Inhaltsverzeichnis
1 - Einleitung 4
1.1. Einleitung 4
1.2. Ziel der Arbeit 4
1.3. Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes 4
2 - Kulturelle Grundlagen Deutschland China 5
2.1. Begriffe Bedeutung / Verständnis 1 6
2.1.1. Strategie 6
2.1.2. List 7
2.1.3. Strategem 9
2.1.4. Moulüe 13
2.2. Begriffe Bedeutung / Verständnis 2: 14
2.2.1. Zeit 14
2.2.2. Krise 14
3 - Strategeme / Stratageme 16
3.1. Liste der 36 heute bekannten Strategeme nach Prof. von Senger 16
3.2. Grundkategorien / Arten der Strategeme: 24
3.2.1. Simulation 25
3.2.2. Dissimulation 25
3.2.2. Information 25
3.2.4. Ausmünzung 25
3.2.5. Flucht 26
3.2.6. Hybride Strategeme 26
3.2.7. Strategem-Verkettung 26
3.3. Transfer Erscheinungsformen 26
3.3.1. in der Alltagskultur 26
3.3.2. im Kontext von Geschäftstätgigkeiten 27
4 - Persönliches Fazit 27
5 - Literatur und Quellen 29
5.1. Literatur 29
5.2. Nachschlagewerke 31
5.3. Internet 31
5.2. Rohdaten der Google-Untersuchung 32
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Verwendete Abkürzungen:
d.h. das heisst bzw. beziehungsweise bsp. beispielsweise vs. versus u.a. unter anderem etc. et cetera ca. circa g.ü. gegenüber v. Chr. vor Christus / vor unserer Zeitrechnung n. Chr. nach Christus
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1 - Einleitung
1.1. Einleitung
Die geografische Region des heutigen China beheimatet eine Kultur, die rund 3000 (mancherorts wird auch 5000 erwähnt) Jahre überdauerte und einen Zusammenhang von Beginn bis heute aufweist (Sprache, Schrift, Literatur). Auf diese Konsistenz sind viele Chinesen stolz und sie ist auch etwas Besonderes. Den Menschen dort ging es durch die Geschichte hindurch mal besser und mal schlechter. Sie erlebten blutige Kämpfe und Unterdrückung, genossen im Vergleich zu Europa teilweise schon früh technische Fortschritte und meist konnten die Chinesen ihre Ziele im Alltagleben auf gewöhnliche Weise kaum erreichen (S.126, Lanfen 2008). Das Küstengebiet war wegen seiner Fruchtbarkeit immer dicht besiedelt.
Auch Europa hat eine lange Geschichte und die Menschen hier erlebten ebenfalls viel Ungemach und Schönes - und trotzdem ist die chinesische Kultur anders. Sie unterscheidet sich grundlegend von der Europäischen. Sei es das andere Verständnis der Zeit (Linearität vs. Zirkularität), die unterschiedliche Art zu schreiben (26 Buchstaben vs. ca. 50'000 Bildzeichen) oder die Art zu sprechen (Chinesisch kennt keine Konjugation). Psychologisch gesehen beeinflussen (oder bilden) die Sprache und die Sozialisierung das Denken der Menschen und das Denken führt zum Handeln - und so begegnen sich Europäer und Chinesen als völlig unterschiedliche Menschen. Geht es beispielsweise um eine gemeinsame Zusammenarbeit, spielen kulturelle Einflussfaktoren eine grosse Rolle. Die zunehmende Beschäftigung mit interkultureller Kommunikation liess das gegenseitige Verständnis in der kürzeren Vergangenheit sicher wachsen und brachte einander näher. Ein in Europa aber noch wenig bekanntes Phänomen beeinflusst die Zusammenarbeit wahrscheinlich noch weit stärker: die List. In Europa wird sie meist verteufelt und in China mit Weisheit gleichgesetzt.
1.2. Ziel der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist eine einführende Darstellung der chinesischen Listen. Dies auch mit einem Blick auf das unterschiedliche Verständnis in Bezug auf die Perspektive der Strategieentwicklung im Managementbereich.
