Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Heterogenität: eine pädagogische Herausforderung 3
3. Förderung individuellen Lernens 5
3.1 Individualisierung durch äußere Differenzierung 6
3.2 Individualisierung durch innere Differenzierung 7
3.3 Individualisierung durch „offenen“ Grundschulunterricht 8
3.3.1 Tages- und Wochenplanarbeit 8
3.3.2 Freiarbeit 9
3.3.3 Projektarbeit 9
4. Förderung gemeinsamen Lernens und Lebens in der Grundschule 10
4.1 Sozialerziehung 10
4.2 Kooperative Lernformen 12
4.3 Schulleben 12
5. Schluss 13
Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Dieses Gedicht soll deutlich machen, dass wir uns im Alltag immer viel zu sehr an unseren Mitmenschen orientieren. Wir bzw. die Gesellschaft erschaffen ein idealtypisches Bild von einem Menschen an dem wir uns versuchen zu messen. Dabei stehen Aussehen und Erfolg, hervorgerufen durch gute Note und eine gute Ausbildung, im Vordergrund der Betrachtung. An dieses „Vorbild“ versuchen wir uns weitestgehend anzupassen. Bereits in der Schule messen wir uns mit unseren Mitschülern und versuchen der beste Schüler oder zumindest mit einer der besten Schüler der Klasse zu sein. Unbeachtet bleiben jedoch die Voraussetzungen des Einzelnen. Einige Kinder haben beispielsweise
Sprachschwierigkeiten aufgrund eines Migrationshintergrundes und können die Aufgabenstellungen nicht lesen und somit nicht beantworten, obwohl sie die Aufgaben an sich fachlich richtig lösen könnten. Doch bewerten kann und darf der Lehrer nur das, was
1 Gedicht entnommen aus: Rehle, C. und Thoma, P.: „Pädagogik der Vielfalt“. In: Einführung in
grundschulpädagogisches Denken. Donauwörth 2003. S.71.
2
auch auf dem Papier gearbeitet wurde. Die Sprachbarriere ist nur eine Möglichkeit, worin sich Schüler unterscheiden können. Vor allem in der Grundschule, in der sich keine ausgelesene Schülerschaft befindet, sind heterogene Lernvoraussetzungen gegeben mit denen die Lehrerschaft zu recht kommen muss. In der folgenden Hausarbeit möchte ich zunächst kurz den Begriff der Heterogenität klären, danach werde ich versuchen aufzuzeigen, wie es zu Heterogenität kommt, warum man es als Chance statt als Belastung sehen kann und es in den Unterricht integrieren kann, um jedes Kind individuell zu fördern und zu fordern. Dabei werden insbesondere Individualisierung und Differenzierung thematisiert. Die Thematik wird unter dem Gesichtspunkt der veränderten Kindheit betrachtet werden und deshalb auf die Unterschiede zwischen Kindheit damals und heute speziell in dem Bereich Schule eingehen.
2. Heterogenität als pädagogische Herausforderung
Heterogenität bezeichnet die Uneinheitlichkeit verschiedener Elemente (Schüler) einer Menge (Schulklasse) bezüglich eines oder mehrerer Merkmale. 2 Im pädagogischen Bereich beschreibt er die Unterschiedlichkeit der Schüler innerhalb einer Lerngruppe. Die unterschiedliche Leistung oder Begabung, das Alter, die verschiedene Herkunft und Kultur können unter anderem zu einer heterogenen Lerngemeinschaft führen. Der Lehrer hat somit die Aufgabe auf die verschiedenen Individuen entsprechend einzugehen und sie zu fördern und fordern. Aus dem verfassungsgemäßen Auftrag der Bildungsinstitution Grundschule (§ 1 des Grundschulgesetzes vom 11.08.1919), einerseits gemeinsame Schule für alle Kinder des Volkes, andererseits grundlegende Schule zu sein, d.h. dass die weiterführenden Schulen auf ihr aufbauen, ergibt sich ein Spannungsverhältnis. Zum einen zielt die Grundbildung im Verständnis von Basisqualifikation und Bildungsstandards auf Normierung und Homogenisierung der Leistungsanforderungen. Doch der Anspruch möglichst alle Kinder in die Schule aufzunehmen, impliziert Heterogenität der Lernvoraussetzungen, individuelle Vielfalt und zieldifferenzierte Offenheit. 3 Seit dem Grundschulgesetz haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufgrund starker Veränderungen in Familienstruktur (Kleinfamilienkindheit), Herkunft und dadurch bedingte differenzierte Sozialisationsbedingungen, verändert. 4 Hier wird der Widerspruch
2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Heterogenit%C3%A4t_(P%C3%A4dagogik) letzter Aufruf: 08.07.09
3 Vgl. Schorch, G.: „Umgang mit Heterogenität als pädagogische Herausforderung“. In: Studienbuch
Grundschulpädagogik, 3.Auflage Bad Heilbronn 2007. S.178 f.
