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Philipps-Universität Marburg WS 1998/1999
Institut für Neuere deutsche Literatur
als Hausarbeit zum Hauptseminar:
Praktiken und Probleme psychoanalytischer Literaturinterpretation
EIN VERSUCH ÜBER
DIE GEWALTTÄTIGKEIT DER SPRACHE
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INHALT
INHALT................................................................................................................................. 2
VORWORT 3
1 BEDEUTUNG DES WITZES 5
1.1 Methodische Probleme beim Erfassen des Gedankengehalts 5
1.2 Erfassen des Gedankengehalts. 6
1.2.1 Bedeutung des Wortes „selbst“ 8
1.2.2 Bedeutung des Wortes „radikal“ 9
1.2.3 Bedeutung des Wortes „Feministinnen“ 11
1.2.4 Bedeutung des Wortes „wünschen“ 12
1.2.5 Bedeutung des Wortes „manchmal“ 13
1.2.6 Bedeutung des Ausdrucks „Unterschied zwischen den Geschlechtern“ 13
1.2.7 Bedeutung des Wortes „größer“ 14
2 TENDENZ DER SPRACHLICHEN TECHNIK. 15
2.1 Verdichtung 16
2.1.1 Verdichtung als Technik des Witzes 16
2.1.2 Verdichtung als Technik der Sprache allgemein 19
2.2 Verschiebung 21
2.2.1 Verschiebung als Technik des Witzes 21
2.2.2 Verschiebung als Technik der Sprache allgemein 23
2.3 Kooperation von Verdichtung und Verschiebung 25
3 TENDENZ DES WITZES 27
3.1 Gültigkeit der Geschlechterordnung 28
3.2 Rechtfertigung der Geschlechterordnung aus dem Verstoß gegen die Ordnung 32
3.3 Verteidigung der Geschlechterordnung 35
LITERATUR 40
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VORWORT
Selbst radikale Feministinnen wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!
Dieser Witz ist auf Briefpapier zu lesen, das im Sommer 1998 von einer Tabakfirma als Werbegeschenk verteilt wurde. Gewiß kann nicht jeder über einen solchen Witz lachen. Bei der Lektüre der hier vorliegenden Arbeit, die diesen Witzes analysieren möchte, wird aber leider auch einem Leser, dem er Vergnügen bereitet, schnell das Lachen vergehen.
Bedauerlicherweise liegt dies nicht nur daran, daß die Analyse Wirkungen des Witzes zu Tage befördert, die dem, der darüber lacht, unbewußt bleiben müssen. Vielmehr ist es die umständliche Vorgehensweise, welche das Vergnügen an dem doch eigentlich so interessanten Untersuchungs-gegenstand verwehrt. Es existiert wenig Sekundärliteratur, welche in diesem Zusammenhang hilfreich wäre. Diejenige Literatur, die hier aufgeführt wird, ist erst nach dem Ausführen der jeweiligen Argumentation zu deren Absicherung aufgesucht worden. Daraus resultiert die methodische Unsicherheit einer ganz neuen Denkweise, welche sich innerhalb der gesamten Arbeit zeigt: Ein erster Schritt der Analyse des Witzes ist das Erfassen seines Gedankengehalts - wie Sigmund Freud es ausdrückt. Der manifeste Wortlaut des Witzes soll darauf untersucht werden, welche Bedeutung im zuzuschreiben ist. Im weitesten Sinne folgt dieses Feststellen einer latenten Bedeutung also einem hermeneutischen Paradigma. Auf Erkenntnisse über den Autor des Witzes kann dabei nicht zurückgegriffen werden; er ist unbekannt. Damit verschärfen sich methodische Probleme, die zu einem äußert peniblen und kleinschrittigen Vorgehen zwingen, wenn gesicherte Ergebnisse erzielt werden sollen.
