Kurzfassung I
Kurzfassung
Im wirtschaftlichen Geschehen kommt dem Technologietransfer die Aufgabe zu, technologisches Wissen aus öffentlich grundfinanzierten oder privatwirtschaftlichen F&E-Einrichtungen in erfolgreiche Anwendungen zu bringen.
In Deutschland wird dieser Transfer von innovativen Technologien aus der Wissensbasis jedoch nicht zufriedenstellend geleistet. Entsprechend steht vor allem der Technologietransfer von Hochschulen im Mittelpunkt des Interesses und im Fokus auch dieser Arbeit. Im Falle eines funktionierenden Technologietransfers profitieren Empfängerunternehmen von neuen und innovativen Produkt- und Prozesstechnologien, durch die sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern, Kosten senken und/ oder Arbeitsplätze sichern können. Laut Innovationsindikator 2009 steht Deutschland im Vergleich der Industrieländer allerdings auf der Innovationsbremse. Dies bedeutet ein verheerendes Urteil für eine Volkswirtschaft, die weder mit Rohstoffen noch als Billiglohnland punkten kann und sich traditionell auf die Kraft des Mittelstandes stützt. Als einen möglichen Lösungsansatz zu diesem Problem stellt diese Arbeit die Idee einer logischen und notwendigen Verknüpfung des Technologietransfers mit dem Innovationsprozess in den Mittelpunkt. Letzterer ist in diesem Zusammenhang als Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu verstehen. Vorab werden dazu verschiedene in der Literatur vorhandene Innovationsprozessmodelle diskutiert und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit im Transferkontext evaluiert. Auf den Ergebnissen aufbauend, entwerfen die Autoren ein standardisiertes und idealtypisches Referenzmodell für die folgenden vier Instrumente des Technologietransfers: Lizenzierung, Ausgründung, Auftragsforschung und Forschungskooperation. Anschließend wird der Fokus auf die zentrale Schnittstelle des inter-organisationalen Innovationsprozesses, den Technologietransfer, gerichtet. Dabei werden unter Berücksichtigung der verschiedenen Transferinstrumente zwei Phasenmodelle entwickelt, die den Transferpartnern als Hilfestellung an die Hand gegeben werden.
Stichwörter: inter-organisationaler Innovationsprozess, Technologietransfer, Transferprozess, Technologietransferprozessmodell, Phasenmodell Technologietransfer, Transferinstrumente
Abstract II
Abstract
Technology transfer provides economies with new and rewarding applications. That is, technology transfer turns academic expertise - gained from publicly or privately funded R&D departments - intoreal products.
In Germany, however, several researchers and critics have recurrently pointed to several problems with the present national technology transfer. They finally came to an unsettling conclusion concerning the prevailing habits of transferring innovative technologies from theory into practice in the country. In particular the current technology transfer from German universities stays in the centre of attention and criticism. The same is true for this master's thesis.
Only if there is a well-functioning technology transfer between R&D and the business world, entrepreneurs as well as bigger companies will benefit from novel processing technologies with their innovative product outcomes which consolidate their future capacity to compete in global markets. Decreasing costs as well as secure and future-proof jobs are further worthwhile results of a working technology transfer. According to a survey from 2009, German policies do not seem to support innovations as much as this is done in many other industrial nations worldwide. Such a result alarms economists, because it bodes ill for a country that is built on a strong “Mittelstand” (medium- sizedcompanies) and that cannot compensate for a lagging technology transfer with natural resources or low wages. As an approach to improve technology transfer in Germany, this thesis does not follow the common distinction of technology transfer (TechXfer) and the product development process (PDP). It rather considers TechXfer to be a comprehensive and inter-organizational concept which includes PDP.
The authors intend to emphasize the necessary cooperation between science and business. The argumentation is based on an evaluating analysis of existent innovation process models - as can be found in expert literature. Going one step further, the authors will subsequently derive their own ideal model referring to four aspects of an effective technology transfer: (1) licensing, (2) outsourcing, (3) contract research and (4) co-operative researching. Going into more detail, this paper will hence apply the new model to inspect and discuss TechXfer at its new position, namely at the interface of an inter-organizational conception of PDP. To do this, the two authors will develop two specific phase models to give a final and complete picture of their treatment of an apparently ailing technology transfer in Germany.
Key words: innovation process, university technology transfer, transfer process, social value tech- nology transfer, technology transfer process, product development process model, PDP, TechXfer
Vorwort III
Vorwort
„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Henry Ford
Ein Projekt dieser Art ist nebenberuflich und gemeinschaftlich nur dann erfolgreich durchzuführen, wenn die Randbedingungen stimmen, man sich in der zur Verfügung stehenden Zeit vollständig auf die Arbeit konzentrieren kann und wenn es Menschen gibt, die diese Arbeit unterstützen.
An erster Stelle möchten wir Herrn Prof. Dr. Schefczyk danken. Er hat es uns ermöglicht, diese Diplomschrift in gemeinsamer Arbeit an seinem Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation zu erstellen. Gerade vor dem Hintergrund des bearbeiteten Themas scheint diese sonst unübliche Vorgehensweise innovativ und passend.
Unser ausdrücklicher und besonderer Dank gilt Frau Heike Naumann und Herrn Dr. Karl-Heinz Maurer. Beide haben diese Arbeit mit Engagement und mit ihren konstruktiven Anregungen besonders in der letzten Bearbeitungsphase unterstützt und vorangetrieben.
Von ganzem Herzen möchten wir natürlich unseren Familien danken, die mit Liebe, Zuversicht und Nachsicht, mit Interesse an der Sache und praktischem Engagement unser Studium und diese Arbeit unterstützt haben. Ohne sie wäre dies alles für uns nicht möglich gewesen. Tom Hoffmann und Thomas Schulz
„Die Erfolge der angewandten Wissenschaft und Technik, wie groß sie auch erscheinen mögen, sind nur ein winziger Teil dessen, was getan werden könnte, wenn die gewonnenen technischen Kenntnisse ausgenutzt würden, und ein unendlich kleiner Teil dessen, was die wissenschaftlichen Theorien des 20. Jahrhunderts bringen könnten, wenn sie angewendet würden.“ J. Bernal
Inhaltsverzeichnis IV
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung I
Abstract II
Vorwort III
Inhaltsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
Abk ürzungsverzeichnis IX
1 Einführung in die Problemstellung 11
1.1 Ausgangssituation und Motivation 11
1.2 Zielsetzung der Arbeit 14
1.3 Aufbau der Arbeit 15
2 Theoretische Grundlagen 17
2.1 Begrifflichkeiten zum Technologietransfer 17
2.1.1 Technologie 17
2.1.2 Transfer 20
2.1.3 Technologietransfer 21
2.1.4 Elemente des Technologietransfers 25
2.1.4.1 Transferpartner 26
2.1.4.2 Transferobjekt 27
2.1.4.3 Transfermittler 27
2.1.4.4 Transferprozess 28
2.1.4.5 Transferumwelt 29
2.1.5 Formen des Technologietransfers 30
2.1.6 Barrieren des Technologietransfers 31
2.2 Begrifflichkeiten zum Innovationsprozess 38
2.2.1 Invention 38
2.2.2 Innovation 39
2.2.3 Innovationsprozess 42
2.2.4 Innovationshemmnisse 45
Inhaltsverzeichnis V
2.2.4.1 Externe Hemmnisse 45
2.2.4.2 Interne Hemmnisse 46
2.3 Finanzierung der Hochschulforschung 48
2.4 Gesellschaftlicher Wert öffentlich finanzierter Forschung 52
2.5 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes und Präzisierung der
Erkenntnisziele 63
3 Gestaltung eines Referenzmodells für den inter-organisationalen
Innovationsprozess 65
3.1 Phasenmodelle des Innovationsprozesses 65
3.1.1 Einführung 65
3.1.2 Grundtypen von Innovationsprozessen 66
3.1.3 Charakterisierung bedeutender Phasenmodelle 71
3.1.3.1 Dreiphasen-Modell nach Thom bzw. Gerpott 71
3.1.3.2 Stage-Gate-Prozess nach Cooper 73
3.1.3.3 Phasenmodell nach Ulrich et al. 76
3.1.3.4 Phasenmodell nach Trommsdorff 79
3.1.3.5 Phasenmodell nach Rogers 81
3.1.3.6 Phasenmodell nach Reichwald et al. 83
3.1.3.7 Phasenmodell nach Pleschak et al. 85
3.1.3.8 Phasenmodell nach Vahs et al. 89
3.1.3.9 Phasenmodell für radikale Innovationen nach Veryzer 91
3.1.3.10 Phasenmodell für radikale Innovationen nach Scigliano 93
3.2 Erfolgsbeurteilung und Entwurf des Modellrahmens 96
3.3 Referenzmodell 101
3.3.1 Überblick 101
3.3.2 Suchfeldeingrenzung 104
3.3.3 Blackbox Hochschulforschung 106
3.3.4 Technologietransfer 111
3.3.5 Adaption, Test und Detaildesign 111
3.3.6 Fertigungsaufbau und Produktionsanlauf 113
3.3.7 Markteinführung 114
3.3.8 Innovationscontrolling. 115
3.3.9 Querschnittsfunktionen. 117
3.3.9.1 Innovationsmarketing 117
3.3.9.2 Transfervermittlung und -controlling 119
Inhaltsverzeichnis VI
4 Entwicklung eines Prozessmodells für die Phase des
Technologietransfers 121
4.1 Einführung 121
4.2 Instrumente des Technologietransfers an Hochschulen 122
4.2.1 Lizenzierung 124
4.2.2 Ausgründung 126
4.2.3 Auftragsforschung 127
4.2.4 Forschungskooperation 129
4.3 Überblick und Diskussion von Technologietransfermodellen 130
4.4 Zwischenfazit und Implikationen 134
4.5 Prozessmodell zum Technologietransfer 135
4.5.1 Suchphase 138
4.5.2 Verhandlungsphase 139
4.5.3 Transferphase 142
4.5.4 Besonderheiten bei Kooperationsprojekten 143
5 Zusammenfassung 147
6 Kritische Würdigung und Ausblick 150
Literaturverzeichnis 152
Sachwortverzeichnis 180
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Gliederungsgebäude
Abb. 2: Prozessualer Transfer
Abb. 3: Abgrenzung Innovationsprozess
Abb. 4: Innovationsprozess allgemein: Funktional-arbeitsteilig
Abb. 5: Innovationsprozess allgemein: Stage-Gate-Modell
Abb. 6: Innovationsprozess allgemein: Parallelisierungsmodell
Abb. 7: Innovationsprozess allgemein: Integrierte Produktentwicklung
Abb. 8: Phasenmodell nach Thom
Abb. 9: Dreiphasiger Innovationsprozess nach Gerpott
Abb. 10: Phase-Review-Prozess
Abb. 11: Stage-Gate-Modell der dritten Generation
Abb. 12: Phasenmodell nach Ulrich et al.
