Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1. 1
Bildung in Schule und
2. 3
Jugendbildungseinrichtungen
2.1 Schule 4
2.1.1 Bildungsziele in der Schule 4
2.1.2 Lebenswelt Schule 5
2.1.3 Schule im Wandel - Was muss Schule heute leisten? 7
2.2 Außerschulische Jugendbildungseinrichtungen 8
2.2.1 Selbstverständnis der Jugendbildungseinrichtungen 9
Au ßerschulische Jugendbildungseinrichtungen im
2.2.2 10
Kooperationsverh ältnis mit Schule
Neue Lernkultur - Methodik der
2.3 12
Jugendbildungseinrichtungen im Vergleich zu Schule
Mediennutzung und Web 2.0 3. 16
Ergebnisse aktueller Studien zur Mediennutzung von
3.1 17
Kindern und Jugendlichen
3.2 Praxis im Web 2.0 20
3.2 20
3.2 20
Seite
Möglichkeiten im Web 2.0 20 3.2.1
Gefahren im Web 2.0 24 3.2.2
28 4. Web 2.0 in der außerschulischen Jugendarbeit
Medienkompetenz 28 4.1
Anforderungen an die außerschulische
32 4.2
Jugendbildungsarbeit
Struktur und Institution 32 4.2.1
Mitarbeiter und Seminargestaltung 33 4.2.2
Ziele und Methoden außerschulischer
34 4.3
Jugendbildungsarbeit zum Thema Web 2.0
Zielformulierungen 35 4.3.1
Methoden und Umsetzung 35 4.3.2
Weiterführung in der Schule 38 4.3.3
40 5. Ausblick
42 Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„Mit der Geburt des Begriffes ‚Web 2.0‘ im Jahr 2004 verkündeten einschlägige Nachrichtenportale ‚die Revolution im Web‘ und berichteten vom ‚Mitmach-Internet‘“ (Antes, Rothfuß 2007, S. 55ff). Internetuser werden vom Nutzer zum Gestalter. Sie können über Instant Messenger mit anderen Personen kommunizieren, in social networks ein eigenes Profil mit den dazugehörigen Fotos veröffentlichen und Weblogs verfassen. „Das klassische Sender-Empfänger-Verhältnis entfällt“ (Institut für Medienforschung 2008, S. 13). Webinhalte können aktiv mitgestaltet werden. Für Jugendliche, die in der heutigen Zeit aufwachsen, die „digital natives“, gehören twittern, bloggen, chatten und gruscheln zum Alltag.
Diese neuen Freiheiten und scheinbar uneingeschränkten Möglichkeiten der Selbstinszenierungen im Web 2.0 erfordern gerade bei Jugendlichen eine Förderung der Medienkompetenz. Diese Notwendigkeit resultiert aus den besonderen Gefährdungsbereichen im Web 2.0. Community-Plattformen wie MySpace oder SchülerVZ laden zu Selbstdarstellungen ein, besitzen aber auch die Gefahr von Persönlichkeitsverletzungen und Cybermobbing. Gewaltdarstellungen und Pornographie sind ebenso vertreten wie Nazipro-paganda und Entwürdigungen (Vgl. Institut für Medienforschung 2008, S. 12ff). Es gilt die realen Konsequenzen virtuellen Handelns deutlich zu machen und dies zusammen mit Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten. Wo kann Pädagogik auf neue, virtuelle Lebenswelten der Jugendlichen reagieren?
„Schule steht unter gesellschaftlichem Druck und Modernisierungsbedarf und muss gleichzeitig für die Schüler zukunftsfähige Bildung ermöglichen und sozialkommunikativer Erfahrungsort sein“ (Thimm 2002, S. 177). Außerschulische Jugendbildungseinrichtungen sind im Gegensatz zur Schule gekennzeichnet durch das Nichtvorhandensein von Lehrplänen und Leistungszwängen (Vgl. Berger 1976, S. 18ff). Durch diese Charakteristika ist die Möglichkeit geschaffen, ein individuelles, prozessorientiertes und durch Partizipation gekennzeichnetes Lernumfeld zu erreichen, in dem die Kinder S e i t e | 1
und Jugendlichen genau diese alltagsrelevanten Themen erarbeiten können und sich eigene Medienkompetenz aneignen.
Diese Arbeit zielt auf die neuen Herausforderungen in der Jugendbildungsarbeit, die das Web 2.0 mit sich führen. Die Schule als Institution muss ebenso auf diese Entwicklung reagieren wie die außerschulischen Jugendbildungsstätten, um Kinder und Jugendliche die notwendigen Kompetenzen im Bereich der Mediennutzung zu vermitteln. In dieser Arbeit werden schulische und außerschulische Methoden verglichen mit dem Ziel, Jugendlichen diese Handlungskompetenzen erfolgreich vermitteln zu können. Es werden Methoden von außerschulischen Jugendbildungsangeboten in Bezug auf das Themenfeld Web 2.0 aufgegriffen und erklärt. Die Notwendigkeit, virtuelle Lebenswelten von Jugendlichen mit den dadurch verbunden Chancen und Risiken pädagogisch zu erarbeiten und eine verstärkte Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern zu erreichen, werden empirische Studien deutlich machen.