Im zweiten Schritt der Analyse sollen nun die Mechanismen untersucht werden, welche den Witz seine latente Bedeutungen überhaupt hervorbringen lassen. Es offenbaren sich die Tendenzen seines Wortlautes ganz bestimmte Bedeutungen zu erhalten, die gegen andere Bedeutungen gerichtet sind. Dabei fallen jedoch auch Tendenzen der Herstellung von Bedeutung auf, die der Sprache allgemein immanent sind. Das System der Sprache wird also ebenfalls auf Strukturmerkmale untersucht, welche für die Bedeutung des Witzes relevant sind. Damit arbeitet der zweite Teil der Analyse sozusagen mit einem im weitesten Sinne strukturalistischen Paradigma. Der dritte Teil der Analyse wird sich dann mit den Aporien auseinandersetzen, welche der latenten Bedeutung des Witzes beinhaltet. Die Struktur der Bedeutung wird mithin auf Unregelmäßigkeiten untersucht, die Konstruktion der Argumentation dekonstruiert.
In den letzten beiden Teilen wird in einem kurzen Rekurs auf Freuds Witzanalyse auf die Psyche des Erzählers des Witzes und derjenigen, die über den Witz lachen, geschlossen. Der zweite Teil könnte um Rückschlüsse auf die Tendenzen innerhalb des Unbewußten erweitert werden, die auch der Sprache allgemein immanent sind. Der dritte Teil könnte seine Rückschlüsse auf die Tenden- zen des Unbewußten, die sich in dem Witz zeigen, auf deren gesellschaftliche Relevanz untersu-
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chen. Beides kann nur angedeutet werden, soll diese Arbeit in ihrem Textumfang nicht jedes vernünftige Maß noch weiter als ohnehin schon übersteigen.
Trotz der Kleinschrittigkeit ihrer Argumentation bleibt die Analyse also unvollständig. Darum und wegen dem Ableiten einer möglicherweise unangemessenen Philosophie über Sprache, wegen der methodischen Unsicherheiten und der ungelenken Begriffsbildung bleibt die vorliegende Arbeit nur der Versuch einer Analyse.
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1 BEDEUTUNG DES WITZES
1.1 Methodische Probleme beim Erfassen des Gedankengehalts
In seiner Schrift „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“ beginnt Sigmund Freud die Analyse mit dem Versuch, den Gedankengehalt des jeweiligen Witzes in seiner gesamten Bedeutung vollständig zu formulieren. 1 Offenbar treten jedoch bei diesem ersten Schritt der Analyse gewisse Probleme auf, sofern sich der Gedanke des Witzes nicht eindeutig bestimmen läßt.
Dies zeigt sich bei dem hier zu analysierenden Witz:
Selbst radikale Feministinnen wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!
Werden einzelne Begriffe oder Sinnzusammenhänge formuliert, um die Bedeutungen und den Gedankengehalt des Witzes zu erhellen, sind verschiedene Resultate denkbar.
1. Mit dem Begriff „Feministin“ werden individuell höchst unterschiedliche Bedeutungen assoziiert, die von „emanzipierte Frau“ bis zu „männerfeindliche Frau“ reichen.
