Inhalt
0 Einführung
Entw ürfe der Tugendlehre in den wichtigsten antiken 3
philosophischen Strömungen
1. Abaelard in seiner Zeit
1.1 Historischer Hintergrund 6
1. 2. Peter Abaelard/Petrus Abaelardus - Kurzbiographie 7
1. 3. Wichtige Werke Abaelards für das Thema „Tugendlehre“ 9
2. Abelards Tugendlehre
2. 1 „gut“ und „Gut“ bei Abaelard 10
2.2 Tugenden und Laster 11
2.3 Beherrschende Rolle der Intention 15
2.4 Schuld und Strafe 16
3. Resümee und Ausblick 19
Quellen 21
2
0 Einführung
Entwürfe der Tugendlehre in den wichtigsten antiken philosophischen Strömungen
„Tugend“ (αρετή) wird in der griechischen und römischen Antike eine feste, meist als erlernt angesehene Haltung des Menschen zu einem lobenswerten und moralisch guten Leben genannt, durch das Glück oder Seelenfrieden (ευδαιμονία) 1 erlangt werden kann.
Plato
Der griechische Philosoph Plato benennt in seiner πολιτεία, anknüpfend an ältere Traditionen, die vier Kardinaltugenden 2 , die auch später für das Mittelalter immer noch die entscheidenden sind. Es handelt sich hierbei um Weisheit (σοφία), Tapferkeit (ανδρεία), Besonnenheit (σοφροσΰνη) und Gerechtigkeit (δικαιοσΰνη). Diese sind den drei Funktionen der Seele, der Vernunftfunktion, der Mutfunktion und der Begierdefunktion zugeordnet, während die Gerechtigkeit das harmonische Verhältnis der drei Funktionen herstellen soll. Die Weisheit, die zu erlangen am längsten dauert, ermöglicht durch die Erkenntnis von falsch und richtig die Grundlage für die Anwendung der praktischen Tugenden 3 .
Aristoteles
Für Aristoteles sind die Tugenden Haltungen (habitus), die erlernt werden. Sie bedingen sittliche Erkenntnis und damit die Handlungen eines Menschen, an denen man ablesen kann, ob er gut ist oder nicht 4 . Aristoteles unterscheidet zwischen: erstens: Dianoethischen Tugenden, das sind Tugenden des Erkentnisvermögens/ Verstandestugenden, mit denen die Wahrheit erkannt wird, sie entstehen durch Belehrung und ergeben sich aus der Einsicht. Sie in Gänze zu erlangen muss Ziel des Menschen sein. Und zweitens: ethischen Tugenden oder Tugenden des Strebevermögens/ Charaktertugenden, die durch Gewohnheit entstehen und durch die Haltung (habitus) vermittelt werden. Sie bewirken, wenn man sie besitzt, dass man bei allen Handlungen jeweils das angebrachte Mittelmaß zwischen zwei gleich negativen Extremen findet (beispielsweise den Extremen Feigheit - Tollkühnheit) 5 . Weiterhin beruht gutes Handeln
1 Vgl. Kranz, Die Griechische Philosophie, S. 119
2 Vgl. Kranz, Die Griechische Philosophie, S. 188
3 Forschner: Tugend, Philosophisch; in LThK, S.293. Diese Ansicht findet sich später sehr ähnlich auch bei Abaelard wieder, siehe Seite 11
4 Dies ist ein Fakt, dem Abaelard mit seiner Lehre von der entscheidenden Rolle der Intention energisch widerspricht, siehe Seite 14
5 Fröhlich, Aristoteles, S. 34f
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auf inneren Dispositionen (disposicio) des Menschen, das ist die prinzipielle Fähigkeit zu gutem Handeln. Durch die Dispositionen sind wir also in der Lage, tugendhaft zu handeln und wenn wir das tatsächlich tun, zeigen sich unsere Tugenden als Eigenschaften 6 . Zum Erkennen von gut/richtig und schlecht/falsch sind laut Aristoteles Klugheit (φρόνεσις), Kunst (επιστήμη), Wissenschaft (τεχνή), Weisheit (σοφία) und Geist (νοΰς) vonnöten, die sich nur in praktischer Erfahrung bilden können 7 . Ein gutes Leben besteht aus der Wohlgeordnetheit der gesamten Lebensbezüge.
Stoa
Die Stoa zielt auf die Freiheit von allen Affekten. Nur wer sich von allen Affekten befreit, egal ob positiven oder negativen, kann Glück erlangen. Glück oder ein guter Verlauf des Lebens, ist auch hier das schlussendliche Ziel. Tugenden basieren auf dem Erkennen der göttlichen Weltordnung. Mit dem Erreichen völligen Gleichklangs mit dieser Weltordnung sind dem stoischen Weisen auch alle Tugenden im gleichen Maße eigen.
Epikureer
Das Ziel der Epikureer war gleich dem der anderen philosophischen Strömungen die Glückseligkeit, der Weg dorthin war dem der Stoiker jedoch entgegengesetzt. Die Glückseligkeit erreicht der Mensch nur durch Freiheit von Schmerz und Unruhe. Die Quellen der Unlust, Furcht, Begierde, Schmerz, sind zu meiden, lustvolle Situationen aufzusuchen, da sie das Gelangen zur Glückseligkeit fördern können.