1.3. Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes
1988 veröffentlichte der Schweizer Sinologieprofessor Harro von Senger erstmals im deutschsprachigen Raum eine Liste mit 36 Strategemen (chinesische Listen). Die Grundlage meiner Arbeit sind diese Veröffentlichungen der chinesischen Listen von Harro von Senger und Veröffentlichungen, die sich auf seine Schriften beziehen (das sind, wenn auch in Teilen, die meisten). Ich bin mir bewusst, dass es andere Ansätze und Interpretationen gibt (z.B. Tung&Tung: „More Than 36 Stratagems: A Systematic Classification Based on Basic Behaviours“ oder Chao-Hsiu
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Chen: „Lächelnde List. 108 Erfolgs-Strategeme aus dem alten China“). Wichtig erscheint mir aber auch eine Erläuterung der Unterschiede der zusammenhängenden Grundbegriffe und die Klärung derer. Von Senger ist promovierter Jurist und arbeitete akribisch an der Übersetzung und der Systematisierung der Listen (Arten, Kategorien, Zuordnung). Ich gehe hier von einer seriösen und tiefgreifenden Arbeit aus - was nicht bei allen Autoren der Fall zu sein scheint. Die Kontroverse beginnt mit der Deutung, Auslegung und Anwendung der Strategeme, bzw. der Entwicklung von geeigneten Gegenmassnahmen - und hier sind sich auch Chinesen mehr uneinig als einig, denn das Feld der Anwendung erstreckt sich von der Privatperson und dem kleinen Mann bis hin zum Staatspräsidenten (Mao Zedong und Deng Xiaoping waren grosse und belesene Strategen). Und mir scheint, es gibt einige Prämissen, über die wenig Klarheit vorhanden ist, die aber das Verständnis vor allem der Europäer für die Chinesen erheblich verbessern würden. Die Angst vor der «gelben Gefahr» geistert (grassiert!) zunehmend durch die Presselandschaft und die steigende Anzahl von Büchern über die chinesische List trägt da kaum zu einer Abnahme dieser Angst bei.
2 - Kulturelle Grundlagen Deutschland & China
Wir im Westen sind gewohnt, uns als die dynamischen, Geschichte machenden, entwickelten und modernen Nationen anzusehen und den Rest der Welt als statisch, unterwentwickelt und traditionell. Wir gehen seit dem 18. Jahrhundert von einer positionellen Überlegenheit des Westens aus und der Orient (nahen, mittleren und fernen Osten) war alles, was der Westen nicht war: despotisch, unfähig zur Demokratie und bevölkert mit gerissenen und grausamen Lügnern (S.108, Breidenbach 2000). Die europäische Identität formte sich seither vor allem durch die Abgrenzung alldessen. Das Fremde sei dadurch ein Mythos, der den Europäern lange diente, um sich selbst wieder in den Griff zu bekommen (S.22, Duala M’bedy 1977).
Doch auch in China (was wir heute geografisch anerkennen), also im fernen Osten, sah man vor allem sich selbst. Bereits der Name «Reich der Mitte» (Zhhnghuá Rénmín Gònghéguó) weist darauf hin, dass man in China annahm, der Nabel der Welt zu sein. Das heutige China hatte nie hegemoniale Ansprüche (von Tibet und Sinkiang abgesehen, die früher einmal zum Qin-Reich gehörten, 200 v. Chr.) und Chinesen monieren heute, das Konzept des Sinozentrismus sei nur zwecks antichinesischer Stimmung geschaffen worden. So musste Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch das chinesische Selbstverständnis mit Opium unterwandern, was aufgrund des darauffolgenden kaiserlichen Verbots zum ersten Opiumkrieg führte. Europa und China schauen sich also auf etwa gleicher Höhe in die Augen, wenn auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts kurzzeitig die Waffengewalt der Europäer stärker war.
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2.1. Begriffe & Bedeutung / Verständnis 1
2.1.1. Strategie
Strategen waren früher Heeresführer, denn „stratos“ heisst „Heer“ und „agein“ heisst „führen“ auf Griechisch. Strategie und die Auffassung derer ist so im Westen heute stark mit der griechischen Kriegsführung (ca. 1200 v.Chr.) und der (Natur)Wissenschaft verbunden und beides zeigt bis heute Einfluss auf das westliche Denken (S.14, Jia Hanhan 2007). Das heute vorherrschende klassische westliche Konzept der Managementtheorie hat seine Wurzeln bei Frederick Taylor (Prozessteuerung & „Scientific Management“, 1895) und Henri Fayol (Funktionen des Managements, 1916), beides Ingenieure und Naturwissenschafter. 1928 kam mit der Spieltheorie von John von Neumann ein mathematischer Ansatz hinzu, der ab den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts einen enormen Boom erlebte. Viele Ökonomen betrachten heute die Spieltheorie als formale Sprache der ökonomischen Theorie (S.1, Holler 2009). Gegenstand der Spieltheorie ist die Analyse von strategischen Entscheidungssituationen (u.a. mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen). Den eigentlichen Keim für das strategische Management legte Alfred Chandler mit seinem 1969 erschienen Werk „Strategy and Structure“ (Chandler, 1969). Für viele Manager war ab dann der Satz «Structure follows Strategy» massgebend bei der Gestaltung der Organisationsstruktur.
