Berliner Seilfabrik GmbH Co.
Themenfeld INUWENT
Sandra Rietzke J.-Maximilian Brede
Inhalt
1.Einleitung.......................................................................................... 3
2. Das Unternehmen Berliner Seilfabrik 5
2.1 Abstract Today 5
2.2 Historischer Werdegang 5
2.3 Die Berliner Seilfabrik Gruppe 9
2.4 Karl-Heinz Köhler 10
3. Geschäftsmodellanalyse 12
3.1 Positionierung 12
3.2 Grundkenntnisse 12
3.3 Produktportfolio 16
3.4 Geschäftsmodell nach Stähler 19
3.5 Geschäftsmodell nach Faltin 21
4. Branchenanalyse 23
4.1 Wettbewerb 25
4.2 Macht der Zulieferer Abnehmer 29
4.3 Eintrittsbarrieren bzw. Imitationsbarrieren 32
4.4 Substitute. 33
4.5 Markteinschätzung 34
5. Historisch gesellschaftliche Einbindung 35
5.1 Spielräume und Spielplätze 35
5.2 Hidden Champion des Mittelstands 40
5.3 Netzwerke 42
5.4 Unternehmenskultur 44
6. Fazit 47
Quellenverzeichnis 49
2
1.Einleitung
Wer hat sie nicht schon einmal gesehen, die Pentagode, Kletternetze und andere skurrile Formen aus Seilen? Nicht nur die Kleinen erfreuen sich an diesen Spielgeräten, auch viele der Eltern haben in ihrer Kindheit schon darauf geturnt. Es sind Klettergerüste für mehrere Generationen: langlebig, herausfordernd und immer wieder anders. Doch wer hätte gedacht, dass diese modernen und strapazierfähigen
Seilnetzraumgeräte von der Berliner Seilfabrik produziert und vertrieben werden?
Die Berliner Seilfabrik ist ein aufstrebendes mittelständisches Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und fertigt hoch spezialisierte Kinderspielgeräte aus Seilen und Netzen, welche einen sehr hohen Qualitätsstandart bieten und ein spezifisches Know-how voraussetzen. Überdies werden die Seile und Netze manuell gefertigt, die bisher ausgelagerte Produktion von Stahlrohren und -Pfosten soll eventuell ebenfalls, jedoch im Ausland, selbst übernommen werden. Die Hauptniederlassung befindet sich seit nunmehr fast 150 Jahren im Berliner Bezirk Reinickendorf.
Die Spielgeräte der Berliner Seilfabrik sind aus dem täglichen Leben kaum mehr wegzudenken. Für Familien bieten sie Freude und verbinden damit gleichzeitig ein sicheres Gefühl. Was jedoch steckt hinter diesen beliebten Geräten? Ist es ein knallharter Plan mit soviel Arbeit und Disziplin, dass möglicherweise Familie und Freizeit auf der Strecke bleiben? Oder kann in diesem Unternehmen alles auch miteinander gut vereinbar koordiniert werden: Gutes Konzept, Erfolg und dennoch eine
gute Unternehmenskultur mit Zeit zum Leben?
2. Das Unternehmen Berliner Seilfabrik
2.1 Abstract Today
Am Anfang steht immer eine Idee, doch wie kam es zu dieser? Es war weniger das angestrengte Suchen nach etwas Neuen, sondern mehr die Liebe zum Ausprobieren und Tüfteln. Mit Stahlseilen Spielplätze zu bauen stieß auch nicht von Anfang an auf pure Entzückung, aber so ist es mit vielen neuen Sachen: sie sind ungewohnt. Es dauerte einige Jahre bis die Berliner Seilfabrik 1995 komplett auf die Spielplatzproduktion umstieg und nun einer der weltweit führenden Hersteller ist. Immer wieder entstanden und entstehen noch heute neue Formen, kreative Ideen werden umgesetzt und der Fantasie sind hierbei (fast) keine Grenzen gesetzt. 1
2.2 Historischer Werdegang
Die Berliner Seilfabrik wurde ursprünglich 1865 von Paul Volkmann im heutigen (Ost)-Berlin unweit der ehemaligen Mauer gegründet und produzierte damals unter dem Namen „Paul Volkmann Seilwerke“ auch schon Stahlseile, ehemals Drahtseile, und zusätzlich noch Hanfseile. 2 Qualität wurde schon immer groß geschrieben, Seilneukonstruktionen ermöglichten neue Technologien in den Bereichen der Hebe- und Fördertechnik und ließ das Ansehen wachsen. Auch wenn nicht nur Drahtseile produziert wurden, spezialisierte man sich zur Jahrhundertwende bald auf die Herstellung von Spezialseilen für die damals stark expandierende Aufzugsindustrie. Niemand dachte zu Beginn daran, mit solchen Seilen zu „spielen“.
