ein Großteil der Sophisten, zu befragen, um von Ihnen zu lernen. Somit beginnt
die bekannteste Philosophie des Sokrates, in der nur der Mensch im Mittelpunkt
steht, die Mäeutik. Die „Hebammenkunst“, wie die Mäeutik auch genannt wird,
höchstwahrscheinlich in Anlehnung an und geprägt durch seine Mutter, befähigt
Sokrates als Helfer, nicht als Lehrer, Menschen von ihrem so glauben sie
Wissen, was im eigentlichen ein Scheinwissen darstellt, mit Hilfe des Logos, der
Vernunft bzw. dem Verstand, zu einer Aporie zu führen, einem Zustand des
„Nichtwissens“. Das ist der erste Teil seiner Methode der Mäeutik, die Elenktik
oder „Überführungskunst“. Genauer gesagt wird die Ansichtsweise des
Diskussionspartners ermittelt bzw. kenntlich gemacht und somit auch die damit
verbundene Unwissenheit. Hier sollte nun bereits auch die Erkenntnissuche
beginnen. Im zweiten Teil, die Protreptik oder auch als „Kunst der Hinwendung“
verstanden, hilft Sokrates seinem Gegenüber aus dieser Aporie wieder heraus,
mit dem Ziel ihn zur Selbsterkenntnis zu führen. Sokrates tut dies nur mit Hilfe
gezielter und wohl überlegter Fragen, ohne selbst Aussagen zu treffen. Ganz
nach dem Grundmotto der Mäeutik: „Erkenne dich selbst.“ Durch das Vorgeben
von Unwissenheit animiert er seine Gesprächspartner nicht nur zur
Selbsterkenntnis, sondern sie haben gar keine andere Möglichkeit, um
Erkenntnis zu erlangen. Die Gespräche werden auch „Sokratischer Dialog“
genannt, da Sokrates seine Mäeutik nur in Dialogen angewendet haben soll.
Ein Beispiel aus „Erinnerung an Sokrates“ von Xenophon, der Sophist Antiphon
erzählt Sokrates seine Auffassung von Glück, welche auf materiellem
Wohlstand beruht, wie zum Beispiel reichhaltiges Essen, ordentliche Kleidung
und Schuhwerk. Er erklärt ihm warum Sokrates kein glücklicher Mensch sein
kann, da er weder materiellen Wohlstand besitzt, noch ihn anstrebt und noch
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nicht einmal darauf wert legt. Im weiteren Verlauf befragt Sokrates Antiphon,
welche seiner Tätigkeiten er aufgrund des Mangels an Geld, ordentlicher
Kleidung und teurem Essen, nicht ausführen könnte. Nun sollte sich Antiphon in
der Aporie befinden, worauf im Text allerdings nicht hingewiesen wird. Danach
wird Antiphon durch Sokrates zur Erkenntnis geführt, indem er gefragt wird, was
denn wäre, wenn er keinen materiellen Wohlstand mehr besitzen würde. Die
Erkenntnis, was wiederum im Text nicht deutlich wird, daraus ist, dass Sokrates
immer glücklich ist, da er nichts zu verlieren hat und sich schon jetzt auf das
„Schlimmste“ vorbereitet, Antiphon hingegen ist nur glücklich, solange sein
Reichtum besteht. Somit sollte Antiphon zu der Erkenntnis gelangen, dass alles
Materielle vergänglich ist. Da Antiphon jedoch, laut Xenophons Text, mehrmals
mit Sokrates sprach und die Dialoge sich meist mit materiellen Gütern
befassten, kam die wahre Erkenntnis bei Antiphon entweder nie oder sehr spät.
Wahrscheinlich weil er noch nicht dazu bereit war und nur kam, um Sokrates zu
denunzieren, nicht um von ihm zu lernen. Der Autor des Textes weist am Ende
noch darauf hin, dass er Sokrates sehr wohl für einen glücklichen Menschen
hält, dies wird im weiteren Textverlauf noch erörtert.
Nun kann man auch verstehen, warum die Methode von Sokrates
„Hebammenkunst“ genannt wird. Er „befruchtet“ einen „leeren Geist“, es
entsteht daraus eine Idee oder ein Gedanke, welcher weiter genährt wird. Und
am Ende führt er den fertigen genährten Gedanken zur wahren Erkenntnis,
welche sozusagen aus dem Nichts geboren wurde. Diese wahre Erkenntnis
führt jeden moralisch denkenden Menschen, was Sokrates definitiv war und
wofür er jeden Menschen, der zu diesem Vorgang fähig ist, gehalten haben
muss, zum Wissen um das „Gute“ und dieses Wissen befähigt uns dazu
Seite 3
Arbeit zitieren:
Sven Häntzschel, 2010, Sokrates, München, GRIN Verlag GmbH
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