Abb. 13: Phasenmodell nach Trommsdorff
Abb. 14: Phasenmodell nach Rogers
Abb. 15: Phasenmodell nach Reichwald et al.
Abb. 16: Phasenmodell nach Pleschak et al.
Abb. 17: Phasenmodell nach Vahs et al.
Abb. 18: Phasenmodell für radikale Innovationen nach Veryzer
Abb. 19: Phasenmodell für radikale Innovationen nach Scigliano
Abb. 20: Gemischt verrichtungs- objektorientierte Phasengliederung
Abb. 21: Dreiecksmodell des Innovationsprozesses
Abb. 22: Referenzmodell des inter-organisationalen Innovationsprozesses
Abb. 23: Ablauf an den Entscheidungspunkten
Abb. 24: Zielsystem des Innovationsmarketings
Abb. 25: Inter-organisationaler Technologietransfer für Einzelprojekte
Abb 26: Inter-organisationaler Technologietransfer für Kooperationsprojekte
Tabellenverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Auswirkungen der technologiespezifischen Merkmale auf den TT 34
Tabelle 2: Hemmnisse im Wissens- und Technologietransfer 37
Tabelle 3: Ausgaben der Hochschulen für Lehre Forschung in Mio. Euro 49
Tabelle 4: Hochschulausgaben der öffentlichen Haushalte in Mio. Euro 50
Tabelle 5: Ausgaben der Hochschulen für F E in Mrd. Euro 50
Tabelle 6: Übersicht Transferinstrumente 123
Tabelle 7: Gegenüberstellung verschiedener Technologietransfermodelle 131
Abkürzungsverzeichnis IX
Abkürzungsverzeichnis
akt.
AUTM
Bd.
BDI Bundesverband der deutschen Industrie
bspw.
bzw.
ca.
d. h. das heißt
DIN Deutsche Industrienorm
e. V.
ECOVIN
engl. englisch
erw.
et al. et alii
etc. et cetera
f.
ff.
ggf.
Hrsg.
i.d.R.
i. e. S.
i. erw. S.
i. w. S. im weitesten Sinn
KMU
LOI Letter of Intent
No. Number
Nr. Nummer
Abkürzungsverzeichnis X
PDP
R&D Research & Development
S. Seite
SGM Stage-Gate-Modell
Sp.
TT
u. a.
überarb. überarbeitete
UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development
Vol.
vs. versus
z. B. zum Beispiel
z. T. zum Teil
1 Einführung in die Problemstellung 11
1 Einführung in die Problemstellung
1.1 Ausgangssituation und Motivation
„Ideen halten sich nicht. Es muss etwas mit ihnen getan werden.“ Dieses Zitat des englischen Mathematikers und Philosophen Alfred North Whitehead (1861-1947) verdeutlicht einfach, aber sehr prägnant, was für viele Unternehmen heute als laufende Verpflichtung gilt, nämlich die Überführung von Inventionen in Innovationen. Insbesondere in einem Land wie Deutschland, welches lediglich den Rohstoff Wissen zur Verfügung hat, ist dies von zentraler Bedeutung. Entsprechend wichtig sind ein funktionierendes Innovationsmanagement und der effiziente Transfer von innovativen Technologien aus der Wissensbasis in die wirtschaftliche Anwendung.
Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde offenkundig, dass die schnelle Übernahme neuer Technologien und deren zügige Umsetzung in marktfähige Innovationen den Wettbewerb zunehmend bestimmen und eine wesentliche Voraussetzung für die Beherrschung des technologischen Wandels darstellen. 1 Es galt nun wissenschaftlich-technische Ergebnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten schneller aus der öffentlich grundfinanzierten Forschung in die Wirtschaft zu übertragen, um Produkte, Verfahren und qualifizierte Dienstleistungen zu verbessern und damit günstige Bedingungen für Innovationen zu schaffen.
In der Folge haben Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Instrumente des Forschungs-, Wissens- und Technologietransfers als probates Mittel zur Schließung der „Lücke“ zwischen Invention und Innovation erkannt. Dennoch erweist sich in der Praxis der Innovationstätigkeit der Transfer von Forschungsergebnissen als Kernproblem. 2 Das bestätigt auch die aktuelle Studie „Innovationsindikator Deutschland 2009“ 3 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), deren Befund insgesamt ernüchternd ausfällt. Denn allen Reformen zum Trotz - im internationalen Vergleich tritt Deutschland auf der Stelle. Der Indikator belegt zwar,
1 Vgl. Reinhard et al. 1996; Walter 2003; BMBF 2008.
2 Vgl. Meißner 2001, S. 1.
3 Vgl. DIW 2009, S. 11 ff.
1 Einführung in die Problemstellung 12
dass in unserem Land seit Jahren hervorragende Forschungsinstitute und innovative Unternehmen existieren, dennoch ist es aber nicht gelungen, die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen über die letzten Jahre entscheidend zu verbessern, um Deutschland aus dem Mittelfeld dieses Rankings zu führen. 4 Und das, obwohl bereits Mitte des letzten Jahrzehnts von Politik und Wirtschaft konstatiert wurde, dass es Deutschland nicht zufriedenstellend gelingt, Ergebnisse der Grundlagenforschung schnell und effektiv in industrielle Innovationen umzusetzen. 5
„Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“ 6 , stellte der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog heraus und unterstrich damit, was nach Einschätzung vieler Vertreter aus Forschung und Praxis bereits seit vielen Jahren in Deutschland im Argen liegt.
Ein Indiz, welches diese Aussage stützt und zeigt, dass der Technologietransfer in Deutschland nur schwer vonstattengeht, bisweilen sogar behindert wird, ist darin zu sehen, dass viele wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass Innovationskooperationen unter den Bedingungen des Marktes offenbar erfolgreicher verlaufen als solche, die von öffentlichen Instituten gesteuert werden. 7
Schließlich muss festgestellt werden, dass Deutschland bei neueren, forschungsintensiveren Technologien, die für die wachstumsträchtigen Branchen notwendig sind, keine der Spitzenpositionen mehr belegt. Da besonders für jene forschungsintensiven Güter die Kooperation mit Hochschulen wichtig ist, liegt an dieser Stelle ein gravierendes Technologietransferproblem vor. 8
Die sich daraus ergebende Frage lautet: Wo liegen die Ursachen für derartige Verhältnisse und Entwicklungen begründet?
Das Verständnis des Technologietransfers hat sich über die letzten Dekaden grundlegend verändert. Das traditionelle Modell ist zwar noch weithin wirksam, faktisch und normativ jedoch nicht länger annehmbar. Die räumliche und zeitliche
4 Vgl. Kinkel 2009.
5 Vgl. Herziger 1995, S. 106.
6 Herzog 1997.
7 Vgl. Walter 2003, S. 3.
8 Ebenda.
1 Einführung in die Problemstellung 13
Trennung von Erzeugung und Anwendung von Wissen ist nicht mehr gegeben. Man spricht von einer veränderten Raum-Zeit-Struktur der Wissensproduktion. Es gilt nicht mehr die lineare zeitliche Abfolge von Gewinnung und Anwendung von Wissen, vielmehr entstehen reflexive Wirkungsketten. 9 Mithin ist das einst vorherrschende Paradigma eines linearen Zusammenhangs zwischen der Wissenschaft, reduziert auf die Rolle des Produzenten von Technologien, und der Wirtschaft, als Nachfrager nach selbiger, mittlerweile überholt und einem vernetzten Modell gewichen. 10 Diese weiter reichende Betrachtung des Technologietransfers über den reinen Transferprozess hinaus findet in der Praxis und der Literatur bisher zu wenig Berücksichtigung.
