Inhaltsverzeichnis / Gliederung
1. Einleitung 3
2. Zusammenhang zwischen Denken und Emotionen
in der Psychologie 4
2.1 Frühe (physiologische) Emotionstheorien 4
2.2 Die kognitiven Emotionstheorien 5
2.3 Die rational-emotive Verhaltenstherapie 6
3. Zusammenhang zwischen Denken und Emotionen
im Zen-Buddhismus 8
3.1 Geschichte und Hintergrund des Zen-Buddhismus 8
3.2 Das urteilende Denken als Hindernis des „Eins-Seins“ 10
3.3 Das Denken im Entstehungs- und Verarbeitungspro-
zess der Emotionen 11
4. Gegenüberstellung (Gemeinsamkeiten vs. Unterschiede) 14
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis / Quellenangaben 19
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1. Einleitung
Ob wir Freude empfinden, weil wir die wichtige Klausur mit einer guten Leistung abgeschlossen haben, ob wir trauern, weil unser Partner uns verlassen hat oder ob wegen des gerade im Straßenverkehr vor uns schleichenden älteren Herrn mit Hut in uns Ärger aufsteigt - Emotionen bestimmen unser Leben. Oft sind wir uns ihrer vielleicht überhaupt nicht wirklich bewusst, lassen uns von ihnen zu unüberlegten Handlungen treiben, die wir später unter Umständen bereuen oder stehen ihnen sogar ohnmächtig gegenüber. Es gibt Menschen, für die dieses Ohnmachtsgefühl gleichbedeutend mit subjektivem Leidempfinden ist, da sie sich nicht als Herr ihrer Gefühle wahrnehmen. Andere wiederum erleben wir als ausgesprochen „herzlos“ oder „emotionslos“. Wie auch immer man an diese Thematik herangeht, auf alle Fälle sind Emotionen ein zentrales Element unseres Lebens, das durch sie erst seine Farbe zu gewinnen scheint. Doch inwiefern sind wir eigentlich selbst an ihrem Entstehungsprozess beteiligt? Welchen Einfluss hat unser Denken auf das subjektives Emotionserleben und umgekehrt? Gibt es neben der wissenschaftlichen Psychologie noch andere „Theorien“, die sich mit dem Zusammenhang des Denkens und der Emotionen beschäftigen? Das alles sind Fragen, mit denen sich der vorliegende Essay beschäftigt, wobei vor allem eine komparative Gegenüberstellung psychologischer mit bisher noch recht unerforschten Zen-Buddhistischen Ansichten entstehen soll. Zurückgreifen kann ich in diesem Bereich auf eine inzwischen fast zweijährige Erfahrung als praktizierender Buddhist, wobei ich mit diesem Essay stets dem Versuch unterliege, einen höchstmöglichen Grad an Wissenschaftlichkeit zu erreichen. Dabei steht während der gesamten Arbeit die Zielvorstellung im Vordergrund, ähnlich geartete und auch konträre Auffassungen aufzuzeigen und gegen-einander abzuwägen.
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2. Zusammenhang zwischen Denken und Emotionen in der Psycho-
logie
Wenngleich die Psychologie als anerkannte Wissenschaft noch als recht jung anzusehen ist, so hat sie doch die enorme Bedeutung der menschlichen Emotionen bereits erkannt (vgl. Mietzel, 2006, S. 405). Dennoch „[…] ist sie weit davon entfernt, sie wissenschaftlich angemessen beschreiben und erfassen zu können“ (Mietzel, 2006, S. 405). So gibt es zahlreiche Teilgebiete der Psychologie, die sich mithilfe unterschiedlicher Herangehensweisen mit diesem Thema auseinandersetzen. Als gesicherte Erkenntnis ist jedoch vielen Theorien gemein, dass am Zustandekommen der Emotionen Kognitionen beteiligt sind (vgl. Mietzel, 2006, S. 405), was eine Folge der so genannten „kognitiven Wende“ der 1960er Jahre ist. Insbesondere in den Jahren davor wurde traditionell in der Psychologie häufig die Meinung vertreten, dass Emotionen sich auf das Denken und Handeln überwiegend negativ auswirken (vgl. Internetlink A, S. 1). Im Folgenden sollen die diversen psychologischen Theorien in Form eines groben Überblicks aufgezeigt und kurz erläutert werden, wobei keineswegs eine Vollständigkeit aller existierenden Theorien erreicht wird, da insbesondere jene in den Fokus rücken, welche die Rolle des menschlichen Denkens in Verbindung mit Emotionen untersuchen.
2.1 Frühe (physiologische) Emotionstheorien
Bereits Darwin beschäftigte sich 1872 in seiner Theorie des evolutionären Erbes mit dem Ausdruck menschlicher Emotionen. Er war der Auffassung, „[…] dass der emotionale Ausdruck angeboren ist und deshalb die Möglichkeiten des Ausdrucks von Gefühlen durch die Mimik für alle Menschen gleich sind“ (Görlitz, 2006, S. 30). Mit einem Zusammenhang zwischen Denken und Emotionen hat er sich nicht explizit befasst. Das wohl bekannteste Erklärungsmodell, welches wiederum bereits teilweise entkräftet wurde, ist die umstrittene James-Lange-Theorie von 1884. So waren William James und Carl Lange etwa zur gleichen Zeit davon überzeugt, dass „[…] das beobachtbare emotionale Verhalten den anderen emotionalen Prozessen vorgeordnet sei“ (Görlitz, 2006, S. 30). Demnach riefe die Wahrnehmung eines Ereignisses oder Gegenstandes reflexar-
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tig ein Muster körperlicher Veränderungen hervor, nach dessen Wahrnehmung durch das Individuum schließlich ein entsprechendes Gefühlserlebnis aufträte (vgl. Mietzel, 2006, S. 417).
