Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Le Bon 5
3 Freud 10
4 Reich 15
5 Adorno 21
6 Hofst atter 25
7 Mitscherlich 27
8 Nachtrag 30
9 Literatur 31
2
1 Einleitung
Die Massenpsychologie ist ein breites Thema der Psychologie. In dieser Arbeit wird ein ¨ Uberblick der wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklung sowie insbesondere des Anwendungsbereichs der Massenpsychologie auf den Faschismus gegeben. Die Arbeit beansprucht keine Vollst¨ andigkeit f¨ ur sich. Vielmehr werden markante Stationen und herausragende Autoren kompilatorisch Wiedergegeben und so die Entwicklung von der deskriptiven Massenpsychologie uber die Psychoanalyse hin zum Anwendungsbereich nachvollzogen. ¨
Dem Thema liegen drei Begriffe unter, Ich, Masse und politische Psychologie. Das Ich ist eine Kategorie aus Freuds Psychoanalyse. ” Das Ich ist vor
allem ein k¨ operliches, es ist nicht nur ein Oberfl¨ achenwesen, sondern selbst eine Projektion einer Oberfl¨ ache“ 1 Das Ich sitzt dem Es oberfl¨ achlich auf,
es ist vom Es nicht scharf getrennt, sondern fließt mit ihm zusammen. Es ist vom Verdr¨ angten scharf geschieden, mit ihm kann es nur ¨ uber das Es kommunizieren. ” Das Ich repr¨ asentiert, was man Vernunft und Besonnenheit nennen kann, im Gegensatz zum Es, welches die Leidenschaften enth¨ alt.“ 2
Der Begriff Masse ist ein Ph¨ anomen, welches vor allem in großst¨ adtischen, modernen Zusammenhang gedacht und mit der Atomisierung des Einzelnen in Zusammenhang gebracht wird. Im Gegensatz zum Gruppenbegriff beinhal¨ tet Masse etwas amorphes und irrationales. ” Uberall aber, wo man es mit dem
spezifischen Verhalten von Massen zu tun hat, st¨ oßt man auf ein irrationales Moment, von der Panik im Theater angefangen bis zu jenen angeblichen Volkserhebungen, in denen die Gefolgsleute begeistert Interesse vertreten, die ihrer eigenen Vernunft und Selbsterhaltung oftmals kraß entgegengesetzt sind.“ 3 Die Vorstellung von Masse verschiebt sich dabei von Autor zu Au-
tor. W¨ ahrend bei Le Bon noch vor allem die spontanen Massenaufl¨ aufe und das Zusammentreffen von Menschen als Masse beschrieben werden, sind es bei Freud die k¨ unstlichen Massen von Heer und Kirche. Von Masse muß da gesprochen werden, wo Menschen sich aggregieren. Stets wird mit Masse die große Zahl assoziiert. Masse wird oftmals gleich gesetz mit einfachen Leuten oder Arbeitern, ihr haftet das Bild des ungebildeten Volkes an. Als Gegenbegriff wird ihm das Individuum beigelegt.
Der Begriff politische Psychologie wurde 1860 von Adolf Bastian eingef¨ uhrt. Politische Psychologie untersucht die Zusammenh¨ ange zwischen Macht und Herrschaft einerseits und der Subjektivit¨ at von Gef¨ uhlen, Meinungen und Verhalten in Politik und Gesellschaft andererseits. Massenpsy-
1 SigmundFreud, Das Ich und das Es, Fischer Verlag 1960, S. 182
2 op. cit. S. 181
3 Institut f¨ ur Sozialforschung, Soziologische Exkurse, Europ¨ aische Verlagsanstalt
1956, S. 71
3
chologie wird da zur politischen Psychologie, wo es die Verh¨ altnisse zwischen der Masse und den Einzelnen untersucht und in Zusammenhang mit der Gesellschaft bringt. ” Wie sich Einer gegenw¨ artig verh¨ alt, das ist an Urahnfrau’s Neigung nicht mehr abzulesen, obgleich in einer streng statischen Gesellschaft fr¨ uherer Epochen mit ihrem langsameren Gang der Industrie es wohl so scheinen mochte. ,Original‘, wie manche Romantiker ihn haben wollten, ist der einzelne trotzdem nicht. ,Tradition‘ und ,Charakter‘ sind Produkte der Sozialisation.“ 4 Streng genommen kann bei Le Bon und Freud noch
nicht von einer politischen Psychologie gesprochen werden, da ihnen der Bezug zur politischen Sph¨ are fehlt, erst mit Reich und seiner ¨ Ubertragung der
Psychologie auf gesellschaftliche und politische Zust¨ ande entwickelt sich die Massenpsychologie zur politischen Psychologie. Im Einzelnen gliedert sich die Arbeit entlang der historischen Entwicklung der Massenpsychologie. Bei Le Bon werden die verschiedenen deskripiven Ph¨ anomene der Massen untersucht. Im Abschnitt ¨ uber Freud kommt
die Psychoanalyse zur Anwendung, anhand der Begriffe Identifikation und Hypnose werden die Einfl¨ usse und Bedingungen der Massenentstehung beim Einzelnen in Augenschein genommen. Reich und Adorno werden hinsichtlich der Zusammenh¨ ange zwischen Massen und Faschismus zu Rate gezogen. W¨ ahrend bei Reich insbesondere der Zusammenhang von Psychologie und Marxismus in Form der Ideologie Beachtung findet, verbleibt Adorno streng an der Freudschen Theorie bei der Betrachtung des Faschismus und ihrer Agitation. Hofst¨ atter wird kurz eingeflochten, wegen seiner Kritik der Massenpsychologie. Mitcherlich betrachtet unter dem Blickwinkel der Massenpsychologie die moderne Gesellschaft.
4 Peter Br¨ uckner, Die Transformation der Demokratie, Europ¨ aische Verlagsanstalt
1968
4
2 Le Bon
Gustave Le Bons (*1841 Nogent-le-Retrou - †1931 Paris) Massenpsychologie
ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Urspr¨ unglich wurde die Massenpsychologie allerdings schon vor Le Bon aus den Reihen der Polizei heraus entwickelt; dort ging es um die Erforschung des Ph¨ anomens von Massenaufl¨ aufen und sogenannten verbrecherischen Massen. Trotzdem gilt Le Bon als Begr¨ under der Massenpsychologie. Le Bon war von Beruf her Arzt und hatte zudem eine Passion in der Anthropologe gehabt. 1870 war er Chefarzt in einer Feldlazarettabteilung der franz¨ osischen Armee, die Paris gegen die Deutschen verteidigte. Le Bons Denken orientiert sich in seinen Schriften an Auguste Comte. Zweifelslos begr¨ undet sich Le Bons Werk ” Psychologie der Massen“ (Original:
Psychologie des Foules“) auf Comtes Enzyklop¨ adischen Gesetz und versteht
”
sich als Ausf¨ uhrung in der sozialen Physik. Der Begriff ” ist dabei insofern irref¨ uhrend, da in der deutschen ¨ Masse“ als Synonym f¨ ur ”
”
Die Massenpsychologie Le Bons setzt zwei Begriffe gegen¨ uber: Masse und Rasse. Unter Masse im psychologischen Sinne versteht Le Bon eine Menschenmenge die unter gewissen Reizen besondere Wesensarten einnimmt, die dem Einzelnen nicht innewohnten. Allgemeine Eigenschaften der Masse sind ihre Triebhaftigkeit, Beweglichkeit und Erregbarkeit. Sie besitzt folgende Charaktereigent¨ umlichkeiten, die durch drei Ursachen herr¨ uht: 1. Gef¨ uhl der un¨ uberwindlichen Macht beim Einzelnen, durch die er sich zur Auslebung von Trieben hinreißen l¨ aßt, die er alleine nicht ausleben w¨ urde. 2. Menta-
le Ansteckung (hier ¨ ubersetzt als ” der Hypnose erkl¨ art wird: ”
ubertragbar, und zwar in so hohem Grade, daß der einzelne sehr leicht sei¨
ne pers¨ onlichen W¨ unsche den Gesamtw¨ unschen opfert.“ 6 3. Als wichtigste
Ursache nennt Le Bon die Beeinflußbarkeit. ” Die bewußte Pers¨ onlichkeit ist
v¨ ollig ausgel¨ oscht, Wille und Unterscheidungsverm¨ ogen fehlen, alle Gef¨ uhle
Masse auf Menge oder auf den physikalischen Begriff Masse beziehen kann. Letzteres ist ein interessanter Punkt, immerhin steht Masse im physikalischen Sinne f¨ ur eine Eigenschaft der Materie, also m ≡ μϑ mit μ als f¨ ur die Substanz charakteristischen Zahl (Dichte) und ϑ als Volumen der Materiemenge (cf. W. Macke: Mechanik der Teilchen, Akademische Verlagsgesellschaft 1967). Man muß sich also fragen, ob die potenzielle mathematische Beschreibung von Masse gew¨ unschtes Resultat der Fehl¨ ubersetzung von Foules war. Bei Zutreffen dieser These steht die Fehl¨ ubersetzung f¨ ur den Versuch, die Massenpsychologie in eine beschreibbare Form der Physik Newtons bzw. Leipniz zu bringen. Diese Auffassung w¨ urde mit den mechanistischen Weltbild des 19. Jahrhunderts korrespondieren.
6 Le Bon, Psychologie der Massen, Kr¨ oner Verlag 1957, S. 17
5
und Gedanken sind in die Sinne verlegt [. . .]“ 7 Diese Suggestion ist in der
Masse noch st¨ arker als bei einem Hypnotiseur, da sich hier die einzelnen Mitglieder der Masse gegenseitig in ihrer Suggestion best¨ arken. Lediglich starke Pers¨ onlichkeiten k¨ onnen ihr widerstehen und sie durch Eingabe gewisser Bilder von ihren Taten ablenken. ” Die Hauptmerkmale des einzelnen in der
Masse sind also: Schwinden der bewußten Pers¨ ohnlichkeit, Vorherrschaft des unbewußten Wesens, Leitung der Gedanken und Gef¨ uhle durch Beeinflussung und ¨ Ubertragung in die gleiche Richtung, Neigung zur unverz¨ uglichen Verwirklichung der eingefl¨ oßten Ideen.“ 8 Der Einzelne wird in der Masse zum
Triebwesen. Intellektuell ist die Masse dem unabh¨ angigen Einzelnen stets un-tergeordnet, aber von den Gef¨ uhlen ausgehend kann die Masse zwischen einer verbrecherischen Masse und einer heroischen Masse schwanken, je nachdem welchen Einfl¨ ussen sie ausgesetzt ist. Die Masse selbst wird dabei vom Unbewußten geleitet: ” Physiologisch l¨ aßt es sich so erkl¨ aren, daß der alleinstehende einzelne die F¨ ahigkeit zur Beherrschung seiner Empfindungen hat, die Masse aber nicht dazu imstande ist.“ 9 Die Mannigfaltigkeit ihrer Triebe sind so
geschaffen, daß der Selbsterhaltungstrieb davor zur¨ ucktritt. ” Die Masse wird
leicht zum Henker, ebenso leicht aber auch zum M¨ artyrer“ 10 Sie ist Wegbe-
reiter jeden Glaubens. Eine Vor¨ uberlegung ist bei der Masse nicht gegeben, sie durchl¨ auft eine ganze Folge von Gef¨ uhlen aufgrund von Augenblickreizen. In ihrer ¨ Uberzahl entsteht bei ihr das Gef¨ uhl von unwiderstehlicher Macht: F¨ ur den einzelnen in der Masse schwindet der Begriff des Unm¨ oglichen. [. . .] ”
Als Glied einer Masse aber ¨ ubernimmt er das Machtbewußtsein, das ihm die
Menge verleiht, und wird der ersten Anregung zu Mord und Pl¨ underung augenblicklich nachgeben.“ 11 F¨ ur Le Bon sind die Massen weibisch 12 in ihrer
Reizbarkeit und Tribhaftigkeit.
