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Fehleranalyse im Englischunterricht

Title: Fehleranalyse im Englischunterricht

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anja Schmidt (Author)

Didactics for the subject English - Pedagogy, Literature Studies
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Summary Excerpt Details

Fehler sind die Stiefkinder des Sprachunterrichts. Möglichst vermieden, von den
Schülerinnen1 als Stigma empfunden und im Korrekturvorgang durch die Lehrenden mit
leichter Hand durch „Richtiges“ ersetzt, führen sie ein Schattendasein im
Unterrichtsgeschehen, sind aber dennoch daraus nicht wegzudenken.
Gerade weil Fehler dem Lernprozess immanent sind, lohnt es sich, sie nicht zu ignorieren
sondern zu überprüfen, welche Rolle sie beim Lernen spielen.
Hierbei gilt es aber eine ontologische Schwierigkeit zu beachten: Fehler können prinzipiell
bei jeder Schülerinnenhandlung, d.h. sowohl bei rezeptiven (Lesen, Hören) als auch bei
produktiven (Sprechen, Schreiben) Tätigkeiten auftauchen. Sind die Fehler bei letzteren im
Produkt offenbar, lassen sich die Fehler beim Lese- oder Hörverstehen jedoch ungleich
schwieriger beobachten. Die Fehleranalyse konzentriert sich demnach zwangsläufig mehr auf
die von den Schülerinnen geschriebenen oder gesprochenen Produkte.
Was ist nun der mögliche Ertrag, den eine Fehleranalyse bringen kann?
Ellis und Barkhuizen nennen in Anlehnung an Corder die folgenden drei Punkte:
Erstens erfüllt sie einen pädagogischen Zweck2, indem die Unterrichtenden über die
Fehleranalyse herausfinden können, mit welchen Aspekten der Zielsprache die Schülerinnen
noch Schwierigkeiten haben. Zweitens kann ein Forschungszweck3 erzielt werden. Mithilfe
der Daten aus der Fehleranalyse können Erkenntnisse zum Zweitspracherwerb gewonnen
werden. Außerdem kann, drittens, ein Lernzweck4 erreicht werden. Dies ist dann der Fall,
wenn die Schülerinnen über die Analyse von Fehlern die Regeln der Zielsprache entdecken.
Da für Pädagogen nicht alle Ziele der Fehleranalyse gleich relevant sind, werden im
Folgenden besonders die pragmatischen Gesichtspunkte dieser Methode beleuchtet werden,
die für die Planung und Durchführung von Unterricht eine Rolle spielen.

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1 Die Personenbezeichnungen feminin plural bezeichnen selbstverständlich auch die zur genannten Gruppe
gehörenden Maskulina. Die Schreibweise im feminin Plural vermeidet lediglich graphemisch unbeholfene
Konstuktruktionen wie „SchülerInnen“, wo phonetisch kein Unterschied zu hören wäre.
2 „paedagogic purpose“ (in dieser Arbeit meine Übersetzungen) aus: Rod Ellis, Gerry Barkhuizen: Analyzing
Learner Language. Oxford 2005, S.51.
3 „research purpose“ aus: ibid.
4 „learning purpose“ aus: ibid.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Überblick

3. Theoretischer Hintergrund

4. Definition von Fehler

5. Wie führt man eine Fehleranalyse durch?

5.1. Sammeln von Sprachdaten

5.2. Identifikation von Fehlern

5.3. Beschreibung von Fehlern

5.4. Erklärung der Fehler

6. Bewertung von Fehlern

7. Umgang mit Fehlern

8. Benotung

9. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Fehleranalyse im Fremdsprachenunterricht, beleuchtet deren historische Entwicklung sowie theoretische Grundlagen und analysiert, wie moderne Ansätze der Leistungsbewertung den Umgang mit Fehlern in der schulischen Praxis beeinflussen können.

  • Historische Entwicklung der Fehlerbehandlung und Fehleranalyse
  • Theoretische Grundlagen (Interlanguage-Theorie und Behaviorismus)
  • Methodisches Vorgehen bei der Fehleranalyse (Sammeln, Identifizieren, Beschreiben, Erklären)
  • Kriterien der Fehlerbewertung im Kontext der kommunikativen Wende
  • Strategien zum Umgang mit Fehlern und deren Bedeutung für die Benotung

Auszug aus dem Buch

5.2. Identifikation von Fehlern

Die Identifikation von Fehlern beschränkt sich, auch wenn es oberflächlich so aussehen mag, nicht auf das selektive Lesen oder Hören zur Wahrnehmung von Fehlern, denn die Fehler hängen stark von dem ab, was als Norm impliziert wird. Um einen Fehler zu identifizieren, muss zuerst der Abschnitt der Lernendenäußerung so rekonstruiert werden, wie ihn Muttersprachler produzieren würden. Dann werden unter Vernachlässigung der korrekten Teilabschnitte die aufgesucht, die sich von der Äußerung der Muttersprachler unterscheiden.

