INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung - (un)strenge Sinnlosigkeit von Sätzen 1
2. Scheinsätze 3
2.1 Die Bedeutung eines Wortes 3
2.2 Ein Wort meint nichts über seine Bedeutung hinaus 5
2.3 Metaphysische Wörter ohne Bedeutung 6
3. Weitere Arten von Scheinsätzen 8
4. Metaphysische Scheinsätze 11
5. Schlussteil 15
Abk ürzungsverzeichnis 17
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung - (un)strenge Sinnlosigkeit von Sätzen
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Interpretation des Textes ‘Überwindung
der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache’ 1 . In diesem Zusammenhang werden die folgenden Fragen beantwortet: ‘Sind - nach Carnap - metaphysische Sätze immer Scheinsätze (sinnlose Sätze)?’ und ‘Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen den „klassischen“ Überwindungsversuchen der Metaphysik durch deren Kontrahenten und dem
Überwindungsversuch 2 Carnaps?’.
Carnap versucht in seinem Text auf die Frage nach der Gültigkeit und Berechtigung der Metaphysik eine neue Antwort zu geben. Er glaubt, durch den Einsatz von Analyseverfahren, die auf der „modernen“ Logik basieren, den Ansatz der Metaphysik selbst als widersprüchlich überführen zu können. Hieraus resultiert seiner Ansicht nach ihre Überwindung. Da seit der Spätantike die Metaphysik als die Grundwissenschaft betrachtet wurde, in der alle philosophischen Disziplinen wurzeln, impliziert Carnaps ziemlich radikaler
Überwindungsversuch weit reichende Konsequenzen für die Philosophie als Wissenschaft selbst. Für den Bereich, den er als Metaphysik einstuft, ergeben sich negative Konsequenzen,
wie etwa, „[…] daß die vorgeblichen Sätze dieses Gebietes gänzlich sinnlos sind“ 3 . Doch die gleiche Methodik führt bei den empirischen Wissenschaften zu folgenden positiven Ergebnissen: „[…] die einzelnen Begriffe der verschiedenen Wissenschaftszweige werden geklärt; ihr formal-logischer und erkenntnistheoretischer Zusammenhang wird
aufgewiesen.“ 4 .
Wenn Carnap die Sätze der Metaphysik als sinnlos bezeichnet, so tut er dies in einem
bestimmten, wie er sagt „strengsten Sinn“ 5 , der sich wie folgt von einer unstrengen Sinnlosigkeit unterscheidet.
Sinnlos - im strengen Sinn - sind solche Sätze, die innerhalb einer Sprache keinen Satz bilden, sondern Scheinsätze darstellen, die den korrekt formulierten Sätzen bei grober Betrachtung vorerst ähneln. Er unterscheidet zwei Arten von Scheinsätzen. Die einen enthalten Wörter, die keine Bedeutung haben und die anderen enthalten zwar Wörter mit einer Bedeutung, sind aber in syntaxwidriger Weise zusammengesetzt.
Das Wesen der von Carnap als unstreng bezeichneten Sinnlosigkeit von Sätzen sollen die drei folgenden, von mir formulierten Sätze verdeutlichen.
1 ÜdM.
2 Carnap war (nur) einer von vielen Vertretern der positivistisch-logistischen Philosophie. Somit steht er nicht
allein für diesen Überwindungsversuch, sondern für eine ganze philosophische Richtung steht für ihn.
3 ÜdM, S.220.
4 ÜdM, S.219-220.
5 ÜdM, S.220.
1
Beim ersten Beispiel handelt es sich um die folgende Frage: Hat der Greifswalder Dom zu Reparaturzwecken zu wenig Dachziegel im Keller gelagert?
Diese Frage erscheint uns unfruchtbar. In der Unfruchtbarkeit von Fragen sieht Carnap ein Kriterium für ihre Sinnlosigkeit gegeben. Somit wäre die aufgestellte Frage sinnlos. Es liegt aber keine strenge Sinnlosigkeit vor, da sie zumindest beantwortet werden könnte - mit ja oder nein. Das zweite Beispiel :
Der vom Menschen durch sein Gehör wahrnehmbare Schall liegt in einem Frequenzbereich
von 20 bis 30000 Hz. 6
Hierbei handelt es sich um eine falsche Behauptung, die sich zumindest jedem Ohrenarzt als offensichtlich sinnlos darbieten muss. Auch in diesem Fall liegt keine strenge Sinnlosigkeit vor, da der Satz - obwohl falsch - syntaxgemäß gebildet ist. Das dritte Beispiel gibt eine logisch falsche Behauptung wieder: Einen Fehler zu begehen ist gut und nicht gut.