Die erste klare Beeinflussung wird durch ¨ Ubertragung auf alle anderen
Gehirne augenblicklich mitgeteilt, sie gibt die Gef¨ uhlsrichtung der Masse an. So muß die Masse, die stets an den Grenzen des Unbewußten umherirrt, al-”
len Einfl¨ ussen unterworfen ist, von der Heftigkeit ihrer Gef¨ uhle erregt wird, welche allen Wesen eigen ist, die sich nicht auf die Vernunft berufen k¨ onnen, uberm¨ aßigen Leichtgl¨ aubigkeit sein.“ 13 alles kritischen Geistes bar, von einer ¨
Dazu kommen noch die Entstellungen, die zur Entstehung von Legenden
7 op. cit. S. 18
8 loc. cit.
9 op. cit. S. 22
10 loc. cit.
11 op. cit. S. 23
12 Wobei mir diese Zuschreibung in den Begrifflichkeiten des 19. Jhd. nicht gel¨ aufig ist.
Was hieße damgegen¨ uber dann m¨ annlich?
13 op. cit. S. 25
6
f¨ uhren. Die Masse denkt in Bildern. Diese haben nur eine entfernte ¨ Ahn-Infolge der ¨ lichkeit mit der beobachteten Tatsache. ” Ubertragung sind die
Entstellungen durch die einzelnen einer Gemeinschaft alle von der gleichen Art und Weise.“ 14 Sie vollziehen sich als Kollektivhalluzination in folgen-
der Weise, die Masse ist im Zustand gespannter Aufmerksamkeit, es erfolgt eine Suggestion durch einen einzelnen, nun wird durch ¨
Ubertragung diese Suggestion von allen Anwesenden aufgenommen. Le Bon schlussfolgert: ” Ereignisse, die von der gr¨ oßten Anzahl von Personen beobachtet wurden, sind sicher die zweifelhaftesten.“ 15
Alle Gef¨ uhle, gute und schlechte, die eine Masse ¨ außert, haben zwei
”
uberschwenglich.“ 16 Dies Eigent¨ umlichkeiten; sie sind sehr einfach und sehr ¨ bewahrt die Masse vor Zweifel und Ungewißheit. Verd¨ achtigungen werden so gleich zu unumst¨ oßlichen Gewißheiten, Abneigung und Mißbiligung zu wilden Haß. Der ¨ Uberschwang der Gef¨ uhle ruft in den Massen Reste der Urinstinkte herauf, die der einzelne bei Furcht vor Strafe z¨ ugeln w¨ urde. Ein Redner, der vor Massen spricht, muß beachten, daß die Masse nur durch ¨ uberm¨ aßige
Empfindungen erregt wird. Daher benutzen solche Redner insbesondere die rhetorischen Mittel des Schreiens, Beteuerns und Wiederholens und unterlassen den Versuch von Beweisen ihrer Aussagen. Andererseits kann sich ein Redner keinen Widerspruch leisten, da die Masse in das, was sie f¨ ur Wahrheit oder Irrtum h¨ alt, keine Zweifel hat und in Bewußtsein ihrer Macht daher eigenm¨ achtig und unduldsam ist. Sie erkennt nur die Macht an: ” Niemals galten ihre Sympathien den g¨ utigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie kraftvoll beherrscht wurden“ 17 Und: ” Das Urbild des Massenhelden wird
stets C¨ asarencharakter zeigen.“ 1819 Die Masse beugt sich daher knechtisch
einer starken Herrschaft, wie sie ebenso gegen eine schwache rebelliert. Man mißversteht nach Le Bon die Psychologie der Masse, wenn man in ihr eine Vorherrschaft von revolution¨ aren Trieben sehen w¨ urde. Ausbr¨ uche von Emp¨ orung sind stets nur von kurzer Dauer, instiktiv steuert die Masse sich selbst ¨ uberlassen ihrer eigenen Knechtschaft zu. ” In Wahrheit haben sie nicht
weiter erkl¨ arbare Beharrungsinstinkte, und wie alle Primitiven eine fetischistische Ehrfurcht vor den ¨ Uberlieferungen, einen unbewußten Abscheu vor
14 op. cit. S. 26
15 op. cit. S. 33
16 op. cit. S. 35
17 op. cit. S. 39 18 loc. cit.
19 Man beachte, daß Mussolini sich stets in Form eines modernen C¨ asaren zeigte und besonders auf die eigene Macht bei seiner Zurschaustellung angewiesen war, was bei den italienischen Massen zur Begeisterung f¨ uhrte.
7
allen Neuerungen, die ihre realen Lebensbedingungen ¨ andern k¨ onnten.“ 20
Als letzte Eigenschaft nennt Le Bon noch die Sittlichkeit, die den Massen zu eigen ist. Diese steht im Kontrast zu den Trieben zerst¨ orerischer Wildheit. ” Wenn nun die Masse imstande ist, Mordtaten, Brandstiftungen und Verbrechen aller Art zu begehen, so ist sie ebenso zu Taten der Hingabe, Aufopferung und Uneigenn¨ utzigkeit f¨ ahig, sogar in h¨ oherem Maße als der einzelne.“ 21
Der Masse gegen¨ uber gestellt ist die Rasse, die sogleich den seelischen Kern der Masse bildet. ” Die Massenseele wird zum b¨ osen Widersacher der kulturerzeugenden Rassenseele, die doch selbst zugleich den unbewußten Kern der Massenseele bilde, ohne daß Le Bon um den Widerspruch sich k¨ ummerte.“ 22 Der Begriff der Rasse ist f¨ ur das heutige Verst¨ andnis irref¨ uhr-
end. Le Bon versteht darunter die geistige Rasse, die von der aristokratischen Familienvererbung ausgehend den Charakter des Volkes ausmacht. Im 19. Jhd. war der Begriffe der Rasse noch nicht eindeutig biologisch gef¨ arbt. F¨ ur eine n¨ ahere Betrachtung des Rassebegriffs im 19. Jhd. vgl. Utz Anhalt, Darwin ist Unschuldig“ 23 . ”
Nach Le Bon stellen die Unterschiede der verschiedenen Rassen ein Haupt-hindernisgrund dar, wenn Vertreter verschiedener V¨ olker eine Masse bilden. Diese zerf¨ allt rasch in Zwietracht. Der Grund liegt in der verschiedenen ererbten geistigen Konstitution. Die Gegen¨ uberstellung von Rasse und Masse wird von Le Bon folgendermaßen konstatiert, Rasse ist kulturerzeugend w¨ ahrend Die niederen Eigenschaften Masse einen R¨ uckfall in die Barbarei darstellt: ”
der Masse sind um so weniger betont, je st¨ arker die Rassenseele ist.“ 24 Vor
der Barbarei sch¨ utzt sich die Rasse durch Erwerb einer festgef¨ ugten Seele. Mit dem Wechselspiel von Masse und Rasse kommt Le Bon zu folgendem geschichtsphilosophischen Ergebnis, welches den Kreislauf von Aufstieg, Bl¨ ute und Niedergang der V¨ olker und ihrer Kulturen betrachtet. Das Erwachen der Kulturen beginnt mit einem zusammengewehten Haufen von Menschen verschiedenster Abstammung, verschiedendestem Blute, verschiedenster Sprache und verschiedenster Anschauung. Diese werden durch das Band eines Gesetzes unter einem H¨ auptling zusammengehalten. ” In ihrem
verworrenen Haufen finden sich die psychologischen Merkmale der Masse im
20 op. cit. S. 40
21 op. cit. S. 42
22 Institut f¨ ur Sozialforschung, Soziologische Exkurse, Europ¨ aische Verlagsanstalt
1956
23 in: Die unersch¨ opfte Theorie - Evolution und Kreationismus in Wissen-
schaft und Gesellschaft (Hrsg. Christoph Lammers u.a.) im Alibri Verlag
24 Le Bon, Psychologie . . ., S. 136, Hervorh. i. Orig.
8
h¨ ochsten Maße. [. . .] Sie sind Barbaren.“ 25 Mit dem Zusammenschmelzen
dieses Haufens beginnt sich eine Rasse zu bilden, die sich durch Vererbung immer mehr verfestigt, aus der Masse wird ein Volk. Um aus der Barbarei sich zu erheben muß es durch wiederholte K¨ ampfe und unz¨ ahlige Ans¨ atze ein Ideal errringen. Mit diesem Ideal entsteht Kultur. ” Ist die Kultur auf einer
gewissen H¨ ohe der Macht und Mannigfaltigkeit angelangt, so h¨ ort sie auf zu wachsen, und sobald sie zu wachsen aufh¨ ort, ist sie zu raschem Niedergang bestimmt.“ 26 Durch das fortschreitende Schwinden des Ideals verliert
die Rasse ihren Zusammenhalt, ihre Einheit und ihre Seele. Zuletzt wird das Volk nur noch durch ¨ Uberlieferung und Einrichtungen k¨ unstlich zusammengehalten und bildet ansonsten wieder einen zusammenhanglosen Haufen. Mit dem endg¨ ultigen Verlust des fr¨ uheren Ideals verliert die Rasse zuletzt
”
auch ihre Seele, sie ist dann nur noch eine Menge alleinstehender Einzelner und wird wieder, was sie am Ausgangspunkt war, eine Masse.“ 27
F¨ ur Sigmund Freud ist das, was Le Bon ¨ uber die F¨ uhrer von Massen sagt,
wenig ersch¨ opfend und l¨ aßt das Gesetzm¨ aßige nicht so deutlich erscheinen. Le Bon geht davon aus, daß ab einer gewissen Anzahl von lebenden Wesen, die zusammenkommen, ein Oberhaupt oder F¨ uhrer die Herrschaft ¨ uber die Gruppe ¨ ubernimmt. ” Meistens sind die F¨ uhrer keine Denker, sondern
M¨ anner der Tat. [. . .] Man findet sie namentlich unter den Nerv¨ osen, Reizbaren, Halbverr¨ uckten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden.“ 28 Ihre
suggestive Macht entspringt ihrem Glauben, sie verf¨ ugen ¨ uber einen starken
Willen und streben oft das Martyrium f¨ ur sich an. Es lassen sich zwei Klassen von F¨ uhrern unterteilen: ” Zu der einen Art geh¨ ohren die energischen, willensstarken, aber nicht ausdauernden Menschen; zur anderen, viel selteneren, die Menschen mit einem starken, ausdauernden Willen.“ 29 Die zweite Klasse ist
zwar nicht so Glanzvoll, ¨ ubt aber einen bedeutenderen Einfluß in Kultur und Geschichte aus. Nachdem Le Bon die drei Mittel zur Beeinflussung der Masse, Behauptung, Wiederholung und ¨ Ubertragung, ausf¨ uhrt, kommt er auf
den Nimbus (Heiligenschein, Ruhmesglanz, Ansehen, Geltung) zu sprechen: Der Nimbus ist in Wahrheit eine Art Zauber, den eine Pers¨ onlichkeit, ein
”
Werk oder eine Idee auf uns aus¨ ubt.“ 30 Es k¨ onnen zwei Grundformen des
Nimbus unterschieden werden, der erworbene und der pers¨ onliche Nimbus. Der erworbene Nimbus entsteht durch Name, Reichtum oder Ansehen, auch eine Uniform oder Robe dr¨ uckt einen gewissen Nimbus aus. Der pers¨ onliche
25 op. cit. S. 180
26 op. cit. S. 181
27 op. cit. S. 182
28 op. cit. S. 98
29 op. cit. S. 101
30 op. cit. S. 109
9
Nimbus beruht auf etwas individuellen. Er kann durch pers¨ onliches Ansehen, milit¨ arischen Ruhm oder religi¨ oser Angst entstehen, aber auch andere pers¨ onliche Leistungen zugerechnet werden. Er beruht im wesentlichen auf dem Erfolg. ” Der Nimbus verschwindet immer im Augenblick des Mißerfolgs. [. . .] Je gr¨ oßer der Nimbus, um so heftiger der R¨ uckschlag“ 31
3 Freud
Sigmund Freud (*1856 Freiberg/M¨ ahren - †1939 London) wendet die von
ihm entwickelte Psychoanalyse auf die Massenpsychologie an. ” Bis zu Freuds