Was für Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen (F&E-Einrichtungen) der Wirtschaft selbstverständlich ist, gilt nun zunehmend auch für deren öffentlich finanziertes Pendant. F&E in Hochschulen sind kein reiner Selbstzweck und müssen sich auch an der ökonomischen Verwertung der von ihnen hervorgebrachten Technologien messen lassen. Die umfassende Appropriierung von Erfindungen durch die Hochschulen ist in Deutschland jedoch erst seit der Änderung des Arbeitnehmererfindungsgesetzes 2002 möglich. Der Technologietransfer wurde daher selten mit Mitteln und Personal ausgestattet, die es erlaubt hätten, auf diesem Gebiet in größerem Stil tätig zu werden oder effektive Strukturen aufzubauen. 11 Aus dem Anspruch von öffentlich finanzierten F&E-Einrichtungen auf einen ökonomisch einträglichen Technologietransfer folgt daher das Ziel, den Transferprozess aus Hochschulsicht in seiner qualitativen, quantitativen, zeitlichen und kostenmäßigen Dimension effizient und systematisch zu gestalten. 12
Die isolierte Betrachtung des Technologietransfers erscheint nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr ist dieser, einschließlich einer Technologieberatung und -vermittlung, als Teil eines Innovationsprozesses zu verstehen, der von der Grundla-genforschung über eine anwendungsorientierte Phase bis zur Anwendung (im Er-
9 Vgl. Fricke 2000, S. 12 f.
10 Vgl. Böhler et al. 1989, S. 25; Schmoch et al. 2000, S. 3 f.; Meißner 2001, S. 20; Hagen 2006,
S. 86.
11 Vgl. Kraus 2005, S. 48 f.
12 Vgl. Walter 2003, S. 4.
1 Einführung in die Problemstellung 14
folgsfall) führt. 13 So zählt beispielsweise ein durchgehender Innovationsprozess zu den Erfolgsfaktoren für Innovationen, jedoch ist dieser über organisationale Grenzen hinweg mit hoher Komplexität und beachtlichen Konfliktpotenzialen verbunden. 14 Fachliche und soziale Inkompetenzen der Akteure im Transferprozess führen häufig zu erheblichen Missverständnissen und enttäuschten Erwartungen. 15 Unklare und konfliktäre Ziele, unabgestimmte Abläufe, Kompetenzunklarheiten, Situationszufriedenheit und Status-quo-Denken stellen beachtliche Hemmnisse für eine zügige und reibungslose Übertragung von Technologien dar. 16
Es wird deutlich, dass alleine die technische Überlegenheit für eine erfolgreiche Innovationskultur nicht mehr ausreicht. Vielmehr liegt heute der Beitrag zur Wertschöpfung eines innovativen Unternehmens auch in der Beherrschung von Innovations- und Transferprozessen. 17
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Ausgehend von der dargestellten Problemstellung wird mit der vorliegenden Arbeit die Zielsetzung verfolgt,
x die für diese Arbeit relevanten Begriffe Technologietransfer (TT) und Innovationsprozess zu definieren,
x die theoretischen Grundlagen des Technologietransfers als zentrale Schnittstelle eines Innovationsprozesses zu schaffen, x Grundtypen von Innovationsprozessen herauszufiltern und zu charakterisieren,
x den Stand der Forschung hinsichtlich verschiedener Innovationsprozessmodelle darzustellen und deren Beitrag zur Referenzmodellmodellierung zu diskutieren,
x ein Referenzmodell mit gemischt verrichtungs- und objektorientierter Phasengliederung für den organisationsübergreifenden Innovationsprozess zu entwerfen,
13 Vgl. Strohl-Goebel 1982, S. 232 ff.
14 Vgl. Corsten 1982; Gemünden et al. 1996; Walter 2003, S. 4.
15 Vgl. Rotholz 1986; Walter 2003, S. 4.
16 Vgl. Gartner et al. 1976; Walter 2003, S. 4.
17 Vgl. Accenture 2005, S. 8; Becker 2008, S. 2.
1 Einführung in die Problemstellung 15
x relevante Instrumente des TTs an Hochschulen im Kontext eines Phasenmodells zu identifizieren und zu erläutern,
x Modellansätze aus der Literatur zum TT-Prozess darzustellen und im Hinblick auf die Entwicklung eines eventuell differenten Modells zu evaluieren, x ein Modell zum Technologietransferprozess zu entwickeln und dieses auf seine Allgemeingültigkeit hinsichtlich der verschiedenen Transferinstrumente zu überprüfen und eventuell zu modifizieren.
Zusammenfassend ist das Ziel dieser Arbeit die Gestaltung eines allgemeingültigen Phasenmodells des TTs in einem organisationsübergreifenden Innovationsprozess. Bisher vorliegende Arbeiten zu diesem Thema behandeln den TT lediglich als eigenständigen Prozess, ohne auf seine mögliche, gar notwendige Integration in einen, bisher vornehmlich aus Unternehmenssicht beleuchteten, Innovationsprozess einzugehen. Die logische und allgemeine Verbindung beider Prozesse ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit besteht aus sechs Kapiteln. Die vorstehende Diskussion bildet die Einführung in die Thematik respektive Problemstellung (Kapitel 1). Dabei werden die Ausgangssituation und Motivation, die Zielsetzung und der Aufbau der Arbeit dargelegt. Danach folgen in Kapitel 2 zunächst die Definitionen der für die späteren Überlegungen notwendigen und grundlegenden Begriffe. Dazu gehören insbesondere der Technologiebegriff und der Technologietransfer als auch der Innovationsbegriff und der Innovationsprozess. Die Diskussion zum Thema des gesellschaftlichen Wertes öffentlich finanzierter Hochschulforschung findet umso ausführlicher statt, als dieser Abschnitt auf die Bedeutsamkeit der Problematik hinweist und dabei gleichzeitig eine Legitimation des Arbeitsthemas darstellt. Im Weiteren werden die Erkenntnisziele der Arbeit konkretisiert vorgestellt.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem inter-organisationalen Innovationsprozess und der Entwicklung eines geeigneten Referenzmodells. Dazu werden zunächst verschiedene aus der Literatur bekannte Phasenmodelle des Innovationsprozesses vorgestellt, charakterisiert und anschließend im Hinblick auf die Modellierung des
1 Einführung in die Problemstellung 16
Referenzmodells analysiert. Anschließend wird eine Erfolgsbeurteilung und Ausei-nandersetzung mit theoretischen Grundlagen im Rahmen der Modellierung des Referenzmodells vorgenommen, bevor schließlich das eigens entwickelte Referenzmodell vorgestellt und die einzelnen Phasen dezidiert beschrieben werden.
In Kapitel 4 wird der Betrachtungshorizont weiter verdichtet und auf die zentrale Phase des organisationsübergreifenden Innovationsprozesses, den Technologietransfer, fokussiert. Dafür werden zuerst verschiedene Instrumente und Modellansätze des Technologietransfers diskutiert, um anschließend auf Grundlage der Voranalysen ein Phasenmodell des Technologietransfers zu entwerfen. Zusätzlich findet eine differenzierte Ausgestaltung des Modells nach verschiedenen Instrumenten statt.
Kapitel 5 schließlich widmet sich der Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse und sich daraus ergebenden Implikationen für die praktische Anwendung und Umsetzung. Abschließend wird ein Ausblick für weiterführende theoretische Untersuchungen und Forschungen auf diesem Themengebiet gegeben, der gleichzeitig auch eine kritische Würdigung der erzielten Ergebnisse beinhaltet. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
18 Quelle: eigene Darstellung.
2 Theoretische Grundlagen 17
2 Theoretische Grundlagen
Vor einer Auseinandersetzung und Diskussion einzelner Themenschwerpunkte ist es angebracht, wesentliche Begriffe, die vielfach benutzt werden und denen im weiteren Verlauf der Arbeit eine zentrale Bedeutung zukommt, abzugrenzen und zu definieren. 19
2.1 Begrifflichkeiten zum Technologietransfer
Im Folgenden werden die Begriffe „Technologie“, „Transfer“ und „Technologie- transfer“dargestellt und einer Definition unterzogen.
2.1.1 Technologie
Der Technologie wird sowohl in der neoklassischen Wachstumstheorie als auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der „Neuen Wachstumstheorie“ eine zent- raleRolle zuteil. Bereits Ende der 1950er Jahre verwies SOLOW 20 auf Technologie als wichtigsten Inputfaktor für das gesamtwirtschaftliche Wachstum neben Arbeit und Kapital. Um die bei sinkenden Skalenerträgen von Arbeit- und Kapitalinput erreichte Grenze des wirtschaftlichen Wachstums zu überwinden, ist technologischer Fortschritt unentbehrlich. 21 Ergo ist Technologie unentbehrlich. Im Folgenden soll geklärt werden, was sich hinter dem Begriff verbirgt.
In der Literatur existiert keine einheitliche Auffassung über den Technologiebegriff. Vielmehr gibt es zahlreiche engere und weitere Fassungen. 22 Besonders der technologische Wandel und die Bemühungen um ein Verständnis des technologischen
19 „Abgrenzungen und Definitionen beanspruchen nach Szyperski et al. dabei keinen Wahrheits-
gehalt,sondern sollen lediglich zur Verständigung und Ordnung beitragen und werden danach
beurteilt, ob sie zweckmäßig oder unzweckmäßig sind.“ Renkel 1985, S. 22; vgl. Szyperski et
al. 1989, S. 27.
