„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal
neu Mass, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Massstäbe anlegen in
der Meinung, sie passten auch heute noch.“
George Bernard Shaw
Inhaltsverzeichnis
Abstract 1
Einleitung 2
Studien. 3
Studie 1 - Not an outgroup, not yet an ingroup: Immigrants in the Steretype Content Model. 3
Einleitung 3
Hypothesen. 4
Pilotstudie : Auswahl der Immigrantengruppen 5
Methode. 5
Resultate und Diskussion. 5
Hauptuntersuchung. 6
Methode. 6
Resultate 7
Diskussion 10
Studie 2 - Intergroup Contact and Prejudice Toward Immigrants in Italy: The Mediational Role
of Anxiety and the Moderational Role of Group Salience. 12
Einleitung 12
Studie 1 - Einschätzung afrikanischer Immigranten durch italienische Studierende 14
Hypothesen. 14
Methode. 15
Resultate 16
Diskussion 18
Studie 2 - Einschätzung von Immigranten aus Nicht-EU-Ländern durch Mitarbeiter eines Spitals 18
Einleitung 18
Methode. 19
Resultate 20
Diskussion 22
Allgemeine Diskussion 24
Literaturverzeichnis. 27
Anhang - A
Abstract
In der vorliegenden Literaturarbeit werden zwei ausgewählte Studien der Vorurteilsforschung vorgestellt und deren wichtigsten Aspekte ausführlich beschrieben und diskutiert. In einem ersten Teil gehe ich auf die wesentlichen Postulate des Stereotype Content Model und der Kontakthypothese ein, da diese theoretischen Konzepte Grundlage der Arbeit der Autoren beider Studien darstellen.
Danach stelle ich eine Studie von Lee und Fiske (2006) vor, welche das Stereotype Content Model behandelt und davon ausgeht, dass Vorurteile gegenüber Mitgliedern von Aussengruppen ambivalenter ausfallen als dies in der bisherigen Forschung angenommen wurde.
In einem nächsten Schritt wird eine Studie der Autoren Voci und Hewstone (2003) vorgestellt, welche in ihrer Studie Faktoren zur Reduktion von Stereotypen festzumachen versuchen. Theoretische Grundlage ihrer Arbeit stellt die Kontakthypothese dar, wobei die Forscher simultan die mediierende Rolle von Angst zwischen Gruppen und die moderierende Rolle von Gruppensalienz mit einbeziehen. Die Literaturarbeit wird mit einer Diskussion abgerundet.
Universität Zürich, Sozial- und Wirtschaftspsychologie
Stereotype Content Model & Kontakthypothese, Betreuung: Dr. Dipl.-Psych. C. Lebherz, Studentin: A. Steiger 1
Einleitung
Stereotypisierung und Vorurteile gegenüber Immigrantengruppen sind meist mit negativen Attributen assoziiert. Forschung der Autoren Fiske, Cuddy, Glick und Xu (2002), Lin, Kwan, Cheung und Fiske (2005) und Lee und Fiske (2006) zeigen aber auf, dass eine durchgehend negative Beurteilung von Aussengruppen nicht vorliegt, sofern Beurteilern weitere Informationen wie zum Beispiel die Nationalität einer Immigrantengruppe zur Einschätzung vorgegeben werden. Als theoretische Grundlage für ihre Forschung dient den Autoren das Stereotype Content Model.
Gemäss Fiske et al. (2002) postuliert das Stereotype Content Model, dass Einschätzungen von Aussengruppen entlang der Dimensionen ‚Wärme’ und ‚Kompetenz’ stattfinden und meist ambivalent ausfallen. Dieses zweidimensionale Model wurde ursprünglich in der Forschung zur Personenwahrnehmung entdeckt, wo festgestellt wurde, dass sich Einschätzungen zu Charaktereigenschaften entweder um intellektuelle oder aber um soziale Eigenschaften gruppieren (Rosenberg, Nelson, & Vivekananthan, 1968; zit. nach Lin et al., 2005). Fiske et al. (2002) und Lee und Fiske (2006) führen zudem den Bezug des Stereotype Content Model auf soziale Strukturbeziehungen an. Einschätzungen zu Aussengruppen mit hohem Status resultieren nach Annahmen der Autoren in beneideten Stereotypen, Einschätzungen zu Aussengruppen mit niedrigem Status hingegen in paternalisierten Stereotypen. Hohe Einschätzung in der Dimension ‚Kompetenz’ korrespondiert mit wahrgenommener hoher gesellschaftlicher Macht und Wettbewerb, während Personen, die hoch auf der Dimension ‚Wärme’ eingestuft werden als wenig konkurrierend und daher harmlos wahrgenommen werden (Lee & Fiske, 2006).
