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Inhalt 1
Vorbemerkung 2
1 Die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts 3
1.1 Die erste Rosenkreuzerschrift
1.1.1 Der Inhalt der Schrift 4
1.1.2 Die Idee einer Gelehrtengesellschaft 5
1.1.3 Die Autoren der Schrift 6
1.2 Die Wirkung der ersten Rosenkreuzerschrift 8
1.2.1 Die Geheimheit der Rosenkreuzer. 8
1.2.2 Die Hinwendung zur Alchemie 9
1.2.3 Die Gegner der Rosenkreuzer. 10
1.3 Das Rosenkreuzertum in Wechselwirkung mit der Moderne 11
1.3.1 Die rosenkreuzerische Publizität 11
1.3.2 Die rosenkreuzerische Geheimheit 12
1.3.3 Das rosenkreuzerische Gedankengut 12
1.4 Die Anschauungen der Rosenkreuzer 13
2 Die Rosenkreuzer des 18. Jahrhunderts 14
2.1 Die Vorläufer der Gold- und Rosenkreuzer 14
2.2 Die Gold- und Rosenkreuzer 15
2.2.1 Die veränderte Mitgliederstruktur von Alchemistengesellschaften. 16
2.2.2 Die Gold- und Rosenkreuzer in Wechselwirkung mit der Moderne 17
2.2.3 Die Aktivitäten der Gold- und Rosenkreuzer 18
2.3 Das Gedankengut der Gold- und Rosenkreuzer
in Wechselwirkung mit der Moderne 20
2.3.1 Die Zerfallserscheinungen im Orden der Gold- und Rosenkreuzer. 21
2.3.2 Die Zerfallserscheinungen bei rosenkreuzerischen Geheimlehren. 22
2.3.3 Die Zerfallserscheinungen bei freimaurerischen Hochgradsystemen. 23
2.4 Die Auflösung des Ordens der Gold- und Rosenkreuzer 25
2.5 Die Statuten des Ordens der Gold- und Rosenkreuzer 26
3 Die Geheimlehren. Ein Glossar 27
Literatur 31
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Vorbemerkung
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit soll die rosenkreuzerische Literatur des 17. Jahr-hunderts in ihrer Wechselwirkung mit der zeitgleichen Veränderung gesellschaftlicher Funktionen und als deren Ausdruck untersucht werden. Der zweite Teil wird unter dem selben Aspekt eine Betrachtung der rosenkreuzerischen Geheimgesellschaft des 18. Jahrhunderts versuchen.
Hierzu wird es zur Vereinfachung vereinzelt nötig, relevante gesellschaftliche Funktionen in dem reichlich unzulänglichen Begriff „Moderne“ zusammenzufassen. Als Projekt der Moderne wird Folgendes definiert:
• die Entstehung und Ausbildung einer Publizität und Öffentlichkeit, die nicht mehr ausschließlich vom Öffentlichkeit repräsentierenden Publikum getragen ist
• die Entstehung und Fortentwicklung getrennter Sphären des Öffentlichen und Privaten, damit auch des Geheimen
• die fortschreitende Ausbildung von Gruppenidentitäten und Gruppen, deren Interaktion nicht mehr ausschließlich eine zwischenmenschliche ist
• das Aufkommen und die Fortentwicklung des Versuchs, solche Gruppenidentitäten und Gruppen gemäß einer normativen Weltanschauung meist unter Zuhilfenahme von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu schaffen und planmäßig zu formen
• die Entstehung und Fortentwicklung getrennter Sphären des im weitesten Sinne religiösen - und des im weitesten Sinne wissenschaftlichen Versuchs eines Erkenntniserwerbs; in der Folge auch die schärfer werdende Trennung einzelner Bereiche der Wissenschaft
Bei obiger Zielsetzung der Arbeit kann darauf verzichtet werden, die Protagonisten der Geschichte der Rosenkreuzergesellschaft lückenlos vorzustellen. Es wird lediglich das Geburts- und Todesjahr ihrer wichtigsten Wortführer genannt. Selbst prominente Personen, die angeblich in Kontakt zu den Rosenkreuzern standen, werden nicht erwähnt, wenn ihr Einfluß auf die Entwicklung der Rosenkreuzergesellschaft nicht nachweisbar ist. Ebenso ist die Rolle von deren Mitgliedern bei politischen Entwicklungen entweder nicht eindeutig nachweisbar oder sie ist vom persönlichen Interesse, aber in keiner Weise vom Gedankengut des Ordens beeinflußt. Auch dieser interessante Aspekt, den eine Arbeit allgemein über freimaurerische Hochgradsysteme wohl besser untersuchen könnte, wird daher nicht erörtert.
