Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das heutige Verständnis und die Bedeutung der "Operativen
F ührung" als Bindeglied zwischen Politik (u. Militärstrategie) und dem Einsatz von
milit ärischen Mitteln (sowie Taktik) für die deutschen Streitkräfte aufzuzeigen, diese zu
analysieren und anhand einer perspektivischen Betrachtung sich weiterentwickelnder
Rahmenbedingungen zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung 3
2. Anfänge und Entwicklung operativen Denken 3
2.1 Historische Grundlagen 3
2.1.1 Von Sun Tsu bis Moltke 3
2.1.2 Der Begriff der Operation 6
2.2 Entstehung der operativen Führung in der Bundeswehr 6
2.2.1 Renaissance des operativen Denkens 6
2.2.2 Unterschiedliche Wahrnehmung in den Teilstreitkräften? 9
3. Operative Führung 9
3.1 Inhalte und Merkmale 9
3.1.1 Definition 9
3.1.2 Politische und militärische Führung 10
3.1.3 Führungs- und Organisationsstrukturen 10
3.1.4 Operative Faktoren und Elemente 11
3.1.5 Joint, Combined 11
3.1.6 Das operative Konzept 12
3.2 Herausforderung durch neue Rahmenbedingungen 12
3.2.1 Das erweiterte Aufgabenspektrum 13
3.3 Auswirkungen auf die operative Führung 14
4. Zukünftige Aufgaben operativer Führung 17
4.1 Wandel operativer Dimension 17
4.1.1 Politische Vorgaben, Auflagen und Beschränkungen 18
4.1.2 Internationale Organisationen - Ad hoc-Koalitionen 20
4.1.3 Erscheinungsformen moderner Konflikte 20
4.1.4 Medien 21
4.1.5 Technologie - Krieg der Zukunft 22
5. Zusammenfassung/Schlussfolgerungen 24
6. Literaturverzeichnis 26
2
1. Einleitung und Zielsetzung
Nach einer geschichtlichen Herleitung der Begriffe Strategie, Taktik und Operation wird die Entwicklung des operativen Denkens sowie der Operationsführung in den deutschen Streitkräften dargestellt und dies vor allem deshalb, um die uneinheitliche Benutzung und das Verständnis der Ausdrücke Operation, operativ, operatives Denken bis hin zur Operationsführung in den verschiedenen Epochen aufzuzeigen. Hierbei kommt es darauf an, herauszustellen, wie sich das Verhältnis der Ebenen der militärischen Führung zu den militärischen Führungsebenen geändert hat. Es folgt die Ableitung der Inhalte und Merkmale operativer Führung aus heutiger Sicht unter Berücksichtigung der komplexen Anforderungen an den Einsatz von Streitkräften, der seit der Wiedervereinigung Deutschlands, dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und der aus einem anders gearteten Sicherheitsumfeld resultierenden neuen NATO-Strategie völlig veränderte Dimensionen angenommen hat.
Aufgezeigt wird hierbei, welch umfassender Ansatz bei der Erfassung der Thematik zu wählen ist und welche Folgerungen für Politik und Streitkräfte gezogen werden müssen. 2. Anfänge und Entwicklung operativen Denkens
2.1 Historische Grundlagen
Krieg war zu allen Zeiten Mittel der Politik und ist so alt, wie die Menschheit selbst. Schon in frühester Zeit haben sich deshalb Denker und Strategen mit diesem Thema beschäftigt und speziell die Möglichkeiten und Grenzen des Gebrauchs von Streitkräften als ein Mittel der Politik bedacht.
Und schreibt die Geschichte auch nicht das Lehrbuch für die Gegenwart, so bietet sie dennoch die Möglichkeit, Lehren aus ihr zu ziehen, indem durch Analyse der historischen Denkweisen sowie der praktischen Beispiele die entscheidenden Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des eigenen Denkens gelegt werden.
2.1.1 Von Sun Tsu bis Moltke
Die historische Einführung in das Thema soll sich hier im wesentlichen auf drei der bekanntesten Autoren und Akteure aus der Menge derer stützen, die über den Krieg und/oder die Strategie geschrieben oder gedacht haben. Es sind dies der chinesische General und Philosoph Sun Tsu, der Generalmajor Carl von Clausewitz und der Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke. Einerseits ausgewählt, um zu dokumentieren, wie weit in der Chronologie des Denkens über den Krieg zurückgeschaut werden muss, andererseits, weil es sich im Falle von Clausewitz und Moltke wohl um die bedeutendsten deutschsprachigen Vordenker dieser Materie handelt. Nur die wichtigsten Inhalte ihrer Werke seien kurz erläutert, weil damit im weiteren Verlauf dieser Arbeit grundlegende Übereinstimmungen oder Differenzen zum späteren Denken über Strategie und Führung deutlich werden.