20 Vgl. Solow 1957, S. 312 ff.
21 Vgl. Schüller 2008, S. 19.
22 Vgl. Corsten 1982, S. 4; Corsten et al. 1983, S. 1; Täger et al. 1984, S. 40; Renkel 1985, S. 22;
Schöppl 1986, S. 94; Perillieux 1987, S. 11; Osten 1989, S. 4; Pfeiffer et al. 1989, Sp. 2002;
Poser 1990, S. 20; Gelshorn et al. 1991, S. 6; Ridinger 1991, S. 21; Wolfrum 1992, S. 23.
2 Theoretische Grundlagen 18
Fortschritts haben zu einer Multiplikation und nicht zu einer Vereinheitlichung des Technologiebegriffs geführt. 23
Unter Technologie 24 versteht man heute im engeren Sinn (i. e. S.) die Gesamtheit des Wissens von natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Erkenntnissen über Wirkungszusammenhänge 25 , generiert durch Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Diese theoretischen Aussagen, die zur Lösung eines technischen Problems genutzt werden können, sind der Unterbau, um mittels instrumentaler, finaler oder technologischer Umformung zu einer praktikablen Anwendung bzw. Umsetzung in Produkten oder Verfahren zu gelangen. 26 Dabei sind Träger des technologischen Wissens zum einen ausgebildete Personen, zum anderen aber auch Maschinen und Anlagen sowie verschiedene Einrichtungen des Produktionsapparates. 27
In einer weiter gefassten Definition wird der Technologiebegriff der engen Auslegung um eine sozialwissenschaftliche Komponente erweitert. 28 Während bei der engeren Deutungsweise des Begriffs lediglich die technische Komponente zur Lösung von Forschungs- und Entwicklungsproblemen reflektiert wird 29 , beinhaltet die sozialwissenschaftliche Komponente auch das Wissen über organisatorische Verfahren, Planungsmethoden und Verfahren zur Datenaufbereitung. 30 Technologie ist somit zielgerichtetes und kombiniertes Wissen, dass für einen bestimmten Anwendungszweck eingesetzt und genutzt wird. 31
MEISSNER definiert in seiner Arbeit Technologie als
„[…] das Ergebnis der Kombination von auf einen bestimmten Anwendungszweck hin zielgerichtet eingesetztem, impliziten, personengebunden [!] Wissen und exis-
23 Vgl.Ridinger 1991, S. 21 sowie die Aufzählungen bei Renkel 1985, S. 22.
24 Etymologisch betrachtet setzt sich das ursprünglich griechische Wort Technologie aus den Be-
standteilen„Techne“ (Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit) und „Lógos“ (Lehre, Wissenschaft, Re-
de)zusammen. Vgl. Corsten 1982, S. 4.
25 Vgl. Corsten 1982, S. 5; Fichtel 1997, S. 5; Gerpott 1999, S. 17 f.; Thommen 2004, S. 603.
26 Vgl. Braunschmidt 2005.
27 Vgl. Boyens 1998, S. 9 f.
28 Vgl. Corsten 1982, S. 6; Fichtel 1997, S. 6; Gerpott 1999, S. 18.
29 Vgl. Meißner 2001, S. 10.
30 Vgl. Corsten 1982, S. 5; Kroy 1995, S. 65.
31 Vgl. Carayannis et al. 1999, S. 247.
2 Theoretische Grundlagen 19
tierendem sowie neu entwickeltem kodifiziertem oder kodifizierbarem Wissen unabhängig von bestimmten wissenschaftlichen oder technischen Gebieten.“ 32
Eine ebenso detaillierte wie international anerkannte Definition liefert die United Nations Conference on Trade and Developement (UNCTAD). Sie beschreibt Technologie als das systematische Wissen über die Herstellung eines Produktes, die Anwendung eines Verfahrens oder Bereitstellung einer Dienstleistung. Im Mittelpunkt steht dabei stets das Wissen, das für die Schaffung und Bereitstellung von Produkten notwendig ist, nicht das Endprodukt bzw. die Dienstleistung als solche. Das Wissen umfasst ferner nicht nur technische Kenntnisse, auf denen das Endprodukt aufbaut, sondern auch die organisatorische Kapazität, um die Inputs zu einem Endprodukt bzw. einer Dienstleistung zusammenzuführen. Darüber hinaus wird auch dem professionellen Know-how und der unternehmerischen Erfahrung eine bedeutende Rolle zuteil. 33
Im Hinblick auf die Problematik des Technologietransfers von der Wissenschaft, im Folgenden explizit den Hochschulen, zur Wirtschaft wird für die vorliegende Arbeit der Technologiebegriff der weiten Auslegung zugrunde gelegt. Dies ist damit zu begründen, dass im Rahmen des Technologietransfers die Übertragung von rein technologischem Wissen ohne zusätzliche Know-how-Komponenten nicht zielführend ist. Durch dieses gewachsene Verständnis der Wechselwirkung zwischen Soziologie und Technologie (i. e. S.) kann Technologie damit auch schlicht als Gesamtheit des theoretischen „Expertenwissens“ definiert werden. 34 Dieses Verständnis des Technologiebegriffs macht die zentrale Rolle des impliziten, per-sonengebundenen Wissens deutlich, da erst das Wissen der an der Erstellung der Technologie beteiligten Person(en) das Zusammenspiel der verschiedenen Technologiekomponenten begründet. Folgt man dieser Überlegung, kommt man zu der für diese Arbeit wichtigen Schlussfolgerung, dass „[…] Technologie im Sinne des Ergebnisses eines Prozesses der Kombination verschiedener Wissenselemente
32 Meißner 2001, S. 11.
33 Vgl. UNCTAD 2001, S. 5-6.
34 Vgl. Bullinger 1994, S. 33 f.
2 Theoretische Grundlagen 20
[…]“ 35 in einem Inventionsprozess abgebildet werden kann und somit Teil des gesamten Innovationsprozesses ist.
Obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch meist synonym verwendet, wird der Begriff Technik in der Literatur üblicherweise als die Anwendung von technologischem Wissen zur Problemlösung definiert. 36 Dabei gilt die Technologie als Wissenschaft von der Technik oder Wissen über die Technik, wohingegen die Technik selbst zumeist in eine in Produkten oder Verfahren materialisierte und auf die Lösung bestimmter Probleme ausgerichtete Anwendung von Technologie(n) abgegrenzt wird. 37
2.1.2 Transfer
Der Begriff des Transfers ist als Prozess des Übertragens von Subjekten, Objek- tenoder „Xjekten“ 38 (X) durch ein Medium 39 (M) von Subjekten/ Objekten (A) zu Subjekten/ Objekten (B) eindeutig definierbar und daher in der Literatur weithin unstrittig. Bezieht man in die nähere Betrachtung die Transferrichtung mit ein, so ergeben sich aber auch bei der Definition des Transferbegriffs enge und weite Auslegungen desselben. Für die Betrachtungen des Technologietransfers im Rahmen dieser Arbeit erübrigen sich Ausführungen zu einer unidirektionalen Übertragung und damit zu einer Begriffsbestimmung im engeren Sinn. 40 Um der Wortbedeutung des Technologietransfers gerecht zu werden, bedarf es eines Begriffsverständnisses im weiteren Sinn, bei dem sowohl Effizienz als auch Effektivität 41 wesentliche Gestaltungskriterien sind. Dieser Definition entsprechend beschreibt Technologietransfer einen Prozess. Folglich wird auch der Transfer als
35 Meißner 2001, S. 11.
36 Vgl. Gerpott 1999, S. 17.
37 Vgl. Gerpott 1999, S. 18.
38 Dieses Kunstwort beschreibt alle zu übertragenden „X“ (insbesondere auch die nicht zu Objek-
tenund Subjekten zu zählenden immateriellen Rechte, Gefühle etc.). Vgl. Auer 2000, S. 7.
39 Unter „Medium“ ist an dieser Stelle auch eine Kombination verschiedener Medien zu verstehen.
40 Würde man den Transfer tatsächlich nur unidirektional, mithin im engeren Sinne, betrachten,
wäre nur die Effizienz ein wesentliches Gestaltungsmerkmal. Effektivität hingegen könnte auf-grund der Einseitigkeit nur ein zufälliges Ergebnis, aber kein Gestaltungskriterium sein.
41 Die Begriffe Effizienz und Effektivität werden hier, anders als im allgemeinen Sprachgebrauch,
nach der Definition von Joost (vgl. Joost 1975, S. 10) verwendet, mithin nicht synonym:
Effektivität wird als Wirkungsgrad eines Vergleichs zwischen Ist-Output und Soll-Output ver-
standen (Output-Output Relation).
Effizienz wird ebenfalls als Wirkungsgrad definiert, allerdings als Vergleich zwischen einem
Input und dem relevanten Output (Input/ Output-Relation).