Das Verständnis für Strategie in China (Osten) hat seine Wurzeln vor ca. 2500 Jahren zu Zeiten des Übergangs der Frühlings- und Herbstannalen bzw. der Zeit der streitenden Reiche (S.15, Jia Hanhan 2007). Der wichtigste und frühste Stratege chinesischer Herkunft war zweifelsohne General Sunzi, der das Buch der zwölf listigen Wege verfasste, das bis heute in China ein Standardwerk ist. Sunzi nahm die damals vorherrschenden philosophischen Schulen (Konfuzius, Laotse und Mencius) als Grundlage für seine Militärstrategien und verkörpert so mit seinem Gedankengut die Philosophie des Krieges. Sunzi wird hingegen fälschlicherweise als Urheber mit den 36 Strategemen verknüpft (S.25, von Senger 2004). In der chinesischen Philosophie sind drei Begriffe, bzw. Prinzipien von zentraler Bedeutung (S.18, Jia Hanhan 2007): 1) die Transformation (Yin & Yang) 2) das Prinzip des Dao (der schöpferische Weg) 3) Wu Wei (das Prinzip des Nicht-handelns)
Durch das Gleichgewicht von Yin und Yang entsteht Harmonie - und diese ist den Chinesen sehr wichtig. Aus den beiden Polaritäten entsteht das Dao, der Fluss des Lebens, ständig in Bewegung und in Wandlung. Und aus dem Dao resultiert dann der dritte Aspekt, der für Sunzi besonders wichtig war: das Nicht-handeln. Durch Nicht-handeln kommt man am ehesten zur Wirkung und in die gewünschte Richtung (S.123, Jullien 1999). Das östliche Verständnis von Strategie verkörpert also vorallem philosophische Gedanken des Dualismus/Universismus und des Taoismus. Die Idee dahinter funktioniert zufolge als Weisheit (das Zeichen «Ji» bedeutet im Chinesischen zugleich Weisheit und List) und Weisheit ist eine der konfuzianischen Kardinaltugenden (S.39, von Senger
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2000). Um Weisheit geht es dann auch auf dem Schlachtfeld (siehe Wurzeln Europa): «[..] der Gipfel strategischer Leistung ist der Sieg ohne Waffengewalt. [..] Sunzi sprach: Den Feind ohne Waffengewalt zu unterwerfen ist das höchste der Geschicklichkeit.» (S.16, Gao Yuan 1995). Also kann Sunzis Arbeit und die Auffassung von Strategie im Osten als Abspaltung der Philosophie verstanden werden, mehr als (sanfte) Weltanschauung denn gewaltbetonte Kriegstechnik.
2.1.2. List
List ist etwas allgemein menschliches und der Katalog der 36 Listen (Strategeme) ist überregional, überzeitlich und an kein Gesellschaftssystem oder Nation gebunden (S.64, von Senger 2001). Um die Listen (Strategeme) zu verstehen, braucht es keine Vorbildung und es ist schnell jedem klar, um was es geht. Die Ursprünge der List liegen laut Dröscher in den Instinkten, die dem Kampf (der Tiere) um’s Überleben dienten (S.33, von Senger 2001). So bekommt die List eine Färbung als Mittel zur Begegnung der eigenen Ohnmacht, bzw. zur Erhaltung der Handlungsfähigkeit, die das eigene Überleben sichert.
