Inhalt
1. Einleitung 3
2. „Industriekultur“: Erläuterung des historischen Hintergrundes und ein
Definitionsversuch 3
2.1 Der historische Hintergrund des Begriffes 4
2.2 Ein Definitionsversuch 4
3. Die „Route der Industriekultur“ 6
3.1 Der thematische Schwerpunkt und die geographische Lage der Route 6
3.2 Der Aufbau der Route 7
3.2.1 Ankerpunkte und Besucherzentren 7
3.2.2 Themenrouten 8
3.2.3 Arbeitersiedlungen und Panoramen der Industrielandschaft 9
3.3 Das Informationssystem der Route 10
4. Die Entstehung der „Route der Industriekultur“ 10
5. Die Bedeutung der „Route der Industriekultur“ als kulturelles Erbe 11
6. Die Art des Umgangs mit der Vergangenheit - Die Interpretationsansätze und
Deutungsmuster der „Route der Industriekultur“ 12
6.1 Der metaphorische Charakter der Route 13
6.2 Die metonymische Ordnung der Route 13
6.3 Die synekdochische Ordnung der Route 14
6.4 Die Verwendung von Ironie bei der Präsentation der Objekte der Route 15
6.5 Die allgemeine Interpretationsansatz der „Route der Industriekultur“ 16
7. Die Bedeutung der „Route der Industriekultur“ als Touristenattraktion 16
7.1 Strukturelle und marketing-orientierte Besonderheiten der Route 16
7.2 Der touristische Erfolg der Route und Ausbaumöglichkeiten 17
8. Weitere Routen der Industriekultur im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen 18
8.1 EnergieErlebnis Rheinland 18
8.2 Netzwerk Industriekultur Bergisches Land e.V. 19
8.3 Bergischer Ring e.V. 19
8.4 Museumsinitiative in OWL e.V. 19
8.5 Märkische Straße Technischer Kulturdenkmäler 20
8.6 Arbeitsgemeinschaft technikhistorischer Museen in Südwestfalen (AR.TE.M.I.S.) 20
8.7 Euregio Maas-Rhein 20
8.8 ERIH - The European Route of Industrial Heritage. 21
9. Fazit 22
10. Bibliographie 23
2
1. Einleitung
„Hochöfen, Gasometer oder Fördertürme prägen bis heute das Gesicht des Ruhrgebiets. Sie sind wichtige Zeugen der 150-jährigen industriellen Vergangenheit des Reviers, aber auch des sich vollziehenden Strukturwandels. Denn die ehemaligen Produktionsstätten - nicht wenige davon stehen unter Denkmalschutz - sind keine Orte wehmütiger Erinnerung, sondern haben sich längst zu "lebendigen" industriekulturellen Räumen und attraktiven Veranstaltungsorten mit touristischer
1 Anziehungskraft entwickelt.[…]“
Dieses Zitat von der Internetseite der „Route der Industriekultur“ erläutert, was die Route präsentieren will, und umfasst ebenso, worum es in dieser schriftlichen Ausarbeitung gehen wird. So soll hier vor allem die „Route der Industriekultur“ vorgestellt und beschrieben werden. Zu Beginn wird allerdings erst der Begriff „Industriekultur“ näher beleuchtet und in seinen historischen Hintergrund eingebettet, woran sich ein Definitionsversuch dieses weit gefassten Begriffes anschließt. Danach werden das Themenspektrum und der Aufbau der „Route der Industriekultur“ ausführlich dargestellt. Außerdem soll die Entstehung der Route kurz skizziert und dann die Bedeutung der Route als kulturelles Erbe in den Blick genommen werden. Des Weiteren soll die Präsentationsweise der Route analysiert und ihre Interpretationsansätze und Deutungsmuster herausgearbeitet werden. Im Anschluss soll noch auf die Bedeutung der Route der als Touristenattraktion eingegangen werden. Abschließend werden stichpunktartig weitere Routen der Industriekultur im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen dargestellt.