2 Theoretische Grundlagen 21
bidirektionaler, organisatorischer Prozess verstanden und definiert. Die nachfolgende Abb. 2 soll diese Auffassung verdeutlichen. Hierbei hat der Kunde B, respektive Auftraggeber, einen Lieferanten A, wobei der Transfer und sein Ergebnis einen Wert für den Kunden generiert, den er durch die Rückkopplung anerkennt. 42
2.1.3 Technologietransfer
Der Begriff „Technologietransfer“ hielt vor knapp 40 Jahren Einzug in das Sprachvokabular von Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftlern. 44 Auch die politische Klasse bedient sich seitdem gerne dieses Terminus, der modern und visionär klingt und folglich in der Politikerrhetorik opportun ist. 45 Die Genese des Begriffs ist selbstverständlich eng mit der Untersuchung dieses Wissenschaftsgebietes verknüpft. Doch so oft der Begriff im Allgemeinen auch benutzt wird, es fehlt noch immer an einer einheitlichen Definition oder gar einem allgemein akzeptierten, einheitlichen Modell des TTs. Dies liegt insbesondere in den verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven (Ökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie) sowie Fokussierungen (Akteure, Strukturen, Faktoren, Wirkungen, Instrumente) begründet. Folglich werden unter dem Begriff TT die verschiedensten Modelle subsumiert. Versteht man in der heutigen Zeit unter TT meist die Übertragung von Technologien aus öffentlich finanzierten bzw. geförderten Forschungseinrichtungen in die Wirtschaft oder aber inner- und überbetriebliche Transferprozesse, verwendete man den Begriff in vergangenen Jahren häufig im Zusammenhang mit dem Export technologischen Know-hows in Entwicklungs- und Schwel-
42 Vgl.Auer 2000, S. 7 f.
43 Quelle: eigene Abbildung in Anlehnung an Auer 2000, S. 9.
44 Vgl. Fichtel 1997, S. 6; Walter 2003, S. 14.
45 Vgl. BMBF 2000; BMBF 2008, S. 312 f.
2 Theoretische Grundlagen 22
lenländer. 46 Im Interesse einer besseren Verständlichkeit und größeren Klarheit ist es deshalb durchaus sinnvoll, zwischen dem externen TT mit Außenhandelsbezug und dem internen TT, der die Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft beschreibt, zu unterscheiden. Eine ein-wandfreie Abgrenzung ist aber auch damit nicht möglich, da der Erkenntnistransfer der Wissenschaft in die Praxis durchaus grenzüberschreitend sein kann. 47 Eine Aufteilung des TTs in seine wesentlichen Bestandteile, nämlich das Transferobjekt und den Übertragungskomplex, erlaubt eine andere, ebenso differenzierte Betrachtung. So kann das Transferobjekt, genauer: Produkte, Prozesse und Dienstleistungen, in allen materiellen und immateriellen Ausprägungen vorliegen. Mit Prozessen im TT sind zuallererst Funktionstechnologien (Wissen von Produktions-, Verfahrens- und Fertigungstechniken) gemeint und darüber hinaus Managementtechnologien (Wissen von Techniken der Planung, Organisation und Kontrolle von Produktionsprozessen). TT-Prozesse sind in unterschiedlichsten Ausprägungen denkbar: von einem Forschungsinstitut zu einem Unternehmen der Privatwirtschaft, von Herstellern zu Anwendern, von innovativen Unternehmen zu Nachahmern, von einer Branche zu anderen. 48
Im Folgenden sollen zunächst einige grundlegende, aber auch neuere Definitionen aus der Literatur beleuchtet werden, um dem Leser ein besseres Verständnis zu Umfang und Bandbreite des organisationsübergreifenden TTs zu ermöglichen. Den verschiedenen Definitionen ist in der Regel gemein, dass der TT als Übertragung einer Technologie, ggf. unter Zuhilfenahme eines Technologiemittlers, von einem Technologiegeber zu einem Technologienehmer oder -nutzer verstanden wird. 49
In der Vergangenheit wurde die Grundlagenforschung traditionell bei den Hochschulen, die angewandte Forschung bzw. Entwicklung bei den Industrieunternehmen verortet. Der TT wurde dergestalt oft auf einen punktuellen Vorgang von der Wissenschaft zur Wirtschaft reduziert. Bis in die achtziger Jahre des vergangenen
46 Vgl. Bar-Zakay 1971; Walter 2003, S. 14.
47 Vgl. Wilhelm et al. 1982.
48 Vgl. Högl et al. 2005, S. 159.
49 Vgl. Walter 2003, S. 15.
2 Theoretische Grundlagen 23
Jahrhunderts hinein wurde der TT ausschließlich systemisch, d. h. als Transfer von Technologien, betrachtet.
BROOKS hingegen war seiner Zeit bereits ein Stück voraus und beschrieb den TT als Verbreitung von Technologie und Wissen durch menschliches Handeln. Weiterführend schrieb er dazu: „Wherever systematic rational knowledge developed by one group or institution is embodied in a way of doing things by other institutions or groups, we have technology transfer […]“. 50 RUPP seinerseits versteht unter dem TT allgemein alle Abläufe und Maßnahmen, die zu einer reziproken Verbindung potentieller Nutzungsmöglichkeiten und tatsächlicher Nutzung technisch-wissenschaftlicher Inventionen beitragen. 51 CORSTEN, als einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet jener Zeit, definiert den TT als „[…] planvolle[n], zeitlich limitierte[n] und freiwillige[n] Prozess der Übertragung einer Technologie, sowohl inter- als auch intrasystemar, zur Reduzierung der Diskrepanz von potentiellem und aktuellen Nutzungsgrad einer Technologie, die beim Technologienehmer häufig mit einer organisatorischen und/ oder technologischen Veränderung einhergeht […]“ 52 .
In den 1990er Jahren überwog dann die prozessuale Betrachtungsweise. REIN-HARD et al. beispielsweise beschreiben den TT „[…] als die planvolle Übertragung wissenschaftlichen und technologischen Wissens zwischen Personen und Organisationen zum Zweck der Innovation […]“ 53 . ALLESCH sieht im Wissenschaftstransfer die Übertragung „[…] von Forschungsergebnissen aus den Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in die Wirtschaft […]“ 54 , wobei er auf „[…] die erforderlichen organisatorischen, personellen, materiellen, informationellen und finanziellen Maßnahmen […]“ 55 hinwies, die seiner Meinung nach notwendig sind, um den Unternehmen die gewonnenen Kenntnisse des Forschungsbereiches zugänglich und nutzbar zu machen.
50 Vgl. Brooks 1966, S. 54.
51 Vgl. Rupp 1976, S. 30.
52 Corsten 1982, S. 11.
53 Reinhard et al. 1996, S. 8.
54 Allesch 1990, S. 463.
55 Ebenda.
2 Theoretische Grundlagen 24
GESCHKA dagegen stellt bereits eine Verbindung von systemischer und prozes- sualerBetrachtung an, indem er von der „[…] Übertragung (und Anwendung) technologischen Wissens und Know-hows von einem Ausgangsbereich in einen anderen Bereich […]“ 56 sprach. CARAYANNIS et al. weisen dem Wissens- und Technologietransfer in ihrer Arbeit eine explizite Planungsfunktion zu: „Wissens- undTechnologietransfer ist im weitesten Sinne die sinnvolle und geplante Überführung von Technologien und technologischem Wissen in eine Anwendung/ Nut- zungunter Verwendung menschlicher Fähigkeiten und Wissens.“ 57
In der neueren Forschung der letzten Jahre wird der TT vermehrt in komplexere Innovationsmodelle eingeordnet und erfährt somit eine weitreichende Verständnisausweitung. SCHMOCH zum Beispiel präsentiert in diesem Zusammenhang ein Interaktionsmodell, bei dem deutlich wird, dass der Transfer von Wissen und Technologie zwischen den beteiligten Akteuren in mehrere Richtungen laufen kann und damit ein ständiger Austausch stattfindet. 58 Ähnlich sieht es die UNCTAD, die unter dem Begriff TT den Prozess und die Transaktionsformen subsumiert, durch die eine kommerzielle Technologie übertragen wird. Dies kann, muss aber nicht, im Rahmen rechtlich bindender Verträge geschehen. 59 SCHMOCH erweitert den TT-Begriff in seiner Definition wesentlich: „Nach dem aktuellen Verständnis umfasst Technologietransfer wesentlich mehr als die Bereitstellung materieller Artefakte. Vielmehr spielt die Vermittlung von technologieorientiertem Wissen eine erhebliche Rolle, so dass der Begriff des ‚Wissens- und Technologietransfers` den Sachverhalt besser beschreibt.“ 60 Der Transfer erfolgt dabei nicht ausschließlich von öffentlichen Forschungseinrichtungen zu privaten Wirtschaftsunternehmen. Vielmehr profitieren auch die Forschungseinrichtungen von einem wechselseitigen Austausch.
WAGNER greift für seine Definition auf einen anderen Begriff zurück: „For- schungstransfer[was gewöhnlich mit den Begriffen Technologietransfer oder Wissenstransfer angesprochen wird] meint die rechtsgeschäftlichen Beziehungen zwi- 56 Geschka1996, Sp. 2012 ff.
57 Carayannis et al. 1999, S. 247.
58 Vgl. Schmoch et al. 2000, S. 7.
59 Vgl. UNCTAD 2001, S. 6 f.
60 Vgl. Schmoch et al. 2000, S. 2.
2 Theoretische Grundlagen 25
schen Forschungseinheiten in den Hochschulen und Partnern außerhalb. […] Ge-genstand des aktuellen Forschungstransfers ist stets nur neues Wissen, für das außerhalb der Hochschulen Verwertungsinteresse besteht oder geweckt werden kann, ohne daß es sich dabei um fertige Konzeptionen im Sinne von Erfindungen oder Innovationen handeln müsste.“ 61
BREMER fasst seine Definition enger und sieht im TT vornehmlich „the transfer of the results of research from universities to the commercial sector” 62 . Dieser Ansatz wiederum dient der Association of University Technology Managers (AUTM) als Ausgangspunkt einer noch engeren Fassung des TT-Begriffs: „[…] process whereby inventions or intellectual property from academic research is licensed or conveyed through use rights to industry.” 63
Die nachfolgende Arbeitsdefinition, die sich wesentlich an WAGNER, GESCHKA und SCHMOCH orientiert, beruht auf einem breiteren Verständnis von TT im speziellen Kontext der Hochschule.