1 Vgl. Stadtgespräch Wirtschaft (2009) Interview tvb
2 Vgl. Volkmann Seile, Original Katalog 1865 5
Auch wenn der Betrieb die schweren Zeiten zwischen und während der Kriege mehr oder minder gut überstand, kam es nach dem Bau der Mauer 1961 zur Enteignung. Der Inhaber und ein großer Teil der Belegschaft waren daran gehindert, die Werke in Heinersdorf zu erreichen. Doch davon wollte sich niemand unterkriegen lassen - im westlichen Teil machten sich die Inhaber daran das Werk unter dem Namen „Berliner Seilfabrik Robert Schneider KG“ in gemieteten Räumen neu aufzubauen. Doch das Auf und Ab nahm hier noch kein Ende, denn es erging ihnen wie vielen Berliner Unternehmen, die nach dem Bau der Mauer einen Neuanfang starten mussten. Sie waren noch nicht gefestigt genug um in den 60er Jahren der wachsenden Internationalisierung zu trotzen. Die bereits betagten Inhaber gaben auf, das Münchner Bauunternehmen „Wilhelm Radmer KG“ übernahm den Betrieb, zeitweise.
Im Jahre 1965 übernahm die Pfeifer Firmengruppe das Unternehmen, welche seit 1579 in Familienbesitz ist, und nannte sich nun Berliner Seilfabrik Hermann Pfeifer. Mit der Hinzugewinnung der Seilfabrik erlangte Pfeifer die noch fehlende eigene Fertigung von Drahtseilen.
„Da kam dann immer mal einer und wollte ein Spielgerät,
da wurde das dann halt produziert.“ Karl-Heinz Köhler
Neue Anwendungstechniken konnten nun entworfen,
Verbraucherprobleme gelöst und die Lieferbereitschaft wesentlich erhöht werden. Das dynamische Unternehmen wuchs und expandierte weiter, was zum Beginn eines Neubaus im Herbst 1972 in der Lengeder Straße in Reinickendorf führte. Mit gestatteten ERP-Mitteln (Mittel aus dem European Recovery Programme) konnte man 1974 die neuen Hallen mitsamt Maschinen in Betrieb nehmen. 3
3 Vgl. Unternehmensheft BSF Pfeifer KG, S. 2-4
Erst 1979 entstand die Sparte für Spielzeuggerüste, nicht etwa, weil die industrielle Nachfrage nach Stahlseilen nachließ, sondern eher zufällig. Ein Architekt namens Conrad Roland Lehman kam 1971 zu der Berliner Seilfabrik und brachte die Idee, mit Seilen Kletterstrukturen zu errichten, mit sich. Er wollte seine Konstruktionen mit dem Stahlseil-Knowhow umsetzen. Das Hauptgeschäftsfeld blieb zunächst jedoch die Fertigung von Stahlseilen für industrielle Zwecke. Die Produktion von Seilspielgeräten spielte als ein experimentelles Nebengeschäftsfeld eine untergeordnete Rolle, es war eine Spielerei.
