PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN II Kurzfassung
Die seit 2007 herrschende Finanzkrise hat eine steigende Anzahl von Krisenunternehmen und Insolvenzen zur Folge. Die vorliegende Arbeit nimmt dieses aktuelle Geschehen zum Anlass, sich der Finanzierungsform des Private Equity zu widmen. Für Krisenunternehmen gilt Private Equity häufig als letzte Möglichkeit zum Erhalt des Unternehmens. Private Equity ist privates, außerbörsliches Kapital, das Unternehmen in der Regel von Private Equity-Gesellschaften zur Verfügung gestellt wird.
Da die Private Equity-Gesellschaft diese Beteiligung, die mit Informations-, Kontroll- und Mitspracherechten verknüpft ist, nur befristet eingeht und ihren Gewinn aus der anschließenden Veräußerung der Beteiligung generiert, wird große Sorgfalt auf die Überprüfung der möglichen Beteiligungsunternehmen gelegt. Diese Überprüfung mit den Besonderheiten bei Krisenunternehmen wird ebenso dargestellt wie die Bewertung des Unternehmens. Verläuft das Auswahlverfahren positiv, folgt die Restrukturierungsphase, in der die Private Equity-Gesellschaft gemeinsam mit allen Interessengruppen des Unternehmens die festgelegten Maßnahmen zur Bewältigung der Krise umsetzt. Je nach Erfolg der Restrukturierung gibt es für die Private Equity-Gesellschaft verschiedene Möglichkeiten zur Beendigung der Beteiligung. Das erklärte Ziel aller Parteien ist hierbei die Veräußerung der Beteiligung zum höchstmöglichen Preis und vor allem die Rückkehr des Krisenunternehmens zur Rentabilität.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN III
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis. VII
1 Einleitung 1
1.1 Anlass und Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit. 1
2 Private Equity. 3
2.1 Definition und Begriffsabgrenzung von Private Equity. 3
2.2 Entwicklungen auf dem Markt für Private Equity 5
2.3 Finanzierungsphasen von Private Equity 9
2.4 Fondsarten des Private Equity Marktes. 13
2.5 Informationsasymmetrien als Grundlage für Private Equity-Gesellschaften. 15
3 Unternehmenskrisen 17
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung 18
3.2 Krisenarten 19
3.3 Krisenursachen 21
3.3.1 Klassifizierung 21
3.3.2 Häufigste Krisenursachen 22
3.3.3 Krisenursachenforschung. 23
3.4 Krisenerkennung. 25
3.4.1 Krisensymptome 25
3.4.2 Möglichkeiten der Krisenerkennung 26
3.4.3 Probleme bei der Krisenerkennung. 28
4 Investitionen im Turnaround. 29
4.1 Definition und Begriffsabgrenzung von Turnaround 29
4.2 Potential von Turnaround Equity 31
4.2.1 Gründe für Turnaround Equity 31
4.2.2 Unterschiede zwischen Turnaround Equity und anderen Finanzierungsarten 37
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN IV
4.3 Prozess des Turnaround-Managements 39
4.4 Beteiligungssuche und -auswahl. 40
4.5 Due Diligence und Unternehmensbewertung im Turnaround. 42
4.5.1 Gegenstand und Probleme der Due Diligence. 42
4.5.2 Unternehmensbewertung 45
4.6 Ausgewählte Elemente der Deal-Strukturierung. 46
4.6.1 Rechtliche Gestaltung 47
4.6.2 Höhe der Beteiligung 48
4.6.3 Finanzierungsinstrumente. 50
4.6.4 Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte. 54
4.7 Restrukturierungsphase 55
4.8 Beendigung der Beteiligung 59
5 Zusammenfassung und Ausblick 62
Literaturverzeichnis. 64
Rechtsquellenverzeichnis 72
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Private Equity und verwandte Finanzierungsarten.
Abb. 2: Jahr des Closings (aktueller Fonds)
Abb. 3: Aktuelles Fundraising der Gesellschaften.
