Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 1
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2. Die Psychiatrie im Wandel der Zeit 4
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3. Interesse an der Kunst der psychisch Kranken 6
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4. Psychisch Kranke als Künstler 10
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5. Die Rezeption der Art Brut heute 21
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6. Zusammenfassung und Ausblick 29
Literaturverzeichnis 31
Abbildungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Aloise dans le terrain .................................................................. 22 Abbildung 2: Selbstgenähtes, mit Texten besticktes Jäckchen, Garn auf Anstaltsleinen, Rückenlänge 36,5cm (Inv.Nr. 743) ................................. 26 Abbildung 3: Mit gerissenen Stoffbändern dekorierter Zellenfußboden, 1894; Fotografie, auf Karton montiert, 11 x 16cm (Inv.Nr. 1771) .................... 26 Abbildung 4: Jean Dubuffet "L'homme à la rose" ............................................ 28 Abbildung 5: Heinrich Anton Müller "A ma Femme" ..................................... 28
1. Vorwort 1
1. Vorwort
Das Kernthema dieser Bachelorarbeit ist die Kunst von psychisch Kranken, oder genauer gesagt: der Umgang mit Kunstwerken von Patienten psychiatrischer Anstalten. Die Auswahl der Aufgabenstellung ist auf das Interesse der Autorin zurückzuführen. Dadurch angespornt, wurde der vorerst vage Einblick in die Thematik schnell konkreter. Bei der Literaturrecherche stellte sich bald heraus, dass das Thema der Kunst der psychisch Kranken sehr vielschichtig und weitreichend ist. Durch die Schwierigkeit der Abgrenzung erschienen immer andere Zusammenhänge als wesentlich, wodurch die Arbeit einen mehrmaligen Strukturwechsel erfuhr.
1.1 Ausgangslage und Fragestellung
Seit Beginn der Rezeption der Kunst von psychisch Kranken wird diese interdisziplinär aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Dabei werden die Ursachen künstlerischen Gestaltens untersucht und Theorien entwickelt, die einen Zusammenhang zwischen psychischem Zustand und kreativen Äußerungen herstellen. Für Psychiater erfüllt die künstlerische Betätigung dabei zunehmend therapeutischen Nutzen.
Eine Besonderheit der Kunst von psychisch Kranken ist, dass sie sich über die psychische Abweichung ihrer Urheber definiert. Sie gelten als Außenseiter und sind gerade deshalb interessant für die Künstler der Moderne, die auf der Suche nach ursprünglichem Kunstschaffen sind. Daraus entstehen folgende Fragestellungen: Inwieweit wird psychische Krankheit als relevantes Merkmal in der Kunst gesehen? Was macht die Werke der Psychiatriepatienten gerade für professionelle Künstler so interessant? Und welche Rolle nimmt der psychisch Kranke im Vergleich zu professionellen Kollegen in der Kunstszene ein?
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, einen Einblick in die Rezeption der Kunst der psychisch Kranken zu gewähren. Es wird untersucht, welcher Wert ihr in der Vergangenheit zugeschrieben wurde und wie sich die Rezeption der Kunstwerke ebenso wie die Akzeptanz der psychisch kranken Künstler bis heute verändert hat.
1. Vorwort 2
Abschließend wird die Frage der Aktualität der Kunst von psychisch Kranken kritisch beleuchtet und ein Ausblick in die Zukunft gegeben.
1.3 Methodisches Vorgehen
Die Bachelorarbeit basiert auf systematisch durchgeführter Literaturrecherche, relevanten Artikeln aus dem Internet, einem Dokumentarfilm sowie auf zwei persönlichen Gesprächen, die die Autorin mit bedeutenden Persönlichkeiten der Art-Brut-Szene in Österreich geführt hat: Herrn Dr. Johann Feilacher und Frau Angelica Bäumer. Der Dokumentarfilm diente als Grundlage für ein allgemeines Verständnis der Thematik und gab einige Anstöße für weitere Überlegungen. In chronologischer Reihenfolge wurden die einzelnen Kapitel auf Basis der Fachliteratur erarbeitet und durch Standpunkte aus einschlägigen Artikeln aus dem Internet ergänzt. Die persönlichen Gespräche wurden aufgezeichnet und anschließend kunstgerecht transkribiert (Interviews sind nicht im Lieferumfang enthalten, Anm. d. Red.).
1.4 Aufbau der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit werden die wesentlichen Zusammenhänge in der Rezeptionsgeschichte der Kunst von psychisch Kranken aufgezeigt und ihre Wahrnehmung in der heutigen Zeit untersucht. Aufgrund der begrenzten Länge der Arbeit ist es leider nicht möglich, die einzelnen Aspekte der Kunst der psychisch Kranken in ihrer gebührenden Tiefe darzustellen. Aus demselben Grund stammen die Beispiele und Ausführungen ausschließlich aus dem Bereich der bildenden Kunst, obwohl es durchaus auch bedeutsame Aspekte aus der Musik und der Literatur zu beleuchten gegeben hätte. Außerdem wird bewusst auf konkrete Biographien bestimmter Künstler verzichtet, welche zwar äußerst interessant sind, den Rahmen der Arbeit jedoch bei Weitem sprengen würden.