Das oben beschriebene Stereotype Content Model macht Voraussagen zur Einschätzung von Immigrantengruppen (und anderer Aussengruppen), bietet aber keine Lösungsmöglichkeiten zur Stereotypenreduzierung an. Gemäss Dovidio, Gaertner und Kawakami (2003) wurde die Forschung zur Verbesserung der Beziehung von Gruppen stark durch die Kontakthypothese beeinflusst. Die Kontakthypothese postuliert, dass häufiger und positiver Kontakt mit Menschen, die einer Aussengruppe angehören, zu einer Verbesserung der Bewertung der gesamten Aussengruppe und daher zur Vorurteilsreduktion führen sollte (Allport, 1954; Hewstone, 1996; Pettigrew, 1998; zit. nach Voci & Hewstone, 2003). In der vorliegenden Arbeit gehe ich zuerst auf eine Studie von Lee und Fiske (2006) ein, welche die Postulate des Stereotype Content Model anhand von Vorurteilen gegenüber Immigranten in die Vereinigten Staaten von Amerika untersucht.
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Stereotype Content Model & Kontakthypothese, Betreuung: Dr. Dipl.-Psych. C. Lebherz, Studentin: A. Steiger 2
Um einen möglichen Lösungsansatz zur Problematik der Stereotypisierung anzubieten, wählte ich eine aktuelle Studie von Voci und Hewstone, welche versucht, auf der Basis der Annahmen der Kontakthypothese wichtige Faktoren der Vorurteilsreduzierung festzumachen. Die Autoren gehen in ihrer Studie der Frage nach, wie Kontakt mit einer Aussengruppe in Verbindung mit wahrgenommener Aussengruppenvariabilität, Einstellung zur Aussengruppe und subtilen Vorurteilen steht und welche Rolle dabei die Gruppensalienz als Moderatorvariable sowie die Angst zwischen Gruppen als Mediatorvariable spielen. Die Erkenntnisse der Autoren sind möglicherweise wegweisende Aspekte von Integrationsmassnahmen sowie Basis für besseres Verständnis von Intergruppenbeziehungen und können als Ausgangspunkt für weitere Forschung in diesem Bereich dienlich sein.
“Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens
von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren.” Luther Burbank
Studie 1 - Not an outgroup, not yet an ingroup: Immigrants in the Stereotype Content Model Tiane L. Lee, Susan T. Fiske
Departement of Psychology, Princeton University, 2006
Einleitung
Bisherige Forschung zu Vorurteilen gegenüber Immigranten bildet ein ernüchterndes Urteil über diese Aussengruppe ab. So wird der durchschnittliche Immigrant als inkompetent und nicht vertrauenswürdig beschrieben, wie zum Beispiel eine Studie aus Deutschland (Eckes, 2002; zit. nach Lee & Fiske, 2006) zeigt.
Im Unterschied zur bisherigen Vorurteilsforschung von Immigranten, welche dieser Aussengruppe stets negative Vorurteile attestiert, gehen Lee und Fiske (2006) davon aus, dass die Wahrnehmung von Immigranten weitaus differenzierter ist als bisher angenommen. Die Autoren sind der Auffassung, dass sich ein durchgehend negatives Bild über Immigranten verändern kann, sofern Beurteilern weitere Informationen wie zum Beispiel die Nationalität zur Verfügung gestellt werden. Die Autoren untersuchten die Einschätzung von Immigranten in die Vereinigten Staaten von Amerika durch U.S. Amerikaner auf der Basis des Stereotype Content Model.
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Hypothesen
Die Autoren gehen davon aus, dass ambivalente Kombinationen der beiden Dimensionen des Stereotype Content Model am häufigsten zu erwarten sind. Gemäss Lee & Fiske (2006) sagt das Stereotype Content Model voraus, dass Immigrantengruppen je nach Herkunftsland ambivalent in den Dimensionen ‚Wärme’ und ‚Kompetenz’ eingestuft werden. Die Autoren gehen von der Annahme aus, dass sich Bilder von Immigrantengruppen systematisch unterscheiden, sofern nicht vom „durchschnittlichen“ Immigranten gesprochen wird, sondern spezifischere Information zur Beurteilung vorgegeben wird.
Eine weitere Hypothese von Lee und Fiske (2006) betrifft das Herkunftsland der Immigranten, welches als Funktion der sozialen Struktur die Vorurteile einer Immigrantengruppe bestimmt. Inhalte von Stereotypen werden gemäss Lee und Fiske (2006) durch die Umstände der Einwanderung bestimmt.
