Modell Dahrendorfs reicht bereits aus, um die gröbsten Strukturen aufzuzeigen. Die Erwartungshaltungen innerhalb des hier thematisierten Blogs sind wechselseitiger Natur: Die Leser und Kommentatoren wünschen ihre Einstellung bestätigt, die Autoren wünschen diese Erwartungen zu bestätigen und eine Anerkennung innerhalb der Gruppe zu erhalten. Die Muss-Erwartung beschränkt sich dabei auf Xenophobie oder etwas eingeschränkt: Aggression gegen alles, was auch nur entfernt mit dem Islam, aber auch Migranten in Verbindung gebracht werden kann. Die Soll-Erwartungen beschränken sich auf Konformität mit dem *UXSSHQNRQVHQV Ä'LH GLH DQGHUV VLQG WUDJHQ GLH 6FKXOG³ XQG EH]LHKHQ GDEHL DXFK Feindbilder jenseits von Migranten und Muslimen ein, wie beispielsweise Sozialdemokraten, Grünenwähler, Feministen, Kommunisten, Sozialisten d und alle, die nicht den Standpunkt des Blogs teilen. Um den Sachverhalt etwas zu vereinfachen, wird betrachtet, welche Erwartungen die Gruppe an sich selbst richtet, indem die Erwartungen von der Autorenschaft an die Leserschaft und umgekehrt als äquivalent vorausgesetzt werden. Dies kann nur funktionieren, da die Leser vermittels Gastbeiträge häufig auch zu den Autoren zählen, eine exakte Trennung der Rollenerwartungen damit nur bedingt möglich ist. Die vorangegangene Darstellung der Erwartungen kann also bestehen bleiben.
Die Muss-Erwartungen beschränken sich, wie bereits angesprochen auf eine offensive Ablehnung dessen, was nach Gruppennorm als ablehnens- und bekämpfenswert erachtet wird. Bei Verletzung der Erwartungen durch Widerspruch erfolgt der Ausschluss aus der Gemeinschaft durch Sperrung des Accounts, massivem, häufig beleidigendem Widerspruch durch andere Leser oder beides. Durch diesen Mechanismus ist sichergestellt, dass der Meinungskonsens bestehen bleibt. e Ein zweiter wichtiger Mechanismus ist der, ganze Themen zu löschen, sofern der Widerspruch zu groß wird, oder offensichtliche Fehler durch die Gruppe bemängelt werden. Dieser Sicherungsmechanismus dient dazu negativen Einfluss durch offensichtliche Falschmeldungen oder unsinnige Beiträge, die von der Leserschaft als solche erkannt werden, zu minimieren. Man kann also festhalten, dass die Muss-Erwartungen durch starke Exklusionswerkzeuge durchgesetzt werden, um eine gemeinsame Basis zu finden. Die Soll-Erwartungen sind weniger stark ausgeprägt unterliegen aber ganz ähnlichen Regulationsmechanismen. Gibt es beispielsweise Widerspruch gegen einen Artikel oder einzelne Kommentare ohne jedoch die Gruppe in ihrer Gänze infrage zu stellen, so wird der
d Hierzu zählen in solchen Kreisen erstaunlicherweise auch Nationalsozialisten mit der Begründung, dass diese ± wie der Name es nahelegt ± sozialistisch gewesen seien. Dies führt dann zu der Begründung man selbst könne kein Nazi sein, weil Nazis ja eigentlicKÄ/LQNV³Veien. 0DQVHOEVWVHLEORÄ3DWULRW³Ä.RQVHUYDWLY³RGHU ähnliches.
e http://www.politblogger.eu/14-prozent-faule-eier/ (Stand: 02.03.2010) http://www.politblogger.eu/pi-im-zensurwahn/ (Stand: 02.03.2010)
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HQWVSUHFKHQGH 1XW]HU XQWHU Ä0RGHUDWLRQ³ JHVWHOOW 'DV EHGHXWHW GDVV NQIWLJH %HLWUlJH zunächst durch Gruppenmitglieder in exponierter Stellung auf ihren Inhalt überprüft werden, sodass etwaige Konflikte mit dem Meinungskonsens von vornherein ausgeschlossen werden können. Ein Ausschluss aus der Gruppe erfolgt jedoch nicht. Dies entspricht daher am ehesten dem Normbegriff von Dahrendorf im Zusammenhang mit den Soll-Erwartungen und einer negativen Sanktionierung bei Nichterfüllung. Die Kann-Erwartungen sind schwer zu klassifizieren, da in einem Weblog kaum eine Übererfüllung der Anforderungen möglich ist. Zur Betrachtung dieses Erwartungstypus muss daher die Zusammenlegung von Autorenschaft und Leserschaft in einem gewissen Rahmen wieder aufgehoben werden. Übererfüllung der Gruppenerwartung erfolgt danach genau dann, wenn ein Leser einen Gastbeitrag verfasst, und dieser Beitrag auch veröffentlicht wird. Der somit zum Autor gewordene Nutzer hat seine Funktion des Lesers, dann des Kommentators und schließlich des Autors sukzessive erweitert und so peu à peu die Erwartungen der Gruppe an sich erfüllt und schließlich überfüllt. Eine negative Sanktionierung gibt es nicht, da er die einschränkenden Muss- und Kann-Erwartungen voll ausgefüllt hat. Eine positive Sanktionierung erfolgt hierbei durch etwaiges Lob durch andere Mitglieder der Gruppe, und damit auch durch Bestätigung der dargelegten Sichtweise. Da diese aber bereits dem Gruppenkonsens entsprechen muss, ist die positive Sanktionierung nur bedingt wirksam.
Für die Abstimmung des Verhaltens gibt es dabei zwei wichtige, konträre Bezugsgruppen. Einerseits Gleichgesinnte, die nicht zu der eigenen Gruppe gehören und von denen auf Zustimmung in Form von Bestätigung des eigenen Weltbildes gehofft wird, gleichzeitig von Außenstehenden, von denen Ablehnung erwartet wird, da diese Ablehnung ebenfalls das eigene Weltbild bekräftigt. Folglich ist wichtig festzuhalten, dass jede Form der Interaktion stets zur Bekräftigung der eigenen Position herangezogen werden kann. Diese Form der Selbstbestätigung ist ein wichtiger Schutzmechanismus zur Erhaltung eines konsistenten Weltbildes, selbst bei massiver Ablehnung durch die Gesellschaft. Solche Mechanismen sind für jede Subkultur essenziell und können sowohl in politisch extremen, als auch in unpolitischen Organisationen und Gruppierungen beobachtet werden. Die eingenommenen Rollen sind erworben (achieved), wobei Interrollenkonflikte offensichtlich sind. An die Rollen des Lesers, Kommentators oder auch Autors treten von Außen bestimmte Verhaltenserwartungen heran, die nicht mit denen übereinstimmen müssen, die aus der Gruppe erwachsen. Dies liegt allerdings weniger an der Erwartung selbst, als an der Interpretation dieser Erwartung, die von Außenstehenden negativ, von Mitgliedern positiv konnotiert sind. Der Rollenkonflikt ergibt sich erst dann, wenn diese Erwartungen und die
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Arbeit zitieren:
Jens Breidbach, 2010, Neuer Rechtsextremismus im Schatten des Homo Sociologicus, München, GRIN Verlag GmbH
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