Abb. 4: Aktuelle Fonds nach Phasen
Abb. 5: Herausforderungen für Unternehmen im Jahr 2009.
Abb. 6: Finanzierungsphasen von Private Equity
Abb. 7: Interne und externe Risikofaktoren der einzelnen Finanzierungsphasen.
Abb. 8: Grundstruktur des Fondskonzepts.
Abb. 9: Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.
Abb. 10: Krisentypologisierung
Abb. 11: Entwicklung von Unternehmenskrisen
Abb. 12: Unterteilung der Krisenursachen.
Abb. 13: Besonders gefährdete Branchen (Auszug)
Abb. 14: Insolvenzen 2008 nach Unternehmensalter.
Abb. 15: Beispielhafte Krisensymptome
Abb. 16: Harte und weiche Krisensymptome
Abb. 17: Indikatoren zur Risikofrüherkennung (Jahresabschluss)
Abb. 18: Einflussgrößen in Turnaroundsituationen
Abb. 19: Phasen eines Turnarounds.
Abb. 20: Übersicht der Definitionen von Turnaround und Sanierung.
Abb. 21: Vorteile für Unternehmensbeteiligungen in verschiedenen Krisenstadien
Abb. 22: Unternehmenserwerb im Insolvenzverfahren
Abb. 23: Relevanz der Investitionsmotive
Abb. 24: Ausgewählte Modelle des Turnaround-Prozesses.
Abb. 25: Vermittler von Krisenunternehmen und deren Interessen.
Abb. 26: Beteiligungsauswahl von Turnaround-Investoren
Abb. 27: Dimensionen der Due Diligence
Abb. 28: Ansätze der Unternehmensbewertung.
Abb. 29: Parteien und Interessen der Deal Strukturierung.
Abb. 30: Vergleich zwischen Share Deal und Asset Deal
Abb. 31: Vergleich von Mehrheits- und Minderheitsinvestoren.
Abb. 32: Funktionsweise eines Debt-Equity-Swaps
Abb 33: Gegenüberstellung der Finanzierungsinstrumente
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN
Abb. 34: Vor- und Nachteile des Einstiegs der PE-G
Abb. 35: Fonds nach Betreuungsintensität.
Abb. 36: Möglichkeiten für Quick Wins.
Abb. 37: Restrukturierungsleistungen nach Unternehmensfunktionen.
Abb. 38: Elemente der finanzwirtschaftlichen Restrukturierung.
Abb. 39: Leistungswirtschaftliche Maßnahmen.
Abb 40: Vor- und Nachteile des Going Public
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN VII
Abkürzungsverzeichnis
AO Abgabenordnung AktG Aktiengesetz BGB Bürgerliches Gesetzbuch BGH Bundesgerichtshof BKG Beteiligungskapitalgesellschaft(en) BVK Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband EK Eigenkapital EStG Einkommensteuergesetz EVCA European Private Equity and Venture Capital Association F & E Forschung und Entwicklung GewStG Gewerbesteuergesetz GmbHG Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung HGB Handelsgesetzbuch InsO Insolvenzordnung IPO Initial Public Offering KStG Körperschaftsteuergesetz LBO Leveraged-Buyout MBI Management-Buyin MBO Management-Buyout PE Private Equity PE-G Private Equity-Gesellschaft(en) SM Sofortmaßnahme(n) VC Venture Capital ZIS Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 1
1 Einleitung
1.1 Anlass und Zielsetzung der Arbeit
Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 ist die Zahl der Krisenunternehmen und der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen stark angestiegen. Allein im Jahr 2007 verursachten diese Insolvenzen einen volkswirtschaftlichen Schaden von fast 30 Milliarden Euro. 1 Die Insolvenzzahlen sind nur die „Spitze des Eisberges“, denn die Zahl der Krisenunternehmen liegt deutlich darüber. 2 Daher gewinnt die Sanierung von Krisenunternehmen immer mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung wird durch die vorliegende Arbeit aufgegriffen. Sie widmet sich der Finanzierungsform Private Equity speziell für Krisenunternehmen. Auch wenn Private Equity-Gesellschaften abwertend als „Heuschrecken“ bezeichnet werden, sind sie für viele Krisenunternehmen die letzte Chance. Da Banken den Unternehmen weder die Kreditlinie ausweiten, noch neue Kredite bewilligen, sind diese auf neue Kapitalgeber angewiesen. Die Beurteilung insbesondere von Krisenunternehmen ist komplex. Daher gibt es auf die Sanierung (auch Turnaround genannt) spezialisierte Private Equity-Gesellschaften, die nach sorgfältiger Prüfung des Unternehmens befristet Kapital zur Verfügung stellen. 