2. „Industriekultur“: Erläuterung des historischen Hintergrundes und ein Definitionsversuch
Als im Jahr 2000 die Besucher der „Route der Industriekultur“ befragt wurden, was sie mit dem Begriff „Industriekultur“ verbinden, assoziierten ihn 59 % der Befragten mit „Spaß“ und 53 % mit Erlebnis; 48 % der Besucher hatten ein „spezielles Interessen an Einrichtungen“ und 44 % verbanden „Industriekultur“ mit „allgemeine[m] Freizeitinteresse“. 2 Der Besuch der „Route der Industriekultur“ wurde nicht nur als „reine Informationsvermittlung“ bewertet, sondern auch als „sinnliches Erlebnis und Möglichkeit zur sinnvollen Freizeitgestaltung“. 3 Vier Jahre zuvor, und somit drei Jahre vor Eröffnung der Route, brachten 27% der Befragten den Begriff mit „Bergbau“ und 23 % mit Industriegeschichte in Verbindung; weiterhin assoziierten je 5 % den Begriff mit „Strukturwandel“ und „Erlebbarkeit“. 4 Dies zeigt zum einen, dass „Industriekultur“ einen großen Bedeutungsbereich umfasst, und zum anderen,
1 URL: http//:www.route-industriekultur.de, 18.07.09.
2 Vgl. Heinrich Theodor Grütter: Bausteine der Geschichte - Die Route der Industriekultur. Industriegeschichte
als kulturelles Erbe, in: Forum Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, 1/04, Essen 2004, S. 18.
3 Vgl. ebd.
4 Vgl. ebd.
3
dass sich die Wertung des Begriffes offenbar in der Wahrnehmung der Menschen innerhalb dieses Zeitraumes gewandelt hat.
2.1 Der historische Hintergrund des Begriffes
Tatsächlich hat sich die Bezeichnung „Industriekultur“ erst in den 90er Jahren entwickelt, in einer Zeit, in der im verstärkten Maße Industrieanlagen vor dem Verfall gerettet, musealisiert oder anderweitig genutzt wurden. 5 Die industrielle Vergangenheit ist seitdem positiv „als Wurzel und Motor für neue Innovationskraft im Strukturwandel“ 6 gesehen worden. In diesem Zusammenhang entwickelten sich Konzepte und Ideen, die sich im Begriff „Industriekultur“ niederschlugen. Grütter argumentiert, dass man die „Industriekultur“ „heute geradezu als ‚Leitkultur’ des Ruhrgebietes bezeichnen kann“ 7 .
Der historische Hintergrund der Entwicklung der „Industriekultur“ ist mit der Kohle- und Stahlkrise in den 1960er und 70er Jahren verbunden, seit der viele Industrieareale ihre Produktion aufgaben und abgerissen wurden. 8 Diese Entwicklung stürzte das Ruhrgebiet in eine tiefe Identitätskrise, da sich die Region „als Zentrum industrieller Massenproduktion“ verstand und die ehemalige große ökonomische Leistungskraft dieses Wirtschaftsraumes im Zuge der Krise versiegte und die Region einen Strukturwandel zur
Dienstleistungsgesellschaft durchmachte. 9 Diese Erschütterung des Selbstverständnisses führte „zu einer kulturellen Mobilisierung der Vergangenheit und einer völligen Neubewertung ihrer materiellen Hinterlassenschaft“ 10 . So wurden stillgelegte Industrieanlagen seit den 80er Jahren erhalten und entwickelten sich „innerhalb weniger Jahre zu Symbolen der Industrialisierung“. 11 Bis Ende der 90er Jahre wurden die „im gesamten Ruhrgebiet zerstreuten Anlagen zusammengefasst und durch die ‚Route der Industriekultur’ miteinander verbunden“ 12 ; neben dieser Route gibt es auch weitere Institutionen und Routen, die „Industriekultur“ betreiben. 13
2.2 Ein Definitionsversuch
Der Begriff „Industriekultur“ bezeichnet einerseits die Beschäftigung mit der Kulturgeschichte des industriellen Zeitalters, mit der Technikgeschichte, der Sozialgeschichte der Arbeit, der Architekturgeschichte der Fabriken und der Entwicklung des geographischen Raumes, also
5 Vgl. ebd. S. 13
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Vgl. Grütter, S. 12.
