angesiedelt. Vor allem im Gebiet das durch Karl Marx, Tchekhov, Timirjazev and Litvinovstraße eingeschlossen wird, konzentriert sich das eigentliche Zentrum. In den letzten Jahren entstanden viele Geschäfte, sowie Firmen entschlossen sich ihre Dienstleistungen in diesem Gebiet anzubieten. Die Gegend ist durch ein hohes Fußgängeraufkommen und an seinen Rändern durch ein überproportional hohes Verkehrsaufkommen bedingt durch öffentliche Verkehrsmittel und private Fahrzeuge gekennzeichnet.
Auch der Hypothese von nach Harrisson und Ullmann, wonach mit der Größe der Stadt auch die Zahl und Spezialisierung seiner Kerne wachsen, ist nach meiner Meinung zuzustimmen. Nach meinen Erfahrungswerten ist diese Entwicklung in der Regel bei Städten mit einer Einwohnerzahl jenseits der 50000 festzustellen. Die Verfasser des Modells gingen von einer relativ klaren Abgrenzung von Unterschicht, Mittelschicht und Oberschichtwohngebieten aus. Im zu betrachteten Gebiet ist dies wenig zutreffend. Da in Russland eine Mittelschicht wie sie nach unseren Maßstäben in Deutschland vorkommt nur schwach ausgeprägt ist, spiegelt sich dies auch in der Wohnsituation wieder. Die mittlere Klasse und ein Teil der armen Bevölkerung bewohnen die so genannten „Sleepingdistricts“, die sich am Stadtrand befinden. Diese sind durch meist 5-9 geschossige Plattenbausiedlungen gekennzeichnet, in denen nahezu alle gesellschaftlichen Schichten wohnen, Beispiels weise vom Hilfsarbeiter bis zum Professor. Demzufolge ist festzustellen, dass annähernd der Querschnitt der Gesellschaft in einer Siedlung oder Wohneinheit vertreten ist. In diesen Stadtteilen lebt in der Regel die berufstätige Bevölkerung, die zur Arbeit und in der Freizeit das Stadtzentrum aufsucht, oder in eines der äußeren Industriegebiete pendelt. Diese Viertel enthalten kleinere Einkaufsmärkte, Krankenhäuser und Schulen, sowie nur ganz vereinzelt administrative Einrichtungen, die sich vielmehr konzentriert im Zentrum befinden. Allerdings kann nicht von einer „kernartigen Verteilung“ der Wohnvororte in Irkutsk ausgegangen werden. Die Schlafstädte lagern sich eher rings um das Zentrum an. Die unterste Schicht bewohnt die zahlreichen Holzhäuser die sich zuweilen in sehr schlechtem Zustand präsentieren. Die Kriminalitätsrate ist in diesen Vierteln besonders hoch und einige Siedlungen haben sich zu sozialen Brennpunkten entwickelt. Eine wachsende Anzahl von Menschen lebt auf der Straße und übernachtet in Heizungsschächten und an unterirdisch verlaufenden Fernheizungsrohren. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Wohnviertel der Bessergestellten die meist in villenartigen Häusern oder Ein- bzw. Mehrfamilienhäusern in der Nähe des Flussufers der Angara
angesiedelt sind. Diese Lage wiederum belegt die These der Autoren von einer abstoßenden Wirkung der Wohngebiete der oberen Mittelschicht auf die Wohngebiete der Arbeiterschaft und Industriegebiete.
Teilräume werden als räumliche Cluster unter Segregation voneinander von Harrisson und Ullmann beschrieben. Örtlich getrennt von den eigentlichen Siedlungen ist die so genannte „Insel der Jugend“. Diese ist ein abgeschlossenes Erholungsgebiet, dass im Sommer mit einem Rummel und einer Freilichtbühne der Stadtbevölkerung zum Entspannen dient. Umgeben ist der Bezirk von Wald. Ebenfalls zur Erholung dient das Ufer der Angara, das gleichfalls getrennt vom bebauten Stadtgebiet gelegen ist. Um 1960 wurde der Stadtteil „Akademgorod“ gegründet. Er enthielt anfangs ausschließlich Forschungseinrichtungen, Wohnungen der Mitarbeiter, Schulen, Kindergärten und Kliniken und war räumlich separiert, also entsprechend seiner Nutzung vom restlichen Umland abgegrenzt. Es entstanden Institute für Geografie, Geochemie und Erdmagnetismus. Dies bestätigt die Annahmen der beiden Autoren, die von einer Spezialisierung der Kerne ausgehen. Heute ist das Viertel durchmischt, was auch auf den Teil „Studgorod“ zutrifft der um 1970 noch eine reine Studentenstadt war. In diesem Stadtbezirk befindet sich die Polytechnische Universität Irkutsk, gelegen auch außerhalb des Zentrums und in gewisser Weise abgegrenzt. Eine weitere Bestätigung dieser These liefert die Strukturierung im Viertel Oktyarbrsky und Pravoberezny. In ersterem befindet sich ein kleines Industriegebiet in dessen unmittelbarer Nähe sich einige Dienstleistungsanbieter und ein Transportunternehmen niedergelassen haben, angelagert befinden sich ausgedehnte Lagerräume. Dies ist meiner Meinung nach einer Spezialisierung; vergleichbar mit den Gewerbegebieten, die in Deutschland vorherrschen. In Pravoberezny wurde der Schwerpunkt auf die Raumfahrt gelegt. Dort befinden sich die Institute für Zivile und Militärische Raumfahrt, sowie angegliedert eine Produktionsstätte. Weiterhin ist ein Ausstellungskomplex mit Sibexpocenter und Baikalbusinesscenter, räumlich etwas versetzt im Stadtteil vorhanden. Auch dies bestätigt meiner Ansicht nach die Ausgangstheorie. Harrisson und Ullmann beschrieben auch eine abnehmende Siedlungsdichte zum Umland, was auch zutrifft bei der zu betrachtenden Stadt. Das umliegende Gebiet ist gekennzeichnet durch relativ große unbebaute Freiflächen, die bedingt durch den Flussverlauf nicht besiedelt wurden. Außerhalb des Stadtgebiets schließen sich kleinere Ortschaften an. Nach meiner Meinung haben die Verfasser des Mehrkernmodells mit ihrer Annahme einer Ansiedlung von Industriezentren an Verkehrsachsen Recht. So ist
Arbeit zitieren:
Markus Winter, 2006, Ist das Mehrkerne Modells nach Harrisson und Ullmann oder das Ringmodell nach Burges auf Irkutsk anwendbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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