Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis S.3
1 Einleitung S.4
2 Erwachsenenbildung im Kontext des Nationalsozialismus S.6
3 Die NS-Gemeinschaft KdF als Institution der Erwachsenenbildung S.9
3.1. „Kraft durch Freude“ - eine institutionelle Einordnung in die DAF S.9
3.2. Gründung, Grundlagen, Ziele S.11
4 Erwachsenenbildung als Hauptaufgabe der KdF S.12
4.1. Theoretische Grundlagen aus Sicht der NS S.14
4.2. KdF - eine Institution der Erwachsenenbildung? S.17
5 Fazit S.18
6 Literaturverzeichnis S.21
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung1 : Die Deutsche Arbeitsfront (vgl. Türk u.a. 2006, S.254) S.10
3
1 Einleitung
Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus ist gekennzeichnet durch viele so genannte „weiße Flecken“. Sei es durch die Kriegseinwirkungen, in denen viele Aufzeichnungen verloren gingen, die umstrittene Erwachsenenbildung innerhalb der NSDAP an sich oder die wenige wissenschaftliche Argumentation. Wegen dieser wenigen verfügbaren Quellen und dem wenig erforschten Gebiet der Erwachsenenbildung im Dritten Reich lässt sich in dieser Zeit für den andragogischen Bereich nicht pauschal erkennen, ob es überhaupt Erwachsenenbildung gegeben hat oder ob in der Zeit zwischen 1933 und 1945 ein „Kontinuitätsbruch“ hervortrat, sodass im theoretischen sowie praktischen Kontext kaum von freien erwachsenenpädagogischen Inhalten gesprochen werden kann (vgl. Feidel-Mertz, H. 2009, S.43). Die Forschungslage hierzu ist sehr different, was sich dadurch zeigt, dass Forscher einerseits davon ausgehen, dass durch den Totalitätsanspruch der Faschisten keine Erwachsenenbildung möglich ist (vgl. Keim u.a. 1976, S.8), andererseits aber auch Ansätze vertreten werden, dass die Erwachsenenbildung
„als nachschulische Sozialisationsinstanz zunehmende Bedeutung bei der Stabilisierung von Herrschaft erlangt und somit ein ernstzunehmendes Zwischenglied im historischen Prozess der Entwicklung zur heutigen Zeit darstellt“ (Feidel-Mertz, H. 2009, S.43).
Olbrich (2001) charakterisiert das Verhältnis von Pädagogik und Nationalsozialismus als ambivalent und unterstreicht das Argument von Feidel-Mertz (2009), dass der wissenschaftliche Diskurs zu diesem Themengebiet keinerlei Einheitlichkeit entspricht. Das Verhältnis von Pädagogen und Erwachsenenbildnern reichte vom eifrigen Engagement bis hin zum Ansatz von Widerspruch gegen das bestehende System (vgl. Olbrich u.a. 2001, S.267), wobei sie jedoch unfähig waren, dem
„Faschismus auf deutschem Boden in seiner Entstehungs- und Ausbreitungsphase ein Gegengewicht entgegensetzen zu können, ja zum Teil - wie in anderen Bereichen auch - mit den Nazis taktiert und paktiert haben oder sich sogar zu Trägern des NS-Systems machen ließen, ist zwar in groben Zügen bekannt, im einzelnen jedoch kaum erforscht“ (Keim, W. 1990, S.50).