Um den Leser trotzdem mit den nötigsten der ohnehin spärlich vorhandenen Informationen über den Charakter der Rosenkreuzergesellschaft auszustatten, werden im Anschluß an den ersten Teil die Ideen der rosenkreuzerischen Literatur des 17. Jahrhunderts, im
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Anschluß an den zweiten Teil der Arbeit die Statuten der rosenkreuzerischen Geheimgesellschaft des 18. Jahrhunderts kurz vorgestellt. Der gesamten Arbeit werden Definitionen der Begriffe für die in beiden Teilen relevanten Geheimlehren angehängt, welche keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können, aber die Bedeutung umreißen, mit der diese Begriffe innerhalb dieser Arbeit verwendet werden.
1 Die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts
„Mitte des 18. Jahrhunderts bildete sich in deutschen Landen ein Mysterienbund, der sich als `Orden der Gold- und Rosenkreuzer` bezeichnete und seinen Ursprung auf einen Orden bezog, der angeblich im 14. Jahrhundert von einem Christian Rosenkreutz gegründet worden war.“ 1
Tatsächlich ist kaum mehr über die Geheimgesellschaft der Rosenkreuzer - besonders über deren Ursprung - bekannt. Die wissenschaftliche Literatur über Rosenkreuzer stützt ihre Thesen im Wesentlichen auf Schriften, die von vermeintlichen Mitgliedern und Verteidigern verfaßt wurden, und auf Dokumente, welche auf Gegner und abtrünnige Mitglieder zurückgehen. Das Bild von den historischen Tatsachen, das aufgrund solch subjektiv gesättigter Quellen entsteht, muß also äußerst ungenau bleiben. Oft können Pseudonyme und Ordensnamen der damaligen Autoren nicht sicher zugeordnet werden, ihre Intentionen sind oft nicht eindeutig, die Funktionsträger einer eventuellen Ordensorganisation dieser Geheimgesellschaft bleiben unbekannt und außerdem ist es offenbar unmöglich, gesicherte Informationen darüber zu erhalten, inwieweit Schriften authentisch sind und Äußerungen von der Geheimgesellschaft autorisiert waren. Ebenso ungewiß ist die Intention und der Grad an Kompetenz bei Autoren von sogenannten Verräterschriften, die sich gegen die Geheimgesellschaft wenden. Phantasie, Propaganda und Realität sind in den Quellen über die Rosenkreuzer inzwischen unentwirrbar vermischt; eine Tradition, die sich bis heute in der esoterischen Literatur und den Werken der sogenannten Freimaurerhistoriker, die selbst Freimaurer sind, fortzusetzen scheint. Trotz all dieser Schwierigkeiten soll versucht werden, die rosenkreuzerische Literaturgeschichte kurz zusammenzufassen, um diese interpretieren zu können.
1 Holtorf, Jürgen / Lock, Karl-Heinz; 1993; S. 71
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1.1 Die erste Rosenkreuzerschrift
1.1.1 Der Inhalt der Schrift
Nach Frick wurde 1614 in Kassel anonym die erste Rosenkreuzerschrift verlegt. Das Buch von 147 Seiten richtete sich an alle Gelehrten Europas.