Technologietransfer, als ein Teil des praktizierten Forschungsaustausches, ist jener Transfer von technologischem Wissen und Know-how 64 der Hochschulen in ihr gesellschaftliches Umfeld, für das es Partner mit ökonomischen Innovationsperspektiven gibt, wobei dem Prozess ein wechselseitiger Austausch der beteiligten Organisationen zugrunde liegt, von dem beide Seiten profitieren.
2.1.4 Elemente des Technologietransfers
Zur besseren Eingrenzung der vorliegenden Arbeit werden die Elemente 65 des TTs an dieser Stelle zusammenfassend betrachtet und hinsichtlich ihres Nutzens für die Konzeptualisierung des Bezugsrahmens überprüft. Der TT soll im Folgenden
61 Wagner 1990, S. 13. Wagner weist ebenda darauf hin, dass der Begriff Forschungstransfer
gewöhnlich mit den Begriffen Technologietransfer oder Wissenstransfer angesprochen wird.
Nach dem Verständnis der Verfasser meinen die Begriffe Forschungstransfer und Wissens-
transfer in etwa das, was in der Literatur üblicherweise mit dem Begriff Technologietransfer an-gesprochen wird. In der vorliegenden Arbeit wird daher stets der Begriff Technologietransfer
gebraucht. Vgl. Abschnitt 2.1.1.
62 Bremer 1999, S. 2.
63 Vgl. AUTM 1998, S. 3.
64 Know-how ist von der Terminologie her nicht mit Wissen identisch, auch wenn es nicht selten
so undifferenziert verwendet wird.
65 Ausführlicher dazu Corsten 1982, S. 40 ff. und Bochert 1997, S. 27 ff.
2 Theoretische Grundlagen 26
als ein System aufgefasst werden, dessen Gesamtheit von den untereinander in Beziehung stehenden Elementen Transferpartner, Transferobjekt, Transfermittler sowie Transferprozess und Transferumwelt maßgeblich geprägt wird. 66 Sie determinieren die langfristigen Effekte und Ergebnisse des Transferprozesses. 67
2.1.4.1 Transferpartner
Im Falle eines direkten TTs findet eine Übertragung von technologischem Wissen von einem Technologiegeber zu einem Technologienehmer statt. Bei diesen unmittelbaren Austauschbeziehungen sind Technologiegeber oftmals öffentliche Forschungseinrichtungen, wie z. B. Universitäten, Fachhochschulen, Max-Planck-Institute, die Fraunhofergesellschaft und Großforschungseinrichtungen sowie private Institute und die Wirtschaft. 68 Diese Akteure stellen das Wissens- und Technologiegewinnungssystem dar. Sie besitzen das Know-how bzgl. des Transferobjektes. 69 Der Technologiegeber kann beim TT vier Aufgaben 70 übernehmen: x Initiator x Lösungsgeber x Prozesshelfer x Mittler (Netzwerker)
Prinzipiell können alle vier Aufgaben durch den Technologiegeber abgedeckt werden. Alleine die Aufgabe des Lösungsgebers ist essentiell für die Technologiegeberfunktion und im Gegensatz zu den drei anderen nicht an externe Stellen übertragbar. 71
„Der Technologienehmer ist das Element des TTs, welches das Transferobjekt vom Technologiegeber zur Nutzung bzw. Anwendung übernehmen möchte.“ 72 Als potentielle Technologienehmer kommen sämtliche Unternehmen in Frage, die an der Übernahme einer Technologie interessiert sind. Es können aber auch Forschungseinrichtungen als Technologieverwerter auftreten. Dies geschieht im Be- 66 Vgl.dazu insbesondere Corsten 1982, S. 40 ff.; Walter 2003, S. 16 ff.; Braunschmidt 2005,
S. 57.
67 Vgl. Walter 2003, S. 16.
68 Vgl. Fichtel 1997, S. 233 ff.; Meißner 2001, S. 44; Walter 2003, S. 17 f.
69 Vgl. Walter 2003, S. 18.
70 Vgl. Corsten 1982, S. 43; Gemünden et al. 1996, S. 242; Walter 2003, S. 18.
71 Vgl. Corsten 1982, S. 43.
72 Walter 2003, S. 18.
2 Theoretische Grundlagen 27
sonderen in der Grundlagenforschung, wo Ergebnisse einer Weiterentwicklung zugeführt werden. 73
Zur Eingrenzung der vorliegenden Arbeit beschränken sich die Autoren auf die Hochschulen als Technologiegeber und die Wirtschaft (Unternehmen) als Technologienehmer.
2.1.4.2 Transferobjekt
Alle materiellen und immateriellen Ausprägungen von Produkt- und Prozesstechnologien können Transferobjekte technologieinduzierter Innovationen sein. 74 „Das mit einer Technologie verbundene Wissen ist ebenfalls ein Objekt des Transfers und umfasst das Verständnis über die Originalität und das Potential einer Technologie, das Wissen von Produktions-, Verfahrens- und Fertigungstechniken sowie das Wissen von Techniken der Planung, Organisation und Kontrolle von neuen Anwendungen.“ 75 Objekte des Transferprozesses sind die in Abschnitt 2.1.1 abgegrenzten Technologien.
2.1.4.3 Transfermittler
Der TT kann durch Transfermittler auch auf indirektem Wege stattfinden. Dabei treten zwischen den Transferpartnern Mittler auf, die zur Aufgabe haben, den TT anzubahnen und in Gang zu halten. 76 Sie fördern damit regionale Strukturpolitik und die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. 77 CORSTEN identifiziert vier wesentliche Aufgabenfelder der Transfermittler: x Information und Kommunikation x Vermittlung x Beratung x Transferdurchführung
73 Vgl. Meißner 2001, S. 46.
74 Vgl. Corsten 1982, S. 74; Bochert 1997, S. 3; Walter 2003, S. 17; Braunschmidt 2005, S. 57 f.;
Högl et al. 2005, S. 159.
75 Braunschmidt 2005, S. 58.
76 Vgl. Walter 2003, S. 18.
77 Vgl. Fichtel 1997, S. 268.
2 Theoretische Grundlagen 28
In den letzten Jahren ist ein dichtes Netz an Transfermittlerorganisationen ent-standen. 78 Zu den TT-Mittlern zählen u. a.:
x Technologiezentren, technologieorientierte Gründerzentren, Technologieparks und Science Parks; sie leisten einen Beitrag zum TT durch die Bereitstellung von materiellen (z. B. durch günstige Raummieten und finanzielle Förderung) und immateriellen Unterstützungen (z. B. umfangreiche Unterstützungs- und Beratungsleistungen, Einbindung in Unternehmensnetzwerke). 79
x Behörden, Industrie- und Handelskammern und Fachverbände; diese stellen vorrangig aufbereitete Informationen und Beratung zum Technologietransfer, zu technologieorientierten Förderprogrammen und zu anderen Finanzierungsquellen zur Verfügung. 80 Die Herstellung und Vermittlung von Kontakten ist eine weitere Leistung, die durch die Verbände und Kammern angeboten wird. 81
x TT-Stellen an Hochschulen; ihre Aufgabe ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der F&E-Arbeit ihrer Einrichtung zu vermarkten und die Vermittlung von externer F&E für Unternehmen zu organisieren. 82 x Privatwirtschaftliche TT-Stellen und TT-Berater; dies sind die „[…] Mittler bzw. Vermittler zwischen den nach technologischen Problemlösungen nachfragenden Unternehmen und den jeweiligen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, die adäquate Lösungsmöglichkeiten anbieten und/ oder erarbeiten können.“ 83
2.1.4.4 Transferprozess
Der Transferprozess wird in einzelne Phasen unterteilt und hat zum Ziel, eine Technologie geplant und zielgerichtet von einem Technologiegeber auf einen Technologienehmer zu übertragen. Dabei wird angenommen, dass er sich in iden- 78 Vgl.Meißner 2001, S. 46.
79 Vgl. Meißner 2001, S. 46; Walter 2003, S. 19.
80 Vgl. Täger et al. 1984, S. 158; Fichtel 1997, S. 306 f.; Meißner 2001, S. 47.
81 Vgl. Fichtel 1997, S. 307.
82 Vgl. Meißner 2001, S. 46 f.
83 Fichtel 1997, S. 293 und die dort zitierte Literatur.
2 Theoretische Grundlagen 29
tifizierbare Teilprozesse gliedern lässt. 84 In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Phasen 85 für den Transferprozess, die grob zu einer Suchphase (Vorphase), Transferphase (Hauptphase) und Marktphase (Folgephase) aggregierbar sind. 86 Da fast alle TT-Prozesse Teile des Innovationsprozesses sind, „[…] soll der Transfer als eine Phase des Innovationsprozesses technologieinduzierter Innovationen verstanden werden.“ 87
In dieser Arbeit findet folglich die Einbettung des TT-Prozesses in einen organisationsübergreifenden Innovationsprozess zwischen Hochschulen und Unternehmen statt und wird damit einem größeren Rahmen zugeordnet, da bisher eine ganzheitliche Betrachtung von der F&E in den Hochschulen bis zur Einführung im Markt durch eine andere Organisation in der Literatur so noch nicht erfolgt ist.