Als Karl-Heinz Köhler Ende der 70er Jahre als Betriebsingenieur zur Berliner Seilfabrik stieß, begeisterte er sich von Anfang an für die Entwicklung der Kletterstrukturen. Seinerzeit existierten überwiegend nur Spielgeräte aus Holz oder zusammengeschweißten Stahlrohren, welche heutzutage auf Grund von Sicherheitsrisiken keineswegs erlaubt sind. Das älteste noch funktionstüchtige Originalraumnetz stammt von 1971, auch dessen Elemente waren bereits problemlos austauschbar und somit jederzeit wartungsfähig 4 .
„Bei Kerzenlicht und mit Taschenlampen haben wir
Seile gemacht.“ Karl-Heinz Köhler
Der Betrieb beschäftigte damals noch 140 Mitarbeiter, doch mit dem Fall der Mauer wurde die Anzahl notgedrungen auf insgesamt 40 Beschäftigte herunter gebrochen. Der damalige Mutterkonzern, Pfeifer Seil & Hebetechnik, erhielt keine staatlichen Subventionen mehr und befand sich kurz vor dem Konkurs. Die Aufgabe der Freistellung von 80 Mitarbeitern blieb am Geschäftsführer Herrn Köhler hängen. An diesem Punkt ergriff Karl-Heinz Köhler, vormals Geschäftsführer der Berliner Seilfabrik H. Pfeifer GmbH & Co. die Chance und erwarb durch einen
4 Berliner Seilfabrik (2008) Compendium 6.0, S. 9
„Management-Buy-Out“ die Berliner Seilfabrik. Es gab einige Probleme mit dem alten Gelände, als die Seilfabrik nur einige Hausnummern weiter zog und sich dort neu ansiedelte. Hier traf er die Entscheidung die Produktion komplett auf den Markt der Seilspielgeräte auszurichten und jegliches Augenmerk fortan auf den nicht-industriellen Gebrauch zu lenken. Ein Zutrittsverbot für das alte Gelände samt Maschinen behinderte die Arbeit, heimlich wurden nachts nun Seile gepresst bis die Verhandlungen beendet waren und die Seilmaschinen auf dem neuen Gelände standen. 5
Es folgten originelle Konstruktionsideen, außergewöhnliche Formen entstanden, und Patente wurden angemeldet, wovon heute weltweit 15 Stück angemeldet sind. Seitdem wird sehr viel Wert auf die stetige Weiterentwicklung und Innovationen gelegt: von den aktuell 42 Mitarbeitern beschäftigen sich die Ingenieure fast ausschließlich damit, neue Spielkonzepte zu entwickeln. Sie zeichnen verschiedenste Modelle dreidimensional animiert auf dem Computer, wodurch neuen spannenden Kreationen freier Lauf gelassen werden kann.
Inzwischen ist die Berliner Seilfabrik auch international tätig: weit über 20 Länder, inklusive den USA, China und Thailand, gehören zum Vertriebs-Repertoire. Zurzeit wird ein Standort in den Vereinigten Staaten aufgebaut um näher am Geschehen zu sein. Immerhin gehen bereits 40% der Umsätze auf den dortigen Absatz zurück. 6 , 7 Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen weltweiter Marktführer im Marktsegment für Seilspielgeräte. 8
5 Köhler, K.H. (2009) Interview
6 Stadtgespräch Wirtschaft (2009) Interview tvb
8 Köhler, K.H. (2009) Interview
2.3 Die Berliner Seilfabrik Gruppe