Im ersten Teil wurde eine Satire di Parnassos übersetzt, in der er eine Reform forderte. Ziel der Generalreformation der Welt war für die Rosenkreuzer die harmonische Verschmelzung der christlichen Reformation und der modernen Naturwissenschaft. Im Anhang dieses ersten Teils wurde gegen die Machenschaften des 1540 gegründeten Jesui-tenordens, als größten Widersacher der Reformation, argumentiert. 2 Das Kernstück des Buches bildete aber die Legende um einen Vater Rosenkreutz. Diese schien als Traditionsnachweis und Ermächtigungsurkunde für das plötzliche Auftreten der Rosenkreuzerbruderschaft für allgemeine Reformtätigkeit zu fungieren. Nach diesem Mythos sei ein Vater Rosenkreutz während einer Reise ins „Heilige Land“, nach Arabien und Ägypten mit den Naturweisheiten des Orients bekannt geworden. Er habe Einblick in das große Buch der Natur, das liber mundi, erhalten und so den tieferen Sinn der Mikro- und Makrokosmoslehre erkannt. Diese Lehre von den Entsprechungen wurde später durch die Tradition der alchemistischen Literatur als die „Tabula Smaragdina“ des Hermes Trismegistos bekannt. Rosenkreutz sei zur Erkenntnis gelangt, daß die christliche Lehre zwar mit der Welterkenntnis harmoniert, aber zum Beispiel durch Dogmen verborgen liege. Als seine Reformbemühungen im Abendland scheiterten, habe er nach dem Vorbild arabischer und afrikanischer Gelehrter eine Gelehrtenrepublik in Europa gegründet. Deren Forschungsergebnisse sollten der Fürstenerziehung und der allgemeinen Politik nutzbar gemacht werden. Man betrieb laut Mythos „neue“ Naturphilosophie, beschäftigte sich mit magischer Sprache und Schrift sowie mit Medizin. 120 Jahre noch dem Tod von Rosenkreutz trete nun diese Bruderschaft mit der vorliegenden Schrift an die Öffentlichkeit. 3 Die Verfasser „(...) bekennen sich zum lutherischen Glauben, streben keine politischen Veränderungen an, sondern hoffen, daß sich die `einige Wahrheit` von selbst durchsetzen werde.“ 4
2 Vgl. Frick, Karl R. H.; 1973; S. 145
3 Vgl. Maack, Ferdinand (Hrsg.); Johann Valentin Andreae; 1913; S. 26 -73
4 Krüger, Gustav; 1932; S. 13
5
1.1.2 Die Idee einer Gelehrtengesellschaft
Das mit dieser ersten Rosenkreuzerschrift verbreitete Gedankengut scheint zunächst wenig aufklärerisch (der Begriff „Aufklärung wird hier im denkbar weitesten Sinne benutzt). Mit der Wende zum 17. Jahrhundert hatte sich die exakte Naturwissenschaft immer weiter von spekulativen Wissenschaften, wie der Alchemie und der Astrologie zu trennen begonnen. Unterdessen erschienen besonders in Deutschland literarische Erzeugnisse, die mit Hilfe der alten naturphilosophischen und theosophischen Spekulation christlich-reformatorische Bestrebungen zu stützen suchten. Möglicherweise läßt sich jedoch gerade die Literatur der Rosenkreuzer als Ausdruck damaliger Fortschrittlichkeit und eben nicht als gegen die beginnende Aufklärung rückwärts gewandt auffassen. Zentrale Faktoren für die Entstehung und den Inhalt dieser Schrift scheinen nämlich die neue exakte Naturwissenschaft, die Reformation, der Humanismus sowie das regere geistige Leben unter Gelehrten und an den Universitäten zu sein.
• Die Suche nach dem Stein der Weisen drückte den Versuch aus, Wissenschaft, Philosophie und religiöse Anschauung wieder zu einem Ganzen zu vereinigen, nachdem dieses ganzheitliche Weltbild nach dem Mittelalter in Widersprüche zwischen naturwissenschaftlichem und religiösem Weltbild auseinandergefallen war. Die Gedankenwelt der Rosenkreuzer spiegelt so die geistigen Fragen, Konflikte, Probleme während einer Zeitenwende wieder.
• Nach der Reformation konnte das festgefügte Lehrmodell der mittelalterlichen Scholastik eher in Frage gestellt werden. Freieres Denken, neue Anschauungen wurden möglich und waren in der „aus den Fugen geratenen Welt“ verschiedener Konfessionen und wiederentdeckter Antike gefragt wie nie zuvor.
• Die Neubewertung des menschlichen Individuums durch die Humanisten mag gnostische Ideen begünstigt haben, die in unterschiedlichem Maße eine „Veredelung“ des Menschen schon zu Lebzeiten für möglich hält, während vormals der mit der Erbsünde belastete Mensch erst mit dem Tod aus dem irdischen Jammertal „aufsteigen“ konnte.
• Nach dem Mittelalter erlebte das universitäre Bildungssystem einen allgemeinen Aufschwung, protestantische Fürsten bauten eigene, von der römisch-katholischen Kirche unabhängige Universitäten auf. Unter den protestantischen Gelehrten war dabei das Bedürfnis nach akademischer Vereinigung, in denen zum Beispiel auch die Wissenschaften betrieben werden konnten, welche an den Universitäten keinen Platz hatten, besonders groß, da es im protestantischen Bereich keine Gesellschaft gab, die wie die der katholischen Jesuiten ein Forum für Wissenschaftler bildete.
Arbeit zitieren:
Matthias Franke, 1998, Die Rosenkreuzer - Ein Versuch über eine Geheimgesellschaft im Wandel der Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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