2. Auch die Motivation für den Wunsch der „Feministinnen“ ist nicht eindeutig zu bestimmen. In einem Fall könnte man davon ausgehen, in dem Witz werde unterstellt, daß Feministinnen unter einem Mangel an sexueller Befriedigung leiden:
In einem anderen wäre der Wunsch der Feministinnen als eine Konstruktion aufzufassen, welche deren Forderung einer Aufhebung gesellschaftlicher Unterschiede zwischen den Geschlechtern durch den Verweis auf biologische Unterschiede ad absurdum führen soll:
Eine weitere Ausformulierung des Gedankengehalts könnte die Aufmerksamkeit stärker darauf lenken, daß im Witz behauptet wird, die unzulängliche Männlichkeit oder Manneskraft verursache und ermögliche die feministische Profession überhaupt:
Das intuitive Erfassen des Gedankengehaltes würde also gleich mehrere verschiedene Formulierungen des Witzes zulassen. Keine davon wäre grundsätzlich falsch, doch die einzelne könnte jeweils nur einen Teil des Spektrums an Bedeutungen wiedergeben, zu dem sich der Gedankengehalt
1 Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 33 Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905
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auffächern läßt. In der Folge müßte sich wohl auch die Interpretation nur auf den betreffenden Teil des Gedankengehalts konzentrieren. So läuft die Analyse des Witzes schon zu Anfang Gefahr, eine Interpretation des Gedankengehalts vorwegzunehmen. Für die Analyse der sprachlichen Techniken, denen sich der Witz bedient, mag dies zunächst von geringerer Bedeutung sein. Sollen jedoch die Tendenzen des Witzes untersucht werden, bedingt die Auffassung des Gedankengehalts die Art des Ergebnisses. Auf die Frage, wer oder was durch das Erzählen des Witzes angegriffen oder lächerlich gemacht werde, erhält man dann möglicherweise eine zu einseitige Antwort. In der Folge ließe sich auch die Motivation für das Erzählen des Witzes nicht mehr hinreichend differenziert betrachten.
1.2 Erfassen des Gedankengehalts
Zumindest im hier vorliegendem Fall scheint es also sinnvoll, bei dem Formulieren des Gedankengehalts des Witzes in kleineren Schritten vorzugehen, als es die methodischen Vorgaben Freuds verlangen. Dementsprechend sollte darauf geachtet werden, den Wortlaut so zu paraphrasieren, daß sich später keine Bedeutungsebene der Untersuchung entzieht. Doch erscheint der Gedankengehalt des Witzes schon bei oberflächlicher Betrachtung so paradox, daß es gewisse Gefahren mit sich bringen muß, eben genau jene paradoxe Bedeutung mit Hilfe ontologisch begründeter Annahmen zu erfassen, denen selbst nicht diese Paradoxien der Sprache immanent sein könnten. Die Paraphrase würde in der Folge nicht mehr die paradoxe Bedeutung des zu analysierenden Witzes wiedergeben. Rudolf Carnap verwirft für die Metasprache eine ontologisch begründete Wahl von Paraphrasen: „Nach meiner Ansicht ist jedoch die Wahl einer gewissen Sprachstruktur und im besonderen der Entschluß, gewisse Variablentypen zu benutzen, eine praktische Entscheidung, wie die Wahl eines Instruments; sie hängt hauptsächlich von den Zwecken ab, für die das Instrumenthier die Sprache - gebraucht werden soll, und von den Eigenschaften des Instruments.“ 2 Für die Analyse sollen hier zwei wirksame Strukturen der Sprache beachtet werden, aufgrund derer beim Paraphrasieren eine Entscheidung für bestimmte Variablen der Bedeutung getroffen werden kann. Jedes sprachliche Zeichen gehört nach Roman Jakobson diesen zwei verschiedenen Sys-temanordnungen an 3 :
1. Selektion (Auswahl, Entscheidung). Eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten setzt voraus, daß die eine Möglichkeit für eine andere, welche der ersten in einer Hinsicht gleichwertig und in einer anderen Hinsicht ungleichwertig ist, eingesetzt werden kann. Selektion und Substitution sind zwei Erscheinungsformen derselben Operation. 2. Kombination. Jedes Zeichen kommt nur in Kombination mit anderen Zeichen vor und ist aus konstituierenden Zeichen zusammengesetzt. Das heißt, daß jede sprachliche Einheit
2 Carnap, Rudolf; Bedeutung und Notwendigkeit, Eine Studie zur Semantik und modalen Logik; übersetzt von Wilhelm Bader; Wien, New York; 1972; S. 54 englische Erstveröffentlichung: Meaning and Necessity; Chicago; 1947
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zugleich als Kontext für einfachere Einheiten dient und ihren eigenen Kontext in einer komplexeren sprachlichen Einheit findet. Somit vereinigt also jede Gruppe von linguistischen Einheiten diese Einheit zu einer höheren Einheit: Kombination und Kontextbildung sind zwei Erscheinungsformen derselben Operation.
