- III -
Inhaltsverzeichnis
Seite
II
Executive Summary
III
Inhaltsverzeichnis
1
1. Problemstellung
1
2. Zielsetzung
1
3. Terminologische Abgrenzung
3
4. Prozessmanagement im Hospiz mit „Hope“ und „Sorgsam“
4.1. Das Projekt „HOPE“ 4
4.2. Das Projekt „Sorgsam“ 5
4.3. Vergleichende Betrachtung 6
4.4. Aufnahmeprozess unter Integration von „HOPE“ und „Sorgsam“ 8
9
5. Empfehlungen
9
6 F a z i t
10
7 A u s b l i c k
11
A n h a n g
21
Quellenverzeichnis
- 1 - 1.Problemstellung
Prozessmanagement und Hospiz - auf den ersten Blick und in der emotionalen Wahrnehmung Begriffe, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Auf der einen Seite steht die stark individualisierte, personenorientierte Dienstleistung die ein Hospiz bietet, auf der anderen Seite der Begriff des Prozessmanagements, der zunächst Assoziationen mit technischen Prozessen und Standardisierung weckt. Ob aus diesem Grund, oder gegebenenfalls durch die generelle Tabuisierung des Sterbens in der modernen Leistungsgesellschaft, die Erkenntnisse des Prozessmanagements wurden bisher nicht konsequent auf den Bereich der Hospize angewandt. So bringt beispielsweise eine testweise Abfrage im Internet 1 , genauso wie eine einfache Literaturrecherche, keine direkten bzw. kaum verwertbare Verweise zum Thema. Es existieren jedoch zwei nationale Projekte unterschiedlicher Träger mit den Namen „HOPE“ und „Sorgsam“, die letztendlich Prozesse und Prozessmanagement auch in Hospizen im Fokus haben und eine praktische Anwendbarkeit postulieren.
2. Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit soll zunächst einen Überblick zu den Projekten „HOPE“ und „Sorgsam“ geben. Darauf aufbauend sollen die Projekte kurz verglichen und eine mögliche kombinierte Anwendung anhand eines exemplarischen Prozesses in einem stationären Hospiz illustriert werden. Ziel ist es auch, eine intensivere Diskussion der Projekte und damit ausführlichere Untersuchungen zum Prozessmanagement in der Hospizpraxis anzuregen.
3. Terminologische Abgrenzung Prozessmanagement
Der Begriff des Prozessmanagements ist in der Betriebswirtschaft etabliert und wird in vielen wichtigen Standardwerken aufgeführt. Es existieren verschiedene Detaildefinitionen, die stets den Prozess der Leistungserbringung im Fokus haben. Insbesondere durch die hohe Bedeutung von Qualität bei der Leistungserbringung finden sich beispielsweise in den DIN ISO Normenreihen 9000 und 9001 verschiedene Definitionen von Prozessmanagement und im Excellence-Modell der European Foundation for Quality Management eine weitere. Der Begriff des Prozessmanagements ist meist verknüpft mit dem des Qualitätsmanagements, er beschreibt jedoch nicht das Glei-
1 Abfrage über www.google.de mit den Suchbergriffen: „Prozessmanagement Hospiz“ (16.12.2009, 12:00 MEZ)
- 2 - che,auch wenn er in der Literatur oft synonym verwendet wird. In Anlehnung an und in engerer Fassung von Erich Gutenbergs Definition des organisatorischen Prozes-ses 1 soll Prozessmanagement in dieser Arbeit als die Aufgabe verstanden werden, Maßnahmen zu treffen und Regelungen zu schaffen, die alle Tätigkeiten so koordi-nieren, wie es im Interesse der Einrichtung liegt. Der Schwerpunkt liegt demnach auf dem „Wie“ der Leistungserstellung also auf den Maßnahmen in der Einrichtung.
Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement ist oft weiter gefasst als Prozessmanagement. Nach der ISO Normenreihe 9000 bedeutet Qualitätsmanagement, dass eine Organisation die Qualitätsbedürfnisse ihrer Kunden erfüllt, ebenso die zugehörigen regulatorischen/gesetzlichen Anforderungen, stets bemüht ist die Kundenzufriedenheit zu steigern und die eigene Leistung mit Blick auf den Kunden kontinuierlich zu verbessern. 2 Um Qualitätsmanagement zu betreiben, wird nach den Vorgaben der aktuellen Qualitätsmanagementkonzepte (DIN ISO, EFQM, KTQ, etc.) Prozessmanagement benötigt. 3 Auch in der Praxis erfolgt oftmals eine Rangbildung von Prozess- und Qualitätsmanagement. So existiert beispielsweise beim Universitätsspital Bern eine Fachstelle für Qualitätsmanagement, die neben dem Prozessmanagement auch Bereiche wie Outcome-Messung und klinisches Risikomanagement beinhaltet. 4 Qualitätsmanagement setzt den Fokus damit auf den Kunden, nach dessen Bedürfnissen die Prozesse zu gestalten und zu optimieren sind (u.a. mit Prozessmanagement) und hat so eine umfassendere Perspektive als das reine Prozessmanagement.