3
deutlich, denn ausgerechnet die Schulart, die noch keine ausgelesene Schülerschaft besitzt, wie dies in weiterführenden Schulen der Fall ist, soll einheitliche und standardisierte Lernergebnisse erreichen. In der Weimarer Verfassung wurde der Einheitsschulgedanke durchgesetzt, wodurch schichtspezifisch bedingte Bildungsnachteile überwunden werden sollen. Integration und Selektion, die sich in unserer Gesellschaft widerspiegeln, werden zu Aufgaben der Grundschule. Obwohl man in der „Weimarer Grundschule“ die individuelle Lernbedingungen erkannte, setzten Auslese und Differenzierung erst nach Beendigung der Grundschule ein. Erst mit dem Aufkommen des dynamischen Begabungsbegriffs in den siebziger Jahren wurde versucht einen Ausgleich zwischen soziokulturell bedingter Startnachteile und somit eine Startgerechtigkeit zu schaffen. 5 Um Kindern die Chance vergleichbarer Grundbildung zu gewährleisten, bedeutet dies, dass die Schüler unterschiedliche Arbeitszeit, unterschiedliche Lernmethoden und verschieden viele Übungen und Erläuterung um zu begreifen sowie unterschiedlich viel Feedback um Sicherheit zu haben, etwas wirklich zu können. Somit kann die gemeinsame Grundbildung höchstens die Ausgangsbasis günstiger Startbedingungen anstreben, die Erreichung dieses Ziels bleibt jedoch eine Illusion. Der pädagogische Umgang mit Heterogenität bemüht sich um Ausgewogenheit von Individualität und Gemeinsamkeit des Lernens in der Schule. 6 „Die Differenziertheit individueller Lernbedürfnisse und die Differenziertheit gesellschaftlicher Anforderungen machen ein differenziertes Bildungssystem notwendig.“ 7 Der Begriff „Pädagogik der Vielfalt“ betont die „Vielfalt in der Gemeinsamkeit“, welche die historisch und biographisch gewordenen individuellen, geschlechtlichen und kulturellen Verschiedenheiten der Menschen versucht gerecht zu werden kann und gleichzeitig dem politischen Ziel der Gleichberechtigung verpflichtet ist. 8 Heterogene Lerngruppen werden in erster Linie als Bereicherung und nicht als Problem angesehen. 9 „Für die Grundschule der Zukunft wird es ein entscheidender Prüfstein sein, wie viel Heterogenität sie zulassen und produktiv ins Spiel bringen kann. In einer Pädagogik der
5 Vgl. Schorch, G.: „Die Grundschule als gemeinsame Schule“. In: Studienbuch Grundschulpädagogik,
3.Auflage Bad Heilbronn 2007. S. 80 f.
6 Vgl. Schorch, G.: „Umgang mit Heterogenität als pädagogische Herausforderung“. In: Studienbuch
Grundschulpädagogik, 3.Auflage Bad Heilbronn 2007. S.177 f.
7 Schorch, G.: „Die Grundschule als kindgemäße Schule“. In: Studienbuch Grundschulpädagogik, 3.Auflage
Bad Heilbronn 2007. S.110.
8 Vgl. Rehle, C., Thoma, P.: „Pädagogik der Vielfalt“. In: Einführung in grundschulpädagogisches Denken.
Donauwörth 2003. S.68.
9 Vgl. Schorch, G.: „Die Grundschule als gemeinsame Schule“. In: Studienbuch Grundschulpädagogik,
3.Auflage Bad Heilbronn 2007. S. 84 f.
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Arbeit zitieren:
Marie-Therese Härtelt, 2009, Der Umgang mit Heterogenität, München, GRIN Verlag GmbH
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