Um die beiden Systemarten, die Roman Jakobson Kombination und Selektion nennt, gegeneinander abzugrenzen, behauptet Ferdinand de Saussure, daß ein System „in praesentia ist; es beruht darauf, daß zwei oder mehr Teile in einer gesprochenen Reihe gemeinsam auftreten“, während das andere System „Teile in absentia als Glieder potentieller Gedächtnisreihen miteinander in Verbindung bringt“. 4 Jakobson folgert daraus: „die Bestandteile eines Kontextes stehen miteinander im Kontiguitätsverhältnis, während bei dem Substitutionsverhältnis die Zeichen durch verschiedene Grade der Gleichartigkeit, die sich zwischen der Gleichwertigkeit der Synonyme und dem gemeinsamen Wesenskern der Antonyme bewegen, miteinander in Beziehung stehen.“ 5 Das heißt also, daß die Selektion (und dementsprechend die Substitution) mit Größen zu tun hat, die im Kode, im System der Sprache, aber nicht in einer gegebenen Mitteilung miteinander in Verbindung stehen, während im Falle der Kombination die einzelnen Größen entweder im System der Sprache und in der Mitteilung oder nur in der Mitteilung miteinander in Verbindung treten. Um keine denkbare Bedeutungsebene unberücksichtigt zu lassen und den Gedankengehalt des Witzes vollständig zu formulieren, müßte also in einer Metasprache mit Wendungen und Begriffen gearbeitet werden, deren Bedeutungen alle denkbaren Bedeutungen des Wortlauts des Witzes gemäß der Substitution einschließen oder deren Bedeutungen durch die Kombination erst im Kontext relevant sind. Doch die Bedeutungen solcher Begriffe und Wendungen sind immer andere als diejenigen, die sie mit einschließen. Zwar suggeriert Freuds Begriff „Gedankengehalt“, sofern er das Gesamtspektrum möglicher Bedeutungen meint, es handele sich um einen feststehenden Gehalt an Bedeutung, die mit einer sprachlichen Äußerung transportiert wird, doch jede Bedeutung muß der Äußerung erst zugeschrieben werden. Es ist also unmöglich, den Gedankengehalt, also alle Bedeutungen einer sprachlichen Äußerung tatsächlich vollständig und umfassend wiederzugeben. Es ist lediglich möglich, eine bestimmte Bedeutung zu umschreiben, also den Gedankengehalt in einer einzelnen ganz bestimmten Ausprägung. Zur Erfassung des Gedankengehalts soll daher jeweils die Bedeutung gewählt werden, welche über alle weiteren denkbaren Bedeutungen hinaus geht oder als einzige im Kontext relevant ist. Sie wird den Gedankengehalt zwar nicht vollständig wiedergeben, jedoch denjenigen Teil, der sein Äußerstes markiert. Dazu wird es nötig sein, in einigen Fällen die weitestreichende Bedeutungen recht allgemein und unpräzise zu umschreiben, in anderen wird die weitestreichende Bedeutung allzu konkret erscheinen. Doch nur so ist eine Ausformulierung von
3 Vgl. Jakobson, Roman / Halle, Morris; Grundlagen der Sprache; übersetzt von Georg Friedrich Meier; Berlin; 1960; S. 52 ff.
4 Vgl. Saussure, Ferdinand de; Cours de linguistique générale; 2. Aufl.; Paris; 1922, S. 170 f.
5 Jakobson, Roman / Halle, Morris; Grundlagen der Sprache; übersetzt von Georg Friedrich Meier; Berlin; 1960; S. 52 ff. englische Erstveröffentlichung: Fundamentals of Language; The Hague; 1956
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Gedankengehalt möglich, die seine äußerste Ausprägung kennzeichnet und dadurch auch der weiteren Untersuchung des Witzes den weitesten Raum läßt.
