veraltete, aber dennoch sehr interessante Werk „Abenteuer Internet“ von Heinz Moser. 3 Dieses Buch allein bot bereits alle für den Rahmen dieser Arbeit notwendigen Einblicke in die Methode der WebQuests. Nichtsdestotrotz waren auch die im Internet recherchierbare Arbeit von Bernie Dodge und Tom March, sowie die Zeitschrift Computer + Unterricht, die sich ausschließlich mit neuen Medien in der Schule beschäftigt, mehr als einen Blick wert. Auch die deutsche Webseite lehrer-online.de und der Internetauftritt von Reinhard Donath, erreichbar unter http://www.englisch.schule.de/www.htm boten vielseitige Informationen, auch wenn nicht alle davon in meine Literatur eingegangen sind.
2. Neue Medien und Medienkompetenz
Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich zunächst über die neuen Medien nachdenken, die in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Eingang in unsere Schulen erhalten haben. Zuerst werde ich kurz definieren, was unter traditionellen und neuen Medien zu verstehen ist. Anschließend soll besprochen werden, was Medienkompetenz ist, und weshalb die Schüler diese Kompetenz im Unterricht lernen müssen. Diese Kompetenz ist gerade im Geschichtsunterricht wichtig, nicht umsonst fordern die Kultusministerkonferenz „die eindringliche Auseinandersetzung mit Potenzialen und Gefahren des Internets.“ 4 Diese Auseinandersetzung ist wichtig, denn, wie Uta Hartwig auf lehrer-online.de feststellt: „Gerade für das Unterrichtsfach Geschichte bietet das Internet umfassende Informationen und Quellen, die über die Inhalte des Geschichtsbuchs weit hinausgehen. Bei der Recherche stellen die Fülle und die Qualität dieser Informationen allerdings nicht selten ein Problem dar.“ 5
2.1 Neue und traditionelle Medien
In der Schule, wie auch im richtigen Leben, geht es um den Umgang mit Medien. Es geht darum ein Medium richtig zu deuten und zu nutzen. Zunächst soll der Begriff des Mediums, wie er in der vorliegenden Arbeit verwendet wird, kurz definiert werden. Ein Medium ist ein Träger von Informationen, aus denen bei richtiger Nutzung des Medium Erkenntnis gewonnen werden kann. Dabei unterscheide ich - vor meinem schulischen Hintergrundzwischen traditionellen und neuen Medien. Die traditionellen Medien sind diejenigen, die
3 Heinz Moser, Abenteuer Internet. Lernen mit WebQuests. Zürich 2000
4 Alexander König, Abenteuer Bildungsstandards. WebQuests und Geschichtsunterricht. In: Computer +
Unterricht, Heft 67 (2007), S. 16.
5 Uta Hartwig, WebQuests im Geschichtsunterricht, http://www.lehrer-online.de/geschichts-webquests.php,
aufgerufen am 12.01.2010
2
jeder seit seiner eigenen Schulzeit aus dem Unterricht kennt, also Bücher aller Art, Bilder, Arbeitsblätter, Film- und Fernsehen, auch Sprachlabore sowie verschiedene Presseprodukte wie Zeitschriften, Magazine und Zeitungen. Diese Medien sind aus didaktischer Sicht nicht neu, denn es gibt bereits seit längerer Zeit wissenschaftlich entwickelte Methoden, mit denen man diese Medien gewinnbringend im Unterricht einsetzen kann.
Aus dieser Definition der traditionellen Medien folgend, verstehe ich unter den neuen Medien diejenigen, die die Mikroprozessortechnologie nutzen, also den Computer und als neuestes Medium, das Internet. Dabei ist „das Besondere an den so genannten „neuen Medien“: Sie transportieren ihre Daten in digitaler Form und sind damit - eigentlich - problemlos transferier-, integrier- und speicherbar.“ 6 Der Computer und die CD-ROM sind seit Anfang der 90er Jahre auf dem Vormarsch in unseren Haushalten, Büros und Schulen; das Internet seit Mitte der Neunziger.