9 Vgl. ebd.
10 Ebd.
11 Vgl. ebd.
12 Ebd.
13 Anm.d. Verf.: siehe dazu Kapitel 8.
4
des Industriereviers bzw. der Industriestadt. 14 Andererseits steht er auch für die Nutzung der alten Standorte als „Ressourcen für die Zukunft“. 15 So bieten diese Raum für „museale Erinnerungen, Kreativität, Kunst und Kultur“ 16 . Eine besondere Rolle spielt hierbei die Denkmalpflege, die Betrachtung der Anlagen als kulturelles Erbe:
„So wie die Kathedralen der Gotik Menschen und Stadt Lebensraum und Identität vermittelten, so gaben
17 Zechen und Hütten dies dem Industrierevier.“
Neben der musealen Erinnerung erfüllen die Orte zudem eine weitere Funktion durch die Umnutzung der Anlagen in ökonomischer Hinsicht als Standorte für Dienstleistungen und neue Produkte. 18 Hier ist auch der Industrietourismus ein bedeutender Faktor und bildet einen „Bestandteil zukunftsorientierter regionaler Strukturkonzepte“. 19 Eine zentrale Rolle in der „Industriekultur“ spielt im Allgemeinen also die Einbettung der alten industriellen Anlagen in die moderne Dienstleistungsgesellschaft, in der sie aktuelle, sinnvolle Funktionen erfüllen und gleichzeitig an Vergangenes erinnern.
In Verbindung mit dem „Industrietourismus“ bekommt der Begriff „Industriekultur“ schließlich weitere Bedeutungsfelder, wie zum Beispiel „Erlebbarkeit“, „Spaß“ und „Freizeitgestaltung“, wie sie die Besucher der „Route der Industriekultur“ laut der Befragung wahrgenommen haben. Der Wandel der vorrangigen Assoziationen in den Befragungen von 1996 und 2000 lässt sich auch damit erklären, dass sich der Industrietourismus erst mit der Eröffnung der Route in größerem Maße entwickelt hat. Die Internetseite der „Route der Industriekultur“ wirbt mit dem Slogan: „Das industrielle Erbe der Region erleben“ 20 . Auch hieraus wird deutlich, dass „Industriekultur“ nun in großem Maße mit „Erlebbarkeit“ assoziiert wird. Da immer noch Potentiale zum Ausbau des Tourismus bestehen 21 , ist es auch denkbar, dass sich hier weitere Bedeutungen hinzutreten können.
Historisch betrachtet beschreibt „Industriekultur“ zudem auch keine abgeschlossene Epoche, sondern stellt eine „sich wandelnde und immer wieder neu zu fassende Interpretation der Vergangenheit“ 22 dar, da sich „Industrie“, „Kultur“, und auch die Inszenierung der „Industriekultur“ fortlaufend entwickeln.
