Inhaltsverzeichnis
1 VORWORT 3
2 EINLEITUNG 4
3 HISTORISCHE WAHRHEIT UND NEUTESTAMENTLICHES KERYGMA 6
3.1 HISTORISCHER JESUS UND CHRISTUS-KERYGMA. 6
Kritische Auseinandersetzung 7
3.2 DIE FRAGE DER HISTORISCHEN KONTINUITÄT 8
Kritische Auseinandersetzung 10
3.3 ÜBER DAS „DAß“ HINAUS - DAS SACHLICHE VERHÄLTNIS VON HISTORISCHEM JESUS UND DEM
CHRISTUS -KERYGMA. 11
Kritische Auseinandersetzung 15
3.4 VERKÜNDIGER ODER VERKÜNDIGTER - DIE INNERE NOTWENDIGKEIT DES CHRISTLICHEN KERYGMAS
17
Kritische Auseinandersetzung 18
4 SCHLUSSFOLGERUNG. 19
5 CHANCEN UND DEFIZITE VON BULTMANNS ANSATZ. 20
6 LITERATURVERZEICHNIS 23
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1 Vorwort
Das Thema, das dieser Seminararbeit zugrunde liegt (Gibt es einen Gegensatz zwischen historischer Wahrheit und neutestamentlichem Kerygma?) behandelt ein zentrales Problem der neutestamentlichen Forschung vom ausgehenden 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich hier um die Frage des Verhältnisses von historischem Jesus und der Christusverkündigung (Kerygma) der ersten Christen (Urgemeinde). In dieser Arbeit soll die Antwort Rudolf Karl Bultmanns, die der bekannte Marburger Neutestamentler in seiner 1960 in Heidelberg erschienenen Schrift Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft zum historischen Jesus auf die oben genannte Frage gegeben hat, mit kritischem Blick untersucht und auf ihr zugrunde liegende Ursachen und Einflüsse befragt werden. Ich halte es in diesem Sinne für angemessen, nach der Wiedergabe der einzelnen Kerngedanken Rudolf Bultmanns, die sich zum Teil aus der Gliederung der oben genannten Schrift ergeben, jeweils eine kritische Reflektion anzufügen. Dies soll eine tiefgehendere Untersuchung der verschiedenen Gedanken Bultmanns ermöglichen. Am Schluss wird zu fragen sein, wie die thematisch leitende Frage in der Theologie Bultmanns beantwortet werden muss, und was dies für die heutige Zeit zu bedeuten hat. Dazu werden in einem Ausblick einige Chancen und Defizite des bultmannschen Ansatzes genannt werden.
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2 Einleitung
Seit dem 18. Jahrhundert haben sich immer wieder Theologen an die Idee, eine Darstellung des Lebens Jesu zu schreiben, gemacht. Ihren Höhepunkt erreichte diese sogenannte Leben-Jesu-Forschung im weit verbreiteten Vernunftoptimismus des 19. Jahrhunderts. Diese Hochphase aufklärerischen Denkens, die bis zur Zeit der zwei großen Weltkriege anhielt, wurde in der Theologie vor allem geprägt durch eine kritisch rationale Forschungsmethodik, die historisch-kritische Exegese und einer starken Beachtung der Religionsgeschichte Israels und der umliegenden Völker und Religionen. Ein Kind dieser liberalen Theologie ist auch der1884 geborene Rudolf Karl Bultmann, der vor allem in Marburg mit der liberalen Theologie des dortigen Systematikers Wilhelm Hermann in Berührung kam. Von ihm lernte er die historisch-kritische Methodik, die er Zeit seines Lebens praktizierte, und wurde in die Gedankenwelt der religionswissenschaftlichen Schule sowie die Theologie Schleiermachers eingeführt.
Schon früh wurde er auf eine Diskrepanz zwischen historischem Jesus und dem Christus des Glaubens aufmerksam, da auch die Leben-Jesu-Forschung eine Differenzierung zwischen diesen beiden vornahm. Allerdings legten Theologen dieser liberalen Ideen den Schwerpunkt auf den historisch greifbaren Jesus (wie sie meinten). Man glaubte, dass nur historisch zutreffende und nachweisbare Fakten als Grundlage des Glaubens in Frage kommen dürften und daher die eigentliche historische Person Jesu aus den Ausschmückungen und Interpretationen der frühen Christen, wie sie uns im Johannesevangelium und bei Paulus zum Teil aber auch in den synoptischen Evangelien begegnen, herausgelöst werden müsste. Unter liberalen Theologen herrschte die Meinung, dass das Kerygma (die urchristliche Verkündigung des leidenden und gekreuzigten Christus) den eigentlichen, historischen Jesus verdecke und man diesen wieder freilegen müsse, um zu einem vernünftigen Glauben gelangen zu können.
Aber gerade diese Versuche der liberalen Theologie, ein bzw. „das“ Leben Jesu herauszuarbeiten und zu schreiben, schlugen immer wieder fehl, da sich die Leben-Jesu-Berichte, die verschiedene Theologen aus den synoptischen Evangelien
herauszukristallisieren versucht hatten, doch erheblich voneinander unterschieden. Albert Schweitzer, der als der führende Vertreter der Leben-Jesu-Forschung angesehen werden kann,
4
brachte es so auf den Punkt: „Diejenigen, welche gerne von negativer Theologie reden, haben es im Hinblick auf den Ertrag der Leben-Jesu-Forschung nicht schwer. Er ist negativ.“ 1 Obwohl die Euphorie dieser liberalen Forschung schon vor dem ersten Weltkrieg ins straucheln geriet, wurde dem ihr zugrunde liegenden Verstandesoptimismus mit der Tragik des Krieges ein entscheidender Schlag versetzt. Das alleinige Vertrauen in den menschlichen Verstand war gebrochen und der Glaube an einen Gott, der die Christen und mit ihr die gesamte Gesellschaft im Laufe der Geschichte langsam immer mehr dem göttlichen Ideal entgegenwachsen lässt, war schwer getroffen worden. Mit der Katastrophe des zweiten Weltkriegs war schließlich das gesamte Vertrauen in die menschliche Vernunft zerstört. Gott war scheinbar in weite Ferne gerückt, wenn man überhaupt noch an der Existenz Gottes festhalten wollte.