,Massenpsychologie und Ich-Analyse’ wurde die ,Masse’ als ein r¨ atselhaft t¨ uckisches, vielgliedriges Wesen beschrieben. [. . . ] Freud erkannte den entscheidenen Mechanismus; es ist die Einsetzung eines F¨ uhrers als Ich-Ideal eines jeden Massengliedes.“ 32
Freud findet bei der Betrachtung der bisherigen Literatur zur Massenpsychologie zwei Grundtatsachen vor: Affektsteigerung und Denkhemmung. Zur¨ uckgef¨ uhrt werden diese Grundtatsachen auf die Suggestion, die eine Mas-Bei Le Bon wurde alles Befremdende der sozialen Erscheinungen se bewirkt. ”
auf zwei Faktoren zur¨ uckgef¨ uhrt, auf die gegenseitige Suggestion der Einzelnen und das Prestige der F¨ uhrer. Aber das Prestige ¨ außert sich wiederum nur in der Wirkung, Suggestion hervorzurufen.“ 33 Das Wesen der Suggestion
selbst wird von den Autoren nicht untersucht. Freud geht diesem Geheimnis mit dem Begriff der Libido an. ” Libido ist ein Begriff aus der Affektivit¨ atslehre“ 34 Er meint eine quantifizierte Gr¨ oße all der Triebe unter dem
der Begriff Liebe subsumiert ist. Dies ist prim¨ ar die Geschlechtsliebe, aber auch die Begriffe Selbstliebe, Eltern- und Kindsliebe, Freundschaft, allgemeine Menschenliebe sowie Hingabe an konkrete Gegenst¨ ande und abstrakte Ideen werden mit dem Begriff Libido zusammengefaßt. ” Diese Liebestriebe
werden nun von der Psychoanalyse a potiori und von ihrer Herkunft her Sexualtriebe geheißen.“ 35 Freud postuliert, daß diese Liebesbeziehungen das
Wesen der Massenseele ausmachen, w¨ ahrend fr¨ uhere Autoren diesen Zusammenhang gleich einer Spanischen Wand hinter dem Begriff Suggestion ver-borgen hielten. Begr¨ undet wird dies durch zweierlei: Erstens wird die Masse durch irgendeine Macht zusammengehalten, dies kann aber nur der Eros sein, [. . .] daß man den Eindruck empf¨ angt, wenn der Einzelne in der zweitens ”
31 op. cit. S. 119
32 Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse, Fischer Verlag 1967, S. 8
33 op. cit. S. 27
34 op. cit. S. 29
35 op. cit. S. 30
10
Masse seine Eigenart aufgibt und sich von den Anderen suggerieren l¨ aßt, er tue es, weil ein Bed¨ urfnis bei ihm besteht, eher im Einvernehmen mit ihnen als im Gegensatz zu ihnen zu sein, also vielleicht doch ,ihnen zuliebe‘.“ 36
Massen lassen sich in fl¨ uchtige und dauerhafte, homogene und nicht homogene, nat¨ urliche und k¨ unstliche, primitive und hoch organisierte, f¨ uhrerlose und solche mit F¨ uhrern einteilen. Freud betrachtet f¨ ur seine Libido-These zwei k¨ unstliche Massen, n¨ amlich Kirche und Heer. Beiden ist gemeinsam, daß ein gewisser ¨ außerer Zwang aufgewendet wird, um sie beisammen zu halten und daß ein Oberhaupt da ist, der vorspiegelt, allen Einzelnen der Masse die gleiche Liebe zuteil werden zu lassen. Christus bzw. der Feldherr [. . .] der Feldherr ist der Vater der alle ist in diesen Massen ein Vaterersatz: ”
Soldaten gleich liebt, und darum sind sie Kameraden untereinander.“ 37 In
gleicher Weise entstehen Kriegsneurosen durch die lieblose Behandlung der Soldaten durch ihren Vorgesetzten. Die libidon¨ ose Bindung besteht zwischen den F¨ uhrer (Feldherr, Christus) der Massen einerseits und andererseits ihrer Mitglieder untereinander. Das zersetzen der Masse ruft Panik hervor. In der Masse haben die affektiven Bindungen aufgeh¨ ort zu bestehen und die libidon¨ ose Struktur weicht der panischen Angst. ” Die Angst des Individuums wird hervorgerufen entweder durch die Gr¨ oße der Gefahr oder durch das Auflassen von Gef¨ uhlsbindungen (Libidobesetzung); der letzte Fall ist der der neurotischen Angst. Ebenso entsteht die Panik durch die Steigerung der alle betreffenden Gefahr oder durch das Aufh¨ oren der die Masse zusammenhaltenden Gef¨ uhlsbindungen, und dieser letzte Fall ist der neurotischen Angst analog.“ 38 Mit dem Verlust des F¨ uhrers schwindet auch die Gef¨ uhlsbindung
der Massenmitglieder untereinander.
Neben der libidon¨ osen Bidung zu anderen gibt es auch den Narzißmus, der zu einer Ablehnung oder Feindseligkeit zur geliebten Person f¨ uhrt. Innerhalb der Massen findet der Narzißmus dagegen keinen Eingang und es entsteht kein Gef¨ uhl der Ablehnung. ” Eine solche Einschr¨ ankung des Narzißmus kann nach unseren theoretischen Anschauungen nur durch ein Moment erzeugt werden, durch libidon¨ ose Bindung an andere Personen.“ 39 In der Fremdliebe findet die
Selbstliebe ihre Schranken. Diese Beeintr¨ achtigung des Ichs f¨ uhrt Freud auf die Verliebtheit zur¨ uck, welche von den urspr¨ unglichen Zielen des Liebestriebs ablenkt. In der weiteren Betrachtung besch¨ aftigt sich Freud daher zuerst mit dem Begriff der Identifizierung, um dann mit den Begriffen Verliebtheit und Hypnose ein erstes Ergebnis zum Problem der Massen zu finden. Die Identifizierung ist eine fr¨ uhe Form der Gef¨ uhlsbindung zu einer an-
36 op.cit. S. 31
37 op. cit. S. 33
38 op. cit. S. 36
39 op. cit. S. 41
11
deren Person und beginnt schon in der Vorgeschichte des ¨ Odipuskomplexes.
Der Junge nimmt seinen Vater zum Ideal, w¨ ahrend er bei seiner Mutter eine sexuelle Objektbesetzung vornimmt. ” Gleichzeitig mit dieser Identifizierung mit dem Vater, vielleicht sogar vorher, hat der Knabe begonnen, eine richtige Objektbesetzung der Mutter nach dem Anlehnungstypus vorzunehmen.“ 40 Mit der Vereinheitlichung des Seelenlebens stoßen beide Ph¨ anomene aufeinander und es entsteht der normale ¨ Odipuskomplex. Zwischen Vateridentifizierung und Vaterobjektwahl ist der Unterschied zwischen dem was man sein und dem was man haben m¨ ochte, also zwischen der Bindung am Subjekt und am Objekt. Bei der Identifizierung liegt das Streben darin, das Ich so zu gestalten wie das andere zum Vorbild genommene. Bei der neurotischen Symptombildung wie sie bei kleinen M¨ adchen zu beobachten ist, verl¨ auft die Identifizierung entweder als feindseliges Ersetzenwollen und das Symptom dr¨ uckt die Objektliebe aus, oder das Symptom ist dasselbe wie die Identifizierung sei an die Stelle der Objektwahl bei der geliebten Person, ”
getreten, die Objektwahl sei zur Identifizierung regrediert.“ 41
Ein dritter Fall tritt dann auf, wenn die Identifizierung vom Objektverh¨ altnis der kopierten Person ganz absieht und sie auf dem Wege der psychischen Infektion zustande kommt. ” Das eine Ich hat am anderen ei-
ne bedeutsame Analogie in einem Punkte wahrgenommen, [. . .] es bildet sich
daraufhin eine Identifizierung in diesem Punkte, und unter dem Einfluß der pathogenen Situation verschiebt sich diese Identifizierung zum Symptom, welches das eine Ich produziert hat.“ 42
Freud gibt zwei F¨ alle von Identifizierung an, die f¨ ur die weiteren Betrachtungen erhellend sind. Im ersten Fall betrachtet er die m¨ annliche Homosexualit¨ at: Hier kehrt sich der junge Mann nicht von seiner Mutter ab, um ein neues Objekt zu suchen, sondern identifiziert sich mit ihr und wird zu sie, so daß er jetzt nach Objekten sucht, die sein Ich ersetzen k¨ onnen. ” Auff¨ allig
an dieser Identifizierung ist ihre Ausgiebigkeit, sie wandelt das Ich in einem h¨ ochst wichtigen St¨ uck, im Sexualcharakter, nach dem Vorbild des bisherigen Objekts um.“ 43 Der andere Fall ist die Melancholie. Hier ist das Ich
geteilt und ein Teil w¨ utet gegen das andere. ” Es schließt das Gewissen ein,
eine kritische Instanz im Ich, die sich auch in normalen Zeiten dem Ich kritisch gegen¨ uebergestellt hat, nur niemals so unerbittlich und so ungerecht.“ 44
Diese Instanz, die sich vom anderen Ich absondert und in Konflikt mit ihm ger¨ at, wird das Ichideal genannt. Urspr¨ unglich gen¨ ugt das kindliche Ich sich
40 op. cit. S. 44
41 op. cit. S. 45 Hervorh. i. Orig.
42 op. cit. S. 46
43 op. cit. S. 47
44 loc. cit.
12
selbst, mit den Einfl¨ ussen und Anspr¨ uchen der Umgebung kann das Ich den narzißtischen Anforderungen nicht mehr nachkommen und der Mensch sucht Befriedigung im vom Ich differenzierten Ichideal. Im Zuge seiner Untersuchung kommt Freud auf die Verliebtheit zu sprechen. Hier Interessiert vor allem die Idealisierung des Liebesobjekts: ” Bei
manchen Formen der Liebeswahl wird es selbst augenf¨ allig, daß das Objekt dazu dient, ein eigenes, nicht erreichtes Ichideal zu ersetzen.“ 45 In der
schw¨ amerischen Liebe wird das Ich geschw¨ acht, w¨ ahrend das Objekt erh¨ oht wird, der Narzißmus wird auf das Objekt abgelenkt. Gleich der Verliebtheit zur Person ist auch die sublimierte Hingabe zur abstrakten Idee zu betrachten. In Konsequenz versagt das Ichideal und es ist keine Kritik am Objekt Das Objekt hat sich an die Stelle des Ichideals gesetzt.“ 46 mehr m¨ oglich: ”
Freud gibt drei Stufen der Unterscheidung zwischen Identifizierung und Verliebtheit an. Bei der Identifizierung introjiziert das Ich die Eigenschaften des Objekts, w¨ ahrend bei der Verliebtheit das Ich verarmt und dem Objekt hingibt. Freud schr¨ ankt ein, daß bei extremer Verliebtheit auch hier das Ich sich dem Objekt introjiziert. Sodann bei der Identifizierung ging das Objekt verloren und wird im Ich wieder aufgerichtet, das Ich kopiert partiell das Objekt, w¨ ahrend bei der Verliebtheit das Objekt erhalten geblieben ist und auf Kosten des Ichs ¨ uberbesetzt wird. Freud stellt dagegen: ” Steht es denn
fest, daß die Identifizierung das Aufgeben der Objektbesetzung voraussetzt, kann es nicht Identfizierung bei erhaltenem Objekt geben?“ 47 Zuletzt stellt
er folgende Einteilung auf. Bei der Identifizierung wird das Objekt an die stelle des Ichs gesetzt, w¨ ahrend es bei der Verliebtheit die Stelle des Ichideals einnimmt.