2.1.4.5 Transferumwelt
Die Transferumwelt determiniert die Transferbedingungen, die sich aus allen externen und internen Einflussfaktoren zusammensetzen und auf den TT einwirken. Betrachtet man die Transferpartner inklusive der Transfermittler als offene Systeme, so sind diese dadurch charakterisiert, dass sie mit ihrer Umwelt in einer ständigen Austauschbeziehung zueinander stehen. 88 Daraus ergibt sich, dass die Transferakteure in eine organisationsspezifische Umwelt eingebettet sind und von dieser beeinflusst werden. Das bedeutet, dass die Einflussfaktoren der Umwelt Restriktionen im Entscheidungsspielraum der Transferakteure darstellen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Akteure die Möglichkeit besitzen, ihre Umweltbedingungen aktiv zu beeinflussen. 89 „Zwischen einer Organisation und ihrer Umwelt bestehen somit interdependente Beziehungen.“ 90
Im Rahmen dieser Arbeit werden die externen Einflussfaktoren, also jene außerhalb der Transferorganisationen, nicht mit in die Überlegungen einbezogen. Diese sind u. a. die volkswirtschaftliche Situation, staatliche Reglementierungen, Innova- 84 Vgl.Walter 2003, S. 19.
85 Ausführlicher zu den Phasen siehe Corsten 1982, S. 193 ff.
86 Vgl. Kern 1973, S. 87; Corsten 1982, S. 183; Walter 2003, S.19; Braunschmidt 2005, S. 58.
87 Braunschmidt 2005, S. 58 und die dort zitierte Literatur.
88 Vgl. Corsten 1982, S. 94.
89 Vgl. Corsten 1982, S. 97.
90 Corsten 1982, S. 97.
2 Theoretische Grundlagen 30
tionsklima, Wettbewerbssituation oder allgemein alle gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen mit einem Einfluss auf den TT. 91
2.1.5 Formen des Technologietransfers
Das Ziel dieses Abschnittes ist es, verschiedene Kategorisierungsmöglichkeiten des TTs zu erfassen, um schließlich zu einer den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit treffenden und ihm hilfreichen Form der Unterteilung zu gelangen. In der Literatur findet man zahlreiche Vorschläge, die eine Unterscheidung der TT-Formen ermöglichen. Die sehr verschiedenen Ansätze werden dabei durch ebenso zahlreiche Untersuchungsschwerpunkte wie Sichtweisen bedingt.
Eine häufig genutzte Form der Unterteilung, z. B. nach HOFSTETTER und ALLESCH, ist die nach der Unmittelbarkeit der Beziehung zwischen Transfergeber und -nehmer, mithin nach direktem vs. indirektem Transfer. Direkte Transfermaßnahmen erkennt man definitionsgemäß an einer unmittelbaren Beziehung zwischen den beteiligten Partnern. Das bedeutet, dass in keiner Phase des Transfers ein Transfervermittler beteiligt ist. Hingegen umfassen indirekte Transfermaßnahmen alle Formen des Transfers, bei denen die Übertragung von Technologie zwischen den beiden Transferpartnern über Transfervermittler geschieht. Ergo ist eine mittelbare Beziehung der Transferpartner die Folge. 92
CORSTEN und CHAKRABARTI unterscheiden in ihren Arbeiten ferner zwischen intra- und inter-organisatorischem Transfer, d. h. die Betrachtung erfolgt dabei an-hand der wirtschaftlichen bzw. rechtlichen Selbstständigkeit der Organisationen und eventuell involvierter Subsysteme. 93
Eine Form der hierarchischen Unterteilung nutzt u. a. BROOKS, indem er den Übertragungsvorgang zwischen Institutionen unterschiedlicher Ebenen, also zwischen Anbietern von Wissen (Hochschulen, Forschungseinrichtungen, etc.) und Nachfragern von Wissen (Unternehmen, Verwaltungen, Verbände etc.), als vertikalen Transfer und den zwischen Institutionen der gleichen Ebene (zwischen ver-
91 Vgl.Bochert 1997, S. 71 f.; Walter 2003, S. 20; Braunschmidt 2005, S. 59.
92 Vgl. Hofstetter 1990, S. 20.
93 Vgl. Corsten 1982, S. 26; Chakrabarti 1973, S. 113; Hofstetter 1990, S. 23.
2 Theoretische Grundlagen 31
schiedenen Forschungseinrichtungen oder verschiedenen Unternehmen) als horizontalen Transfer definiert. 94
Weitere Möglichkeiten der Kategorisierung liefern die Unterscheidungen hinsichtlich eines aktiven gegenüber eines passiven Transfers (z. B. SMILOR et al.) 95 und fokussierten vs. diffusen Transfers (z. B. AUER) 96 sowie imitativen vs. adaptiven vs. innovativen Transfers (z. B. GESCHKA) 97 . Die bis hierher genannten Kategorisierungsmöglichkeiten geben einen ersten Eindruck von den unterschiedlichen Erscheinungsformen bzw. Sichtweisen des TTs wieder.
Weit zielführender und zweckmäßiger als die o. g. ist für diese Arbeit allerdings die in der Literatur häufig vorkommende Unterteilung nach den Instrumenten des TTs (wie z. B. Lizenzierung, Ausgründung, Forschungskooperation, Auftragsforschung). Darauf wird später detailliert im Abschnitt 4.2 eingegangen.
2.1.6 Barrieren des Technologietransfers
Ein erfolgreicher Technologietransfer ist für die Volkswirtschaft von besonderer, weil wohlfahrtsmaximierender, Bedeutung. Daher ist es notwendig, dass der Prozess effizient und barrierefrei abläuft. Die Realität offenbart allerdings, dass dies keineswegs selbstverständlich ist und der Transfer durch viele Barrieren behindert wird, die dem Austausch von Wissen, Know-how und Technologien entgegenstehen. 98
Unter dem Begriff Barriere wird allgemein ein Hindernis verstanden, das zwei räumliche Bereiche voneinander trennt. Dieses zu überwinden, ist mit mehr oder weniger Aufwand verbunden. Für die vorliegende Arbeit wird ein breiteres Verständnis abstrahiert. Auch werden darunter sowohl äußerliche als auch innerliche
94 Vgl. Brooks 1966, S. 54.
95 Vgl. Smilor et al. 1989, S. 11 ff.
96 Vgl. Auer 2000, S. 11 ff.
97 Vgl. Geschka 1979, Sp. 1918.
98 Vgl. Corsten 1982, S. 208; Walter 2003, S. 23; Braunschmidt 2005, S. 60.
2 Theoretische Grundlagen 32
Bedingungen verstanden, die einer Diffusion 99 von Wissen bzw. dem Erreichen spezieller Bedürfnisse oder Ziele entgegenstehen.
Um die Barrieren abzubauen, bedarf es der Detektion jener Faktoren, die auf den Transfer einen entscheidenden Einfluss haben oder haben können. CORSTEN berücksichtigt in seiner Arbeit die sechs Faktoren, die im Transferobjekt selbst begründet sind und auf die im Folgenden kurz eingegangen wird: x Relative Vorteilhaftigkeit x Komplexität x Kompatibilität x Mitteilbarkeit x Teilbarkeit und Erprobbarkeit x Ausreifungsgrad
Der relativen Vorteilhaftigkeit wird in der Literatur weithin eine hohe Korrelation zur Übernahme der neuen Technologie bescheinigt und damit eine insgesamt hohe Bedeutung beigemessen. Zur Ermittlung der relativen Vorteilhaftigkeit einer neuartigen Technologie gegenüber dem Status quo dienen neben ökonomischen mitunter auch soziale oder technische Messgrößen. 100
Diametral hingegen ist der Zusammenhang zwischen der Komplexität und der Anwendung einer neuen Technologie, nämlich negativ. Diese Beziehung ist empirisch belegt 101 und zudem logisch, erfordert der TT hier doch eine hohe Komplexitätstoleranz beim Technologienehmer, ein hohes Ausbildungsniveau, ein hohes Maß an vorhandenem Know-how und erhöhten Adaptionsbedarf. 102
Der Faktor Kompatibilität ist in dem Zusammenhang schwerer zu fassen als die beiden bisher betrachteten, weist der Begriff an sich doch bereits eine Mehrdi- 99 Diffusionwird an dieser Stelle nach Müller-Steinfahrt einerseits als Teilphase eines Innovati-
onsprozessesgesehen, und zwar „[…] als derjenige Prozess […], bei dem eine Innovation ent-
langbestimmter Kommunikationskanäle innerhalb eines sozialen Systems im Zeitverlauf kom- muniziertwird […]“, und andererseits als Verbreitungsprozess von Adaptionen, mithin „[…] als
Kommunikationsprozess mit dem Ziel der schnellen Verbreitung von Wissen oder mit dem Ziel
möglichst vieler nachhaltiger Übernahmen einer Neuerung unter den Mitgliedern […], der Nutz- barmachungvon ideellen Produkten oder von neuartigen Verhaltensweisen in einem sozialen
System […]". Müller-Steinfahrt 2006, S. 39 f. und die dort zitierte Literatur.