Sind außerschulische Jugendbildungsstellen für diese Aufgabe (besonders) geeignet oder muss Schule als Institution diese Themen in den Lehrplan mit aufnehmen? Bereits 1987 erstellte die Landesregierung NRW ein Konzept zur „Gestaltung des Schullebens und Öffnung der Schule“ als Reaktion auf die Bildungsdebatte. Unter anderem fordert dieses Konzept einen Kooperationspartner der Schule, um den vielfältigen pädagogischen Aufgaben gerecht zu werden (Vgl. Faulde 1996, S. 26ff).
Heute, knapp 20 Jahre später ist diese Forderung noch deutlicher zu hören und die pädagogischen Herausforderungen sind vor allem im Zeitalter des Web 2.0 deutlich zu spüren.
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2. Bildung in Schule und Jugendbildungseinrichtungen
Fachdidaktik, Lehrerrolle, Schulorganisation, Leistungstests, Lernfähigkeit und Begabung von Schülern sind Probleme und Herausforderungen, mit denen Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag konfrontiert werden. Schulische Bildung wird vorrangig als Unterricht verstanden, als die Erarbeitung von festgelegtem Lernstoff. Welche Anforderungen muss Schule erfüllen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig den Bildungsauftrag wahrnehmen zu können? Wie wirken sich die sich stetig verändernden Lebensbedingungen von Jugendlichen auf die Schule aus und welchen Einfluss hat Schule auf die Lebensphase der Jugend? Im Folgenden werden der Lebens- und Lernort Schule mit Konzepten der außerschulischen Jugendbildung verglichen und das Bildungsverständnis beider „Systeme“ gegenüberstellen.
Zunächst muss definiert werden, was unter dem Begriff „Bildung“ zu verstehen ist. Sowohl Bildung als auch eine berufliche Qualifikation zielen immer auf die Entwicklung einer Gesamtpersönlichkeit ab. Mit eingeschlossen sind Teilhabe an der Gesellschaft und am Erwerbsleben. Bildungstheoretiker sind sich einig darüber, dass es erforderlich ist, verschiedene Kompetenzsysteme zu identifizieren, die Jugendliche und Erwachsene erwerben müssen, um eine individuelle Entwicklung zu ermöglichen. Diese Aneignung erfolgt durch Erziehung, die auch dazu beiträgt, Selbstbildungsprozesse in Gang zu setzen, durch Unterricht und Bildung. Der Arbeitsstab des Forum Bildung hat sechs zentrale Kompetenzbereiche genannt, dessen Inhalte durch Bildungsprozesse zu erwerben sind. Hierunter fallen 1. Intelligentes Wissen in Form von Schulbildung, welches durch sach-kundige Lehrende gesteuert wird.
2. Anwendungsfähiges Wissen durch situationsbezogene Erfahrungen 3. Lernkompetenz wird gefördert durch Reflexion des Lernprozesses.
4. Methodisch-instrumentelle Schlüsselkompetenzen beinhalten beispielsweise Fremdsprachenkenntnisse
5. Soziale Kompetenzen wie Konfliktlösungskompetenzen oder Kommunikationsfähigkeit
6. Werteorientierung beinhaltet auch soziale, kulturelle und persönliche
Im folgenden Kapitel werden auch rechtliche Bildungsaufgaben von formellen und informellen Bildungsträgern und das Bildungsverständnis von Jugendbildungseinrichtungen erläutert. Bildungsziele in der Schule werden mit anderen Ansätzen vergleichen um die Herausforderungen eines neuen Bildungsverständnisses herauszustellen. Das Selbstverständnis der Jugendbildungseinrichtungen wird dann in Zusammenhang mit schulischen Zielen gesetzt, um Möglichkeiten einer außerschulischen Bildungsstätte deutlich zu machen.
2.1 Schule
Schule als formelle Bildungsinstitution wird bestimmt durch drei Funktionen. Bildung, Kommunikation und Lebensbewältigung (Vgl. Thimm 2002, S. 192). Die Funktion der Kommunikation fordert die Schule auf, „… eine Lebensqualität steigernde jugendkulturelle Erweiterung des Ortes Schule … mit sozialpädagogischer Unterstützung und Ergänzung…“ (ebd.) zu erreichen. Diese Erweiterung muss sich als Qualitätsanforderung verstehen. Es reicht nicht aus, diesen Beziehungs- und Erfahrungsraum „nebenbei laufen zu lassen“.
2.1.1 Bildungsziele in der Schule
„Bildung bedeutet also sinnvollerweise nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Veränderung der Personen durch das Entdecken, Erforschen, Entschlüsseln, Verstehen, Deuten von Welt. Und das Nachdenken über mein Verhältnis zu dieser Welt“ (Becker 2000, S. 62).