Direkt aus der Tatsache, dass diese neuen Medien nun seit zehn bis 15 Jahren zum Alltag gehören, entsteht die Frage, was man denn nun konkret mit ihnen anfangen soll. Mit den traditionellen Medien sind Lehrer wie Schüler schon vom Beginn ihrer eigenen Schulzeit an vertraut, und es gibt kaum Zweifel darüber, wie man denn nun zum Beispiel mit einem Schulbuch didaktisch umgehen soll, schließlich ist dieses sogar eigens für den Gebrauch in der Schule entwickelt worden. Das Internet, denn hierum soll es ja in dieser Arbeit hauptsächlich gehen, ist ein Medium, das sich der Kontrolle durch eine einzige Instanz von außen beinahe völlig entzieht. Heinz Moser schreibt dazu, es sei „davon auszugehen, dass das World Wide Web einen riesigen Wissensspeicher darstellt, der nicht nach pädagogischen Kriterien strukturiert ist.“ 7 Es ist ein Netzwerk, in dem jeder so gut wie alles hineinstellen kann, ohne unmittelbare Kritik oder Zensur fürchten zu müssen. Deshalb kommen fast alle Informationen, die aus dem World Wide Web stammen, einfach so daher, und haben keine Kritik, und schon gar keine didaktische Aufbereitung erfahren. Daher ist es unverantwortlich, einen Schüler einfach so nach fachlichen Informationen im Netz suchen zu lassen. Die Schüler müssen, und das ist nicht erst seit dem Einzug der neuen Medien so, die Fähigkeit erwerben, den Inhalt der Medien, die sie nutzen, kritisch zu hinterfragen und zu bewerten. Die Realität sieht allerdings leider anders aus. Wie Danker und Schwabe in Geschichte und Unterricht festhalten: „Begleitete und kontrollierte schulische Nutzung des Internets spielt in
6 Stefan Aufenanger, E-Learning in der Schule. Chance oder Bedrohung? In: Computer + Unterricht, Heft 62
(2006) S. 6.
7 Moser, S.15.
3
der Praxis nur eine Randrolle: Recherchen und historisches Lernen mit dem Medium Internet finden stark überwiegend selbstständig, ungesteuert, unkontrolliert, ja anarchisch statt.“ 8 Das Schlagwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, lautet Medienkompetenz, und darauf soll sich der folgende Abschnitt beziehen. Hierbei soll dargestellt werden, was unter Medienkompetenz zu verstehen ist, und worin die Gefahren bei einem Mangel an dieser Qualifikation bestehen.
2.2 Medienkompetenz
Den richtigen Umgang mit Medien zu lernen ist eine der wichtigsten Qualifikationen unserer Zeit. In den Berufen der Zukunft ist das Beherrschen dieser Fähigkeit von größter Wichtigkeit, und das gilt nicht nur für Journalisten, Lehrer und Professoren, sondern zieht sich mittlerweile beinahe alle Bereiche, vom Schreinermeister, der die Angebote für Rohmaterial bewerten können muss, bis hin zum Betriebsleiter, der wissen muss, wer den Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung verfasst hat. Im Bereich der Medienpädagogik gibt es, wie Kron und Sofos festhalten, „kaum aktuelle Veröffentlichungen, in denen nicht von Medienkompetenz die Rede ist. Dabei wird Medienkompetenz als eine zentrale Qualifikation für alle angesehen, die in Lern- und Lehrprozessen aktiv sind.“ 9 Diese Kompetenz ist gerade im Geschichtsunterricht wichtig, nicht umsonst fordern die Kultusministerkonferenz „die eindringliche Auseinandersetzung mit Potenzialen und Gefahren des Internets.“ 10 Nach Stefan Schuch lassen sich fünf Hauptziele dafür anführen: „1. Beherrschen von Suchstrategien, 2. Strukturieren und Bewerten von Informationen, 3. Aufbereitung und Präsentation der Informationen, 4. Erwerb von Grundwissen über das Medium [und] 5. Kritische Reflexion des Mediums.“ 11
Medienkompetenz bekommen wir alle in die Wiege gelegt. Kron und Sofos schreiben zu diesem Thema: „Jeder Mensch bildet von Geburt an seine individuelle Medienkompetenz heraus, insofern er in und mit Medien jeder Art zu handeln und zu denken lernt. Diese sog. funktionale Medienkompetenz wird in Sozialisations- und Enkulturationsprozessen gelernt.“ Und weiter „erwerben [diese] alle Menschen, die in modernen Gesellschaften dem Einfluss Neuer Medien ausgesetzt sind.“ 12
8 Uwe Danker, Astrid Schwabe, Historisches Lernen im Internet. Zur normativen Aufgabe der
Geschichtsdidaktik. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Heft 1 (2007), S. 4.