Neuplatoniker
Hier werden die Tugenden auf verschiedene Stufen hierarchisiert. Das Erreichen einer höheren Stufe bedeutet eine größere Reinheit der Seele von den Affekten und der Sinnlichkeit des Körpers. Die Tugenden begünstigen also den Aufstieg der Seele in höhere geistige Sphären und haben somit funktionalen Charakter.
Paulus
Bei Paulus herrscht ein starker Dualismus zwischen gut und böse vor. Böse sind prinzipiell die Werke des Fleisches, gut die Werke des Geistes 8 . Das Ziel der paulinischen Theologie ist natürlich das Erreichen des Reiches Gottes, nicht mehr das Erreichen der Welterkenntnis wie bei den antiken Denkern. Grundlegend sind für ihn daher auch die drei „theologischen
6 Fröhlich, Aristoteles, S. 32
7 Fröhlich, Aristoteles, S. 43
8 Bibel Einheitsübersetzung, Gal. 5,19-21; 22-23
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Tugenden“ - Glaube, Liebe, Hoffnung 9 , die nur von Gott gegeben werden können und dem Erfüllen aller anderen Tugenden vorausgehen. Er gibt seinen Lesern gewissermaßen als Leitfaden einen Tugendkatalog an die Hand, welche Tugenden erstrebenswert und welche Laster zu meiden sind 10 .
9 Bibel Einheitsübersetzung, Kor. 1; 13,13
10 Bibel Einheitsübersetzung, Gal. 5,19-21; 22-23
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1. Abaelard in seiner Zeit
1.1 Historischer Hintergrund
Abaelard wirkte in den ersten 40 Jahren des 12. Jahrhunderts. Damit ist er Vertreter des Hochmittelalters und der erste bedeutende Frühscholastiker, in dessen Tradition beispielsweise der große Thomas von Aquin steht.
Für ein Verständnis sowohl Abaelards als auch seiner Lehren ist es wichtig, zuerst die gesellschaftlichen Voraussetzungen genauer zu betrachten, unter denen er wirkte. In Abaelards Zeit fällt die „Renaissance des 12. Jahrhunderts“ 11 , Umbrüche sowohl im Weltals auch im Selbstverständnis. Diese Renaissance bezieht sich auf alle Bereiche des geistigen Lebens. Sie beginnt mit der Wiederaufnahme des Studiums der Antike, wie beispielsweise des römischen Rechtes und der griechischen Philosophie 12 und endet mit der Gründung erster Universitäten.
Große Städte entwickeln sich zu blühenden Wirtschafts-, Kultur-, und Bildungszentren. Das Bürgertum wird zu einer nicht zu unterschätzenden Macht und strebt nach Selbstständigkeit. Die großen Kathedralen entstehen oder werden fertig gestellt. An ihnen beheimatete Kathedralschulen beginnen, die Rolle der Klosterschulen zu übernehmen, wodurch Bildung mehr Menschen zugänglich wird.
Leif Grane 13 setzt dies in Zusammenhang mit der Entstehung und außerordentlichen Ausbreitung des Zisterzienserordens 14 . Dieser wird von Bernhard von Clairvaux gegründet, dem das klösterliche Leben, selbst noch in seiner cluniazensisch reformierten Variante, zu wenig das ist, was klösterliches Leben seiner Meinung nach ausmachen sollte. Die totale Gottesliebe beinhaltet nach seiner Auffassung die völlige Aufgabe egoistischer Wünsche und den völligen Aufgang der Eigenliebe in ebendieser Gottesliebe. Dafür erlegt er seinen Mönchen strenge Askese und harte körperliche Arbeit auf und leitet sie zur Meditation an. Im Klosterleben ist seiner Meinung nach kein Platz für literarische und schöngeistige Arbeiten, wie sie besonders in den benediktinischen Klöstern gepflegt werden. Selbst eine künstlerische Ausschmückung der Kirchen ist verboten. Auch die Bildung, die das Kloster vermitteln sollte, ist seiner Meinung nach einzig auf das Erlernen der rechten christlichen Lebensform auszurichten 15 , sie steht „im Dienste des persönlichen Strebens nach
11 Grane, Abaelard, S. 7ff, Peppermüller, Abaelard, in der TRE, S. 14, Niggli, Peter Abaelard, S. 91
12 Grane, Abaelard, S. 11
13 Grane, Abaelard, S. 22f, S. 123, S.125
14 Es werden noch in Bernhards Zeit nach der Gründung des Mutterklosters in Clairvaux im 12. Jahrhundert 68 Tochtergründungen verzeichnet.
15 Grane, Abaelard, S. 135f, Pieper, Scholastik, S.81f, Ernst, Petrus Abaelardus, S. 15
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Arbeit zitieren:
Theresia Schreiber, 2007, Abaelard , München, GRIN Verlag GmbH
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