Mit dem Vorangegangenen l¨ aßt sich nun auch der Vorgang der Hypnose erhellen. Bei der Hypnose setzt sich der Hypnotiseur an die Stelle des Ichideals, er wird zum einzigen Objekt. ” Die hypnotische Beziehung ist eine uneingeschr¨ ankte verliebte Hingabe bei Ausschluß sexueller Befriedigung [. . .]“ 48 Freud faßt kurz, die Hypnose ist eine Massenbildung zu zweit. Sie
erkl¨ art die Beziehung zwischen Massenindividuum und ihrem F¨ uhrer, die simultan ist bei gr¨ oßerer Anzahl der Beteiligten.
Diese Ausf¨ uhrungen lassen nun eine Formelaufstellung f¨ ur die libidon¨ ose Eine solche prim¨ are Konstitution von Massen zu, Freud faßt zusammen: ” Masse ist eine Anzahl von Individuen, die ein und dasselbe Objekt an die Stelle ihres Ichideals gesetzt und sich infolgedessen in ihrem Ich miteinander
45 op. cit. S. 51
46 op. cit. S. 52 Hervorh. i. Orig.
47 op. cit. S. 53
48 loc. cit.
13
identifiziert haben.“ 49 Diese Formel verschiebt allerdings nur die Erkl¨ arung
der libidon¨ ose Bindung der Massen auf das R¨ atsel der Hypnose, zudem fehlt die Erkl¨ arung der Suggestion der Massenmitglieder untereinander. Um die Regression der gemeinen Masse auf fr¨ uhere Stufen zu erkl¨ aren, wendet sich Freud ¨ uber dem Umweg des Herdentriebs der Betrachtung der Horde zu. Laut Freud bildet nach Darwin die Urhorde die Urform der menschlichen Gemeinschaft. Die Mitglieder der Horde werden von einem starken M¨ annchen beherrscht. In Totem und Tabu legt Freud dar, daß diese Urgemeinschaft in der menschlichen Erbgeschichte Spuren hinterlassen hat. Dort wird der Ursprung des Totemismus durch die T¨ otung des Oberhaupts und Umwandlung in die Brudergemeinde dargelegt, dies sei der Anfang von Religion, Sittlichkeit und soziale Gliederung gewesen. Diese Form der Urhorde findet ihr Ana-
logon in der Masse, wo auch ein Einzelner die Herrschaft ¨ tigte Mitglieder aus¨ ubt, ” soweit die Massenbildung die Menschen habituell beherrscht, erkennen wir den Fortbestand der Urhorde in ihr.“
50
Die Betrachtung der Urhorde veranlasst Freud von zwei genauso alten Psychologien auszugehen, der Massenpsychologie der Massenindividuen und der Individualpsychologie des Oberhaupts, Vaters, F¨ uhrers. Diese Vatergestalt war frei und daher wenig libidin¨ os gebunden in seinem Ich, ihm stand die Selbstliebe zu. ” Noch heute bed¨ urfen die Massenindividuen der Vorspiegelung, daß sie in gleicher und gerechter Weise vom F¨ uhrer geliebt werden, aber der F¨ uhrer selbst braucht niemand anderen zu lieben, er darf von Herrennatur sein, absolut narzißtisch, aber selbstsicher und selbst¨ andig.“ 51 Das
Motiv der Urhorde laßt sich als idealistische Umarbeitung auf die vorher betrachteten k¨ unstlichen Massen Kirche und Heer anwenden. Freud benutzt den Begriff der Urhorde um den Begriffen Hypnose und Suggestion ihr Geheimnis bei der Massenbildung abzuringen. So wird die Hypnose eingeleitet mit der Aufforderung des Hypnotiseurs ihm in die Augen zu sehen, dem liegt die Bedeutung zugrunde, daß der Hypnotiseur behautet oder es von ihm geglaubt wird, er bes¨ aße eine geheimnisvolle Macht, die dem Subjekt seinen Willen aufzwingt. In Urv¨ olkern ist dies gleichbedeutend mit Ferenczi dem Mana, der den Anblick von H¨ auptlingen unertr¨ aglich macht. ” hat richtig herausgefunden, daß sich der Hypnotiseur mit dem Schlafgebot, welches oft zur Einleitung der Hypnose gegeben wird, an die Stelle der Eltern setzt.“ 52 Gegen diese ¨ uberm¨ achtige Macht kann der Hypnotisierte sich
nur in eine passiv-masochistische Einstellung fl¨ uchten. Auch die Suggestionserscheinungen lassen sich auf die Urhorde zur¨ uckf¨ uhren: Der F¨ uhrer ist
49 op. cit. S. 55 Hervorh. i. Orig.
50 op. cit. S. 63
51 loc. cit.
52 op. cit. S. 66, Hervorh. i. Orig.
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der gef¨ urchtete Urvater, w¨ ahrend die Masse beherrscht werden will und autorit¨ atss¨ uchtig ist: ” Der Urvater ist das Massenideal, das an Stelle des Ichideals das Ich beherrscht“ 53
4 Reich
Wilhelm Reich (*1897 Dubzau/Galizien - †1957 Lewisburg/USA) ist der
Entdecker der Orgonenergie und Forscher in der sozialen Sexual¨ okonomie. Zudem war er kritischer Sozialist und Begr¨ under des Freudomarxismus. Sein Buch Massenpsychologie des Faschismus, welches zwischen 1930 und 1933 entstand, wurde von zwei Seiten heftig angegriffen. 1935 wurde es zusammen mit der gesamten Literatur zur politischen Psychologie in Nazideutschland verboten. Aber auch von kommunistischer Seite wurde das Buch als konterrevolution¨ ar abgetan, was mit dem Ausschluß Reichs aus der KPD endete. Reich schreibt im Vorwort dazu: ” Je gr¨ oßer die soziale Wirkungen der massenpsychologischen Arbeit waren, desto sch¨ arfer wurden die Gegenmaßnahmen der Parteipolitiker.“ 54
Reich geht von drei Charakterschichten der biophysischen Struktur des Men˙ schen aus. In der oberfl¨ achlichen Schicht ist der Mensch verhalten, h¨ oflich, mitleidig, plichtbewußt und gewissenhaft. In der mittleren Schicht, die das Freudsche Verdr¨ angte oder Unbewußte darstellt, ist er durchweg grausam, sadistisch, sexuell l¨ ustern, raubgierig und neidisch. Und in der dritten und tiefsten Schicht, die Reich den biologischen Kern nennt, ” ist der
Mensch ein unter g¨ unstigen Umst¨ anden ehrliches, arbeitsames, kooperatives, liebendes oder, wenn begr¨ undet, rational hassendes Tier.“ 55 Diese menschli-
Nachdem che Struktur ¨ ubertr¨ agt Reich nun auf das Soziale und Politische. ” soziale Umst¨ ande und Ver¨ anderungen die urspr¨ unglichen biologischen Anspr¨ uche des Menschen zur Charakterstruktur geformt haben, reproduziert die Charakterstruktur in Form von Ideologien die soziale Struktur der Gesellschaft.“ 56 So sprechen die ethischen und sozialen Ideale des Liberalismus
die oberfl¨ achliche Schicht an und halten die zweite Schicht, daß Freund-Die nat¨ urliche Sozialit¨ at [. . .] ist dem Liberalen sche Unbewußte, unten. ”
fremd“ 57 Diese ist dem Revolution¨ aren zu eigen. Bei dem Faschismus wird
allerdings die zweite Schicht angesprochen: ” In diesem charakterlichen Sinne
53 op. cit. S. 67
54 Wilhelm Reich, Massenpsychologie des Faschismus, Kiepenheuer & Witsch Ver-
lag 2003, S. 19
55 op. cit. S. 11
56 op. cit. S. 12, Hervorh. i. Orig.
57 loc. cit.
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ist ,Faschismus’ die emotionelle Grundhaltung des autorit¨ ar unterdr¨ uckten Menschen der maschinellen Zivilisation und ihrer mechanistisch-mystischen Lebensauffassung.“ 58 Diese schafft die faschistische Partei.
Der Faschismus ist eine durch Menschenmassen getragene und vertretene zwischen rebelli- politischeRichtung und stellt nach Reich ein Amalgan ” schen Emotionen und reaktion¨ aren sozialen Ideen“ 59 dar. Er ist ” in seiner
reinen Form die Summe aller irrationalen Reaktionen des durchschnittlichen menschlichen Charakters.“ 60 Als solcher ist er Sch¨ opfung des Rassenhasses
und nicht umgekehrt und tritt in jedem Volk als sein politischer Ausdruck auf. Er ist ein extremer Ausdruck des religi¨ osen Mystizismus und kann nach Reich als sadistische Religion aufgefaßt werden. Die Mentalit¨ at entspricht der des ” kleinen Mannes“ in seiner unterjochten, autorit¨ atss¨ uchtigen und rebellischen Form: ” In der Rebellion der Masse der mißhandelten Menschentiere gegen die nichtssagenden H¨ oflichkeiten des falschen Liberalismus [. . .] kam die charakterliche Schichte der sekund¨ aren Triebe zum Vorschein.“ 61
Reich betrachtet den Faschismus aus der Sicht des Marxismus. Eine erste Frage ist dabei, wie der Faschismus gegen¨ uber der deutschen Arbeiterbewegung siegen konnte. Entweder, schlußfolgert Reich, war die Marxsche Grundauffassung unrichtig oder sie war richtig und es bedarf einer gr¨ undlichen Untersuchung des Scheiterns der Arbeiterbewegung, sowie der Kl¨ arung der neuartigen Massenbewegung des Faschismus. F¨ ur Reich war der Mangel [. . .] in der Richtung der marxistischen Erfassung der Wirklichkeit angelegt; ” die marxistische Politik hatte [. . .] die charakterliche Struktur der Massen
und die soziale Wirkung des Mystizismus in ihre politische Praxis nicht einbezogen.“ 62 Sie hatte sich auf objektive Prozesse der Wirtschaft beschr¨ ankt
und die Ideologie der Massen vernachl¨ assigt. Die Marxsche revolution¨ are Tat war die Erfassung der industriellen Produktivkr¨ afte als vorw¨ artsdr¨ angende Kraft in der Geschichte. Nach Marx degenerierte der Marxismus allerdings: Lebendige Methoden wurden zu Formeln, wissenschaftliche Tatsachenfor-
”
schung zu starren Schemata“ 63 Es entstand der Vulg¨ armarxismus, der sich auf reinen ¨ Okonomismus beschr¨ ankte. Nach diesem w¨ urde in der wirtschaftlichen Krise notwendigerweise eine ideologische Linksentwicklung eintreten, in der Wirklichkeit jedoch kam es zu einer extremen Rechtsentwicklung. ” Es ergab sich eine Schere zwischen der Entwicklung in der ¨ okonomischen Basis, die nach links dr¨ angte, und der Entwicklung der Ideologie breiter Schichten nach
58 op. cit. S. 13, Hervorh. i. Orig.
59 op. cit. S. 14, Hervorh. i. Orig.
60 loc. cit. , Hervorh. i. Orig.
61 op. cit. S. 15, Hervorh. i. Orig.