9 Kron/Sofos, S. 57.
10 König, S. 16.
11 Stefan Schuch, Internetrecherche im Geschichtsunterricht. In: Geschichte lernen, Heft 89 (2002), S.34.
12 Kron/Sofos, S. 70.
4
Es geht also nicht darum, den Schülern die Medien an sich nahe zu bringen, sondern darum, ihre Medienkompetenz in die richtigen, kritisch hinterfragenden Bahnen zu lenken. Daran hat die Schule ohne Zweifel einen großen Anteil, was man auch daran sehen kann, dass es bei der Lehrplandiskussion über Medienerziehung und informationstechnische Grundbildung „eine reflektierte und verantwortungsbewusste Mediennutzung in verschiedenen Richtlinien und Lehrplänen aller Bundesländer als wichtigstes Ziel von Unterricht und Schule anerkannt ist.“ 13
Auch Heinz Moser ist der Ansicht, dass Medienkompetenzen „Schlüsselqualifikationen für die Zukunft“ darstellen, und es eine Aufgabe der Schulen ist, diese zu entwickeln und zu fördern. 14 In seinem Werk „Abenteuer Internet. Lernen mit WebQuests“, dass bereits im Jahr 2000 erschienen ist, geht der Pädagoge auch auf die Chancenungleichheit bezüglich des Zuganges verschiedener Schüler zu Computer und Internet ein. 15 Heute, im Jahr 2010, können diese Bedenken allerdings meiner Meinung nach vernachlässigt werden, denn es ist mittlerweile kaum mehr vorstellbar, dass ein Schüler überhaupt keinen Zugang zu PC und Internet hat. 16 Sicherlich gibt es Unterschiede in Qualität, Leistung und Nutzungszeit, aber PCs und Internet Flatrates sind heutzutage für jeden erschwinglich, die meisten Schulen sind mit der entsprechenden technischen Ausstattung ausgerüstet, daher wird dieser Aspekt in der vorliegenden Arbeit nicht weiter beachtet.
Moser gliedert Medienkompetenz in verschiedene Teilaspekte und fasst die Ergebnisse aus seinem Werk „Einführung in die Medienpädagogik“ folgendermaßen zusammen. Medienkompetenz besteht aus technischer Kompetenz, etwa dem Navigieren im Netz oder der Kenntnis von Fachausdrücken, und aus kultureller Kompetenz, zum Beispiel der Beachtung von „Netiquetten“ und dem Bewusstsein des multikulturellen Charakters des Internets. Dazu kommen soziale Kompetenzen, das heißt eine gewisse Sensibilität für die Kommunikation in der Anonymität des World Wide Web oder die Teilnahme an Online Lernplattformen oder Aktivitäten in Chatrooms. Zuletzt folgen reflexive Fähigkeiten; der Nutzer soll also in der Lage sein, sich mit den Inhalten des Internets kritisch auseinander zu setzen und die Kosten und Nutzen seiner eigenen Netzaktivitäten zu bilanzieren. 17 Aus den hier angeführten Aspekten kann man folgern, dass die Fähigkeit zur Nutzung von Medien, insbesondere des Internets äußerst wichtig ist, denn sollten diese Qualifikationen
13 Tulodziecki, S. 18.
14 Moser, S. 12.
15 Moser, S.13.
16 Laut der JIM-Studie von 2009 haben 98% der Gymnasiasten einen Internetzugang.
http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf09/JIM-Studie2009.pdf, aufgerufen am 11.01.2009.
17 Moser, S. 14.
5
nicht erworben werden, so läuft der Lernende Gefahr zu verkennen, dass das Internet als Informationsquelle und Lehrmittelquelle nicht ganz unproblematisch ist. Deswegen ist der letzte Punkt meiner Gedanken über Medien und Medienkompetenzen, der Kritik, aber auch der Besonderheit der beinahe unerschöpflichen Informationsquelle Internet gewidmet.