1.2.1 Bedeutung des Wortes „selbst“
Das Wort „selbst“ wird mitunter im Sinne von „eigenhändig“ und „persönlich“ gebraucht. Die Stellung im Satz zeigt jedoch an, daß hier die Bedeutung von „auch“ und „sogar“ gemeint ist. Dies verdeutlicht eine Konnotation mit der Bedeutung von „überdies“. Soll jedoch eine Behauptung überdies auch für radikale Feministinnen stimmen, wird damit gleichzeitig vorgegeben, sie treffe zunächst auf einen weiteren Personenkreis zu. Daß die Behauptung des Witzes auf radikale Feministinnen passe, ist durch das Wort „selbst“ in seiner Bedeutung „sogar“ als etwas Besonderes gekennzeichnet. Daß die Behauptung auf einen weiteren Personenkreis zutreffe, ist nicht als Besonderheit oder Attraktion gekennzeichnet. Dies gilt wohl eher als so etwas wie der Normalfall zur Besonderheit, welcher ohnehin gegeben ist. Die Behauptung des Witzes über radikale Feministinnen soll demnach ohnehin auf einen weiteren Personenkreis zutreffen und überdies auch noch auf die radikalen Feministinnen.
Dieser weitere Personenkreis ist im Witz nicht benannt. Gerade dadurch, daß dieser nicht explizit erwähnt wird, suggeriert der Wortlaut des Witzes, er müsse zum Verständnis erst gar nicht erwähnt werden und es sei mithin selbstverständlich, welcher weitere Personenkreis gemeint ist. Soll ein einigermaßen gesichertes Ergebnis erzielt werden, ist es ungleich mühsamer zu ermitteln, welcher Personenkreis gemeint ist, als die Behauptung der Selbstverständlichkeit glauben macht. Es liegt die Vermutung nahe, daß dieser durch eine Modifikation der Bedeutung „radikale Feministinnen“ zu erschließen ist. Die relativ zu „radikale Feministinnen“ nächste weitergefaßte Bedeutung würde „Feministinnen allgemein“ meinen. So bleibt zu vermuten, daß der weitere Personenkreis, auf den die Behauptung des Witzes zuzutreffen vorgibt, „Feministinnen allgemein“ umfaßt.
Allerdings ist es auch denkbar, daß der weitere Personenkreis durch freiere Assoziation mit der Vorstellung „ radikale Feministinnen“ verbunden wird. Eine solche assoziative Verknüpfung ist zwischen Bedeutungen möglich, denen zumindest eine gemeinsame oder eine gegenteilige Eigenschaft zugeschrieben wird. Die zweite Möglichkeit der Assoziation entfällt in diesem Fall wegen der Konnotation “überdies“ zu der Grundbedeutung „selbst“, beziehungsweise „auch“ und „sogar“. Die Behauptung des Witzes bezieht sich nicht auf eine gegenteilige Vorstellung zu der Bedeutung „radikale Feministinnen“, sondern auf einen relativ zu „radikale Feministinnen“ weiteren, größeren Personenkreis. Die einzige weitere Bestimmung der radikal feministischen Personen durch diesen Begriff ist aber deren Kennzeichnung als ausschließlich weiblich. Es können also alle Vorstellungen von exklusiv weiblichen Personenkreisen assoziiert werden. Demnach muß nun davon ausgegangen werden, daß der Wortlaut des Witzes impliziert, seine Behauptung treffe zu- nächst auf alle Frauen zu.
Arbeit zitieren:
Matthias Franke, 1999, Ein Versuch über die Gewalttätigkeit der Sprache und die Tendenz eines Witzes, München, GRIN Verlag GmbH
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