62 op. cit. S. 29, Hervorh. i. Orig.
63 op. cit. S. 30
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rechts.“ 64 Die Ursachen lagen einerseits im B¨ urgertum, welches verschiedene
Vorbeugungsversuche, wie etwa den Roosevelt-Plan, unternahm, um einer Entwicklung wie im revolution¨ aren Rußland entgegenzutreten und im Faschismus, welcher in seiner Entwicklung zur Massenbewegung sich zun¨ achst gegen die Großbourgeoisie richtete.
Um 1933 trafen die ¨ okonomischen Bedingungen f¨ ur eine soziale Revolution in Deutschland entsprechend der Marxschen Theorie zu: Auf der einen Seite Kapitalkonzentration und Anarchie des Marktes, auf der anderen Seite Verelendung der Bev¨ olkerung und 50 Millionen Arbeitslose in Europa. Doch es gab innerhalb der Arbeiterschaft keine Emp¨ orung, sondern eine Schere zwischen der sozialen Lage und dem Bewußtsein. Es fand eine R¨ uckwirkung der Ideologie auf die ¨ okonomische Basis statt. Reich unterteilt hierzu die W¨ ahlermasse in eine Klassengliederung und eine ideologische Schichtung am Beispiel der Bev¨ olkerungsz¨ ahlung von 1925: Demnach ergibt sich sozial¨ okonomisch ein Anteil von Arbeitern von 21,789 Mill. und der Mittelschicht von 12,755 Mill. Erwerbst¨ atigen. Die ideologische Struktur aber ergibt ein Bild von 14,433 Mill. Arbeitern und 20,111 Mill. Angeh¨ origen des kleinb¨ urgerlichen Mittelstands (also ¨ okonomischen ” Proletariern“). Diese ideologische
Schichtung f¨ allt mit den Wahlstimmen von 1932 zusammen, die Kommunisten und Sozialdemokraten erhielten 12 bis 13 Millionen Stimmen und die NS-DAP und Deutschnationalisten zusammen 19 bis 20 Millionen Stimmen. ” Die
Entscheidung in der marxistischen Alternative: ,Untergang in der Barbarei’ oder ,Aufstieg zum Sozialismus’, lag, nach allem, was die ¨ Uberlegung bisher
ergab, daran, ob sich die ideologische Struktur der beherrschten Schichten nach ihrer ¨ okonomischen Lage ausrichtet oder ob sie auseinanderfallen“ 65 .
Die Fragestellung ist also, was das Auseinanderklaffen von ¨ okonomischer Lage und psychischer Massenstruktur bewirkt: ” Es kommt also auf die Erfassung des Wesens der massenpsychologischen Struktur und ihrer Beziehung zur ¨ okonomischen Basis, der sie entspringt, an.“ 66 Die politische Psychologie
erforscht demnach die charakterliche Struktur der Menschen einer Epoche und die ideologische Struktur der Gesellschaft. Nach Marx setzt sich das Materielle, das Sein, in Ideelles, in Bewußtsein, um, es muß daher untersucht werden, wie das Bewußtsein auf den ¨ okonomischen Prozeß zur¨ uckwirkt. Die Aufgabe der politischen Psychologie ist es daher zu untersuchen, wie die Menschen einer Epoche charakterlich strukturiert sind, wie sie denken und handeln und wie die Widerspr¨ uche ihres Daseins sich in ihnen auswirken und sie damit umgehen. Ferner kommt es darauf an neben den wirtschaftlichen
64 op. cit. S. 31
65 op. cit. S. 35
66 loc. cit.
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Verh¨ altnissen auch die sexual¨ okonomischen in das gesellschaftliche Denkgeb¨ aude einzubauen.
Mit der R¨ uckwirkung der Ideologie auf den wirtschaftlichen Prozeß wird sie selber zur materiellen Kraft: ” Die Ideologie jeder gesellschaftlichen For-
mation hat nicht nur die Funktion, den ¨ okonomischen Prozeß dieser Gesellschaft zu spiegeln, sondern vielmehr auch die, ihn in den psychischen Strukturen der Menschen dieser Gesellschaft zu verankern“ 67 Damit reproduziert
sie sich nicht nur in der psychische Struktur der Menschen, sondern sie wird in Gestalt des ver¨ anderten und widerspruchsvoll handelnden Menschen zur materiellen Gewalt.
Mit dem Auseinanderfallen von sozialer Lage und sozialen Bewußtsein muß die Gesellschaft in zwei Richtungen untersucht werden: sozial¨ okonomisch und bio-psychologisch. Dabei erkl¨ art die Sozial¨ okonomie gesellschaftliche Tatbest¨ ande dann, wenn sie vom Handeln und Denken her rationalzweckm¨ aßig sind, sie versagt da, wo das Denken und Handeln der ¨ okonommischen Situation widerspricht und somit irrational ist. Dort wo die sozial¨ okonomische Erkl¨ arung versagt setzt die Massenpsychologie an. Sie steht damit nicht im Gegensatz zur Sozial¨ okonomie: ” Denn das irrationale, also der unmittelbaren sozial¨ okonomischen Situation widersprechende Denken und Handeln der Massen ist selbst die Folge einer fr¨ uheren, ¨ alteren sozial¨ okonomischen Situation.“ 68 Jede Gesellschaftsordnung erzeugt in den Mas-
sen diejenige Struktur, die sie f¨ ur ihre Ziele braucht, also: ” Die Gedanken
der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“ 69 Damit sind die Wider-
spr¨ uche der ¨ okonomischen Struktur in der massenpsychologischen Struktur der Unterdr¨ uckten verankert. So mangelte es der freiheitlichen Bewegungen im vorfaschistischen Deutschland bei der Erfassung des irrationalen Handelns und dem Auseinandergehen von ¨
lyse der Mystik ansetzen. ”
Beziehungen zwischen sozialer Lage und Strukturbildung, im besonderen die nicht unmittelbar sozial¨ okonomisch erkl¨ arbaren, irrationalen Ideen, soweit die Erkenntnismittel reichen, erfaßt werden.“ 70
Um die irrationalen massenpsychologischen Erscheinungen zu erkl¨ aren, Die Sexual¨ okonomie ist eine Fornimmt Reich die Sexual¨ okonomie zu Hilfe. ”
schungsrichtung, die sich seit vielen Jahren an der Soziologie des menschlichen Geschlechtslebens durch Anwendung des Funktionalismus auf diesem
67 op. cit. S. 39, Hervorh. i. Orig.
68 op. cit. S. 41, Hervorh. i. Orig.
69 op. cit. 43, Fn 5
70 op. cit. S. 44, Hervorh. i. Orig.
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Gebiet formiert“ 71 . Hierzu geht sie von folgenden Voraussetzungen aus: Marx
erforschte den ¨ okonomischen Prozeß der Gesellschaft, Hauptmittel der Unterdr¨ uckung ist die ideologische Macht, dabei bleibt die Frage, weshalb die Menschen sich Ausbeutung und moralische Erniedrigung gefallen lassen un-beantwortet. In Freuds Psychoanalyse wiederum sind vier Kernpunkte enthalten: erstens ist das Bewußtsein nur ein kleiner Teil des Seelischen, ” es wird
selbst dirigiert von seelischen Prozessen, die unbewußt ablaufen und deshalb der Kontrolle des Bewußtseins nicht zug¨ anglich sind“ 72 . Zweitens endeckte
Freud die Sexualit¨ at bei kleinen Kindern und widerlegte damit die Gleichsetzung von Sexualit¨ at und Fortpflanzung. Die Libido ist in der Psychoanalyse der zentrale Motor des Seelenlebens. Drittens wird die Verdr¨ angung der kindlichen Sexualit¨ at nachgewiesen. ” Die Verdr¨ angung der kindlichen Sexualit¨ at
entzieht sie also der Herrschaft des Bewußtseins“ 73 , sie wird damit aber zu-
gleich erh¨ oht und ¨ außert sich in Form krankhafter St¨ orungen. Und viertens sind die moralischen Instanzen im Menschen Folge der Erziehungsmaßnahmen der Eltern in fr¨ uhester Kindheit. Der Konflikt zwischen den W¨ unschen des Kindes und der Verbote der Eltern setzt sich als Konflikt zwischen Trieb und Moral in der Pers¨ onlichkeit eines Menschen fort. Bei der Sexual¨ okonomie geht es nicht um die Erg¨ anzung von Marx durch Freud oder umgekehrt: Es ergibt sich daraus von selbst, daß die Wissenschaft der sozialen Sexu-”
al¨ okonomie, die sich auf dem soziologischen Fundament von Marx und dem psychologischen von Freud aufbaut, eine im wesentlichen massenpsychologische und sexualsoziologische zugleich ist.“ 74
Die Verkn¨ upfung der sozial¨ okonomischen und der sexuellen Struktur der
”
Gesellschaft und die strukturelle Reproduktion der Gesellschaft erfolgen in den ersten vier bis f¨ unf Lebensjahren und in der autorit¨ aren Familie“ 75 Die
autorit¨ are Familie ist die Struktur- und Ideologiefabrik der Gesellschaft. Die moralische Hemmung der nat¨ urlichen Sexualit¨ at des Kindes erfolgt mit dem Ziel sie ¨ angstlich, scheu, autorit¨ atsf¨ urchtig und gehorsam zu machen. Das sexuelle Denkverbot f¨ uhrt zur allgemeinen Denkhemmung und Kritikunf¨ ahigkeit mit dem Ziel der Herstellung eines autorit¨ atsunterw¨ urfigen Untertans. Die Sexualverdr¨ angung f¨ uhrt zu Ersatzbefriedigungen, so unter anderem zu brutalen Sadismus. F¨ ur die R¨ uckwirkung der Ideologie auf die ¨ okonomische Die Sexualhemmung ver¨ andert den wirt- Basisl¨ aßt sich folgendes schließen: ”
schaftlich unterdr¨ uckten Menschen strukturell derart, daß er gegen sein ma- 71 op.cit. S. 45, Hervorh. i. Orig.
72 loc. cit.
73 op. cit. S. 46
74 op. cit. S. 47
75 op. cit. S. 48, Hervorh. i. Orig.