3 Viele wissenschaftliche Arbeiten widmen sich bereits Private Equity, konzentrieren sich dabei aber überwiegend auf die Wachstumsfinanzierung prosperierender Unternehmen. Die hier vorgestellte Arbeit schildert die Grundlagen von Private Equity und konzentriert sich dann auf die Beweggründe von Private Equity-Gesellschaften, sich auf den Turnaround zu spezialisieren. Der Investitionsprozess einer Private Equity-Gesellschaft wird anschließend unter besonderer Würdigung des Turnarounds geschildert.
Ziel der Arbeit ist daher auch der Vergleich zwischen der Wachstumsfinanzierung und der Beteiligung an einem Krisenunternehmen.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit besteht aus fünf Kapiteln. Das einleitende Kapitel erläutert zunächst Anlass und Zielsetzung der Arbeit und an dieser Stelle deren Aufbau. Das zweite Kapitel widmet sich den Grundlagen von Private Equity und enthält neben der Definition und Begriffsabgrenzung die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt für Private Equity sowie die verschiedenen Phasen von Private Equity und dessen Fondsarten. Es schließt mit der Beschreibung bestehender Informationsasymmetrien als Existenzgrundlage für Private Equity-Gesellschaften.
1 Vgl. Creditreform Wirtschaftsforschung (2008b), S. 21 f.
2 Vgl. Kudla (2005), S. 1. 3 Vgl. z.B. Klockenbrink (2007), S. 59 - 88.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 2
Das dritte Kapitel behandelt Unternehmenskrisen, umfasst deren Definition und erläutert die verschiedenen Krisenarten und ihre Ursachen. Hier erfolgt auch eine Würdigung der Krisenursachenforschung. Anschließend geht es um die Krisenerkennung anhand von Symptomen sowie um die Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieser Erkennung. Das vierte Kapitel bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Es behandelt die Investitionen in Krisenunternehmen. Nach der Definition und Begriffsabgrenzung des Turnarounds folgt die Behandlung des Potentials für Turnaround-Investitionen, was die Beweggründe der Investoren und den Vergleich zu anderen Finanzierungsarten beinhaltet. Nach Erläuterung des Turnaround-Managementprozesses folgt eine Schilderung der einzelnen Schritte. Dies sind Beteiligungssuche und die anschließende Auswahl, Due Diligence als Überprüfung des potentiellen Unternehmens und dessen Bewertung sowie verschiedene Elemente der Strukturierung der Transaktionen. Hier werden auszugsweise die rechtliche Gestaltung, die Höhe der Beteiligung, die möglichen Finanzierungsinstrumente nach Eignung für den Turnaround sowie die Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte behandelt. Anschließend erfolgt die Auseinandersetzung mit der Restrukturierungsphase, in der die abgestimmten Maßnahmen umgesetzt werden. Am Ende steht die Beendigung der eingegangenen Beteiligung mit den verschiedenen Möglichkeiten der Desinvestition. Das fünfte Kapitel fasst die Kernpunkte der Arbeit zusammen, benennt nicht behandelte Aspekte und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung von Turnaround-Investitionen.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 3
2 Private Equity
Die Bedeutung von Beteiligungskapital in der Unternehmensfinanzierung hat in den letzten Jahren zugenommen. Häufig wird das Beteiligungskapital „Private Equity“ (PE) oder „Venture Capital“ (VC) genannt. 4 Da der Begriff Private Equity in Theorie und Praxis unterschiedlich weit gefasst wird, 5 wird im folgenden Unterkapitel der Begriff anhand von mehreren Beispielen eingeordnet.