Zu Beginn der Arbeit wird die Geschichte der Psychiatrie zusammengefasst, um zu verdeutlichen, welchen gesellschaftlichen Status psychisch Kranke vor dem 21. Jahrhundert hatten und wie sich die Akzeptanz den Patienten gegenüber im Laufe der Jahre verändert hat. Anschließend wird untersucht, wann ein erstes Interesse an der Kunst von psychisch Kranken bekundet wurde, sowohl unter Ärzten als auch
1. Vorwort 3
Künstlern. Die Bildrevolution der Moderne leitete einen entscheidenden Bewusstseinswandel der Künstler ein, was erklärt, warum man begann, die Bildnereien von Geisteskranken verstärkt wahrzunehmen und als Kunst zu akzeptieren. Anhand einiger konkreter Beispiele von der Vergangenheit bis zur Gegenwart werden die unterschiedlichen Blickwinkel auf das Phänomen der Kunst von psychisch Kranken erklärt und kritisch betrachtet. Bildbeispiele dienen der Verdeutlichung der Argumente. Danach wird herausgearbeitet, worin die Besonderheiten der Kunst von psychisch Kranken im Vergleich zur professionellen Kunst liegen und welche Auswirkungen sich - für die professionellen Künstlerergeben, wenn der Art Brut besondere Attribute zugeschrieben werden. Den Abschluss der Arbeit bildet ein kurzer Ausblick, in dem die Frage der Aktualität der Kunst von psychisch Kranken behandelt wird.
1.5 Begrifflichkeit
Die Kunst von psychisch Kranken ist über viele Jahre hinweg sehr männlich dominiert, sowohl auf Seiten der Künstler selbst, als auch bei den Rezipienten, darunter Ärzte und professionelle Künstler. In der jüngeren Rezeptionsgeschichte bezieht sich das Forschungsinteresse auch immer mehr auf künstlerisch tätige Psychiatriepatientinnen. Dennoch verzichtet die vorliegende Arbeit aufgrund der Lesbarkeit auf eine geschlechtsgerechte Ausdrucksweise. Es wird ausschließlich in männlicher Form geschrieben; die weibliche Form ist aber auch eingeschlossen.
Die Begriffe ‚psychisch Kranke‘, ‚psychisch kranke Künstler‘ oder ‚Geisteskranke‘ beziehen sich auf Personen, die in der Gesellschaft als psychisch krank bezeichnet werden. Der Ausdruck ‚Psychiatriepatient‘ ist den vorhergehenden Begriffen gleichzusetzen. Es sind Personen gemeint, die in psychiatrischen Anstalten leben und dort künstlerisch tätig sind.
Wenn von ‚Art Brut‘ oder ‚Art Brutisten‘ die Rede ist, bezieht sich die Autorin ebenfalls auf psychisch Kranke, wohl wissend, dass der Begriff an sich - laut der Formulierung Dubuffets - auch all jene umfasst, die abseits von kulturellen Normen künstlerisch tätig sind, egal ob psychisch krank oder nicht.
2. Die Psychiatrie im Wandel der Zeit 4
2. Die Psychiatrie im Wandel der Zeit
Um menschliche Äußerungen - wie beispielsweise Zeichnungen, Gemälde und Plastiken - verstehen zu können, ist es wichtig, diese nicht isoliert, sondern in ihrem historischen und sozialen Zusammenhang zu sehen. Da die Außenwelt Einfluss auf die Eigenwahrnehmung und somit auch auf das Schaffen der psychisch Kranken hat, gilt es nicht nur die Geschichte der Psychiatrie, sondern auch Untersuchungs- und Forschungsmethoden sowie die therapeutischen Möglichkeiten in der Psychiatrie zu berücksichtigen. 1
2.1 Geschichte der Psychiatrie
Geisteskrankheiten sind schon in der Antike bekannt. Man versteht sie damals allerdings als Inbesitznahme des Menschen durch den Teufel oder eine Störung im Gleichgewicht der Körpersäfte und somit als körperliche Krankheit. Zu Beginn der Neuzeit werden Geisteskrankheiten als Überwiegen des tierischen Triebanteils im Bewusstsein des Menschen gegenüber dem von Gott gegebenen geistigen Anteil erklärt. 2 Der Philosoph René Descartes (1596-1650) trennt später das körperliche Dasein streng von der denkenden Materie. Die Folge daraus ist eine Unterscheidung zwischen rein körperlichen und rein seelischen Erkrankungen. Johann Christian Reil prägt 1808 den Begriff ‚Psychiatrie‘, wörtlich übersetzt ‚Seelenheilkunde‘, und tritt dafür ein, die Psychiatrie als selbstständige medizinische Disziplin anzuerkennen. Dazu kommt es wenig später unter August Heinroth, der auf den ersten Lehrstuhl für Psychiatrie berufen wird. Er sieht Geisteskrankheit als persönliche Schuld des Menschen. Ihre Heilung erhofft er sich durch Sühne. Erkrankte werden deshalb wie Schwerverbrecher behandelt und die wenigen bildnerischen Arbeiten, die trotz des Materialmangels entstehen, werden als wertlos angesehen. Der französische Arzt Philippe Pinel (1745-1826) lehnt sich gegen die Brutalität in den Anstalten auf und zeigt neue Wege in der Behandlung der Geisteskranken auf. Wilhelm Griesinger leitet schließlich 1845 mit der Erkenntnis „Geisteskrankheiten sind
1 vgl. Kraft 1998: 13
2 vgl. Leibbrand u.a. 1961: 62ff.
Arbeit zitieren:
2009, Grenzgänge zwischen Genialität und Wahnsinn, München, GRIN Verlag GmbH
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