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terielles Interesse handelt, f¨ uhlt und denkt.“ 76
Bei der Betrachtung der massenpsychologischen Wirkung Hitlers ist zu konstatieren, daß seine pers¨ onlichen Anschauungen, seine Ideologie oder sein Programm bei der breiten Schicht von Massenindividuen Wirkung hat. Hierbei ist die Deckung der kleinb¨ urgerliche Herkunft seiner Ideen mit der Aufnahmewilligkeit der Massen besonders zu beachten: ” Hitler st¨ utzte sich wie
jede reaktion¨ are Bewegung auf die verschiedenen Schichten des Kleinb¨ urgertums“ 77 Von seiner sozialen Basis aus gesehen war der Nationalsozialismus
eine kleinb¨ urgerliche Bewegung. Die soziale Macht des Mittelstandes lag in seiner charakterlichen Struktur, die das alte Patriachat konserviert und mit seinen Widerspr¨ uchen lebendig hielt. ” Die soziale Stellung des Mittelstandes
ist bestimmt: a) durch seine Stellung im kapitalistischen Produktionsprozeß, b) durch seine Stellung im autorit¨ aren Staatsapperat, c) durch seine besondere famili¨ are Situation“ 78 Der Kleinb¨ urger identifiziert sich mit dem Staat Diese Identifizierung [. . .] ist eines der besten bzw. seinem Unternehmen. ”
Beispiele f¨ ur eine zur materiellen Kraft gewordene Ideologie“ 79
Grundpfeiler der politischen Ideologie des deutschen Faschismus ist die Rassentheorie. Die Rassentheorie geht von dem Grundsatz aus, daß in der Natur sich nur Tiere gleicher Art miteinander paaren und die h¨ ohrere Rasse sich durch Auslese im ¨ Uberlebungskampf ausbildet, dies entspricht der Darwinschen Hypothese der nat¨ urlichen Zuchtwahl. Diese Naturgesetze ließen sich auf die V¨ olker ¨ ubertragen. Demnach w¨ are bei einer Rassenvermischung von einem Niedergang der Kultur auszugehen. Die Menschen ließen sich nach Hitler in drei Arten unterteilen: Den kulturerzeugenden Rassen, dies sind die Arier, den kulturtragenden Rassen, dies sind die asiatischen V¨ olker und zuletzt den kulturzerst¨ orenden Rassen, dies sind die Juden. Die Rassentheorie ist eine Verschleierung des imperialistischen Anspruchs, sie beinhaltet zwei irrationale Funktionen: Einmal eine imperialistische Tendenz und zum anbestimmte affektive, unbewußte Str¨ omungen im F¨ uhlen deren die Funktion ”
des nationalistischen Menschen auszudr¨ ucken und bestimmte psychische Tendenzen zu verschleiern.“ 80 Mit dem Glauben an das ” Herrenmenschentum“
wird es dem Massenmitglied erm¨ oglicht sich in ein h¨ origes Untertanentum einzureihen und zudem sich intensiv mit dem F¨ uhrer zu identifizieren. ” Jeder
Nationalsozialist f¨ uhlte sich trotz seiner Abh¨ angigkeit als ,kleiner Hitler‘“ 81
76 op. cit. S. 51
77 op. cit. S. 54
78 op. cit. S. 60
79 op. cit. S. 63
80 op. cit. S. 88
81 op. cit. S. 89
20
5 Adorno
Theodor W. Adorno (*1903 Frankfurt a. M. - †1969 Visp) wendet die Mas-
senpsychologie von Le Bon und Freud auf die Agitation des Faschismus an. Dabei geht er von den faschistischen Agitatoren der USA aus. Er stellt zwei Hauptz¨ uge der Agitation heraus: Erstens sind die Reden der Agitatoren ad hominem gerichtet. ” Der allgemeine Zweck dieser Agitatoren ist, das methodisch zu instigieren, was man seit Gustave Le Bons ber¨ uhmten Buch als die ,Psychologie der Massen‘ bezeichnet.“ 82 Zum zweiten betrifft es ” das Wesen
von Inhalt und Form der Propaganda selbst.“ 83 Es geht insbesondere um die
Analyse des psychologischen Systems, welches die verschiedenen Bestandteile der faschistischen Propaganda erfaßt und sie produziert. Dieses Bezugssystem wird von Freud selbst geliefert: ” Wenn es zutrifft, daß in der Analyse das Unbewußte des Analytikers das Unbewußte des Patienten wahrnimmt, darf man auch annehmen, daß seine theoretische Intuitionen auf rationaler Ebene noch latente Tendenzen antizipieren k¨ onnen, die sich aber auf einer tieferen Ebene schon manifestieren.“ 84 In der individualistisch-liberalen Konkurrenzgesell-
schaft kann dabei ein Vergleich moderner Massenbildung mit biologischen Ph¨ anomenen kaum aufrechterhalten werden. Es muß deshalb untersucht werden, wie in der modernen Zivilisation rational aufgekl¨ arte Menschen auf ein vorindividuelles archaisches Niveau zur¨ uckfallen, welches im krassen Widerspruch zur Modernen steht.
Das bei Freud charakteristische Bindemittel der Massen, die Libido, wird durch die faschistische Demagogie k¨ unstlich geschaffen: ” Wenn diese Methode der Demagogen realistisch ist, woran ihr Erfolg keinen Zweifel l¨ aßt, l¨ aßt sich die Hypothese aufstellen, daß das, was der Demagoge synthetisch zu erzeugen versucht, eben dies Bindemittel ist, und daß es das vereinigende Prinzip hinter seinen verschiedenen Propagandatechniken ist.“ 85 Wenn Hit-
ler den Versammlungsteilnehmern weibliche Z¨ uge von Passivit¨ at zuspricht, so ist er sich des libidon¨ osen Ursprungs der Massenbildung bewußt gewesen. Die archaischen Z¨ uge im Faschismus beruhen auf dem Destruktionstrieb. Der Faschismus ist kein Wiederaufleben des Archaischen, ” sondern dessen
Wiedererzeugung in der Zivilisation durch die Zivilisation selbst.“ 86 Bei den
k¨ unstlich erzeugten Massen des Faschismus ist die Erw¨ ahnung von Liebe
82 Theodor W. Adorno, Die Freudsche Theorie und die Struktur der faschistischen Propaganda 1951 in ¨ Ubersetzung von Rainer Koehne (Original in: Soziologische Schriften I), S. 35
83 loc. cit.
84 op. cit. S. 37
85 op. cit. S. 39
86 op. cit. S. 42
21
g¨ anzlich ausgeschlossen, Hitler hatte nicht die Rolle des liebenden Vaters sondern der negativen, drohenden Autorit¨ at inne. ” Es ist ein Grundprinzip
des faschistischen F¨ uhrertums, die prim¨ are Libido-Energie auf der unbewußten Ebene festzuhalten, um ihre Manifestationen in einer f¨ ur die politischen Zwecke geeigneten Weise ablenken zu k¨ onnen.“ 87 Dabei wird die libidon¨ ose
Struktur des Faschismus und die gesamte Technik ihrer Demagogen autorit¨ ar bestimmt. Dabei stimmen sie mit der Technik des Hypnotiseurs ¨ uberein, der
im Individuum Regressionsprozesse hervorruft.
Nach Freud ist der F¨ uhrer der Masse der Urvater, der als Masseideal an die Stelle des Ichideals das Ich beherrscht. Deshalb steht im Zentrum der faschistischen Agitation immer die Vorstellung des F¨ uhrers, ” weil nur dies psychologische Bild die Idee des allm¨ achtigen und drohenden Urvaters wiedererwecken kann.“ 88 Mit der Vergr¨ oßerung der Vaterfigur zum Massen-Ich kann
die bei den faschistischen Gefolgsleuten eingeforderte passiv-masochistische Einstellung proklamiert werden, umsomehr da das geforderte politische Verhalten mit den individuellen oder auch mit den von Masse oder Klasse ein-geforderten rationalen Interessen unvereinbar ist. Mit dem Mechanismus der Identifizierung wird die Libido Bindemittel zwischen F¨ uhrer und Masse. Adorno vermutet, die pre¨ odipale Komponente der Identifizierung w¨ urde die Vorstellung des F¨ uhrers als allm¨ achtigen Urvater etablieren. Der moderne F¨ uhrer ist weniger Vaterbild als eine ” Vergr¨ oßerung der eigenen Pers¨ onlichkeit, eine kollektive Selbstprojektion“ 89 . In
der Idealisierung erscheint der F¨ uhrer wie eine Vergr¨ oßerung des Subjekts: Indem er den F¨ uhrer zu seinem Ideal macht, liebt der Mensch eigentlich
”
sich selbst, nur unter Beseitigung der Mißerfolgs- und Unzufriedenheitsmale, die sein Bild vom eigenen, empirischen Selbst entstellen.“ 90 Die faschistische
Volksgemeinschaft“ entspricht genau der Freudschen Definition der Masse,
”
ein und dasselbe Objekt wird an die Stelle des Ichideals gesetzt. Die narzißtischen Identifizierung erm¨ oglicht das Fehlen eines positiven Programms und das Vorherrschen von Drohungen und Versagungen: ” Der
F¨ uhrer kann nur geliebt werden, wenn er selbst nicht liebt“ 91 Er muß gleichzeitig als ¨ Ubermensch und als Durchschnittsmensch erscheinen. ” Einer der
Hauptkunstgriffe der personalisierenden faschistischen Propaganda ist darum der Topos des ,großen keinen Mannes‘“ 92
Aus psychotechnischen Gr¨ unden ist auch die Durchhierarchisierung bis
87 op. cit. S. 43
88 op. cit. S. 45
89 op. cit. S. 47
90 op. cit. S. 48
91 op. cit. S. 49
92 op. cit. S. 50
22
zum kleinsten F¨ uhrer Bestandteil des Faschismus: ” Bis hinab zum letzten
Winkeldemagogen betonen die Faschisten best¨ andig rituelle Zeremonien und Rangunterschiede.“ 93 Diese hierachischen Strukturen befriedigen den sado-
masochistischen Chrarakter mit seiner Tendenz, nach unten zu treten und einen Haß auf außenstehende Gruppen zu haben.
In Ersetzung der Religion wird f¨ ur die Erw¨ ahlung oder Verdammung ein pseudo-naturhaftes Kriterium gesetzt: Die Rasse. Die Rassenideologie verbindet ¨ ahnlich der Bruderhorde zwei Eigenschaften miteinander, sie erzeugt eine ” nat¨ urliche, blutsm¨ aßige Bindung“ und sie ist desexualisiert. Da der mildernde Einfluß der religi¨ osen Lehre fehlt, wird dieses Kriterium noch unerbittlicher gebraucht, als im Mittelalter der Begriff der Ketzerei. ” Da die positive Libido ganz in das Urvaterbild investiert ist und positive Inhalte kaum verf¨ ugbar sind, muß ein negativer gefunden werden.“ 94 Die faschistische Pro-
paganda verschafft einen narzißtischen Gewinn, indem sie ihre Anh¨ anger als h¨ oherstehend und reiner als die ausgeschlossenen erkl¨ art. Kritik und Selbsterkenntnis werden dagegen als ” zersetzend“ empfunden und mit ¨ außerster
Wut begegnet. Dies erkl¨ art auch die Feindschaft gegen Introspektion bei vorurteilsvollen Menschen. ” Die Konzentration der Feindseligkeit auf die Fremdgruppe beseitigt zugleich die Intoleranz innerhalb der eigenen Masse“ 95 .
Der ” Einheitstrick“ der faschistischen Agitatoren besteht in der Betonung der Verschiedenheit der Außenstehenden und damit der Abschw¨ achung der Verschiedenheit der in der Gruppe stehenden. Es findet ein repressiver Ega-
litarismus statt. ” Faschismus ¨ uberhaupt ist der Unterstrom des h¨ amischen Egalitarismus, der Br¨ uderlichkeit allumfassender Erniedrigung, der im von Hitler befohlenen Eintopfgericht sein Symbol fand.“
96
Die massenpsychologischen Techniken der Faschisten sind nicht in ihrer psychologischen Bildung zu entdecken. Ihre F¨ ahigkeiten kommen vielmehr durch die ¨
Ahnlichkeit zwischen F¨ uhrern und Gef¨ uhrten zustande, die den Aspekt der Identifizierung anspricht. ” nisse und W¨ unsche der f¨ ur seine Propaganda Anf¨ alligen erraten, weil er ihnen seelisch ¨ ahnlich ist“ 97 . Bei den faschistischen F¨ uhrern funktioniert die Spra-
che magisch und durch unaufh¨ orliches Reden und Beschwatzen. Sie sind orale Chraktertypen. ” Um die unbewußten Dispositionen seines Publikums richtig zu treffen, kehrt der Agitator gewissermaßen einfach sein eigenes Unbewuß-
93 op.cit. S. 51
94 op. cit. S. 54
95 op. cit. S. 55
96 op. cit. S. 56
97 op. cit. S. 58
23
tes nach außen.“ 98 Ohne es zu wissen, kann er gem¨ aß der psychologischen
Theorie reden und geb¨ arden, einfach weil die psychologische Theorie wahr ist. Seine eigene Psychologie setzt er geschickt ein, um die Psychologie des Publikums zu bewegen.