14 Vgl. Heupel, Karl. URL: http://www.karl-heupel.de/kh/architektur/was_ist.htm, 18.07.09.
15 Ebd.
16 URL: http://www.industriekultur.de, 18.07.09.
17 Heupel, URL: http://www.karl-heupel.de/kh/architektur/was_ist.htm, 18.07.09.
18 Vgl. URL: http://www.industriekultur.de, 18.07.09.
19 Vgl. Heupel.
20 URL: http://www.route-industriekultur.de/, 18.07.09
21 Anm. d. Verf.: siehe hierzu Kapitel 7.
22 Grütter, S. 16.
5
3. Die „Route der Industriekultur“
3.1 Der thematische Schwerpunkt und die geographische Lage der Route
Die Route berichtet visuell von der Geschichte des Ruhrgebietes im Industriezeitalter und präsentiert dessen Entstehung, Entwicklung und Wandel: 23
„In ihrer Gesamtheit erzählt die Route der Industriekultur die große Geschichte der Entstehung, des Aufstiegs und des Wandels einer Industrieregion, mit ihren Anfängen im frühen Bergbau und der Metallverarbeitung in den Ruhrbergen, ihrem Höhepunkt in der Hochphase der Montanindustrie mit den Tiefbauzechen, Kokereien, Hochöfen und der Schwerindustrie und ihrem (vorläufigen) Abschluss in der Bergbau- und Stahlkrise, im Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft und in der Umwandlung von
24 Industrieanlagen zu Denkmälern.“
Dabei werden die Bereiche und Phasen der Industrialisierung an verschiedenen Originalschauplätzen demonstriert und interpretiert. 25 So werden zum Beispiel neben anderen Standorten und Themen das vorindustrielle Handwerk und die
Frühindustrialisierung im Freilicht-Museum Hagen gezeigt, die Anfänge des Bergbaus in der Zeche Nachtigall in Witten, und Hochphase des Ruhrbergbaus in der Zeche Zollern in Dortmund. Die DASA (Deutsche Arbeitsschutzausstellung) zeigt schließlich die Veränderung der Arbeitswelt. 26
Die Route bezieht sich in ihrer Darstellung nicht nur Dauerausstellungen und -präsentationen mit ein, sondern auch zeitlich begrenzte kulturelle Attraktionen in der Region, „die in steigender Zahl eben auch in Räumlichkeiten der Standorte entlang der Route stattfinden“ 27 . Auf der Internetseite der Route gibt es hierfür unter Rubrik „Route aktuell“ einen Veranstaltungskalender, der über Ausstellungen, Führungen, Touren und Feiern an den Standorten informiert. 28
Die „Route der Industriekultur“ umfasst eine Strecke von 400 km. 29 Geographisch betrachtet, lässt sich der Kern der „Route der Industriekultur“ allgemein im Raum zwischen den Flüssen Emscher bzw. dem Rhein-Herne Kanal im Norden und der Ruhr im Süden festmachen; die westliche Grenze bildet der Rhein, und im Osten endet die Route in Hamm. 30 Von den Ankerpunkten her gesehen wird dieser geographische Rahmen allerdings teilweise etwas überschritten, wie z.B. im Süden durch die Standorte in Hagen (Hohenhof und Freichlichtmuseum). 31
23 Vgl. Grütter, S. 16.
24 Ebd. S. 15.
25 Vgl. ebd.
26 Vgl. ebd.
27 Gunnar Sandkühler, Beate Olmer: Routen zur Industriekultur in Nordrhein-Westfalen, in: Franz-Josef Jelich
(Hg.): Wegweiser zu industrie- und sozialgeschichtlichen Museen und Dauerausstellungen in Nordrhein-
Westfalen, Essen 2005, S. 499.
28 Vgl. URL:http://www.route-industriekultur.de/kalender/, 18.07.09.
29 Vgl. Sandkühler/Olmer, S. 498.
30 Vgl. ebd. S. 495.
31 Vgl. ebd. S. 498.
6
Arbeit zitieren:
Christina Gieseler, 2009, Routen zur Industriekultur im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christina Gieseler hat einen neuen Text hochgeladen
Bleu Blanc Rouge - Le Grand 8. Schülerbuch für Baden-Württemberg und N...
Das neue Lese- und Arbeitsbuch...
Abitur 2012 Französisch Leistungskurs. Gymnasium. Nordrhein-Westfalen
Prüfungsaufgaben 2007 bis 2011...
Nordrhein-Westfalen / North Rhine-Westphalia / La Rhénanie du Nord Wes...
Eine Bildreise
Ronald D. Gerste, Reinhard Felden
0 Kommentare