Einer der großen Kritiker dieser Theorie, Walter Cannon, schuf gemeinsam mit dem Physiologen Philip Bard Ende der 1920er Jahre die Cannon-Bard-Theorie. Zwar gingen beide ebenfalls davon aus, dass Gefühle lediglich eine automatische Reaktion auf äußere Reize seien, die aber im Gegensatz zur James-Lange-Theorie gleichzeitig mit der körperlichen Veränderung und nicht nachgeschaltet vonstatten gehen. Heute rufen sowohl die James-Lange-Theorie, als auch die Cannon-Bard-Theorie in der Wissenschaft kein sonderlich großes Interesse mehr hervor, da man erkannt hat, dass das Emotionserleben unter anderem auch davon abhängt, wie Wahrnehmungen am eigenen Körper und situative Bedingungen interpretiert werden und sich nicht ausschließlich physiologisch erklären lässt (vgl. Mietzel, 2006, S. 421).
2.2 Die kognitiven Emotionstheorien
Als einen Wegbereiter der kognitiven Emotionstheorien kann man den spanischen Arzt Gregorio Marañon nennen, der sich in den Zwanziger Jahren des zurückliegenden Jahr-hunderts die Frage stellte, wie bei Menschen Gefühle hervorgerufen werden. Was er herausfand, nannte man später die Zweifaktoren-Theorie der Emotion. Jene besagt, dass im Entstehungsprozess der Emotionen zwei Komponenten beteiligt sind: eine körperliche und eine psychologische oder auch subjektive Komponente. Dabei nehme insbesondere die subjektive Komponente die Funktion war, die wahrgenommen körperlichen Veränderungen zu interpretieren, was schließlich zur Entstehung der jeweiligen Emotion ausschlaggebend sei (vgl. Mietzel, 2006, S. 421).
In der Folge setzten sich weitere zahlreiche Wissenschaftler mit der Zweifaktoren-Theorie der Emotion auseinander und entwickelten sie weiter. So hielten es auch Stanley Schachter und Jerome Singer Anfang der 1960er Jahre im Zuge ihrer Jukebox-Theorie der Emotion für zutreffend, dass eine körperliche Erregung allein keine Emotionen hervorrufen könne. Ihrer Ansicht nach hängt das Auslösen einer spezifischen Emotion insbesondere davon ab, wie das Individuum seine Umgebung interpretiere (vgl. Mietzel, 2006, S. 421).
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In der Theorie der kognitiven Bewertung von 1982 geht Lazarus von einem Zusammenspiel von Umweltfaktoren, deren kognitiver Bewertung und den emotionalen Erfahrungen des Individuums aus. Seine Theorie besagt, dass in Form eines vorgeschalteten Prozesses eine kognitive, also gedankliche Bewertung der Situation vorgenommen wird, welche dann im Anschluss darüber entscheidet, welche Emotionen gefühlt werden (vgl. Görlitz, 2006, S. 30).
Im Jahre 2001 wies auch Joseph LeDoux darauf hin, dass Emotionen nicht per se einem Hirnsystem zugeschrieben werden könnten, sondern in unterschiedlichen Systemen ihren Ursprung haben. Während zum Beispiel Furcht reflexartig entsteht, ohne dass das Individuum eine Interpretation vornimmt, entstünden Stolz oder Schuldgefühle lediglich in Folge eines Interpretations- und Erinnerungsprozesses an ähnliche Situationen in der Vergangenheit. Er ist des Weiteren überzeugt, dass die Begründung für reflexartig her-vorgerufene Emotionen - wie zum Beispiel die Furcht - in der Evolution und der genetischen Vorbereitung des Menschen, schnell auf Bedrohungen reagieren zu können, zu finden ist (vgl. Mietzel, 2006, S. 423).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach Ansicht der kognitiven Emotionstheoretiker Emotionen dann auftreten, wenn das Individuum Objekte, also Personen, Sachverhalte etc., einschätzt, sie also als positiv oder negativ bewertet. Eine andere, treffende Bezeichnung dafür ist auch die subjektive Einschätzung nach „wunschkongruent“ und „wunschinkongruent“. Demnach bestimmt jene Einschätzung des Objekts nicht nur, ob, sondern auch welche Emotion ausgelöst wird (vgl. Internetlink A, S. 2).
2.3 Die rational-emotive Verhaltenstherapie
Besonders näher zu beleuchten ist vor dem Hintergrund der kognitiven Emotionstheorien die so genannte rational-emotive Verhaltenstherapie (fortan REVT), die auf Albert Ellis zurückgeht, da hier deutlich auf den engen Zusammenhang von Gefühlen und Gedanken, die sich gegenseitig bedingen und auslösen können, hingewiesen wird. Ziel der REVT ist es, die Selbsthilfefähigkeit des Klienten durch bewusste Wahrnehmung und genaue Differenzierung von Gefühlen zu stärken (vgl. Görlitz, 2006, S. 25). Ellis äußerte in den 1950er Jahren in seiner Theorie, die später zur operativen Basis für die REVT wurde, „[…] dass nicht die äußeren Umstände per se am seelischen Leid und psychischen Kummer vieler Menschen Schuld trügen, sondern absolutistische und per-
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Arbeit zitieren:
Daniel Wehnhardt, 2009, Denken und Emotionen, München, GRIN Verlag GmbH
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