Einleitung 2
Definitionen des Rassismus 2
Aristoteles und die Klimazonentheorie. 4
Tacitus ´ Ethnographie der Germanen 6
Literaturverzeichnis. 9
1
Einleitung
Mit der griechisch-römischen Antike assoziiert man vor allem jene kulturellen Errungenschaften, die für das gegenwärtige Europa als konstitutiv gelten: Demokratie und Freiheit, Philosophie und Kunst - dagegen dürfte es eine Minderheit sein, die die Antike mit Rassismus in Verbindung bringen würde. Eben diese Seite der Antike will die vorliegende Arbeit behandeln und der Frage nachgehen, ob es in der Antike Rassismus gab, in welchem Maße dieser „Rassismus“ deckungsgleich mit dem modernen Verständnis von Rassismus ist, und inwiefern die Antike als Ideengeber für den im 18. Jahrhundert entstehenden „wissenschaftlichen“ Rassismus und seine Auswüchse bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts fungiert hat.
Methodisch wird in dieser Arbeit so vorgegangen, dass zunächst zwei verschiedene moderne Definitionen von Rassismus dargestellt und diskutiert werden. Anschließend werden diese Definitionen auf Beispiele aus der (erstens) griechischen und (zweitens) römischen Literatur angewandt. Als Quellen der Untersuchung dienen hierbei vor allem Werke der antiken Ethnographie und Historiographie. 1 Aufgrund der Vielzahl antiker Autoren, die sich in der Beschreibung von „Fremdvölkern“ betätigt haben, und aufgrund des engen Rahmens eines Essays wird die Auswahl der Autoren auf die bedeutendsten beschränkt und auch aus ihren Werken nur wenige Auszüge bearbeitet. So vertritt Aristoteles die griechische und Tacitus die lateinische Literatur. Was den großen Rest an ethnographischen Äußerungen betrifft, so wird dieser anhand von allgemeinen Erkenntnissen der Forschung in die Betrachtung einbezogen.
Definitionen des Rassismus
Da das Phänomen „Rassismus“ in einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten die verschiedensten Formen annahm und auf die unterschiedlichsten Aspekte menschlicher Existenz rekurrierte, ist es kaum möglich, die eine „korrekte“ Definition von Rassismus anzunehmen. Daher sollen stellvertretend für die Vielzahl an Definitionen, die aus den verschiedensten Wissenschaftszweigen stammen, zwei dargestellt und diskutiert werden.
1 Beides ist in der antiken Literatur eng miteinander verbunden. Es gibt kaum ein historiographisches Werk ohne
ethnographischen Exkurs und ebenfalls keine Ethnographie ohne eine historische Dimension.
2
Die erste Rassismusdefinition stammt von dem Historiker Imanuel Geiss, dessen Definition eher inhaltlicher Natur ist. Nach Geiss ist Rassismus der Glaube an „angeblich nicht oder nur langfristig veränderbare >Rassen<, die mit bestimmten Charaktereigenschaften verknüpft und höchstens durch biologische Prozesse der >Rassen< -Vermischung zu verändern sein. Zu den zentralen Eigenschaften von >Rassen< gehöre ihr Status als >überlegene< und >unterlegene< >Rassen<.“ 2 Obwohl diese Definition mit dem Begriff „Rasse“ operiert, für den es in der Antike kein entsprechendes Äquivalent gibt, bin ich trotzdem der Meinung, dass diese Definition auf die Antike anwendbar ist, da schon in der griechischen Antike angenommen wurde, dass physische und psychische Merkmale durch Fortpflanzung vererbt werden können. So wird das Fehlen des Wortes „Rasse“ durch ähnliche Begriffe kompensiert (z.B.: lat.: gens -Sippe, Stamm, Volk), die auf den Aspekt der biologischen Abstammung von Individuen oder größeren Gemeinschaften hinweisen. Wenn diese Definition später auf Beispiele antiker Ethnographie angewendet wird, dann muss jedoch geklärt werden, ob das jeweilige Beispiel auch biologistisch und nicht kulturell oder religiös argumentiert. Die zweite Definition von Rassismus, die in diesem Essay auf die Antike angewendet werden soll, beschränkt sich - im Gegensatz zur Definition von Geiss - nicht nur auf das biologische Moment des Rassismus. Der Historiker George M. Fredrickson ist der Ansicht, „dass Rassismus vorliegt, wenn eine ethnische Gruppe oder ein historisches Kollektiv auf Grundlage von Differenzen, die sie für erblich und unveränderlich hält, eine andere Gruppe beherrscht, ausschließt oder zu eliminieren versucht.“ 3 Anstelle des biologistischen Prinzips der „Rasse“ hält Fredrickson allein schon „Differenzen“, wenn sie als genetisch bedingt und irreversibel interpretiert werden, für ausreichend, um von Rassismus zu sprechen. In diesem Falle zählen also beispielsweise auch Kultur und Religion zu den Objekten rassistischer Aggression. Zwar ist Kultur historisch gewachsen und stetiger Veränderung unterworfen, so dass sie zunächst weder erblich noch irreversibel erscheint, „aber Kultur kann in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden, dass sie zum funktionalen Äquivalent des Rassebegriffs wird.“ 4 Gleiches kann man für die Religion annehmen.
Wie gezeigt, legen die beiden oben genannten Definitionen ihren inhaltlichen Akzent unterschiedlich: während Geiss das Biologische betont, bricht Fredrickson das Objekt des Rassismus auf das Vorhandensein von Differenz jedweder Form herunter. Gemein ist beiden
2 Geiss 1988, S. 15.
3 Fredrickson 2004, S. 173.
4 Fredrickson 2004, S. 15.
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Arbeit zitieren:
Timo Castens, 2010, Rassismus in der griechisch-römischen Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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