Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffsdefinitionen 2
2.1 Definition des Begriffs Kommunikation 2
2.1.1 Kommunikationsverständnis nach Watzlawick 2
2.1.2 Kommunikationsverständnis nach Schulz von Thun 3
2.2 Definition des Begriffs Konflikt 4
3. Die fünf pragmatischen Axiome und ihre Störungen nach
Watzlawick und das Teufelskreismodell von Schulz von Thun 5
3.1 Axiom 1: Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren 6
3.2 Axiom 2: Der Inhalts- und der Beziehungsaspekt der Kommunikation 7
3.3 Axiom 3: Die Interpunktion von Ereignisfolgen 8
3.4 Das Teufelskreismodell von Schulz von Thun 9
3.5 Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation 10
3.6 Axiom 5: Symmetrische und komplementäre Interaktionen 11
4. Anwendungsbeispiel: Anwendung des Modells auf eine
selbsterlebte Konfliktsituation unter einem Ehepaar 11
4.1 Darstellung der Ausgangssituation und Vorbereitung des Gesprächs 11
4.2 Analyse des Konflikts nach den zwei Modellen 12
4.2.1 Analyse des Konflikts nach den pragmatischen Axiomen 12
4.2.2 Analyse des Konflikts nach dem Teufelskreismodell 15
4.3 Durchführung und Ergebnis des Gesprächs auf Metaebene 15
4.4 Interpretation des Gesprächs 16
5. Zusammenfassende Beurteilung und Ausblick. 17
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Ä« Anstatt über das mangelnde Geld zu klagen, solltest Du Dich lieber nach einem gut bezahlten Job umschauen! «³ antwortete ich meinem Mann mit erhobener Stimme, als wir uns über unsere künftigen Urlaubspläne unterhielten. Die meisten Menschen kennen Situationen wie diese, in denen sie der Verzweiflung nahe sind, weil sie die Reaktionen des Gesprächspartners nicht nachvollziehen und einschätzen können. Wie geht man mit Situationen wie dieser um, in der zwei Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen zwar dieselbe Sprache sprechen, aber dennoch an-einander vorbeireden? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden. Insbesondere soll anhand einer real erlebten Situation dargestellt werden, inwieweit die vorherige bewusste Analyse und die Anwendung des pragmatischen Ansatzes von Watzlawick, Beavin und Jackson und des Teufelskreismodells von Schulz von Thun die nachfolgende Kommunikation beeinflussen und so zu einem störungsfreieren Gespräch beitragen kann. Dies soll das primäre Ziel dieser Arbeit sein. Hierfür wird zunächst erläutert (Kapitel 2), wie GLH%HJULIIHÄ.RPPXQLNDWLRQ³ und Ä.RQIOLNW³ in diesem Zusammenhang zu verstehen sind. Danach werden die fünf pragmatischen Axiome und ihre Störungen nach Watzlawick et al. unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun als theoretische Grundlage für diese Hausarbeit erläutert (Kapitel 3). Es sei vorab bemerkt, dass ich im Folgenden im Text (außerhalb der Quellenangaben) ausschließlich den Namen Watzlawick verwenden werde und damit auch die beiden Autoren Janet H. Beavin und Don D. Jackson mit einschließe. Im Anschluss an den theoretischen Teil, welcher als Grundlage für den Praxisteil dient, wird ein real erlebtes Beispiel mit meinem Ehemann reflektiert (Kapitel 4). Nachdem die Ausgangssituation des Konflikts und die Gesprächsvorbereitung kurz beschrieben werden, soll dieses Kommunikationsbeispiel anhand der beiden genannten Modelle einer Analyse unterzogen werden. Anschließend wird das Gespräch geschildert, welches im Anschluss an den Konflikt stattgefunden hat und der gesamte Gesprächsverlauf mit dem Ergebnis interpretiert. Abschließend wird dargelegt (Kapitel 5), ob sich die pragmatische Kommunikationstheorie und das Teufelskreismodell in dieser geplanten Gesprächssituation bewährt haben. Es sei weiter angemerkt, dass auf der Metaebene die Personen DOV ÄEhefrau³ XQG ÄEhemann³ EH]HLFKQet werden. Die hier beschriebene Person ist über meine Hausarbeit informiert und mit der Verarbeitung des Gesprächs im Rahmen dieser Arbeit einverstanden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf geschlechtsneutralisierende Formulierungen verzichtet.
1
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Definition des Begriffs Kommunikation
In der Wissenschaft gibt es bis heute keine einheitliche Definition über den Begriff der Kommunikation. Dieser kann allgemein als ein Äkomplexes Phänomen³ aufgeIDVVW ZHUGHQ ÄGHP HLQH NXU]H XQG HLQIDFKH 'HILQLWLRQ QLFKW JHUHFKW ZLUG³ (Maletzke, 1998, S.40). Daher wird der Begriff aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet. Das Wort Kommunikation stammt aus GHPODWHLQLVFKHQÄFRPPXQLFDWLR³ und lässt sich als ÄVerbindung³ oder als ÄMitteilung³ übersetzen (Hillmann, 2007, S.435).