2.1 Definition und Begriffsabgrenzung von Private Equity
Im deutschsprachigen Raum nannte man Unternehmen, die außerbörsliches Eigenkapital zur Verfügung stellen, in der Vergangenheit Kapitalbeteiligungsgesellschaften. 6 Die Refinanzierung dieser Gesellschaften erfolgt in Form von Fonds 7 über Kreditinstitute, Versicherungen, Pensionsfonds oder Großunternehmen. 8 Erst in den 1990er Jahren kam die internationale Bezeichnung Private Equity auf. 9
Die EUROPEAN PRIVATE EQUITY AND VENTURE CAPITAL ASSOCIATION (EVCA) gibt eine anerkannte Definition 10 für Private Equity:
„Private equity provides equity capital to enterprises not quoted on a stock market. Private equity can be used to develop new products and technologies (also called venture capital), to expand working capital, to make acquisitions, or to strengthen a company’s balance sheet. It can also resolve ownership and management issues. A succession in family-owned companies, or the buyout and buyin of a business by experienced managers may be achieved by using private equity funding.“ 11
Gemäß dieser Definition handelt es sich bei Private Equity um Investitionen in Gesellschaften, die nicht an der Börse notiert sind. Da diese Definition nur Anlässe für eine Finanzierung nennt, ist damit noch keine Abgrenzung zu anderen Arten der Finanzierung möglich. Hierfür eignet sich die folgende Definition von BADER: 12
4 Vgl. Eckhoff (2007), S. 6.
5 Vgl. Klockenbrink (2007), S. 63. 6 Vgl. Maurenbrecher (2008), S. 51.
7 Die Grundstruktur des Private Equity-Fonds wird in Kapitel 2.4 erläutert. 8 Vgl. Kucher (2006), S. 22. 9 Vgl. Maurenbrecher (2008), S. 51. 10 Vgl. z.B. Kraft (2001), S. 32. 11 Vgl. EVCA (2009), o.S. 12 Vgl. Kraft (2001), S. 32.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 4
„Private Equity ist eine Finanzierungsart, bei welcher nicht kotierten Unternehmen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung, ohne ausreichende Sicherheiten, mittelbis langfristig Kapital und, bei Bedarf, Managementunterstützung zur Verfügung gestellt wird. Zur Realisierung eines dem Risiko entsprechenden Gewinnes besteht von vornherein die Absicht, die Beteiligung wieder zu veräussern.“ 13
Von besonderer Wichtigkeit für die Definition ist das Fehlen von Sicherheiten. 14 Ein Unternehmen mit ausreichend freien Sicherheiten wird einen Bankkredit aufnehmen, statt sich Private Equity zu bedienen. 15 In der Finanzkrise sind die Finanzierungskosten wegen der restriktiven Kreditvergabe durch Banken jedoch allgemein gestiegen. 16 Die zweite Definition von BADER beinhaltet darüber hinaus auch Finanzierungsformen, die Fremdkapitalbestandteile umfassen. Dies sind durch Fremdkapital finanzierte Buyouts, Restrukturierungen und Quasi Entity oder hybride Finanzierungsinstrumente, die Charakteristika von Eigen- und Fremdkapital aufweisen. 17 Dieser Zusammenhang wird in Abbildung 1 verdeutlicht.