2.3 Kritik und Chancen des Mediums Internet
Wie Stefan Aufenanger in seinem Artikel „Medienkritik. Alte und neue Medien unter der Lupe“ in „Computer + Unterricht“ festgestellt hat, galten Medien „immer schon als Vermittler der Welt und damit auch als - oft einseitige - Interpreten derselben.“ 18 Medien müssen also unter die Lupe genommen werden um festzustellen, ob die Urheber ihre Rezipienten lediglich informieren wollen, oder ob sie persönlichen Perspektiven oder gar (gefährlichen?) Ideologien verpflichtet sind und daher „muss die Vermittlung bzw. Ermöglichung von Medienkritik als eine wichtige Aufgabe schulischer Medienerziehung unterstützt werden.“ 19 So ist es heute in den schulischen Lehrplänen seit langem Standard, mit den Schülern die ideologischen Ausrichtungen aus Zeitungen oder Fernsehsendungen zu analysieren. 20
Im Bezug auf Medienkritik als wichtigem Bestandteil der Medienkompetenz, fasst Tulodziecki schon 1996 folgendermaßen zusammen:
In der Medienerziehung erfolgt eine Thematisierung der Medien als Gegenstand des Unterrichts,
und zwar hinsichtlich ihrer Wirkungen, ihrer Aussagen, ihrer Verwendung, ihrer Gestaltung sowie
ihrer Produktions- und Verbreitungsbedingungen im gesellschaftlichen Kontext. Ziel ist es,
Kindern und Jugendlichen einen sachgerechten, selbstbestimmten, kreativen und
sozialverantwortlichen Umgang mit Medien zu ermöglichen. Auch in der Medienerziehung
werden neben Printmedien und audiovisuellen Medien zunehmend computerbasierte Medien
behandelt. 21
Diese Aussage hat sich im Internetzeitalter in den letzten Jahren nur noch mehr bewahrheitet, denn noch mehr als bei Zeitungen und Fernsehen, ist bei der „offenen“ Ressource Internet Vorsicht geboten. Schließlich ist das Netz voll von verschiedensten Seiten, bei denen es Ungeübten äußerst schwer fällt, die Urheber, beziehungsweise die dahinter stehenden Absichten zu erkennen. Als Beispiel hierfür sei auf den Artikel „Rechts im Netz. Kritischer Umgang mit dem Internet“, den Martin Sachse in „Geschichte lernen“ veröffentlicht hat, hingewiesen. Dort spricht der Autor davon, dass auch Rechtsradikale, „zunehmend von pseudowissenschaftlichen Institutionen unterstützt“, das Internet zur Verbreitung ihres
18 Aufenager, Medienkritik. Alte und neue Medien unter der Lupe. In: Computer + Unterricht, 64/2006, S.6
19 Ebenda.
20 Ebenda.
21 Tulodziecki, S.13.
6
Arbeit zitieren:
Florian Widmann, 2010, WebQuests - Eine neue Möglichkeit zum Unterricht mit neuen Medien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Einsatz von Neuen Medien in der Schule am Beispiel des WebQuest-Mo...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
WebQuests als Lernmöglichkeiten im Geschichtsunterricht
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Zum didaktischen und methodisc...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Klimaklassifikation im Überblick
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Seminararbeit, 56 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Referat / Aufsatz (Schule), 10 Seiten
Vulkanismus am Beispiel des Mount St. Helens
Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde
Examensarbeit, 21 Seiten
Rahmenbedingungen für den Wiederaufbau der Industrie nach dem 2. Weltk...
Vergleich zwischen Ost- und We...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit, 17 Seiten
Vulkanismus - Gefahren und Nutzen für Mensch und Natur
Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Erinnerung und Gedächtnis: Die Konzepte von Halbwachs, Assmann & C...
Hausarbeit, 29 Seiten
Möglichkeiten und Beeinträchtigungen der Kooperation zwischen Eltern u...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Rekonstruktion und Bewertung v...
Hausarbeit, 26 Seiten
Bildung im Spiegel: Pädagogik und die Medien aus Sicht der Psychoanaly...
Hausarbeit, 17 Seiten
Das Ruhrgebiet von 1945 bis heute
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 14 Seiten
Florian Widmann hat einen neuen Text hochgeladen
Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments 2. Neues Testament
Register der biblischen Gattun...
Klaus Berger, Horst Dietrich Preuß
Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik
Zeitgemäße Allgemeinbildung un...
Wolfgang Klafki
0 Kommentare