Die Konnotation der List war in der Vergangenheit und ist noch immer sehr unterschiedlich, geografisch und zeitlich gesehen. Bereits die Bibel erwähnte positive wie negative Beispiele. Aus moral-theologischer Sicht aber steht die List diametral der Gerechtigkeit gegenüber, was wohl zur negativen Bewertung führte (S.11, Klewer 2008). Die Deutsche «List» lässt sich aber auf den Verbalstamm «lais» (wissen, lernen, erkennen) zurückführen und bedeutet ursprünglich Geschicklichkeit (S.10, Klewer 2008). Das Herkunftswörterbuch von Duden vermerkt folgende Bedeutung: «List [..] bedeutet ursprünglich Wissen und bezog sich auf die Techniken der Jagdausübung und des Kampfes, auf magische Fähigkeiten und auf handwerkliche Kunstfertigkeiten. Allmählich entwickelte List einen negativen Nebensinn und wurde im Sinne von Trick, geschickte Täuschung und Ränke gebräuchlich, beachte die Zusammenhänge Arglist und Hinterlist». Der Brockhaus führt unter „List und Tücke“ folgende Erklärung: «Die umgangssprachliche Wendung ist im Sinne von „mit viel Geschick und Schläue“ gebräuchlich: Mit List und Tücke hatten die Feuerwehrleute den Wellensittich wieder in den Käfig gebracht.». Die Wertung ist also nicht von vorneherein negativ, sondern wandelte sich im Laufe der Zeit. Nimmt man die beiden oben genannten Deutungen zusammen und schaut auf das Beispiel vom Wellensittich, so gerät die List von der Erklärung und Interpretation her stark in die Nähe der Hypnose (=eingeengter Fokus, veränderte Aufmerksamkeit, Zuwendung zur Quelle (Hypnotiseur/Listanwender), reduziertes Bewusstsein) (S.48, Marks 2007). Umgangssprachlich wird List heute im Westen breit verstanden, meist negativ konnotiert. Häufig gebrauchte Synonyme sind: Kunstgriff, Finte, Coup, Augenwischerei, Schlaumeierei, Masche, Bluff und deren mehr.
In China kommt der List eine andere Bedeutung zu und hat zugleich unterschiedliche Entsprechungen. Es kommt stark auf den Kontext an, in welchem das Wort heute gebraucht wird. So kann List als Strategem, Plan, Kriegskunst, Schachzug oder Kunstgriff übersetzt und verstanden werden. List hat auch vom Zeichen her eine Doppelbedeutung und steht für List und zugleich für
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Weisheit (siehe Grafik unten). So strahlt die List in China im Glorienschein der Weisheit.
Dies macht es für den Westen schwierig, den verschlagenen Menschen vom offenen, fairen und weisen Mann zu unterscheiden. Das kann vor allem im Geschäftskontext aber von grosser Bedeutung sein, denn die langfristigen Folgen einer Listanwendung können (wenn überhaupt) erst sehr spät wieder rückgängig gemacht werden (S.60 von Senger 2001). Die List wird historisch gesehen auch in der chinesischen Utopie «Da tong» (grosse Gemeinschaft) erwähnt und dort ebenfalls positiv wie negativ erwähnt. Der 2000 Jahre alte Text von Konfuzius über die Aufzeichnung der Riten schildert eine heile und gerechte Welt ohne Sorgen. Der ideale Staat ist in dieser Utopie «frei von List» (S.19, von Senger 2001). So gesehen ist die List den Chinesen nur ein Mittel zum Zweck und für den Übergang zu «da tong» gedacht. Das Zeitalter ohne List ist noch zu erreichen. Der grosse Unterschied zum Westen liegt in der Auffasung der Welt an sich: in China wird im Dualismus die Welt von Yin und Yang beherrscht, den beiden Urkräften. Yin und Yang sind nicht zwei Pole, die sich ausschliessen, sondern Zustände, die voneinander abhängen und sich gegenseitig einschliessen. (siehe Grafik unten):
Dies spiegelt eine andere Denkart wider, die weniger an Wertungen und Oppositionen gebunden ist. Im Dualismus kann eine Welt ohne List nicht ohne eine Welt mit List existieren. So bleibt das listfreie «Da tong» eine Utopie und wird mit unserem Paradies (Jenseits) vergleichbar. Durch die heute verschiedenen Sichtweisen entstand ein grosser Unterschied in der Wahrnehmung von List. «Abendländer sind offensichtlich nicht fähig, hinter tausendfältigen konkreten Listvorgängen die immer gleichen, wenigen Listtechniken zu erkennen und zu benennen» schreibt von Senger (S.19, von Senger 2001). So sind Chinesen enorm viel listsensibler und er unterscheidet vier Ebenen
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Arbeit zitieren:
Reto Stern, 2010, Chinesische Strategeme, München, GRIN Verlag GmbH
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