1. Einleitung
Diese Hausarbeit soll sich - wie der Titel schon verrät - mit zwei Aspekten von „Gewalt an Schulen“ beschäftigen: An erster Stelle möchte ich die Gründe, die zum Ausbruch von Gewalt an Schulen führen beleuchten und darstellen, und an zweiter Stelle möchte ich die Arten, auf die sich Gewalt dann äußert beleuchten und darstellen. Es bleibt hierbei schon im Vorfeld anzumerken, dass der Bereich von Gewalt so groß ist, dass es im Rahmen einer knappen Hausarbeit wie dieser hier schier unmöglich sein wird, alle Felder zu beleuchten oder zu benennen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Arten von Gewalt leider ständig verändern, was eine volle Aufzählung ebenso erschwert.
An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass natürlich immer beide Geschlechter gemeint sind, wenn in dieser Arbeit von Schülern oder Jugendlichen gesprochen wird. Ich habe dies aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit vorgezogen.
2. Definition: Gewalt
Wenn man über Gewalt sprechen will, ist es vorher wichtig, diesen Begriff zu definieren und somit von anderen abzugrenzen. Gerade bei dem Wort Gewalt fällt auf, dass es eben keine allgemein anerkannte Definition des Wortes gibt. Dies führt - ein interessantes Faktum am Rande - zu erheblichen Problemen bei der statistischen Erfassung von Gewaltdelikten.
Im Allgemeinen wird Gewalt durch das Gesetz in Deutschland jedoch wie folgt definiert: „…als körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen.“[1]
Im Vergleich kann man hierzu versuchen, eine allgemeine Definition des Gewaltbegriffes aufzustellen. Trotz keiner allgemein anerkannten Definition des Begriffes existieren die verschiedensten Definitionen, wovon die folgende die umfassendste zu sein scheint: „Gewalt im negativen Sinne wird häufig als schädigende Einwirkung auf Andere verstanden. Als Gewaltformen werden psychische oder physische, personale oder strukturelle (oder auch kulturelle), statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte unterschieden. Ein engerer "Gewalt"-Begriff, auch als „materialistische Gewalt“ bezeichnet, beschränkt sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung einer Person, der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische Gewalt (etwa in Form von Deprivation,
emotionaler Vernachlässigung, „Weißer Folter“, verbaler Gewalt) und in seinem weitesten Sinn die „strukturelle Gewalt“. Zudem fällt Vandalismus unter diesen Gewaltbegriff, wenngleich sich die Einwirkung nicht direkt gegen Personen richtet.“ [2]
Es fällt in der ersten Instanz auf, dass die gesetzliche Definition sich nur auf den Begriff der physischen Gewalt, nicht aber auf den der psychischen Gewalt bezieht. Die allgemeine Definition fasst dann schon mehrere Begriffe zusammen: physische Gewalt, psychische Gewalt und eben auch strukturelle Gewalt 1 .
Blickt man in diesem Zusammenhang auf eine Definition von Gewalt an Schulen, so stößt man hier auf eine Definition, die der Freiburger Pädagoge Matthias Koch gefasst hat. Dieser Definition zu Folge beschreibt der Gewaltbegriff größtenteils aktive Handlungen, die von Schülern gegen Schüler, Schüler gegen Lehrer, Schüler gegen Sachen, Lehrer gegen Schüler und die Institution Schule gegen Schüler und/oder Lehrer begangen werden. [3]
Durch diese drei Definitionen sollte es nun möglich sein, den Begriff der Gewalt relativ klar und eindeutig eingrenzen zu können.
3. Arten von Gewalt an Schulen
Gewalt an Schulen ist eindeutig ein Thema, auch wenn die Problematik bei weitem nicht so massiv ist, wie von den Medien propagiert. Es treten immer wieder Fälle von brutaler Gewalt von Jugendlichen an Schulen auf - ein trauriger Höhepunkt dürfte hierbei der Vorfall am Erfurter Gutenberg-Gymnasium am 26. April 2002 sein - doch handelt es sich hierbei um tragische Einzelfälle, aus denen kein allgemeingültiges Gesamtbild gezogen werden kann. Zwar haben die gewalttätigen Übergriffe an Schulen zugenommen, aber von „amerikanischen Zuständen“ (so wie in den Medien verbreitet) kann man in diesem Zusammenhang nicht sprechen, da sich dies durch wissenschaftliche Studien nicht belegen lässt. [4]
Gewalt an Schulen lässt sich in mehrere Arten unterteilen:
1 strukturelle Gewalt ist ein Konzept, der 1971 von dem norwegischen Friedensforscher Johan Galtung definiert worden ist. Grundlegend lässt sich der Begriff so fassen: „Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.“ Diesem erweiterten Gewaltbegriff zufolge ist alles, was Individuen daran hindert, ihre Anlagen und Möglichkeiten voll zu entfalten, eine Form von Gewalt.
• verbale Gewalt • physische Gewalt • psychische Gewalt • sexuelle Gewalt • strukturelle Gewalt • Vandalismus
Den Langzeitstudien von Fuchs [5] zu Folge ist die häufigste Form von Gewalt an Schulen die verbale Gewalt. Gestützt wird dies auch durch ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld [6], welches zwar aus dem Jahre 1995 stammt, aber durchaus aussagekräftig ist. Befragt wurden im Rahmen dieses Projekt 3.540 Schüler/innen (jeweils ganze Schulklassen) im Alter von 11-17 Jahren und 448 Lehrer/innen aus 24 ausgewählten hessischen Schulen. Die Befragung ergab, dass eben verbale Gewalt am häufigsten vorkomme. So nannten 38% der befragten Schüler Beschimpfungen und gemeine Ausdrücke; 33% gemeine Gesten; 28% das Verspotten von Mitschülern und eben auch 9% ausländerfeindliche Sprüche. Noch deutlicher wird dies im Zusammenhang mit einer Studie der Unfallkasse Hessen aus dem Jahre 2000 [7]: Hier beobachten sogar 56% der Schüler und 63% der Lehrer Beschimpfungen und gemeine Ausdrücke.
Allein diese Zahlen zeigen, dass das sog. „Mobbing“ und Übergriffe durch verbale Gewalt einen sehr großen Teil von Gewalt an Schulen ausmachen. Diese Art von Gewalt scheint mittlerweile zum Schulalltag zu gehören. Dies ist vor allem unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, dass die verbale Gewalt häufig den Ausgangspunkt für physische Gewalt darstellt: Auf Provokationen und Beleidigungen wird mit harter Gewalt geantwortet.
An zweiter Stelle können dann physische Übergriffe genannt werden. Grob gefasst handelt es sich hierbei um Fälle von Körperverletzung, die unter anderem Blutergüsse, Schürfwunden, Zahnschäden und Knochenbrüche beinhalten. Nur ein kleiner Teil - nämlich etwa 8% - dieser sog. „Raufunfälle“ ereignet sich auf dem Schulweg, die häufigsten Orte für diese Vorfälle sind der Schulhof, das Klassenzimmer, die Turnhalle oder die Flure. Wenn man sich hierzu einmal Zahlen vor Augen halten möchte, so ist zu sagen dass laut dem Bundesverband der Unfallkassen es im Jahre 2003 93.295 gemeldete Raufunfälle gab, was 250 verletzten Schülern pro Tag entspricht. Diese Zahl entspricht bei 8.3 Mio. versicherten Schülern 9.3% aller Schüler. [8]
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Arb. Felix Münter, 2007, Gewalt an Schulen: Arten und Gründe, München, GRIN Verlag GmbH
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