13 Vgl. Bader (1996), S. 10.
14 Vgl. auch Kapitel 4.2.2 zum Fehlen der Sicherheiten. 15 Vgl. Bader (1996), S. 11. 16 Vgl. Ernst & Young Global Limited (2009), S. 1. 17 Vgl. Eckhoff (2007), S. 7. 18 Abbildung in Anlehnung an Bader (1996), S. 9.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 5
Für die Bereitstellung von Private Equity sind Laufzeiten von drei bis sieben Jahren charakteristisch. Mit der Einlage verknüpft sind häufig Kontroll-, Informations- und Entscheidungsrechte. 19 Zusätzlich können Management- und Beratungsleistungen erfolgen. Die häufigste Form der Beteiligung ist die Minderheitsbeteiligung. Mehrheitsbeteiligungen kommen vor allem in speziellen Finanzierungssituationen oder bei einem Wechsel der Gesellschafter vor. 20
Um bei der Beendigung der Beteiligung Kapitalgewinne zu erzielen, gibt es während der Laufzeit selten feste Verpflichtungen zur Zins- oder Rückzahlung. 21 Der Begriff Private Equity ist von einer Beteiligung durch strategische Investoren abzugrenzen. Diese Investoren sind häufig Konzerne, die längerfristige Engagements suchen, um Synergieeffekte zu erzielen oder neue Märkte zu erschließen. 22 Nachdem der Terminus Private Equity definiert und abgegrenzt worden ist, bietet das nächste Unterkapitel einen Überblick über die Entwicklung des Private Equity Marktes, wobei ein Schwerpunkt auf die Entwicklung in Deutschland gelegt wird.
2.2 Entwicklungen auf dem Markt für Private Equity
An dieser Stelle wird anhand von Statistiken des BUNDESVERBANDES DEUTSCHER KAPITALBETEILIGUNGSGESELLSCHAFTEN E.V. (BVK) ein Überblick über die jüngeren Entwicklungen auf dem Markt für Beteiligungskapital gegeben.
Für deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften war 2007 beim unabhängigen Fundraising (Kapitalakquisition) das erfolgreichste Jahr seit 2000. 23 Aufgrund des weltweiten Aufschwungs auf dem Markt für Private Equity konnten deutsche Beteiligungsgesellschaften 4.246 Mio. EUR von externen Investoren vereinnahmen. Die beginnende Finanz- und Wirtschaftskrise trug dazu bei, dass dieser Wert 2008 auf 1.289 Mio. EUR sank. Neben der in der Krise begründeten Zurückhaltung der Investoren im Bereich Private Equity kam hinzu, dass viele Gesellschaften ihre Fonds bereits zwischen 2005 und 2007 geschlossen haben (vgl. Abbildung 2) und sie daher 2008 das Fundraising weniger aktiv betrieben. 24
19 Vgl. Portisch (2009), S. 36 und Kapitel 4.6.4 zu Informations-, Kontroll- und Mitspracherechten. 20 Vgl. Eckhoff (2007), S. 8. 21 Vgl. Eckhoff (2007), S. 8. 22 Vgl. Klockenbrink (2007), S. 63.
23 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2008), S. 1. 24 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 3.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 6
Von den im zweiten Quartal 2009 durch deutsche Beteiligungsgesellschaften investierten 293 Mio. EUR flossen 186 Mio. EUR in deutsche Unternehmen und 107 Mio. EUR in ausländische Unternehmen. Von einem Investitionseinbruch ausgehend (332 Mio. EUR im ersten Quartal 2009), ist dies ein weiteres Minus im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr (1.337 Mio. EUR). Zu dem durch deutsche Beteiligungsgesellschaften in deutsche Unternehmen investierten Betrag kamen im zweiten Quartal 2009 94 Mio. EUR von ausländischen Unternehmen. Dies ist ein Rückgang von 88 % zum Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der finanzierten Unternehmen ist rückläufig. Im zweiten Quartal 2008 waren es 490 Unternehmen, 310 Unternehmen wurden im ersten Quartal 2009 finanziert und 298 im zweiten Quartal. Die Turnaround-Investitionen (vgl. Kapitel 4) sind hierbei auf niedrigem Niveau leicht angestiegen. 26 International werden seit Ausbruch der Finanzkrise historisch niedrige PE-Aktivitäten verzeichnet. 27
Abbildung 3 zeigt die aktuelle Fundraising-Planung der Gesellschaften. Die nachfolgenden Ausführungen belegen, dass die zukünftigen Aktivitäten der Gesellschaften im Bereich Fundraising mit der Prognose des Endes der Finanzkrise zusammenhängen. 28
25 In Anlehnung an Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 6. 26 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009a), S. 3. 27 Vgl. Ernst & Young GmbH (2009), S. 9.