Die Autoren sagen für lateinamerikanische Einwanderer eine eher tiefe Einschätzung auf beiden Dimensionen voraus, da lateinamerikanische Einwanderer in die Vereinigten Staaten von Amerika mit angeblich typischer „Migrantenarbeit“ oder Farmarbeit assoziiert werden. Für Asiaten, die als gut ausgebildet wahrgenommen werden, sagen die Autoren eine hohe Einschätzung auf der Dimension ‚Kompetenz’ gekoppelt mit einer geringen Einschätzung auf der Dimension ‚Wärme’ voraus. Diese Einstufung resultiert aus der Wahrnehmung dieser Aussengruppe als erfolgreiche Minderheitsgruppe.
Europäische Einwanderer werden aufgrund der früheren gemeinsamen Geschichte (spezielle Verbundenheit wird mit Grossbritannien assoziiert) von der amerikanischen Gesellschaft als ihre nächsten Verbündeten empfunden (Lee & Fiske, 2006). Einschätzungen auf den Dimensionen des Stereotype Content Model sollte demnach ähnlich wie für die Innengruppe ausfallen, mit Ausnahme der Iren und Italiener, die mit tieferen sozialen Schichten assoziiert werden.
Immigranten aus dem Mittleren Osten repräsentieren sowohl hohen wie tiefen sozialen Status und sollten nach den Voraussagen des Stereotype Content Model deswegen mittlere Kompetenzeinschätzungen und tiefe Einstufungen auf der Dimension ‚Wärme’ erhalten. Letztere Voraussage ist aufgrund der sehr schwierigen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Mittleren Osten zu erklären (Lee & Fiske, 2006).
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Stereotype Content Model & Kontakthypothese, Betreuung: Dr. Dipl.-Psych. C. Lebherz, Studentin: A. Steiger 4
Pilotstudie: Auswahl der Immigrantengruppen Methode Teilnehmer
39 Studierende der Princeton und Stanford Universität nahmen auf freiwilliger Basis an der Pilotstudie zur Auswahl der Immigrantengruppen teil. Von den 39 Studierenden waren 24 Frauen, 14 Männer und jemand, der sein Geschlecht nicht angab. Das mittlere Alter der Teilnehmer betrug 19.84 Jahre (SD = 1.37).
Ablauf der Pilotstudie
Es handelte sich um einen Fragebogen mit offenem Ende, wobei die Teilnehmer die Instruktion lasen, dass sie auf dem vorgesehenen Platz eines leeren Blattes die wichtigsten Immigrantengruppen der Vereinigten Staaten von Amerika auflisten sollten, die ihnen in den Sinn kämen. Ausserdem wurden die Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht, dass es keine richtigen und falschen Antworten gäbe.
Auf der Rückseite des Blattes wurden einige demographischen Fragen zu den Teilnehmern gestellt.
Resultate und Diskussion
Die Teilnehmer gaben 45 Immigrantengruppen an. Lee und Fiske (2006) schlossen jene Gruppen aus, die von weniger als fünf Teilnehmern genannt wurden. Mexikaner, Asiaten, Chinesen, Afrikaner, Lateinamerikaner, Iren, Inder, Südamerikaner, Osteuropäer, Japaner, Deutsche, Immigranten aus dem Mittleren Osten, Europäer, Koreaner, Kanadier, Franzosen, Italiener, Russen und Vietnamesen wurden von mehr als fünf Kandidaten der Pilotstudie genannt und deshalb als Immigrantengruppen für die Studie ausgewählt. Da die Autoren auch an der Wahrnehmung von Immigrantengruppen aufgrund politischökonomischer Faktoren interessiert waren, fügten sie zu den oben genannten Immigrantengruppen weitere Kategorien wie „Immigranten mit Aufenthaltsbewilligung“, „Sans-papiers“, „Farmarbeiter“, „Mitarbeiter der Tech-Industrie“, „erste Generation“ und „dritte Generation“ hinzu.
Als Kontrollgruppen, die bisher zuverlässig in einem der vier Quadranten des Stereotype Content Model erschienen waren, gaben sie ausserdem „Amerikaner“ und „College-Studierende“ (hohe Werte in Kompetenz und hohe Werte in Wärme), „reiche Menschen“ und „Berufstätige“ (hohe Werte in Kompetenz und niedrige Werte in Wärme), „ältere Leute“ und „Hausfrauen“ (niedrige Werte in Kompetenz und hohe Werte in Wärme) und „Obdachlose“ und „arme Menschen“ (niedrige Werte in Kompetenz und niedrige Werte in Wärme) an.
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Stereotype Content Model & Kontakthypothese, Betreuung: Dr. Dipl.-Psych. C. Lebherz, Studentin: A. Steiger 5
Arbeit zitieren:
Andrea Steiger, 2008, Einschätzung von Vorurteilen anhand des Stereotype Content Model und Überwindung von Stereotypen durch Kontakt mit Aussengruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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