4
Trotz dieser Ambivalenzen im Bereich der Erwachsenenbildung wird die nachstehende Arbeit eine Institution betrachten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Freizeit in Verbindung mit Erwachsenenbildung für die deutsche Bevölkerung zu gestalten - die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (im Folgenden KdF genannt). Eigentlich als Institution für die Freizeitgestaltung im Jahr 1933 gegründet (vgl. Olbrich u.a. 2001, S.244), schließt KdF eine generelle und fachliche Erwachsenenbildung (eine allgemein gültige und fachspezifische EB), in ihren Aufgabenbereich ein und will somit eine über den Arbeitszeitraum hinausreichende gedankliche Beeinflussung der Menschen gewährleisten (vgl. Feidel-Mertz, H. 2009, S.49). Erwachsenenbildung erscheint somit nicht mehr der eigenen Profession, sondern dem ideologischen Grundmuster verpflichtet zu sein. In den nachstehenden Kapiteln soll eine Antwort auf diese Hypothese gegeben werden. Diese werden sich primär mit den allgemeinen Vorstellungen der nationalsozialistischen Ideologie, der KdF, ihrer institutionellen Einordnung und den theoretischen Grundlagen beschäftigen, mit dem Ziel zu klären, ob, inwiefern, mit welchen Mitteln sowie mit welchem Ergebnis diese Institution pädagogische Erwachsenenbildung durchgeführt haben. Diesbezüglich wird zunächst KdF in ihrem Entstehen, ihren Grundlagen und Zielen untersucht, um darauf aufbauend ihre theoretischen Vorstellungen im Sinne der Nationalsozialisten erläutern und anhand heutiger Perspektiven bewerten zu können. Fragestellungen sind weiter, ob KdF wirklich nur das Freizeitangebot gestaltete oder ob dahinter auch eine Überwachungs- und Gleichschaltungsfunktion integriert war - ganz nach den ideologischen Grundsätzen der NSDAP (vgl. Olbrich u.a. 2001, S.239). Weiterhin soll die Frage nach der andragogischen Arbeit im Charakter einer Volksgemeinschaft, Machtsicherung und Indoktrination der Bevölkerung im Fokus der Betrachtung stehen.
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2 Erwachsenenbildung im Kontext des Nationalsozialismus
In den ideologischen Grundannahmen lassen sich zentrale Begriffe auffinden, die in dieser Arbeit nur grob skizziert werden können, jedoch entscheidenden Einfluss in den andragogischen Maßnahmen finden und somit eine kurze Betrachtung erfordern. So ist es als erstes die Volksgemeinschaft, für die die gesamte deutsche Bevölkerung ideologisiert werden soll. Die Volksgemeinschaft als zentraler Begriff lässt sich in der nationalsozialistischen Lehre „als die auf blutmäßiger … Verbundenheit, gemeinsamen Schicksal und gemeinsamen, politischen Glauben beruhende Lebensgemeinschaft eines Volkes, der Klassen- und Standesgegensätze wesensfremd sind“ (Der Volksbrockhaus A-Z, 1943, S.245), beschreiben. Das Zitat stellt heraus, dass in dieser Volksgemeinschaft der Glaube als Ersatz zum eigenen Denken steht und eine von Starken bestimmte Volksgemeinschaft begründet werden soll. Da jede Gemeinschaft aus einzelnen Individuen besteht, lassen sich in der NS-Ideologie einige „Idealvorstellungen“ charakterisieren, nach denen der deutsche Bürger beschaffen sein solle.
Als erstes Kriterium ist die Frage nach der Rassenzugehörigkeit essenziell. Rassenhygiene und Antisemitismus prägen die Zeit des Nationalsozialismus enorm, sodass das Menschenbild als biologistisch nach der Theorie Darwins aus dem Jahr 1859 eingestuft werden kann (vgl. Bauer, K. 2008, S.34). Hitlers Vorstellung der idealen Rasse entspricht der germanisch-nordischen Herrenrasse, die auch als Rasse der Arier bezeichnet wird. Der Arier ist gemäß seiner Vorstellung der bestimmende Einfluss auf die deutsche Bevölkerung. Ein weiteres Merkmal ist die Männerherrschaft und der Männlichkeitskult, der Werte wie Tapferkeit und soldatische Härte propagieren soll (vgl. Bauer, K. 2008, S.109-111). Ferner ist Hitlers Staatsvorstellung totalitär und gänzlich auf seine Person hin ausgerichtet. Das „Führerprinzip“ verbindet diese individuelle Grundhaltung und seinen bedeutenden Einfluss auf das Volk, wie das nachstehende Zitat verdeutlicht:
„Die Führergewalt ist umfassend und total; sie vereinigt in sich alle Mittel der politischen Gestaltung; sie erstreckt sich auf alle Sachgebiete des völkischen Lebens; sie erfasst alle Volksgenossen, die dem Führer zu Treue und Gehorsam verpflichtet sind“ (Klee, E. 2005, online) 1 .
1 Klee, E.: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. (2. aktualisierte Auflage). Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2005, URL: http://wapedia.mobi/de/Ernst_Forsthoff [Stand: 09.01.2010].
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Arbeit zitieren:
Michael Pluge, 2010, "Kraft durch Freude" als Institution der Erwachsenenbildung - ein Überblick über theoretische Grundlagen führender NS-Größen, München, GRIN Verlag GmbH
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