage von 471.445 Exemplaren 4 die drittälteste überregionale deutsche Tageszeitung und erschien erstmalig am 1.November 1949. Schon von Anfang an gab es bei der FAZ keinen Verleger und keinen Chefredakteur, sondern die Zeitung wird heute noch von fünf gleichberechtigten Herausgebern geleitet. Das Profil der Zeitung beschrieb ein ehemaliger Herausgeber Friedrich Karl Fromme mit den deutschen Nationalfarben „schwarz-rot-gold“. „Schwarz steht für die konservative Politiksicht, Rot für das links tendierende Feuilleton und Gold für das liberale Wirtschaftsverständnis“. 5
Die Wochenzeitung die Zeit erschien zum ersten Mal am 21.Februar 1946 und machte damals durch zahlreiche Attacken gegen die britische Besatzungsmacht auf sich aufmerksam. 6 Mit einer Auflage von 480 000 Exemplaren erscheint sie jeden Donnerstag und wird vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, sowie Josef Joffe und Michael Naumann herausgegeben. 7 Hinsichtlich der Meinungen lässt sich keine einheitliche Linie feststellen, denn gerade die unterschiedlichen Akzente führten zum Erfolg der Zeitung. Sie möchte dem Leser keine Meinung aufdrängen, sondern viele Facetten der Themen darstellen 8 und „(…) ungeschminkt die Wahrheit sagen, auch wenn sie schmerzlich ist und das wird sie leider häufig sein(…) 9 “.
2. Verlauf der Berichterstattung deutscher Zeitungen über den Prozess
Die gesamte Berichterstattung über den Eichmann-Prozess deutscher Zeitungen lässt sich in vier Phasen unterteilen. Die erste Phase begann mit der Nachricht von der spektakulären Festnahme Eichmanns am 23.Mai 1960. In den Wochen und Monaten danach wurde vor allem die Frage diskutiert, wo Eichmann vor Gericht gestellt werden sollte. Die zweite Phase, die wenige Tage vor dem 11.April 1961, dem Tag des Prozessauftaktes, begann und erst nach den Schlussplädoyers im August 1961 endete, soll Mittelpunkt dieser Arbeit sein.
4 nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern
e.V. (IVW), http://www.ivw.eu/index.php, 09.08.2008 [Internet].
5 Stahl, Klaus, Das wichtigste konservative Presseorgan Deutschlands - Die „Frankfurter
Allgemeine Zeitung“, August 2005, Goethe-Institut,
http://www.goethe.de/wis/med/thm/prs/de865965.htm, 09.08.2008 [Internet].
6 Maaßen, Ludwig, Die Zeitung. S.106.
7 ZEIT-Verlag, Das redaktionelle Profil, auf ZEIT - ONLINE,
http://www.zeit.de/zeitverlag/profil_verlag, 09.08.2008 [Internet].
8 Maaßen, Ludwig. Die Zeitung, S.107-109.
9 Die Zeit 1 (1946), S.1.
3
Die dritte Phase erstreckte sich über den Zeitraum vor, während und kurz nach der Urteilsverkündung am 11.Dezember 1961. Die vierte und letzte Phase umfasste die Berufungsverhandlungen im März 1962 bis zur Hinrichtung Eichmanns am 1.Juni 1962. 10 Bei der Analyse des zeitlichen Höhepunktes wird deutlich, dass die deutschen Zeitungen im April 1961 am meisten über den Prozess berichteten, da zu diesem Zeitpunkt die Verhandlung begann und somit ein hohes Informationsbedürfnis seitens der Leser bestand. Nachdem am 14.August 1961 das Hauptverfahren abgeschlossen war, ging auch der Umfang der Berichterstattung zurück. 11 Der in dieser Seminararbeit analysierte Zeitraum von April 1961 bis Juli 1961 liegt somit genau im zeitlichen Höhepunkt der Berichterstattung.
3. Vergleich der beiden Zeitungen
3.1. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte zum Zeitpunkt des Prozesses eine Auflage von 327.000 Exemplaren 12 . Hinsichtlich der zeitlichen Gewichtung der Berichterstattung fügte sie sich nahtlos in das oben vorgestellte Gesamtbild. So berichtete die FAZ im Mai 1961 mit fast 60 Beiträgen am häufigsten über die Gerichtsverhandlung. Im September 1961, also einen Monat nach Ende des Prozesses, lediglich mit zwei Artikeln. 13 Betrachtet man den Untersuchungszeitraum, so wird deutlich, dass die Art der Berichterstattung in zwei Teile aufgeteilt wurde. Zum einen berichtete die FAZ gemäß ihrer Funktion als Tageszeitung in sachlichen Artikeln über das Prozessgeschehen. So thematisierte sie zum Beispiel auch die Stimmen bundesdeutscher Politiker, wie Bundeskanzler Adenauer, wie im Artikel „Adenauer dankt Ben Gurion“ 14 . Zum anderen berichtete der nach Israel entsandte Journalist Joachim Schwelien in sehr ausführlichen Berichten über den Prozess, wobei er nicht nur rein sachliche und informierende Artikel lieferte, sondern auch solche, die sich mit Nebenthemen des Eichmann-Prozesses beschäftigten. So widmete er sich im Artikel „Hinter der Glaswand“ 15 ausführlich der Person Eichmanns, dessen Verstrickung in die Verbrechen und verknüpfte dies mit der Frage nach der Schuld der Deutschen. Grundsätzlich
10 Krause, Peter, Der Eichmann-Prozess in der deutschen Presse, Frankfurt/New York 2002,
S.143-145.
11 Wilke J[ürgen] [u.a.], Holocaust und NS-Prozesse. Die Presseberichterstattung in Israel und
Deutschland zwischen Aneignung und Abwehr, Köln [u.a.] 1995 (Medien in Geschichte und
Gegenwart; Bd.3), S. 75f.
12 Ebenda, S.48.
13 Wilke, S. 192.
14 Adenauer dankt Ben Gurion, in: FAZ (11.April 1961), S.1.
15 Schwelien, Hinter der Glaswand, in: FAZ (11.4.1961), S.3.
4
Arbeit zitieren:
Carolin Gadinger, 2008, Der Eichmann-Prozess im Spiegel der bundesdeutschen Presse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Carolin Gadinger hat einen neuen Text hochgeladen
Beyond Belief: The American Press and the Coming of the Holocaust, 193...
Deborah E. Lipstadt
Operation Eichmann: The Truth about the Pursuit, Capture and Trial
Zvi Aharoni, Wilhelm Dietl, Helmut Bogler
Facing the Glass Booth: The Jerusalem Trial of Adolf Eichmann
Haim Gouri, Alan Mintz, Michael Swirsky
0 Kommentare