0 Vorwort Themenfindung 3
0.1 Autorenschaft 3
0.2 Themenfindung 4
1 Türkische Einwanderer in Deutschland 6
1.1 Gastarbeit und der Mythos der Rückkehr 6
1.2 Türkischstämmige Senioren in Deutschland 9
1.3 Problematisches Altern in der Fremde 9
2 Forschungsanliegen 14
2.1 Forschungsfrage 14
2.2 Zum Begriff Gelingendes Altern 15
3 Konzeption der Erhebung 16
3.1 Forschungsmethode 16
3.2 Zielgruppe 18
4 Erläuterung des Fragebogens 19
4.1 Inhaltliche Gliederung 19
4.2 Einleitungstext 19
4.3 Erläuterung der Auswahl von Fragen Variablen 20
5. Kritische Zusammenschau: 31
Literaturverzeichnis 33
Abbildungsverzeichnis 34
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0 | Vorwort & Themenfindung
0.1 | Autorenschaft
Die vorliegende Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars ‚Alter, Migration und Ethnizität‘ am Institut für Ethnologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Wintersemester 2007/08. Neben der Behandlung von grundlegenden Aspekten des Themenbereichs in Form von Referaten (bspw. ‚familiäre Unterstützung im Alter‘, ‚Gesundheit‘, ‚Altersmigration‘), sowie der wiederholenden Betrachtung qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden war die Erstellung eines Fragebogens zum Thema ‚Altern und Migration‘ zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Die Themenwahl und das jeweilige Forschungsziel der konzeptionell zu erarbeitenden, nicht aber real durchzuführenden Erhebung waren den Teilnehmern freigestellt. Die thematische und inhaltliche Erarbeitung erfolgte in Kleingruppen. Unsere Gruppe umfasste nach einigen Zu- und Abwanderungen vier Personen, namentlich Felicitas Reichold, Michael Kuhn, Julian Willuhn sowie mich selbst.
Der dieser Hausarbeit zugrunde liegende Fragebogen wurde im Rahmen mehrerer Präsenztreffen von den Gruppenmitgliedern anteilig erarbeitet. Aus Zeitgründen einigten sich die Mitglieder bereits in der zweiten Sitzung darauf, die anschließende Verschriftlichung getrennt zu verfassen. Die vorliegende Arbeit basiert somit auf den gemeinschaftlichen Vorüberlegungen unserer Arbeitsgruppe, die theoretischargumentative Ausarbeitung und inhaltliche Schwerpunktsetzung erfolgte dann durch mich. Differenzen in den Argumentationssträngen der verschiedenen
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Versionen spiegeln die unterschiedlichen fachlichen Auffassungen und methodischen Herangehensweisen der einzelnen Gruppenmitglieder wider.
0.2 | Themenfindung
Die Arbeitsgruppe konstituierte sich zunächst unter dem recht unspezifischen Schlagwort ‚Positives Altern‘. Nach zwei lebhaften Diskussionssitzungen einigten wir uns auf eine grobe Blaupause für unsere Forschungsarbeit: Ausgehend von einemnoch zu eruierenden - prototypisch ‚deutschen‘ und ‚türkischen‘ Verständnis von positivem Altern setzten wir es uns zum Ziel, die Einstellungen und Wahrnehmungen der türkisch-deutschen Immigranten der ersten Generation im Hinblick auf das ‚Positive Altern‘ zu untersuchen und mit der mehrheitsdeutschen bzw. türkischen Wahrnehmung zu vergleichen. Zentral erschienen uns hierbei die Aspekte Enkulturation bzw. Retraditionalisierung angesichts einer fremdkulturellen Umwelt, sowie die Art und Ausprägung von Synkretismen. Die Auswahl der türkischdeutschen Migranten erschien uns sinnvoll, weil sie sich als größte ethnische Gruppe in Deutschland mengenmäßig, wie auch verteilungstechnisch, gut für eine Erhebung eignen würde. Vom dargestellten Forschungsdesign mussten wir uns im Rahmen unserer Literatursichtung bald verabschieden. Weder erschloss sich uns eine prototypisch-deutsche oder -türkische Sichtweise von positivem Altern, noch wäre es uns aufgrund der knappen Zeit möglich gewesen eine Erhebung zu konzipieren, die auf valide Weise vergleichbare Einstellungen und Konzepte bei türkischstämmigen Migranten in Deutschland zu Tage fördert. Die Idee eines Kulturvergleichs wurde
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somit zurückgestellt. Im Sinne der Machbarkeit und angesichts des fortgeschrittenen Projektplans entschieden wir uns dafür, unsere Forschung auf eine geeignete Voruntersuchung einzugrenzen. Ziel der nunmehr explorativen Studie sollte es sein, die Lebenssituation älterer türkischer Migranten im Rhein-Neckar-Gebiet anhand ausgewählter Lebensbereiche zu untersuchen und herauszufinden, welche Lebensaspekte in den Augen der Befragten die zentralen für ein gelingendes Altern sind. Die Literaturrecherche wurde auf das neue Forschungsthema ausgerichtet und konzentrierte sich auf ab diesem Zeitpunkt auf die Hintergründe und die Lebenswelt von türkischen Migranten der ersten Generation.