Hier wird schon das erste Problem sichtbar, denn in der Mehrzahl der Fälle besteht nicht nur eine Möglichkeit, die Äußerung zu rekonstruieren, sondern mehrere. Betrachten wir folgendes Beispiel, einen Text, produziert auf Grundlage einer Bildergeschichte: „The policeman was in this corner whistle but it was too late.”21

Hier sind diverse verschiedene Rekonstruktionen möglich:

1. The policeman who was in this corner whistled but it was too late.

2. The policeman was in this corner and whistled but it was too late.

3. The policeman in this corner whistled but it was too late.

Es muss also zwischen verschiedenen korrigierten Varianten abgewogen werden. Die Konsequenz daraus aber ist, dass jeweils ein anderer Fehler „entsteht.“ Sind in allen drei Korrekturen die Simple Past Endungen des Verbs „to whistle“ eingefügt, so impliziert jedoch Korrektur 1 ein fehlendes Personalpronomen und Korrektur 2 eine fehlende Konjunktion, während Korrektur 3 ein überflüssiges Verb eliminiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Status von Fehlern im Sprachunterricht und erläutert den pädagogischen, forschenden sowie lernerorientierten Nutzen einer systematischen Fehleranalyse.

2. Geschichtlicher Überblick: Dieses Kapitel zeichnet die Wandlung von rein präskriptiven, normorientierten Ansätzen hin zu modernen, auf Fehlerbehandlung fokussierten Methoden in der Sprachdidaktik nach.

3. Theoretischer Hintergrund: Der Abschnitt erläutert die behavioristischen Lernmodelle und führt die Interlanguage-Theorie als zentrales Konzept zur Beschreibung der mentalen Grammatik von Lernenden ein.

4. Definition von Fehler: Hier werden unterschiedliche Fehlertypen, wie Kompetenz- und Performanzfehler sowie offene und verdeckte Fehler, definiert und gegeneinander abgegrenzt.

5. Wie führt man eine Fehleranalyse durch?: Dieses Kapitel beschreibt das fünfstufige Verfahren der Fehleranalyse von der Datensammlung bis hin zur Fehlererklärung.

6. Bewertung von Fehlern: Die Bewertung wird hier als kommunikativer Prozess betrachtet, wobei der Fokus von der rein regelorientierten Schwere des Fehlers hin zu dessen Wirkung auf die Verständlichkeit verschoben wird.

7. Umgang mit Fehlern: Hier werden verschiedene Interventionsformen wie Lehrerkorrektur, Peer-Korrektur und Selbstkorrektur als didaktische Möglichkeiten diskutiert.

8. Benotung: Dieses Kapitel kritisiert die rein fehlerquotientenbasierte Notengebung und schlägt alternative, integrativere Bewertungsmethoden wie „impression marking“ vor.

9. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die diachrone Notwendigkeit zusammen, Fehler stets im Kontext der jeweiligen historischen und institutionellen Bedingungen zu bewerten.

Schlüsselwörter

Fehleranalyse, Zweitspracherwerb, Interlanguage, Fehlerbewertung, Fremdsprachendidaktik, Leistungsbewertung, Sprachproduktion, Kompetenzfehler, Performanzfehler, communicative turn, Fehlertoleranz, Sprachnorm, Lernprozess, Korrekturmethoden, Schulpraxis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche und didaktische Relevanz der Fehleranalyse im Englischunterricht und hinterfragt etablierte Bewertungspraktiken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Umgangs mit Fehlern, die theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs sowie moderne didaktische Konzepte zur Fehlerkorrektur und Leistungsbewertung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Nutzen einer systematischen Fehleranalyse aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie durch einen reflektierten Umgang mit Fehlern die Kommunikationsfähigkeit der Lernenden gefördert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze der Zweitspracherwerbsforschung (wie die Interlanguage-Theorie) mit didaktischen Fachdiskursen und aktuellen Lehrplanvorgaben verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Fehlern, das methodische Vorgehen bei der Fehleranalyse, die Kriterien der Fehlerbewertung sowie praktische Strategien zur Fehlerbehandlung im Unterricht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Fehleranalyse, Interlanguage, Leistungsbewertung, Fremdsprachendidaktik und communicative turn charakterisieren.

Was unterscheidet einen Error von einem Mistake?

Ein Error ist eine systematische Abweichung aufgrund fehlender Regelkenntnis (Kompetenz), während ein Mistake ein meist flüchtiges Performanzphänomen ist, das vom Lernenden oft selbst korrigiert werden kann.

Warum ist die Unterscheidung zwischen offenen und verdeckten Fehlern wichtig?

Diese Unterscheidung ist für die Testgestaltung essentiell, da verdeckte Fehler nur bei Kenntnis des situativen Kontextes identifiziert werden können, was bei standardisierten Tests oft zu Problemen führt.

Was bedeutet die "kommunikative Wende" für die Fehlerbewertung?

Durch die kommunikative Wende verschob sich der Fokus bei der Bewertung: Statt starrer grammatischer Korrektheit stehen nun die Situationsangemessenheit und der tatsächliche Kommunikationserfolg im Vordergrund.

Welche Rolle spielt die Interlanguage-Theorie in dieser Arbeit?

Die Theorie dient als zentrales Modell, um Fehler nicht als bloßes Stigma, sondern als wertvolle Indikatoren für den Lernstand und die individuelle, mentale Grammatik eines Lernenden zu verstehen.

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Details

Title
Fehleranalyse im Englischunterricht
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,7
Author
Anja Schmidt (Author)
Publication Year
2007
Pages
20
Catalog Number
V147394
ISBN (eBook)
9783640570027
ISBN (Book)
9783640857081
Language
German
Tags
Fehleranalyse Englischunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Schmidt (Author), 2007, Fehleranalyse im Englischunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147394
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