Hospiz
Der Begriff Hospiz entstammt dem lateinischen und bedeutet „Gastfreundschaft“. Hospiz war im Mittelalter gebräuchlich als Bezeichnung einer Herberge für Pilger, die neben reiner Unterkunft und Schutz auch pflegerische Leistungen für diese Reisenden bot. 5 In der heutigen Zeit findet sich im Sozialgesetzbuch eine zur Definition geeignete Umschreibung für Hospize als Einrichtungen „…in denen palliativmedizinische Behandlung erbracht wird, wenn eine ambulante Versorgung…nicht erbracht werden kann“. 6 Als „palliativ-medizinisch“ wird dabei eine Behandlung bei
1 Vgl. Gutenberg, E.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, S.: 244 (1983)
2 Vgl. ISO: http://www.iso.org/iso/iso_catalogue/management_standards/iso_9000_iso_14000.htm (2009)
3 Vgl. Marhold, D. in Blonski, H, Strausber, M (Hrsg.): Prozessmanagement in Pflegeorganisationen, S.: 125-126 (2003)
4 Vgl. Inselspital: http://qualität.insel.ch/fachstelleqm.html (2009)
5 Vgl. Albrecht E., Orth, C., Schmidt, H: Hospizpraxis, S.: 13 (1995)
6 §39a Satz 1 SGB V (2009)
- 3 - weitfortgeschrittenen, unheilbaren, progredienten Erkrankungen angesehen, die auf eine Verbesserung der Lebensqualität, gerade in Anbetracht einer nur noch geringen Lebenserwartung, abzielt. 1
Eine stärker am ideellen Hospizgedanken angelehnte Definition bietet Elisabeth Kübler-Roos, die gemeinsam mit Cicely Saunders zu den Begründerinnen der modernen Hospizarbeit zählt. Sie beschreibt den Anspruch an ein Hospiz als einen Ort, der es erlaubt, „…möglichst bis zuletzt ohne Beschwerden zu leben, „unerledigte Geschäfte“ noch zu Ende zu bringen und spirituelle Fragen kritisch diskutieren zu dürfen“. 2 Orientiert an dieser Definition, werden die sterbenden Menschen in Hospizen bevorzugt als Gäste und/oder Bewohner denn als Patienten bezeichnet.
4. Prozessmanagement im Hospiz mit „HOPE“ und „Sorgsam“
Bevor versucht wird das Prozessmanagement auf konkrete Abläufe im Hospiz anzuwenden, müsste zunächst wissenschaftlich hinterfragt werden, ob und wie nach dem Hospizgedanken die Arbeit in einem Hospiz grundsätzlich prozessorientiert zu betrachten ist. Diese Frage allein ist schon so komplex und umfangreich zu beantworten, dass eigene Studien dazu nötig wären, die weit über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Weiterhin ist die Beantwortung dieser Frage insbesondere davon abhängig, welches Verständnis von Prozessmanagement zugrunde gelegt wird. Würde man das Prozessmanagement eng fassen, z.B. als Etablierung von starren Normen, die dann systematisch nachgehalten werden, könnte man deren Anwendung in einem Hospiz durchaus sehr kritisch betrachten. „Normen sehen immer ab vom Besonderen. Ihre Befolgung bedeutet das Ende einer offenen Beziehung zum Anderen, auf die das Da-sein und Sorgen in der Begleitung Kranker und Sterbender zutiefst angewiesen ist.“ 3 Im Gegensatz dazu wird ein offener, aber trotzdem auch mit dem Qualitätsbegriff verbundener Ansatz von Prozessmanagement selbst in der Krankenhausseelsorge als positiv und erwünscht erachtet. 4 Versteht man Prozessmanagement in dem Sinne wie unter 3. beschrieben, dann kann in jedem Fall von einer Anwendbarkeit ausgegangen werden, denn in jeder (auch sozialen) Einrichtung muss sichergestellt sein, dass unter der Prämisse des primären Interesses der Einrichtung gehandelt wird. Diese Einschätzung wird ge-
1 Vgl.Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: http://www.dgpalliativmedizin.de/sn/SN%20310%20DGP-Definitionen.pdf ,
S. 4, (2003)
2 Student, C. in Kübler-Roos, E.: Interviews mit Sterbenden, S.:15 (2009)
3 Jurk, C.: Da-sein und Sorgen - verschwindende Nischen im Gesundheitsbetrieb, in DHZ 40 (2009), S.: 14-16
4 Vgl. Becker, S.: Der Gipfel der Schein-Heiligkeit?, in Heilberufe 05 (2009), S.: 46-49
- 4 - stütztdurch die Existenz der (auch) für Hospize entstandenen Projekte „HOPE“ und „Sorgsam“, die in den folgenden Abschnitten beschrieben werden.