Die angewandte Massenpsychologie ist dem Faschismus eigent¨ umlich. Dies begr¨ undet Adorno mit dem objektiven Zweck des Faschismus, der irrational ist, da die materiellen Interessen seiner Anh¨ anger ihm wiedersprechen: Die im Wesen des Faschismus liegende st¨ andige Kriegsgefahr bedeutet Zer-
”
st¨ orung, und die Massen erkennen das wenigstens vorbewußt.“ 99 Das Irra-
tionale wird ideologisch rationalisiert. Irrationale, unbewußte und regressive Prozesse werden mobilisiert, was auch dadurch erleichtert ist, da die seelische Verfassung der erreichbaren Gesellschaftsschichten unter sinnlosen Versagungen leiden und vermutlich daher eine verk¨ ummerte, irrationale Mentalit¨ at entwickelt haben. ” Die faschistische Propaganda braucht nur die bestehende Seelenverfassung f¨ ur ihre Zwecke zu reproduzieren“ 100 .
Die sogenannte Psychologie des Faschismus wird weitgehend manipu-”
lativ erzeugt.“ 101 Es werden rational berechnete Techniken verwendet. Zwar
existiert eine potentielle Anf¨ alligkeit f¨ ur den Faschismus bei den Massen, doch die Manipulation des Unbewußten, die Suggestion, ist dabei unentbehrlich. Der faschistische Agitator tritt als Agent m¨ achtiger wirtschaftlicher und politischer Interessen auf. Im Grunde genommen ist das psychologische Gebiet, in dem sich der Faschismus bewegt, von ganz unpsychologischen Interessen gepr¨ agt. ” Wenn Massen von der faschistischen Propaganda ergriffen werden, so ist dies kein spontan-urspr¨ unglicher Ausdruck von Trieben und Instinkten, sondern eine quasi wissenschaftliche Wiederbelebung ihrer Psychologie - die k¨ unstliche Regression, die Freud in seiner Er¨ orterung der organisierten Massen beschreibt.“ 102 Die Psychologie der Massen wird in ein Mittel
ihrer Beherrschung verwandelt. Die Ersetzung des individuellen Narzißmus durch Identifizierung mit dem F¨ uhrerimages weist auf die Aneignung der Massenpsychologie durch die Unterdr¨ ucker hin. ” Die Theorie von der psy-
chologischen ,Verarmung‘ des Subjekts, das ,sich dem Objekt hingegeben‘ und dieses ,an die Stelle seines wichtigsten Bestandteiles gesetzt‘ hat, des ¨ Uber-Ichs, antizipiert in fast hellsichtig anmutender Weise die nachpsychologischen, entindividualisierten sozialen Atome der faschistischen Massen.“ 103
Die Menschen identifizieren sich nicht mit dem F¨ uhrer, sondern agieren die
98 op. cit. S. 59
99 op. cit. S. 61
100 op. cit. S. 61, Hervorh. i. Orig.
101 op. cit. S. 62
102 op. cit. S. 63
103 op. cit. S. 64
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Identifizierung und nehmen an seiner Vorf¨ uhrung teil. W¨ urden sie um der Vernunft willen inne halten, w¨ urde die Inszinierung zusammenbrechen und Panik an ihre Stelle treten.
6 Hofst¨ atter
Peter R. Hofst¨ atter (*1913 Wien - †1994 Buxtehude) kritisiert in seinem
Buch Gruppendynamik die Massenpsychologie von rechts. In Quintessenz wird bezweifelt, daß es ¨ uberhaupt so etwas wie Masse gibt, bzw. sie wenn doch immer nur fl¨ uchtiger Natur sei. Als rechts muß Hofst¨ atters Denken deshalb angesehen werden, da seine Kritik der Massenpsychologie gleichzeitig den psychologischen Ansatz zum Verstehen des Faschismus abschneidet und der Faschismus daher nur noch als Betriebsunfall der Geschichte angesehen werden kann.
F¨ ur Le Bon ist der Masse alle nur erdenklichen ¨ ublen Eigenschaften und
Neigungen zuzuschreiben. Hofst¨ atter sieht daher als erste Aufgabe das Ausfindigmachen, ” warum die Verleumdung der Menschen in der Gruppe soviel Anklang findet.“ 104 Die massenpsychologische Literatur muß als kultursozio-
logisches Ph¨ anomen betrachtet werden. Die Masse muß in der Weise ver¨ achtlich gemacht werden, daß es dem Leser eine bequeme Distanzierung erlaubt und er nicht sich als Teil der Masse sehen muß. Dazu muß ein bedrohliches Zerrbild geschaffen werden. ” Beiden Bedingungen wird am einfachsten
dadurch Gen¨ uge getan, daß man 1. ein durchaus inad¨ aquates und daher leicht abzuhebendes Menschenbild 2. unpr¨ azise formuliert“ 105 . Le Bons Be-
schreibung der Masse gen¨ ugt diesen Anspruch, denn Masse kann ¨ uberall und
nirgends sein. Le Bon exemplifiziert Masse an Beispielen, wie es sie in der Wirklichkeit selten gibt. ” Eben darin, daß die Le Bonsche Masse ihr Bild von
seltenen Ausnahmezust¨ anden empfangen hat, liegt das Tr¨ ostliche, ja Erhauber die Masse.“ 106 Es ist stets so, daß nur der Andere bene des Gespr¨ achs ¨ Masse sein kann.
Le Bons demagogisches Kunstst¨ uck liegt in der s¨ akularisierten Absolution: ” Ich bin nicht Masse, weil ich die Massenhaftigkeit der anderen durchschaue“ 107 Le Bons Massenpsychologie ist nach Hofst¨ atter die Schaffung einer
innerweltlichen Religion: ” Der Individualismus als Kult mußte wohl fr¨ uher
oder sp¨ ater zur massenpsychologischen Ideologie f¨ uhren; d. h. aber zur Nega-
104 PeterR. Hofst¨ atter, Gruppendynamik, Rowohlt Taschenbuch Verlag 1957, S. 7
105 op. cit. S. 8
106 op. cit. S. 9
107 op. cit. S. 10
25
tion der Gruppe“ 108 Vermassung“ ist die einstellende Situaiton zur indivi-”
dualistischen Vereinsamung. Wenn das Ich mit dem Anspruch seiner Einmaligkeit aus der Gruppe heraustritt, wird das Bild von der Gruppe zur Masse. In der Massenpsychologie klingt daher die wehm¨ utige Erinnerung an die ” gute alte Zeit“ an, in der der Einzelne den Gang der Welt lenkte. Hofst¨ atter attestiert der Massenpsychologie daher keine Psychologie oder Soziologie zu sein, sondern selbstt¨ auschende Kulturkritik zu betreiben. Die Massenpsychologie versichert, daß die Massen die Genialit¨ at bezwingen. Le Bons ,Psychologie des foules‘ besteht aus Variationen ¨ uber den Vor-
”
stellungsinhalt des Wortes ,foules‘ - und sonst nichts“ 109 Dabei bezeichnet
foules“ etwas Ungeformtes durch ¨ außeren Druck gestaltetes. Die Massen-
”
psychologie legt den Menschen in der Gruppe daher nahe, sich nicht selbst gestalten zu k¨ onnen. ” Die dumpfe Materie, die selbst nicht zur Form fin-
det, die aber jede Form sich aufpr¨ agen l¨ aßt, weist in die aristotelische Metaphysik einerseits und in die Sch¨ opfungsgeschichte der Bibel andererseits zur¨ uck.“ 110 Indem Masse sich von Pers¨ onlichkeit abhebt, zerlegt sich die Ein-
heit des Menschen in Materie und Geist. Anhand einer siebenstufigen Skala l¨ aßt Hofst¨ atter 100 Versuchspersonen die Begriffe Pers¨ onlichkeit und Masse zwischen krank und gesund einordnen, dabei rangiert Pers¨ onlichkeit weit im Bereich gesund und Masse im Mittelfeld zwischen gesund und krank. In einer Affinit¨ ats-Analyse wiederum wird bei einer Reihe von Polarit¨ aten der Masse
die Attribute ” redselig“, ” aggressiv“, ”
”
nahezu identisch mit ,Vater‘ (Q = 0.96); sie ist - so k¨ onnte man sagen - auch im biologischen Sinn sch¨ opferisch (bzw. zeugungsf¨ ahig), w¨ ahrend die ,Masse‘ als ein amorphes Substrat verstanden wird“ 111 .
Weiterhin bricht Hofst¨ atter mit dem Ansatz, die Masse sei urspr¨ ungliche Soziet¨ at des Menschen gewesen: ” Welche bizarre Laune des Schicksals sollte - nota bene: unter primitiven Lebensbedingungen - Menschen g¨ anzlich verschiedener Abstammung und Sprache zu einem Haufen zusammengeballt haben?“ 112 Der menschliche Primitivverband ist im Gegensatz zu Le Bon die
Großfamilie. W¨ ahrend Freud in der Masse das Wiederaufleben der Urhorde sieht und nach ihm der Urmensch in jedem virtuell enthalten ist, sieht Le Bon am Anfang den Urhaufen von h¨ ochster Massenhaftigkeit. Beiden liegt die falsche Vorstellung zugrunde, aus Unordnung w¨ urde Ordnung entstehen. Nach Hofst¨ atter leitet sich aber Ordnung immer aus Ordnung her: ” Diese
108 loc. cit.
109 op. cit. S. 13
110 loc. cit.
111 op. cit. S. 16
112 op. cit. S. 17
26
Feststellung ist darum wichtig, weil sowohl Freud als auch Le Bon dazu neigen, den Ordnungsverlust als eine R¨ uckkehr zu fr¨ uheren Zust¨ andlichkeiten aufzufassen, als ob Degeneration und Regression notwendig gleichbedeutend w¨ aren“ 113 Um den Eigenarten menschlichen Zusammenseins gerecht zu wer-
den, muß nicht die dramatische Verwirrung und das Scheitern der Gemeinschaftsbem¨ uhungen zum Ausgangspunkt genommen werden, sondern die ruhigen Situationen des produktiven Zusammenarbeitens. Le Bon bezieht sich aber fast immer auf Desorganisation von Gruppenstrukturen und ihrem Versagen. Ebenfalls sieht Freud die inzestu¨ ose Entartung der Familie im Vor-dergrund zur eigentlichen Dynamik des famili¨ aren Zusammenhalts. So muß Freud und Le Bon auch nebeneinander gesehen werden. Bei Freud wird die menschliche Sozialordnung durch das blinde Lustverlangen mißdeutet, bei Le
Bon ist es die blinde Triebhaftigkeit. ” len anderen ¨ Außerungen zu diesem Thema findet sich die Behauptung eines es-haften, von Natur aus a-sozialen Kerns im Menschenwesen.“
114
Hofst¨ atter
wirft Le Bon vor, anstelle einer echten Pr¨ ufung seiner Thesen lediglich Agitation f¨ ur eine Ideologie getrieben zu haben: ” Die Masse als bequemer S¨ unden-
bock f¨ ur die Masse - so lautet letztlich das Realergebnis der Le Bonschen Rhetorik.“ 115
7 Mitscherlich
Alexander Mitscherlich (*1908 M¨ unchen - †1982 Frankfurt a. M. ) wendet
die Massenpsychologie auf die moderne Gesellschaft an.