Diese Aussage, die (streng genommen) in sich einen kontradiktorischen Widerspruch birgt, ordnen wir schnell dem Sinnlosen zu. Jedoch liegt, nach Carnaps Unterscheidung, auch hier kein Fall von Sinnlosigkeit im strengen Sinn vor, sondern nur, wie beim zweiten Beispiel, eine fasche Behauptung.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich für Carnap unstrenge Sinnlosigkeit von Sätzen dadurch äußern kann, dass diese Sätze unfruchtbar wirken, den Tatsachen unserer empirischen Umwelt widersprechen oder in sich kontradiktorische Widersprüche bergen. Wo Carnap die Grenze zwischen metaphysischen und nicht-metaphysischen Worten zieht, ist in seinem Text nicht so deutlich zu erkennen, wie die von ihm gezogene Grenze, die sinnlose (bedeutungslose) von sinnvollen (bedeutungstragenden) Worten trennt. Die Erläuterung der Methode, die nach Carnap zur Überwindung der Metaphysik führt, wird den größten Teil meiner Arbeit in Anspruch nehmen. Was für Carnap alles unter den Begriff ‘Metaphysik’ fällt, wird in meiner Arbeit nur teilweise erörtert.
6 Der vom Menschen als Hörereignis wahrgenommene Schall liegt in einem Frequenzbereich von ca. 16Hz -
16000Hz.
2
2. Scheinsätze
Um innerhalb einer Sprache Sätze bilden zu können, benötigt man einen Bestand an Wörtern, die eine Bedeutung haben, sowie ein Regelwerk, welches die Zusammensetzung dieser Wörter zu Sätzen vorgibt. Carnap zufolge kann man bei der Untersuchung des Sinngehalts von Sätzen bei der Feststellung von Sinnlosigkeit, diese in eine strenge und eine unstrenge Sinnlosigkeit unterscheiden. Alle Sätze die unstreng sinnlos sind, stellen trotzdem
ordnungsgemäße Sätze innerhalb einer Sprache dar. 7 Alle Sätze, die Carnap als streng sinnlos betrachtet, sind auch immer Sätze, die entweder syntaktisch falsch gebildet sind, oder die mindestens ein Wort ohne Bedeutung enthalten. Diese Sätze bezeichnet er als Scheinsätze. Damit man die „normalen“ Sätze als solche erkennen und von den Scheinsätzen unterscheiden kann, muss man also auf die korrekte syntaktische Bildung des Satzes achten und darauf, ob alle im Satz verwendeten Wörter eine Bedeutung haben. Da man mit Hilfe des syntaktischen Regelwerks einer jeweiligen Sprache entscheiden kann, ob ein Satz innerhalb dieser Sprache als syntaktisch korrekt gebildet gilt, und da diese Regelwerke für jedermann zugänglich und nachlesbar sind, werde ich mich an dieser Stelle nicht eingehender damit beschäftigen. Vielmehr richte ich nun meinen Blick auf die Bedeutung von Wörtern.
2.1 Die Bedeutung eines Wortes
Carnap stellt folgende Frage: „Ist nicht jedes Wort nur deshalb in die Sprache eingeführt
worden, […]so daß es von seinem ersten Gebrauch an eine bestimmte Bedeutung hat?“ 8 Ja, man kann davon ausgehen, dass jedes Wort eine bestimmte Bedeutung hatte, als es in eine Sprache eingeführt wurde. Diese Worte, so sagen wir, bezeichnen jeweils einen Begriff. Doch einige Wörter ändern im Lauf der Geschichte ihre Bedeutung, und noch andere verlieren ihre
Bedeutung, ohne, dass eine neue Bedeutung den Platz der vorherigen einnimmt. 9 Solch ein Wort ohne Bedeutungssubstitution verweist auf einen „Scheinbegriff“. Doch wodurch bekommt ein Wort seine Bedeutung? Wann behaupten wir von Wörtern, dass sie eine Bedeutung haben? Die Antwort auf diese Fragen macht Carnap durch zwei Überlegungen kenntlich. Zusammengenommen stellen diese dann das maßgebliche Kriterium dar, um Wörtern Bedeutung zuschreiben zu können oder zu entscheiden, ob ein Wort bedeutungstragend ist oder nicht. Als Erstes muss die Art festliegen, wie ein Wort in der einfachsten Satzform auftritt, in der es vorkommen kann; d. h. die Syntax des Wortes muss festliegen. Carnap nennt die einfachsten Sätze, in denen Wörter vorkommen können,