Kapitel 1 stellt die Ergebnisse dieser Recherche dar. Nach einigen grundlegenden Informationen über türkische Migranten in Deutschland, werden die Lebenswelt und typische Problemlagen türkischer Senioren vorgestellt, die im Zuge einer Bewertung von Altern in Deutschland berücksichtigt werden müssen. Kapitel 2 stellt die wissenschaftliche Forschungsfrage dar. Kapitel 3 konkretisiert die Methode der Datenerhebung und das zu untersuchende Personenkollektiv. Kapitel 4 gibt eine Übersicht über die Themenbereiche der Untersuchung und erläutert den Fragebogen im Detail. Kapitel 5 widmet sich der kritischen Reflexion des Forschungsvorhabens, speziell der Forschungsprämissen sowie der Methodik.
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1 | Türkische Einwanderer in Deutschland
1.1 | ‚Gastarbeit‘ und der Mythos der Rückkehr
Die Türken sind mit rund 1,76 Mio. Personen heute mit großem Abstand vor den Italienern (548.000) und Serben/Montenegrinern (500.000) die
bevölkerungsstärkste Gruppe an Ausländern in Deutschland (BAMF 2006:119). Rund 75% von ihnen leben seit über zehn Jahren in Deutschland (BAMF 2006:116), in Nordrheinwestfalen liegt die durchschnittliche Verweildauer türkischer Migranten inzwischen bei 24 Jahren (SAUER 2007:11). Die Migration liegt in den meisten Fällen Jahrzehnte zurück und ist im Wesentlichen auf Arbeitsmigration der sechziger und frühen siebziger Jahre zurückzuführen (ZEMAN 1995:24). Im Rahmen der Anwerberverträge, die die Bundesrepublik aufgrund des starken wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem 2. Weltkrieg und des damit einhergehenden Arbeitskräftemangels ab 1955 mit verschiedenen europäischen Ländern schloss (darunter u.a. auch Italien, Spanien und Griechenland), kamen ab 1961 türkische ‚Gastarbeiter‘ nach Deutschland (ÖZAKIN 1993: 8). Wie im Begriff ‚Gastarbeiter‘ bereits anklingt, war die Bleibedauer der Zuwanderer ursprünglich nicht auf Dauer ausgelegt. Die ersten Einreisewilligen bekamen Zeitverträge über maximal zwei Jahre sowie eine zeitlich beschränkte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis (ebd.:19). Dies war im Regelfall im Sinne der ausländischen Arbeitskräfte (KLUGE 2003:64), welche bei der Einreise ‚kerngesund‘ sein mussten eine Altershöchstgrenze von maximal 40, später 35 Jahre nicht überschritten haben durften (ÖZAKIN 1993:11).
