„Vom Kunstobjekt zum Alltagsgegenstand“
Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Die wechselnde Bedeutung des Buches in Italien im 15. und beginnenden 4
16. Jahrhundert
3. „Ein deutscher Exportschlager“ - Die Ausbreitung des Buchdrucks in
Italien und die wichtigsten Druckerzentren
3.1 Italiens wirtschaftliche und kulturelle Rolle in Europa 5
3.2 Die bedeutendsten Druckerzentren Italiens 6
4. „Eine neue Schrift für das neue Buch“ - Die Antiqua 10
5. Fazit 11
6. Literaturverzeichnis 12
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„Vom Kunstobjekt zum Alltagsgegenstand“
1. Einleitung
Der Buchdruck mit beweglichen Metalllettern ist einer der größten deutschen Exportschlager, den es jemals gab. Seit seiner Erfindung durch Johannes Gensfleisch bzw. Johannes Gutenberg breitete sich diese neue Vervielfältigungsmethode auf der gesamten Welt aus. Viele verschiedene Einflüsse sorgten für eine rasante Entwicklung der Buchdruckerkunst. Diese Entfaltung vollzog sich ganz besonders in Italien, wo sich schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts deutsche Buchdrucker niederließen. Innerhalb weniger Jahre wurde Italien zum Zentrum des europäischen Buchdrucks. Das Handwerk wurde weiter entwickelt und verselbständigte sich auf der Halbinsel am Mittelmeer. So kam es auch zu vielen Neuerungen. Unter anderem wurde Antiqua als neue Schriftart eingeführt und die Buchillustration veränderte sich. In dieser Hausarbeit möchte ich auf die Gründe eingehen, die einen solchen Fortschritt möglich machen konnten. Weshalb vollzog sich dieser in Italien? Was war der Nährboden für die Weiterentwicklung, nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus künstlerischer Sichtweise? Mit der Betrachtung, welchen Stellenwert das Buch vor dem Buchdruck in Italien besaß und welche Rolle Italien im 15. und anfänglichen 16. Jahrhundert in Europa spielte, möchte ich versuchen, diese Fragen zu beantworten. Vor allem ist es mir wichtig, die entscheidenden Druckerzentren vorzustellen und auf einige Personen einzugehen, die die Erfindung voran getrieben haben. Im letzten Kapitel möchte ich noch einen kurzen Einblick in die Entwicklung der neuen Schriftart, der Antiqua, geben.
Das Thema Buchdruck ist ein sehr breit gefächertes Wissenschaftsgebiet, welches u. a. von Künstlern, Historikern und Germanisten seit mehreren hundert Jahren erforscht wird. Somit existiert heute auch eine sehr umfangreiche Literaturgrundlage. Da aber bis heute immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen werden, sind viele dieser Erkenntnisse veraltet bzw. überholt. Daher habe ich mich für meine Arbeit vor allem an den Werken von Fritz Funke „Buchkunde, ein Überblick über die Geschichte des Buches“, von Carl B. Lorck „Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst“ und von Alfred Noe „Renaissance“ orientiert.
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„Vom Kunstobjekt zum Alltagsgegenstand“
2. Die wechselnde Bedeutung des Buches im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert
Das Buch besaß in Italien bereits vor dem 15. Jahrhundert einen eigenen Stellenwert. Es war ein Kunstobjekt, welches einen sehr hohen Sammlerwert besaß. So hatte jede große Familie, die etwas von sich hielt, eine eigene Handschriftenbibliothek. Hervorzuheben sind hierbei die Herzöge von Este aus Ferrara und die Familie Medici, welche einer der finanzkräftigsten und interessiertesten Förderer der Buchkultur waren. Nach der Eroberung von Konstantinopel 1453 durch das Osmanische Reich flüchteten viele Gelehrte von Osteuropa nach Italien, wo sie noch intensiver den Sinn für die klassische Literatur vertieften. 1)
Durch das Wissen der Akademiker und die Unterstützung durch die aufgeklärten Fürsten blühte die italienische Buchkultur auf.
Die Familienmitglieder des Hauses Medici engagierten sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts für die Produktion und Bewahrung von Büchern, vor allem antiker Autoren. Großen Anteil an dem Ausbau der Büchersammlung besaß der begnadete Büchersammler Niccolò Niccoli 2) , welcher als Berater für die Errichtung der Bibliothek fungierte. Nach dessen Tod war Tommaso Parentucelli für den weiteren Ausbau der privaten Büchersammlung verantwortlich. Er spielte für die Buchkultur der Renaissance eine entscheidende Rolle. So gründete er ab 1447, als Papst Nikolaus V., in Rom die vatikanische Bibliothek. Es war eine der Ersten für das Volk frei zugängliche Büchersammlung. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts entstanden in Nord- und Mittelitalien eine Vielzahl von Bibliotheken mit kunstvollen Handschriften. Diese Zunahme zeigt auch die wachsende Bedeutung von Büchern. Ein Großteil der Handschriften waren auf Griechisch und Latein und nicht in der Volkssprache geschrieben. Dies verdeutlicht, dass, die unteren Bevölkerungsschichten, trotz des zunehmenden Interesses, wenig Kontakt mit dem Medium hatten. 3) Ab Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelten sich die privaten Büchersammlungen und die der Klöster zu öffentlichen bzw. halböffentlichen Institutionen. Bücher werden immer häufiger frei zugänglich. Somit veränderten sie sich von einem begehrten Kunstobjekt zu einem gewöhnlichen Gegenstand. Weil die Herstellung aber immer noch sehr lange dauerte, war ihr Besitz weiterhin etwas Besonderes.
1) vgl. Lorck, Carl B.: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst, S. 55f.
2) Niccolò Niccoli wurde 1364 geboren und starb 1437 in Florenz. Er vermachte ca. 800 gesammelte Bände an Cosimo de Medici.
3) vgl. Noe, Alfred [Hrsg.]: Renaissance, S. 155ff. Seite 4 von 12
Arbeit zitieren:
André Blaschke, 2009, Vom Kunstobjekt zum Alltagsgegenstand, München, GRIN Verlag GmbH
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