Der Mitarbeiterstamm der Berliner Seilfabrik vergrößerte sich im laufe der Jahre von 14 auf derzeit 42 Mitarbeiter. Die stark gestiegene Nachfrage an Seilspielgeräten des Unternehmens, sowie der Ausbau einer Zweiggeschäftsstelle in den USA werden auf kurz oder lang weitere personelle Aufstockungen mit sich bringen. Jährlich werden etwa 200 Tonnen Stahl und 400.000m Seil verarbeitet und gefertigt. Die Kombination aus industrieller und sehr spezieller handwerklicher Fertigung ermöglicht eine wirtschaftliche Produktion bei gleichzeitig hoher Produktqualität. Aus mittlerweile fast 40 Jahren Erfahrung in der Herstellung von Seilspielgeräten für Kinder ist eine große Produktpalette entstanden die für jeden Bereich des Spielens im Freien eine interessante und unverwechselbar gestaltete Lösung anbietet. 9 Eine nicht unerhebliche Zahl von Patenten im In- und Ausland macht hierbei nahezu das komplette Produktsortiment unnachahmlich. Darüber hinaus ist Karl-Heinz Köhler als Geschäftsführer ständiges Mitglied und Vorsitzender im Deutschen und Europäischen Normenausschuss für Sport- und Freizeitgeräte. 10
Aus den Bilanzdaten der Geschäftsjahre 2005 - 2007 lässt sich entnehmen, dass die Berliner Seilfabrik GmbH und Co. im Jahr 2007 ein Umsatzwachstum 11 von 63 % gegenüber 2005 erwirtschaftet hat. 12 Die stark zunehmende Nachfrage führt zu einer hohen Auslastung der Produktionsanlagen der Berliner Seilfabrik. Aus diesem Grund erfolgte im Jahr 2008 der Neubau eines Produktions- und Verwaltungsgebäudes auf dem Nachbargrundstück in Berlin Reinickendorf. 13
9 www.berlinerseilfabrik.de
10 Köhler, K.H. (2009) Interview
11 www.ebundesanzeiger.de - Jahresabschlüsse der Geschäftsjahre 2006 und 2007
12 www.ebundesanzeiger.de - Jahresabschlüsse der Geschäftsjahre 2006 und 2007
13 Köhler, K.H. (2009) Interview
9
Unter dem Dach der Berliner Seilfabrik Gruppe firmieren zudem die Tochtergesellschaften RoPlay und Urban Design Berlin (UDB). Die im August 2004 von Juniorchef David Köhler gegründete Firma RoPlay vertritt die Berliner Seilfabrik Gruppe im Niedrigpreissegment. Hierbei werden kostengünstigere, standardisierte Geräte unter eigenem Namen und mit eigenem Image vertrieben. Gegenüber den hoch individuellen Lösungen der Berliner Seilfabrik ermöglicht dies die Abdeckung eines weiteren Marktsegments.
Urban Design Berlin vertreibt exklusiv Spielgeräte der Firma Conlastic. Diese sind jedoch nicht vergleichbar mit jenen der Berliner Seilfabrik, da es sich hierbei nicht um Seilspielgeräte handelt, sondern verstärkt um Edelstahl Spielprodukte. Somit ergänzt das Angebot der Firma Conlastic ideal das Produktportfolio der Berliner Seilfabrik, umgekehrt profitiert Conlastic vom sehr weit ausgebauten Vertriebsnetz der Berliner Seilfabrik Gruppe. Urban Design Berlin ist ähnlich der Berliner Seilfabrik weltweit tätig, beschränkt sich jedoch auf die nicht von Conlastic bedienten Märkte BeNeLux, Deutschland, Italien, Österreich und die Schweiz. 14
2.4 Karl-Heinz Köhler
Karl-Heinz Köhler wurde am 29. Januar im Jahre 1951 in Berlin geboren und lebt auch heute noch in der Hauptstadt. Verheiratet und mit zwei Kindern, 29 und 32 Jahre, gesegnet, spielt er privat seit 40 Jahren Gitarre in einer Rockband (Roque4) und tritt immer noch vier bis sechs mal im Jahr auf. Durch den absolvierten Diplom Studiengang der Fachrichtung Verfahrenstechnik stieg er nach seiner Ausbildung als Betriebsingenieur in die Betriebe der Hoechst AG ein, wo er grundlegende praktische Erfahrungen sammelte. 1978 begann seine
14 Vgl. Gabriel, N.: Diplomarbeit (2008) S.16
10
Arbeit zitieren:
Johannes-Maximilian Brede, Sandra Rietzke, 2009, Die geschichtliche Entwicklung eines innovativen, mittelständischen Unternehmens: Berliner Seilfabrik GmbH & Co., München, GRIN Verlag GmbH
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