100 Vgl. Mansfield 1968, S. 155 f.; Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung 1970, S. 108; Corsten 1982,
S. 216 f.
101 Vgl. Krüger 1975, S. 60.
102 Vgl. Havelock 1971, S. 8 f.; Kern 1973, S. 93; Lutschewitz et al. 1977, S. 127.
2 Theoretische Grundlagen 33
mensionalität auf, die sich auf technische, soziale und finanzielle Aspekte erstreckt. 103 An dieser Stelle soll damit vereinfachend für die Überlegung allein der Grad der Übereinstimmung zwischen der neuen und der augenblicklichen Technologie 104 gemessen und seine Auswirkungen auf die Dauer und das Ausmaß der Übernahme betrachtet werden. Folgt man dieser Eingrenzung, so lässt sich schlüssig feststellen, dass die Effizienz des Transferprozesses umso höher ist, je größer die Kompatibilität ist. 105 Schließlich bedeuten größere Divergenzen gleichzeitig auch größere (zeitliche) Anstrengungen, um die notwendige Kompatibilität zu erlangen.
Die Mitteilbarkeit einer Technologie hat entsprechend der Empirie einen deutlichen Einfluss auf deren Verbreitungsgeschwindigkeit. Entsprechend der begrifflichen Abgrenzung nach FLIEGEL et al. 106 ist es vor allem die Klarheit und Übersichtlichkeit der Ergebnisse, die ein entscheidendes Gewicht beim Grad der Übernahme hat.
Aufgrund der Ergebnisse mehrerer Untersuchungen 107 kann auch für die Faktoren Teilbarkeit und Erprobbarkeit ein signifikanter Einfluss für die Übernahme einer neuen Technologie ausgemacht werden. 108 Es zeigt sich nämlich, dass die Bereitschaft zur Adaption zunimmt, wenn die neue Technologie temporär erprobt werden kann und die Unsicherheit bzw. das Risiko, worauf sich der Faktor der Teilbarkeit hier bezieht, zu ähnlichen Teilen auf die Schultern von Technologiegeber als auch -nehmer verteilt wird. Inwiefern beide Punkte praktisch umsetzbar sind, hängt zwar entscheidend von den anderen o. g. Faktoren ab, bleibt aber dennoch in vielen Fällen fraglich. 109
Der durch MOHR 110 eingeführte Faktor des Ausreifungsgrades im Sinne des Ent-wicklungsstandes einer Technologie hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf
103 Vgl. Rogers 1962, S. 126 f.; Baumberger et al. 1973, S. 195.
104 Vgl. Fliegel et al. 1966, S. 235 ff.
105 Vgl. Corsten 1982, S. 223.
106 Die Autoren subsumieren unter dem Begriff „Mitteilbarkeit“ die Komplexität und Klar-
heit/Übersichtlichkeitder Ergebnisse und eine Regelmäßigkeit der Rückflüsse. Vgl. Fliegel et al.
1966, S. 245.
107 Vgl. Fliegel et al. 1966, S. 245; Hayward 1972, S. 199; Rogers et al. 1971, S. 155.
108 Vgl. Rothman et al. 1979, S. 40 f.
109 Vgl. Meffert 1976, S. 96.
110 Vgl. Mohr 1977, S. 58 f.
2 Theoretische Grundlagen 34
die Technologieübernahme, weil eine geringe technische Vollkommenheit hemmend auf den Übernahmevorgang wirkt. In diesem Fall ist für den Technologienehmer nicht absehbar, wie hoch die finanziellen Aufwendungen bis zu einer ökonomisch sinnvollen und effizienten Anwendung ausfallen.
Die nachfolgende Tabelle 1 111 fasst die Ergebnisse noch einmal anschaulich zusammen:
Bei den Technologienehmern und -gebern existieren neben den immanenten Fak-toren des Transferobjektes selbstverständlich auch hemmende bzw. fördernde Faktoren, so z. B. die vornehme Distanz zwischen Geld und Geist, also die Zurückhaltung gegenüber angewandter Forschung und technischer Entwicklung, die die Hochschullandschaft lange geprägt hat. 112 Aufgrund seiner empirischen Ergebnisse 113 sieht WALTER in diesem Zusammenhang außerdem die unternehmerische Einstellung des Technologiegebers, eine innovationsfreundliche Kultur im Unternehmen sowie die Qualität der Zusammenarbeit der Transferpartner als ent- 111 Quelle:Corsten 1982, S. 228.
112 Vgl. Theis 1986, S. 21.
113 Walter hatte rund 230 Unternehmen und zirka 150 wissenschaftliche Einrichtungen nach den
Merkmalen eines erfolgreichen Brückenschlags zwischen Technologiegebern und Technologie-
nehmern im Rahmen seiner Studie befragt.
2 Theoretische Grundlagen 35
scheidende Faktoren an. Sein Credo zur Steigerung der Transferqualität lautet demnach:
x Die Transferaktivitäten vorab umfassend planen. x Den Transfer während des Ablaufs zielführend steuern. x Unter allen Beteiligten aktiv Vertrauen aufbauen.
Dabei müssen Unternehmen vier Hemmnisse überwinden, die sowohl auf Seiten der Transferpartner als auch im Prozess selbst auftreten, und zwar die Barrieren des Nicht-Wissens, des Nicht-Könnens, des Nicht-Wollens und des Nicht-Dürfens. 114
x Barriere des Nicht-Wissens = Matchingproblem
Die Barriere des Nicht-Wissens existiert in der Regel im Vorfeld und zu Beginn eines jeden Technologietransfers, was auf ein Informationsdefizit zurückzuführen ist. Das kommt häufig allein dadurch zustande, dass die Kooperationssuchenden sich selbst aber auch zukünftigen Technologiepartnern nicht die richtigen Fragen stellen. 115 x Barriere des Nicht-Könnens = Verständnisproblem
Diese Barriere wird durch Defizite im Bereich der Fähigkeiten und materiellen Ressourcen bedingt, die für eine Zusammenarbeit zur Verfügung stehen. Fachliche als auch soziale Inkompetenz führen in einem TT zu gravierenden Missverständnissen und enttäuschten Erwartungen. Um das Problem des Nicht-Könnens zu bewältigen und damit das oben beschriebene Komplexitätshemmnis zu reduzieren, ist es unerlässlich, partnerspezifische Investitionen zu tätigen - etwa in Form von Know-how für die unternehmensspezifische Anpassung einer Technologie, Schulungen und Workshops für die Anwendung einer Technologie sowie kompetentem Personal für die Projektarbeit. 116
x Barriere des Nicht-Wollens = Vertrauens- und Opportunismusproblem Diese Barriere manifestiert sich in zögerlichem, ichbezogenem und interesselosem Verhalten der Akteure eines TTs aus. Wichtigstes Instrument zur
114 Vgl. grundlegend Witte 1973, S. 6 f.; Michalik 2003, S. 172 f.; Busse 2005, S. 151.
115 Vgl. Walter 2003, S. 23 f.
116 Ebenda.
2 Theoretische Grundlagen 36
Überwindung derselben ist die Kommunikation. Zwei Vorgehensweisen haben sich dabei in der Praxis bewährt: das Einsetzen der richtigen Partner und das Schaffen eines Kommunikationsraumes. 117 x Barriere des Nicht-Dürfens = Bürokratie- und Drittparteienproblem Die Barriere des Nicht-Dürfens entsteht aufgrund von Geboten und Verboten, die oftmals konträr zum Innovationsvorhaben sind. Mehrheitlich geht es dabei um Machtdemonstrationen, was schlussendlich die Handlungsspielräume der Beteiligten einengt. Das reicht von nicht bewilligten Reisemitteln bis zur Blockade von für den TT erforderlichen Ressourcen. 118
Diese vier beschriebenen Barrieren, die in der Literatur bereits weitestgehend untersucht worden sind, haben ihren Ursprung tief im menschlichen Verhalten. Die Widerstände können dabei in unterschiedlicher Form auftreten, zum einen aktiv oder passiv, zum anderen offen oder verdeckt. 119
Neben den bereits betrachteten Faktoren spielen selbstverständlich auch die Umwelt (rund um den Transferprozess) und ihre Eigenschaften eine herausragende Rolle, die für den TT unterstützend oder hinderlich sein kann. Ausgehend von der globalen Umwelt sollen lediglich die unmittelbar relevanten Komponenten, also die ökonomischen und politisch-rechtlichen, kurz betrachtet werden.
Insbesondere die Politik bzw. der Staat sind dafür verantwortlich, ein günstiges Umfeld für neuartige Entwicklungen zu schaffen, also im Wesentlichen das, was gemeinhin unter Infrastruktur zusammengefasst wird. 120 Dazu gehört die Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie des TTs. Der TT-Prozess kann wiederum durch gesetzliche Regelungen, z. B. das Patentwesen 121 , Umweltregula-
117 Ebenda.
118 Ebenda.
119 Vgl. Dienstbach 1968, S. 184.
120 Vgl. Späth 1986, S. 11.
121 Da dem Patentinhaber generell die alleinige wirtschaftliche Nutzung zugesichert wird, hat das
Patentwesen im Allgemeinen eine negative Auswirkung auf die Verbreitung von Erfindun-gen/Technologien, die letztlich allein durch das Verhalten des Patentinhabers determiniert wird.
Vgl. Corsten 1986, S. 440 f. und die dort zitierte Literatur.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Thomas Schulz, 2009, Der Technologietransfer im inter-organisationalen Innovationsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
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