Forgas (1999, S. 106) versteht Kommunikation als einen Prozess, in dessen Verlauf der Sender an den Empfänger Informationen übermittelt. Somit wirken an jeder Kommunikation drei Elemente mit, und zwar ein Sender, der eine Botschaft kodiert, die dann über einen speziellen Kanal an einen Sender übermittelt wird, der seinerseits die Botschaft dekodiert.
2.1.1 Kommunikationsverständnis nach Watzlawick
Diese Arbeit beschränkt sich auf das hier relevante Verständnis von Kommunikation im Sinne von Watzlawick.
Ä$OOH7HLOHGHV2UJDQLVPXVELOGHQHLQHQ.UHLV'DKHULVWMHGHU7HLOVRZRKO$nfang als auch Ende³ (Hippokrates)(Watzlawick, Beavin, Jackson 2007, S.47). Nach dieser Metapher definiert Watzlawick in seinem Buch Ä0HQVFKOLFKH Kommunikation³ den Prozess der Kommunikation als ein kreisförmiges Phänomen, das keinen Anfang und kein Ende hat. Das heißt, dass in einem Kommunikationsprozess zwischen zwei Personen nicht zwei Einzelwesen miteinander in Beziehung stehen, sondern beide miteinander ein Ganzes, ein System, bilden. In diesem System betrachtet Watzlawick die Kommunikation, die Interaktion und die Beziehung, welche die wesentlichen Bestandteile des Systems darstellen (Watzlawick et al., 2007, S.115f.). Diesem ganzheitlichen Zusammenhang wird ein lineares bzw. traditionelles Sender-/Empfänger-Schema nicht gerecht (vgl. Watzlawick et al., 2007, S.23). )U:DW]ODZLFNLVW.RPPXQLNDWLRQÄJDQ]RIIHQVichtlich eine Conditio sine qua non PHQVFKOLFKHQ/HEHQVXQGJHVHOOVFKDIWOLFKHU2UGQXQJ³Watzlawick et al., 2007, S.13). Er befasst sich hierbei mit den pragmatischen (den verhaltensmäßigen) Wirkungen der menschlichen Kommunikation und verwendet die Begriffe ÄKommunikation³ und ÄVerhalten³ gleichbedeutend. Danach ist in dieser pragPDWLVFKHQ 6LFKW ÄQLFKW nur die Sprache, sondern alles Verhalten Kommunikation, und jede Kommunikation EHHLQIOXVVWGDV9HUKDOWHQ³Watzlawick et al., 2007, S. 23). Somit differenziert er zwei
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Bedeutungen von Ä.RPPXQLNDWLRQ³ XQG ]ZDU .RPPXQLNDWLRQ DOV Wissensgebiet und Kommunikation als Verhaltenseinheit (vgl. Watzlawick et al., 2007, S. 50). In Bezug auf die Verhaltenseinheit macht er eine Unterteilung. Zum einen ist Kommunikation eLQH Ä0LWWHLOXQJ³ ]XP DQGHUHQ ZLUG GHU ÄZHFKVHOVHLWLJH $EODXI von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen als Interaktion bezeichnet³ (Watzlawick et al., 2007, S. 50-51). Eine Interaktion ist mehr als nur eine Mitteilung, doch sie findet nicht unEHJUHQ]W VWDWW 6WUXNWXUHQ YRQ ,QWHUDNWLRQHQ ÄSDWWHUQV RI interactiRQ³EHVFKUHLEHQQRFKNRPSOH[HUH(LQKHLWHQPHQVFKOLFKHU.RPPXQLNDWLRQ (Watzlawick et al., 2007, S.51). Zwar gibt es einige Autoren, wie z.B. Hein Retter (2002, S.16), die zwischen den Begriffen Kommunikation und Interaktion unterscheiden und Interaktion als den weiter gefassten Begriff verstehen, welcher Kommunikation einschließt. Bei Watzlawick jedoch wird der Begriff Kommunikation synonym zu dem der menschlichen Interaktion gebraucht, wie dies auch in der Soziologie und der Psychologie häufig der Fall ist. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit auf eine Differenzierung der beiden Termini verzichtet.