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Bildungsziele in der Schule sind verankert in den Schulgesetzen der Länder. §4 des Schulgesetzes Schleswig-Holstein definiert den Auftrag der Schulen folgendermaßen: Der Auftrag der Schule wird bestimmt durch das Recht des jungen Menschen auf eine seiner Begabung, seinen Fähigkeiten und seiner Neigung entsprechende Erziehung und Ausbildung, durch das Recht der Eltern auf eine Schulbildung ihres Kindes sowie durch die staatliche Aufgabe, die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler auf ihre Stellung als Bürgerin und Bürger mit den entsprechenden Rechten und Pflichten vorzubereiten (Vgl. Schleswig Holstein 2007). Diese Vorbereitung auf das selbstständige (Erwerbs-) Leben vollzieht sich in Form von Vermittlung von Wissen und Schlüsselkompetenzen, welche in den Lehrplänen verankert sind. Ohne gute Schulabschlüsse ist der Einstieg in das Berufsleben nur schwer möglich. Armin Bernhard formuliert einen sehr kritischen Bildungsbegriff: „Mehr denn in vorausgegangenen Gesellschaften ist Bildung heute zu einer elementaren Produktivkraft geworden, die als "Humankapital" der Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums dient. Die gesellschaftlichen Investitionen in die Bildung sind dabei längst nicht mehr vom Interesse an Mündigkeit geleitet, sondern heben auf ökonomische und ideologische Zielsetzungen ab“ (1997, S. 69). Wenn Bildung in Schulen demnach auf die Formung von Humankapital zielt, ist dann davon auszugehen, dass die individuellen Persönlichkeiten der Schülerinnen und Schüler nur als Randnotiz wahrgenommen werden? Dieser Gedanke kann in der kritischen Pädagogik durchaus aufkommen. Genau hier setzen die Herausforderungen an Schule an, um den Lernort Schule zu einem Lebensort weiterzuentwickeln. Gefragt ist eine neue Lernkultur, die die Selbstbildung der Schülerinnen und Schüler fördert und eine Schulatmosphäre geschaffen wird, in der die Schüleraktivierung und eine selbstbestimmte Lernorganisation wichtige Bestandteile sind (Vgl. Thimm 2002, S. 192).
2.1.2 Lebenswelt Schule
Schülerinnen und Schüler verbringen einen Großteil ihres Alltags in der Schule. Schule ist mehr als ein Lernort, der nur formale Qualifikationen
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vermittelt. Schule ist einerseits ein Ort für sachbezogene Bildungsprozesse, Zukunftsvorbereitung und Lernort, andererseits aber auch ein Ort, in dem die Lebensphase Jugend stattfindet, soziale Rollen geübt und soziale Kompetenzen erlernt werden. Dieser Lebensort mit den verknüpften Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase spielt sich auch außerhalb des Unterrichtes ab (Vgl. Thimm 2002, S.181). In den Pausen werden Beziehungen gepflegt, Freundschaften entstehen. Identitäts-, Sinn-, und Wertprobleme von Jugendlichen werden an die Schule herangetragen und auf den Nebenbühnen der Schule, wie Pausenhof, Schulbus und Fluren ausgetragen (Vgl. a.a.O., S. 180).
Joachim Faulde formuliert genau dieses Spannungsfeld zwischen formaler Bildung und den Entwicklungsaufgaben der Jugend, in dem er beschreibt, dass schulisches Lernen primär auf kognitives Lernen fixiert ist, während „…affektives und soziales Lernen zunehmend in den Hintergrund treten; d.h., schulisches Lernen vermittelt vorwiegend theoretisches Wissen, dagegen scheint sie aber die Entwicklung sozialer Kompetenzen sowie moralischer Haltung zu vernachlässigen“ (1996, S. 71). Im Zuge der Modernisierung der Gesellschaft und dem auseinanderklaffen der Jugendkulturen fordert Schule heute Ein- und Unterordnung von den Schülerinnen und Schülern. Sie sind ein mischkulturelles und vielschichtiges Gemenge von unhinterfragten Normen, Druck und Repression. Gefordert wird ein theoretisches Verständnis von Schule, dass die Spannungsfelder zwischen Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler und System Schule sowie messbare Leistungen und individuelle Selbstbildungsprozesse wahrnimmt und anerkennt (Vgl. Thimm 2002, S 181ff). Klar wird, dass die Notwendigkeit besteht, professionell auf diese Spannungsfelder zu reagieren. Sowohl Schulsozialarbeit als auch Kooperationsgemeinschaften von Schule und außerschulischen Bildungseinrichtungen müssen ausgebaut und intensiviert werden. Denn eine Kooperation bietet die Chance, „… den schulischen Erziehungsauftrag neu zu akzentuieren und diesen zugleich umfassender zu realisieren als es unter ausschließlich schulischen Bedingungen möglich ist“ (Faulde 1996, S.76).
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Arbeit zitieren:
Felix Möller, 2010, Neue Herausforderungen für die außerschulische Jugendbildungsarbeit als Reaktion auf die Mediennutzung von Jugendlichen im Web 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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