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Auch sie sahen ihren Aufenthalt als temporär an. Vorrangiges Ziel war es, in möglichst kurzer Zeit ausreichend Geld für eine Existenzgründung in der heimatlichen Türkei zu verdienen und dann schnellstmöglich zurückzukehren (ROTHE 1992:57).
Die Erreichung dieses ‚Schnell-Zieles‘ gelang oftmals jedoch nicht. Zentraler Hinderungsgrund war in den meisten Fällen, dass die angestrebte Menge an Finanzkapital in der anberaumten Zeit nicht erwirtschaftet worden war. Dies war Folge der schlechten Löhne, als auch der wesentlich teureren Lebenshaltungskosten in Deutschland (ÖZAKIN 1993:29). Die Verweildauer verlängerte sich für viele Gastarbeiter in Folge immer wieder. Als Gründe dafür werden zum einen
‚bundesdeutsche Pull-Faktoren‘ aufgeführt wie die ab 1973 bestehende Möglichkeit Familienmitglieder nach Deutschland nachzuholen, die schulische Ausbildung der Kinder in Deutschland, ein wachsendes Gefühl des Sich-Wohlfühlens (ÖZAKIN 1993:31), Zufriedenheit mit der Arbeit (PRO SENECTUTE 1999: 34) sowie die gute medizinische Versorgung (ZOLL 1997: 33). Zum anderen ließen ‚türkische Push-Faktoren‘ wie die hohe Arbeitslosigkeit, das drohende Erlöschen der deutschen Aufenthaltsgenehmigung bei einem längeren Türkeiaufenthalt (ÖZAKIN 1993:31), sowie die wachsende Entfremdung von der Heimat (ZOLL 1997: 33) eine Rückkehr in die Türkei für viele Gastarbeiter immer unattraktiver erscheinen.
Letztlich war es ein Konglomerat an verschiedenen Faktoren, die die türkischen Migranten im Einzelfall davon abhielt in die Heimat zurückzukehren. Das Verbleiben
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in Deutschland war selten eine bewusste Entscheidung, sondern meist ein schleichender Prozess, den viele auch heute als nicht abgeschlossen betrachten (vgl. ZEMAN 1995:70, ff). Die zentrale Wendung war für viele Gastarbeiter die Kettenmigration ab 1973, in deren Rahmen Verwandte wie Ehefrauen, Kinder teilweise auch Eltern nach Deutschland nachkamen und die familiären Beweggründe zu einer Rückkehr abschwächten (ZOLL 1997:33). Bewusst und in letzter Gewissheit aufgegeben hat den Plan einer Rückkehr bis heute nur eine Minderzahl der ehemaligen Gastarbeiter. Zeman verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass viele Migranten die Aufgabe der Rückkehrabsicht als „negative Lebensbilanzierung“ empfinden würden (1995:71, siehe auch ÖZAKIN 1993:43).
Der Mythos der Rückkehr (‚Myth of Return‘) erscheint gerade bei älteren türkischen Migranten nach wie vor lebendig, Zoll stellt fest, dass sich die Bereitschaft zur Rückkehr im Alter verstärkt (ZOLL 1997:32), dennoch finden sich auch immer wieder Hinweise, dass zwischen Absichtsbekundungen und der tatsächlichen Rückkehrquote eine faktisch große Kluft herrscht (ZEMAN 1995:71, PRO SENECTUTE 1999:33). Eine Möglichkeit, Herkunfts- und Immigrationsland im Alter miteinander zu verbinden besteht im Pendeln. Einige - wohlgemerkt wohlhabendere - Senioren bauen sich ein Haus in der Heimat und lösen die schwierige Frage nach Rückkehr oder Verbleib, in dem sie sich einfach ‚für beides entscheiden‘ (PRO SENECTUTE 1999:35). Generell darf eine latente Rückkehrorientierung, oder anders ausgedrückt der gefühlte „Koffer im Kopf“ (PRO SENECTUTE 1999:35), in der Diskussion um ein Altern in Deutschland nie vernachlässigt werden.
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Arbeit zitieren:
Alexander Ebinger, 2008, Vorstellungen vom Alter, München, GRIN Verlag GmbH
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