28 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 7.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 7
Von den 30 Gesellschaften der Kategorie „nicht geplant / nicht notwendig“ haben acht bereits mit dem Fundraising begonnen. Drei planten zum Umfragezeitpunkt den Start ihres Fundraisings im ersten Halbjahr 2009, fünf im zweiten Halbjahr 2009 und 14 planen ihn erst für 2010. 30 Die Verteilung der Fonds auf die verschiedenen Finanzierungsphasen (vgl. Kapitel 2.3) ist in der folgenden Abbildung 4 aufgeführt.
Die schwierigen Zeiten der Finanzkrise werden auch durch die geringen Verkaufsaktivitäten der Beteiligungsgesellschaften belegt. So fiel das Exit-Volumen (vgl. Kapitel 4.8) von 855 Mio. EUR im Vorjahresquartal und 207 Mio. EUR im ersten Quartal 2009 auf 177 Mio. EUR
29 In Anlehnung an Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 7. 30 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 7. 31 In Anlehnung an Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 8.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 8
im zweiten Quartal 2009. Den größten Anteil am geringen Volumen hatten mit 53 % die Totalverluste und Trade Sales (20 %). 32
Aktuell ist die Stimmung in der PE-Branche angespannt, da viele Investoren eine Umschuldung der Kredite ihrer Portfoliounternehmen vornehmen müssen. Dies ist bei der Automobilbranche angehörigen Unternehmen zum Großteil geschehen. Nun widmen sich die Verhandlungen der Investoren primär der Chemie- und Baubranche. 33 Einen Grund für Hoffnung in der Branche bringt die neu gewählte Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP, die bessere Rahmenbedingungen für Private Equity schaffen will. 34 Die Steigerung der PE-Investitionen im dritten Quartal 2009 auf 837 Mio. EUR, die über den kumulierten Werten der beiden Vorquartale liegen (619 Mio. EUR), zeigen bereits eine erste Erholung der Branche. 35
Bevor in Kapitel 2.3 die Finanzierungsphasen von Private Equity erläutert werden, schließt das vorliegende Kapitel mit den aktuellen Herausforderungen von PE-finanzierten Unternehmen.
Die Finanzierung bleibt für die Unternehmen das zentrale Thema. Das restriktive Verhalten der Banken und die damit einhergehenden schlechteren Konditionen sind für die Beteiligungsgesellschaften das größte Problem. 36 Die wichtigsten Herausforderungen im Jahr 2009 zeigt abschließend nach Bedeutung Abbildung 5.
32 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009a), S. 3. 33 Vgl. Landgraf (2009), S. 22. 34 Vgl. Drost (2009a), S. 5. 35 Vgl. Drost (2009b), S. 6.
36 Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 16.
PRIVATE EQUITY FÜR KRISENUNTERNEHMEN 9
2.3 Finanzierungsphasen von Private Equity
Die Unternehmensfinanzierung ist ein komplexer Prozess, dessen Phasen schwer abgrenzbar sind. 38 Die Einteilung und deren Abgrenzungskriterien werden in den verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten unterschiedlich angewendet, 39 so dass die Vergleichbarkeit kaum gegeben ist. Ältere Einteilungen orientierten sich am Geschäft mit Venture Capital der 70er und 80er Jahre, während spätere Einteilungen auch das Beteiligungsgeschäft an gereiften
37 In Anlehnung an Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (2009b), S. 16. 38 Vgl. Eckhoff (2007), S. 16.
39 Vgl. z.B. Ruhnka / Young (1987), S. 167 - 184; Maurenbrecher (2008), S. 61 - 64.
Arbeit zitieren:
Katharina Baack, 2009, Private Equity für Krisenunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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