Der Einzelne findet Kollektive als Gesellschaftsformen vor, die auf Massen zugeschnitten sind. Die Vermehrung der Menschen stellt nicht nur ein quantitatives Wachstum dar, sondern zugleich findet ein Prozeß der Herausl¨ osung aus Rollen, Ritualen und Gewissensentscheidungen statt. ” Gleichzeitig mit der Etablierung der Massen im historischen Raum hat sich ein Verfall der tradierten Autorit¨ aten entwickelt.“ 116 Massen unterscheiden sich
in ihrer Herkunft, Eigenart, Bewußtseinslage und Affektivit¨ at. Sie erzeugen ein Konformit¨ atsdruck, dem sich der Einzelne nur schwer entziehen kann und dessen Verweigerung h¨ ochst gef¨ ahrlich ist. ” F¨ ur Erlebnisse in Massenerregungen gilt, was f¨ ur einen schweren Rausch zutrifft: man hat hinterher eine Erinnerungsl¨ ucke, die durch Konfabulationen notd¨ urftig verdeckt
113 op. cit. S. 18
114 op. cit. S. 19
115 op. cit. S. 20
116 Alexander Mitscherlich, Massenpsychologie ohne Ressentiment, Suhrkamp Ver-
lag 1972, S. 7
27
wird.“ 117 Die wissenschaftliche Massenkunde entdeckt eine Legierung von
¨ außeren Reizsituationen mit innerer Reaktionsbereitschaft. Der Massenzu-
stand wird durch ” charakterisiert. ” durch die große Zahl.“
118 Der Mensch ist von Natur aus mit ” Instinktfragmenten“ ausger¨ ustet, erst
mit der Geburt beginnt die Prim¨ arsozialisierung. Diese beruht auf dem Erlernen der Affektlenkung durch ¨ Uberlegung. In jeder Gesellschaft wird dem Affekt und seiner Repr¨ asentation, den Triebanspr¨ uchen, ¨ außere Grenzen entgegengestellt. Die ¨ außerlichen Verbote werden im Gewissen verinnerlicht. ” Das
Gewissen arbeitet dabei in ausgedehntem Maße mit Vorurteilen.“ 119 Im Sozi-
alverhalten enthaltende Bildungselemente bleiben ich-fremd. Das Verdr¨ angte ist vom bewußten Ich her gesehen dieses ich-fremde. In der Sozialisierung sind die Triebneigungen zwar gehemmt, aber nicht v¨ ollig ausgel¨ oscht, so daß sich im Menschen gezwungendermaßen die Prim¨ arsozialisierung weiterentwickelt. Diese Gedankeng¨ ange, die dem b¨ urgerlichen Individualismus entgegengestellt sind, k¨ onnen in f¨ unf Punkten zusammengefaßt werden, die Mitscherlich von
Hofst¨ atter ¨ ubernimmt: 1. Das Individuum neigt zu gruppenspezifischen Verhalten. 2. ”
ist Tr¨ ager einer sozialen Rolle. 3. Die Weltsicht der Einzelpersonen, werden durch ihre Zugeh¨ origkeit zur Gruppe bestimmt. 4. Der Charakter wird durch das Milieu geformt und ist sozialer Natur. 5. Innerhalb des Gesellschaftssystems sind Veranwortlichkeit und deren Inhalt und Umfang definiert. Die Gesellschaftsformation hat sich verschoben, in der Zeit st¨ andischer Lebensform geh¨ orte der Einzelne intimen Kleingruppen an, die in einer vertikel gegliederten Gesamtgesellschaft aufging. In der modernen Zeit sind es dagegen verzahnte und verschr¨ ankte Konglomerate sozialer Kreise, in dem der Einzelne nicht ganz und unwiderruflich eingebunden ist: ” Die ,gesellschaftlichen Großgebilde‘ - gleichg¨ ultig ob große Produktionsst¨ atten, Versicherungen, Parteien, Gewerkschaften - sind nach Geiger ,auf ihre sachlich begrenzten Funktionen spezialisiert‘“ 121 Der Einzelne lebt in der Konkur-
renzgeselschaft als freibewegliches Molek¨ ul, der Begriff der Leistung hat sich grundlegend verwandelt. Gegen die moderne Industriearbeit, welches auch auf die Vermassung beruht, spricht, daß sie auf Monotonisierung der Arbeit an der Maschine beruht. ” Bei aller verwendeten Energie wird in einem automatisierten, maschinell geleiteten Produktionsvorgang die Gestaltungsf¨ ahig-
117 op.cit. S. 10
118 op. cit. S. 11
119 op. cit. S. 13
120 op. cit. S. 15
121 op. cit. S. 18
28
keit des Arbeiters beschr¨ ankt bleiben.“ 122 In der Arbeit ist die Selbstabbil-dung des Individuums vereitelt. Da die spezialisierten und rational organiserten Lebens- und Arbeitsformen ein unumkehrbares geschichtliches Ereignis ist, liegt die Forderung nach Leistungen, in der Selbstabbildung m¨ oglich ist, nicht in der romantischen R¨ uckkehr zum Handwerkertum, sie zielt auf L¨ osungen in der Zivilisation zu der keine historischen Vorbilder verf¨ ugbar sind. Im technisch-industriellen Fertigungsbetrieb und noch mehr in der Verwaltung sind die Menschen von der Form der Arbeit entt¨ auscht. Da die Produkte der Arbeit keine Identifikation erlauben, kommt Befriedigung durch den Barlohn und daneben durch die rein quantitative Steigerung der Arbeitsintensit¨ at zustande. Der Lohn verwandelt sich dabei zunehmend in eine Ersatzbefriedigung, welche f¨ ur weitere Ersatzbefriedigungen Freiheiten schafft. Mitscherlich findet zwei Voraussetzungen der sozialen Wirklichkeit, die f¨ ur den Vorgang der Identit¨ atsbildung notwendig sind: Innerhalb der Gesellschaft muß die f¨ ur den prim¨ aren Triebverzicht zu leistende befriedigende Kompensation zug¨ anglich sein und sozial hoch bewertet werden, zum anderen ” d¨ urften die zur Verdr¨ angung gezwungenen Triebbed¨ urfnisse nicht so umfangreich sein, daß die Verdr¨ angung als solche mißlingen muß und zum Kurzschluß in Triebhandlungen f¨ uhrt.“ 123 Die ¨ außeren Lebensbedingungen
sind leicht zu ver¨ andern, zum Beispiel durch Revolutionierung der Produkti-onsvorg¨ ange, die eine industrielle Durchdringung der Massengesellschaft mit sich brachte. Doch wenn sich die Menschen dem auch funktionell leicht anpassen k¨ onnen, gelingt dies emotionell weit schwerer. ” Die Anpassung an
einen Arbeitsvorgang, der Selbstabbildung nicht mehr erlaubt, daf¨ ur aber artistische Leistungsbefriedigung anbietet, vollzieht sich offenbar keineswegs so rasch wie die faktische ¨ Ubernahme der einen statt der alten anderen Ar-beitsform.“ 124
Psychologie und Metapsychologie des Komforts lassen sich nach Mitscherlich unterteilen. Der Komfort wird psychologisch immer dann notwendiger, wenn die eigentlich erwartete Befriedigung ausbleibt. In der Metapsychologie sieht man die Verschmelzung der G¨ uter mit Gef¨ uhlen, wenn sie in der Wirtschaft vom Produzenten zum Konsumenten gehen. Die G¨ uter dienen dazu Unbehagen zu vertreiben, entsprechend bietet die Konsumg¨ uterindustrie ihre Artikel nicht nur zur Befriedigung echter Bed¨ urfnisse an, sondern auch andere Artikel, f¨ ur die erst simultan ein Bed¨ urfnis geweckt werden muß. ” Im
Verbraucher soll das Gef¨ uhl entstehen, daß die Befriedigung dieses neuen Bed¨ urfnisses das Wunder des Wohlbehagens vollbringen wird.“ 125
122 op. cit. S. 21
123 op. cit. S. 26
124 op. cit. S. 27
125 op. cit. S. 28
29
Als echtes Massenph¨ anomen ist die Mode zu nennen, die diktiert wird: Sie ist standardisiertes Massenprodukt, das der Konsument abnehmen
”
muß.“ 126 Die Mode ist auf zahllose Gebrauchsgegenst¨ ande ¨ ubergegangen.
Um die Produktion aufrechtzuerhalten ist die Mode einem st¨ andigen Wechsel unterzogen, die st¨ andig neue Konsumentenbed¨ urfnisse weckt. Das modische Diktat l¨ ost den Verschleiß ab. Die Besitzfreude erl¨ oscht ¨ uber kurz oder lang
bei vielen Gegenst¨ anden, d. h. die Objektlibido mit der die Gegenst¨ ande besetzt waren, kehrt zum Besitzer zur¨ uck.
Das technische Konsumgut hat einen v¨ ollig neuen Objekthabitus, an dem der Anpassungsvorgang noch nicht geleistet ist. Den Besetzungsvorg¨ angen sind andauernde Besitzver¨ anderungen, Besitzentwertungen und Neuerwerbungen gegen¨ ubergestellt, welche die Ich-Identit¨ at des Besitzers selber gef¨ ahrden. So kann auf dem Computer keine Libido entsendet werden, sie wird durch das archaische Weltbild der Ominipotenztr¨ aume der fr¨ uhkindlichen Entwicklung ersetzt. Metapsychologisch w¨ urde ein Maschinenprotest wie aus der Fr¨ uhzeit der Industrialisierung aber der Menschheit Selbstschaden zuf¨ ugen.
8 Nachtrag
Eine ¨ Uberblicksarbeit der Massenpsychologie wie diese kann notwendigerweise nur unvollkommen sein. So sind zahlreiche Autoren nicht erw¨ ahnt und andere nur ansatzweise behandelt wurden. Es fehlt bei Hofst¨ atter eine Zusammenfassung der Gruppe und des Gruppenexperiments und auch Mitscherlich ist nur kurz erw¨ ahnt. Zahllose weitere Bestimmungen der Masse, wie sie bei Le Bon aufgef¨ uhrt werden, fehlen. Und auch der Arbeitsdemokratie bei Reich wird hier keine weitere Beachtung geschenkt. Trotz dieser Einschr¨ ankungen liefert diese Arbeit aber einen ¨ Uberblick sowohl der Entstehungsgeschichte
der Massenpsychologie als auch ihrer Inhalte. Ein weiterer Bereich der Massenmedien wurde ebenfalls keine Beachtung geschenkt, h¨ atte sich aber sicherlich als fruchtbar erwiesen. Insbesondere die Postmoderne bringt ihre eigenen Ph¨ anomene der Masse hervor, dem der Einzelne hilflos gegen¨ ubersteht. So
erlaubt die heutige Zeit in Form von Medienkampagnen den ” den Terror“ und den ”
zu f¨ uhren, welches scheinbar keinen Einfluß auf das Alltagsleben der Menschen hat, aber dennoch als Bedrohung der gegenw¨ artigen Lebenssituation aufgenommen wird. Auch hier sind Massenph¨ anomene im Spiel.
126 op. cit. S. 29
30
9 Literatur
Le Bon Psychologie der Massen 1957 Alfred Kr¨ oner Verlag
Sigmund Freud Massenpsychologie und Ich-Analyse 1967 S. Fischer Verlag
Sigmund Freud Das Ich und das Es 1978 S. Fischer Verlag
Wilhelm Reich Massenpsychologie des Faschismus 2003 Kiepenhauer & Witsch Verlag
Theodor W. Adorno Soziologische Schriften I 1972 Suhrkamp Verlag
Peter R. Hofst¨ atter Gruppendynamik 1957 Rowohlt Taschenbuch Verlag
Alexander Mitscherlich Massenpsychologie ohne Ressentiment 1972 Suhrkamp Verlag
Institut f¨ ur Sozialforschung Soziologische Exkurse 1956 Europ¨ aische Verlagsanstalt
Peter Br¨ uckner Die Transformation der Demokratie 1968 Europ¨ aische Verlagsanstalt
Wilhelm Macke Mechanik der Teilchen 1967 Akademische Verlagsgesellschaft
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Arbeit zitieren:
cand.soz.wiss. Mischa Kölle, 2009, Massenpsychologie, München, GRIN Verlag GmbH
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