In dieser tiefen Krise der Theologie besannen sich einige Theologen wieder auf einen Gott, der gerade nicht durch die eigene Ratio sondern allein durch den Glauben erkannt werden könne. Dieser Glaube entstehe nicht durch historisch nachweisbare Fakten, sondern allein durch die Selbstoffenbarung Gottes 2 . Die sogenannte Dialektische Theologie sprach dem Menschen jegliche Möglichkeit ab, von sich aus Gott zu erkennen. Dies geschehe nur, wenn Gott sich dem Menschen offenbare. Vertreter dieser, wieder stark auf die Bibel und die kirchliche Verkündigung gegründeten Theologie waren neben anderen vor allem Friedrich Gogarten, Karl Barth und nicht zuletzt auch Rudolf Bultmann. Diese Theologen versuchten nun sich gegen die gescheiterten Ideale der liberalen Theologie abzugrenzen und ihr eine neue Theologie des Glaubens und des Wortes entgegenzustellen.
Hier knüpft nun auch die Schrift Rudolf Bultmanns an: Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft zum historischen Jesus. Damit greift Bultmann die Ziele und Ideale der liberalen Leben-Jesu-Forschung auf, und stellt ihr seine eigene Interpretation des uns in der Bibel begegnenden, christologisch gezeichneten Jesus von Nazareth und der damit verbundenen urchristlichen Christusverkündigung entgegen. Hierbei wird ein theologischer
1 Albert Schweitzer: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Tübingen 6 1951, 631.
2 Diese Selbstoffenbarung Gottes verortete man hauptsächlich in die Predigt, gemäß Röm 10,17: „Also ist der
Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi.“ (Übersetzung: rev. Elberfelder
1993)
5
Schwerpunkt in Bultmanns neutestamentlicher Forschung in der Nachkriegszeit deutlich, der vor allem in seinem Studium des Johannesevangeliums und der Paulusbriefe zu Tage tritt. 3
3 Historische Wahrheit und neutestamentliches Kerygma
3.1 Historischer Jesus und Christus-Kerygma
Das Interesse der Leben-Jesu-Forschung war es, wie schon angedeutet wurde, „das Bild des historischen Jesus freizulegen von der Übermalung, durch die es in der urchristlichen Botschaft, im ‚Kerygma’, verdeckt worden war.“ 4 Bultmann charakterisiert diese „Differenz zwischen Jesus und dem Kerygma“ 5 in der neutestamentlichen Forschung der liberalen Theologie in folgenden drei Punkten:
(1) Die mythische Gestalt des Gottessohnes, sei im Kerygma an die Stelle der historischen Person Jesus getreten, „so wie die synoptischen Evangelien sie für den kritischen Blick erkennen lassen“ 6 .
(2) Die Botschaft, die Jesus selbst zu seiner Zeit den Menschen gepredigt hat, sei eine eschatologische Verkündigung von der hereinbrechenden Königsherrschaft Gottes gewesen. Das neutestamentliche Kerygma hingegen verkündige Jesus selbst als den, „der stellvertretend für die Sünden der Menschen am Kreuz [gestorben] und von Gott wunderbar zu unserem Heil [erweckt]“ 7 wurde. Der Verkündiger wird so im Kerygma zum Verkündigten, mit anderen Worten: der Prediger der eschatologischen Botschaft wird selbst zum eschatologischen (letztgültigen) Heil für die Menschen. (3) Die Verkündigung des historischen Jesus sei ein Aufruf zum radikalen Gehorsam vor Gott gewesen. Dieses Sich-unter-den-Willen-Gottes-Stellen gipfelte im Liebesgebot 8 von Mk 12,30f 9 . In der frühchristlichen Zeit wurde der ethische Schwerpunkt dagegen inhaltlich verschoben. Obwohl im Christus-Kerygma auf die ethische Predigt nicht verzichtet wurde, wurde sie dennoch anders begründet. Paulus führt nun das
3 Vgl. hierzu verschiedene Aufsätze in: Rudolf Bultmann: Glaube und Verstehen, Bd. 1-4. oder auch: R.
Bultmann: Theologie des Neuen Testaments, Tübingen 1948-53 ( 8 1980). und nicht zuletzt sein Kommentar: Das
Evangelium des Johannes, Göttingen 21 1986.
4 Rudolf Bultmann: Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft zum historischen Jesus, Heidelberg
4 1965, 5.
5 Bultmann: Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft…, 5.
6 A. a. O. 6.
7 Ebd.
8 Vgl. R. Bultmann: Jesus, Tübingen 1926 (1964), 106-107.
9 „und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und
von allen deinen Kräften. Das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es ist kein anderes
Gebot größer als diese“. Mk 12,30+31 Übersetzung: rev. Lutherbibel 1984)
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Arbeit zitieren:
Matthias Scheel, 2005, Gibt es einen Gegensatz zwischen historischer Wahrheit und neutestamentlichem Kerygma?, München, GRIN Verlag GmbH
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