2.1.2 Kommunikationsverständnis nach Schulz von Thun
Watzlawicks Ansatz hat auch den Psychologen Friedemann Schulz von Thun beeinflusst, der ein eigenes Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt hat. In VHLQHUGUHLElQGLJHQ7DVFKHQEXFKDXVJDEHÄ0LWHLQDQGHUUHGHQ³2006) greift er auf die Arbeiten Karl Bühlers (1934) und Paul Watzlawicks zurück, wobei er in seinem Modell den Zusammenhang von Inhaltsaspekt und diverse Facetten des Beziehungsaspektes noch differenzierter als Watzlawick herausgearbeitet hat. Laut Schulz von Thun besteht das Kommunikationsquadrat aus den vier Seiten Sachinhalt, Appell, Beziehung und Selbstoffenbarung (vgl. Schulz von Thun, 2006, Band 1, S.14f.). Während Watzlawick zwischen dem Inhalts- und dem Beziehungsaspekt von NachULFKWHQXQWHUVFKHLGHWEH]LHKWVLFK6FKXO]YRQ7KXQPLWVHLQHP%HJULIIÄ6DFh- LQKDOW³DXIGHQÄ,QKDOWVDVSHNW³YRQ:DW]ODZLFN Dieanderen GUHL $VSHNWHÄ6HOEVt- offenbaUXQJ³ Ä%H]LHKXQJ³LP HQJHUHQ 6LQQH XQG Ä$SSHOO³ ZRPLW DXFK GHU $VSHNWGHUÄ0HWDNRPPXQLNDWLRQ³PLWHLQJHVFKORVVHQLVWVLQG dagegen DQGHQÄ%e- ziehungsasSHNW³ YRQ:DW]ODZLFN DQJHOHKnt (Schulz von Thun, 2006, Band 1, S. 30). Ähnlich wie Watzlawick versteht auch Schulz von Thun den Kommunikationsprozess als kreisförmig. Dieser Prozess tritt in der Interaktion (d.h. die Reaktion des Empfängers auf die Nachricht des Senders und umgekehrt), der Interpunktion und in den Grundzügen der systemtheoretischen Betrachtungsweise auf (Schulz von Thun, 2006, Band 1, S.82 ff., 85ff. und 87ff.). Diese Kreisförmigkeit wird in den Kapiteln 3.3
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und 3.4 näher erläutert. )ROJOLFK LVW GHU %HJULII Ä.RPPXQLNDtiRQ³ IU GLHVH $UEHLW klar umrissen.
2.2 Definition des Begriffs Konflikt
Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur lässt schnell erkennen, dass der Begriff Ä.RQIOLNW³ lKQOLFK ZLH GHU %HJULII Ä.RPPXQLNDWLRQ³ QLFKW HLQKHLWOLFK definiert worden ist. Im alltäglichen Leben sind Konflikte unvermeidbar und treten im gemeinsamen Zusammenleben von Menschen auf. In seinem %XFK Ä.RQIOLNWPDQDJHPHQW³ VWHOOW )ULHGULFK *ODVO ) eine kommentierte Auswahl wissenschaftlicher Definitionen von sozialen Konflikten dar, die hinsichtlich ihrer Bandbreite und ihres Erklärungsgehalts sehr different ausfallen. Einige von diesen sollen kurz vorgestellt werden (Glasl, 1997, S.12 ff.): Nach Dahrendorf (1961, S.201) soll der Begriff des Konflikts Ä zunächst jede Beziehung von Elementen bezeichnen, die sich durch objektive (latente) oder subjektive PDQLIHVWH*HJHQVlW]OLFKNHLWDXV]HLFKQHW³ Diese Formulierung des Konfliktbegriffs ist laut Glasl weit und unbestimmt (Glasl, 1997, S.13). Rüttinger (1980, S. 22) versteht Konflikte als soziale Spannungssituationen, Äin denen zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abhängig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbare oder tatsächlich unvereinbare Handlungspläne zu verwirk- OLFKHQXQG VLFK GDEHL LKUHU *HJQHUVFKDIW EHZXVVW VLQG³ *ODVO hingegen bezweifelt bei dieser Definition, ob beide Parteien voneinander abhängig sein und ihrer Gegnerschaft bewusst sein müssen (Glasl, 1997, S.14). Daher soll nun auf die Definition von Glasl eingegangen werden. Nach Glasl (1997, S.14-15) stellt Äder soziale Konflikt eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.) dar, wobei wenigstens ein Aktor Differenzen im Wahrnehmen und im Denken, im Vorstellen und/oder im Fühlen, im Wollen mit dem anderen Aktor in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor erfolgt³.
Damit legt er die grundlegenden Elemente von Konflikt fest. Es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht jede Differenz schon ein Konflikt ist (vgl. Glasl, 1997, S. 16-17). Unterschiede in der Wahrnehmung von Ereignissen, in den Meinungen und Ansichten, in der Analyse von Sachverhalten können zu Meinungsverschiedenheiten führen. Solange diese unterschiedlichen Positionen in einem Dialog ausgetragen und konstruktiv bewältigt werden, ist es falsch, von einem Konflikt zu sprechen.
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Arbeit zitieren:
Tülay Bilgen-Yildiz, 2007, Der pragmatische Ansatz von Watzlawick, Beavin und Jackson unter besonderer Berücksichtigung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun , München, GRIN Verlag GmbH
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