7 Siehe die drei Beispiele für unstrenge Sinnlosigkeit in der Einleitung.
8 ÜdM, S.221.
9 Der Bedeutungsverlust, den einige Wörter erfahren haben, wird in Kapitel 3 beispielhaft belegt.
3
Elementarsätze. Eine elementare Satzform für das Wort ‘Pflanze’ ist: ‘x ist eine Pflanze’. Die Variable x steht für irgendeine Bezeichnung aus der Menge der Dinge, z. B. ‘diese Eiche’ oder ‘dieser Strumpf’.
Zweitens muss für den Elementarsatz A des betreffenden Wortes die Antwort auf folgende Frage gegeben sein: Aus welchen Sätzen ist A ableitbar, und welche Sätze sind aus A
ableitbar? 10 Um die hier angeführte Vorgehensweise an einem Beispiel zu verdeutlichen, betrachte ich das Wort ‘Turbine’ 11 .
Im ersten Schritt zeige ich den hier zugehörigen Elementarsatz A auf, der da lautet: ‘x ist eine Turbine.’ Im zweiten Schritt muss ich diejenigen Sätze angeben, aus denen der Elementarsatz A abgeleitet ist und die aus ihm ableitbar sind. Sie lauten: ‘x gehört zu den Strömungsmaschinen.’, ‘x ist eine Kraftmaschine.’, ‘x entzieht einem Fluid (Wasser, Gas oder Dampf) Energie.’ und ‘x wandelt die einem Fluid entzogene Energie in mechanische Energie um.’ Durch diese beiden Schritte habe ich die Bedeutung des Wortes ‘Turbine’ definitorisch festgelegt; außerdem habe ich die Festlegungskriterien aufgezeigt, durch die dieses Wort seine Bedeutung erhielt.
Bei ‘Turbine’ handelt es sich um ein Wort, das hauptsächlich aus dem Wissenschaftsbereich der Physik stammt und das sich in den oben genannten Sätzen nun auf andere Worte, einige auch aus dem Bereich der Physik, stützt, wobei für die definierenden Worte vorausgesetzt ist, dass auch sie bedeutungstragend sind und nach dem gleichen Verfahren ihre Bedeutung erhielten.
Als weiterführendes Beispiel werde ich das Wort ‘Kraftmaschine’ 12 wählen, welches oben in einem der Sätze benutzt wurde, um dem Wort ‘Turbine’ seine Bedeutung zuzuweisen. Der zugehörige Elementarsatz A lautet: ‘x ist eine Kraftmaschine.’ Die Sätze, aus denen der Elementarsatz A dieses Wortes ableitbar ist, und die aus ihm abgeleitet werden können, sind folgende: ‘x ist eine Maschine.’, ‘x wandelt Energieformen (thermische, kinetische, elektrische Energie) in mechanische Energie um.’, ‘x treibt Arbeitsmaschinen oder Fahrzeuge an.’ und ‘x ist unterteilt in Wärmekraftmaschinen, Wasserkraftmaschinen und Elektromotoren.’ Man sieht also, dass das Wort Kraftmaschine eine Bedeutung hat und es somit völlig legitim ist, dass wir es in dem Verfahren verwenden, welches dem Wort ‘Turbine’ seine Bedeutung gibt. So, wie beispielhaft ausgeführt, könnte man nun mit den
10 Zwar gibt Carnap noch drei weitere Fragen an, welche aber nur, anders formuliert, auf den gleichen, von
dieser Frage schon dargestellten Inhalt abzielen.
11 Brock, S.2039.
12 Brock, S.1129.
4
Arbeit zitieren:
Hermann Sievers, 2004, Der Sinngehalt der Metaphysik aus der Sicht Rudolf Carnaps, München, GRIN Verlag GmbH
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