4.1. Das Projekt „HOPE“
Die Hospiz- und Palliativ-Erfassung Standarddokumentation (HOPE) wurde 1996 vom Bundesministerium für Gesundheit ins Leben gerufen. Ziel war es, eine Kerndokumentation für Palliativstationen und Hospize zu schaffen. Erhoben werden sollten personen-, krankheits-, und therapiebezogene Daten zum Aufnahmezeitpunkt und zum Behandlungsende. Das Projekt beruht bis heute auf freiwilliger Basis, d.h. die jeweiligen Einrichtungen nehmen aus eigenem Interesse teil. Die Datenerhebung mit standardisierten Online-Erhebungsbögen 1 und deren Auswertung erfolgt seit 1999 kontinuierlich und wird immer weiter entwickelt. Inzwischen verfügt das Projekt „HO-PE“ über einen Datenpool von über 17.000 dokumentierten Patientenverläufen 2 , übermittelt von Palliativstationen, stationären Hospizen, ambulanten Pflegediensten, Konsiliardiensten, onkologischen Stationen und ambulant arbeitenden Ärzten. Zur Dokumentation und Datenerhebung dient dabei zunächst der „HOPE“ Basisdokumentationsbogen 3 der um verschiedene Module nach Entscheidung der jeweiligen Einrichtung erweitert werden kann. Die Trägerschaft des Projekts liegt bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutschen Krebsgesellschaft und dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband. 4
Inzwischen wird „HOPE“ von vielen der teilnehmenden Einrichtungen als Basisdokumentation (auch konform zu den Regelungen des §132d Abs.2 SGB V), externes Qualitätssicherungssystem und zum Benchmarking genutzt. 5 Dazu stehen der jeweilig teilnehmenden Einrichtung ihre eigenen eingegebenen Daten immer vollständig zur Verfügung und allen teilnehmenden Einrichtungen alle Auswertungen in anonymisierter Form (kategorisiert nach Einrichtungsart). Die „HOPE-Koordinierungsgruppe“ betreut die Infrastruktur und entwickelt das Projekt mit den teilnehmenden Einrichtungen weiter. Einen schematischen Überblick zu dieser Funktionsweise bietet die nachfolgende Grafik.
1 Information, Anmeldung, Teilnahme und Auswertung über CLARA Klinische Forschung: http://www.hope-clara.de/ (2009)
2 Vgl. Radbruch, L., Nauck, F., Ostgathe, C, Lindena, G.: HOPE (2009), S.: 5
3 Vgl. Anlage A3 dieser Arbeit
4 Vgl. Radbruch, L., Nauck, F., Ostgathe, C, Lindena, G.: HOPE (2009), S.: 14
5 Vgl. Radbruch, L., Nauck, F., Ostgathe, C, Lindena, G.: HOPE (2009), S.: 11-13
Arbeit zitieren:
Diplom-Betriebswirt (FH) Marco Reiss, 2010, Prozessmanagement im Hospiz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Marco Reiss hat einen neuen Text hochgeladen
Handbuch zu Dokumentation und ...
Lukas Radbruch, Friedemann Nauck, Christoph Ostgathe, Gabriele Lindena
Effizienzsteigerung mit ISO 90...
Franz Fischer, Alexander A. W. Scheibeler
Pfade durch das klinische Prozessmanagement
Methodik und aktuelle Diskussi...
Michael Greiling
Palliativmedizin und Hospizbet...
Claudia Bausewein, Susanne Roller, Raymond Voltz
Einführung in das Prozessmanagement von Geschäftsprozessen
Six Sigma, Kaizen und TQM
Susanne Koch
Hospizkompetenz und Palliative Care im Alter
Eine Einführung
Andreas Heller, Frank Kittelberger
0 Kommentare