Bei den Betrachtungen steht nicht die eigentliche Durchführung eines militärischen Einsatzes (Kräfte, Mittel) im Vordergrund. Es kommt vielmehr darauf an, zu klären, welche übergeordneten Gesichtspunkte und substantiellen Gedanken der Kriegführung zu Grunde liegen. Deutlich werden soll, auf welcher Entscheidungsebene das Denken um einen Einsatz militärischer Mittel entstand, welchem Zweck dieser dienen sollte und welche Führungsgrundsätze zum Tragen kamen.
3
Als einer der ersten Militärtheoretiker befasste sich der Chinese Sun Tsu (ca. 540 v. Chr.) umfassend mit der Thematik des Krieges in seinem Werk "13 Gebote der Kriegskunst" 1 . Die von ihm darin beschriebenen Gesetzmäßigkeiten der Kriegführung und die daraus abgeleiteten Einsatzgrundsätze lassen sich, verdeutlicht durch Zitate, im Wesentlichen in drei Kernaussagen zusammenfassen. Erstens:
"Handle, wenn es den Interessen des Staates entspricht; verweile, wenn es den Interessen des Staates nicht entspricht" 2 .
Aus dieser Überlegung wird deutlich, dass der Krieg nicht um seiner selbst willen geführt werden darf, sondern immer nur nach sorgfältiger Abwägung der Interessen der Staatslenkung, also der Politik, da die Auswirkungen eines Krieges (Sieg oder Niederlage) für den Staat von grundlegender Bedeutung sind. Zweitens:
"Die höchste Kriegskunst besteht darin, die gegnerischen Pläne durch Strategien zu durchkreuzen, dann seine diplomatischen Schritte zu vereiteln, desweiteren sein Heer im Felde zu schlagen" 3 . Sollte es in der Folge keine Alternative zu einer Auseinandersetzung geben, so empfiehlt Sun Tsu vorerst durch eine Kombination politischer und diplomatischer Mittel, den Gegner zu schwächen, den Kampf also hinauszuzögern. Durch geschicktes Taktieren kann man den Gegner isolieren und so die Widerstandskraft zum erlahmen bringen. Hier wird nach heutigem Verständnis der Ansatz einer Gesamtstrategie, also der Einsatz verschiedenster Mittel zur Konfliktbeendigung deutlich. Allerdings trennt Sun Tsu stets Politik von Militär. Politik war Sache der Staatslenkung, Krieg Sache der Streitkräfte, ein Bindeglied nicht notwendig, da es für ihn nur das Eine oder Andere gab. Drittens:
"Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen." 4 Diesem Prinzip kann nur nach erfolgreicher Verwirklichung des vorangegangenen entsprochen werden, beinhaltet jedoch noch eine weitere Schlussfolgerung. Die nämlich, dass der Krieg grundsätzlich so zu führen sei, dass zumindest auf eigener Seite, wenn möglich, keine Verluste entstehen sollten.
In den weiteren Ausführungen seines Werkes beschreibt Sun Tsu anschließend, mit welchen taktischen Mitteln diese Voraussetzungen geschaffen bzw. dann durchgesetzt werden können, worauf aber nicht weiter eingegangen werden soll.
Wichtig an dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass von Sun Tsu damals durch systematische Aufarbeitung des Themas die Zusammenhänge von sicherheitspolitischen Überlegungen, Strategie und Handlungsweisen (Taktik) ähnlich heutigen Umständen bewertet wurden. Begrifflichkeiten wie Gesamtstrategie, Militärstrategie oder Operation wurden in diesem Zusammenhang von ihm noch nicht benutzt und auch eine Ebene militärischer Führung zwischen Politik und Militär nicht erkannt. Die Politik entschied sich zum Krieg, dessen Führung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Militär gewährleisten sollte.
Carl von Clausewitz (1780-1831) widmete der Betrachtung des Themas mehrere Veröffentlichungen, von denen das bekannteste sein in acht Bücher eingeteiltes Werk "Vom Kriege" ist.
Ebenso wie Sun Tsu stellt sich Clausewitz die Frage nach der Bedeutung des Krieges. Dieser ist für ihn "nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung
1 Denquan, Lin: Sun Zi und der moderne Lokalkrieg, in Strategie im Wandel der Zeit, Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg 1999, S, 13. 2 Ebd., S. 16 3 Ebd., S. 14
4 Erich Vad: Operatives Denken in deutschen Streitkräften, Vortrag an der Nationalen Verteidigungsuniversität in Peking, in Europäische Sicherheit 8/97, S. 36.
4
des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln" 5 . Krieg ist auch danach nicht Selbstzweck, Vorrang hat das Primat der Politik.
Clausewitz ging bei seiner Betrachtung der "Theorie des Krieges" nicht, wie Sun Tsu, auch auf seine Verhinderung sondern nur auf seine Durchführung ein. Er sah die (Militär-) Strategie ebenfalls nicht als Teil einer Gesamtstrategie, beschrieb aber die Wirkungszusammenhänge zwischen Politik und Streitkräften. Strategie, und hierbei nur auf den Einsatz von Streitkräften bezogen, sah er als Zweck zur Erreichung des politischen Ziels. Das Wesen der Strategie und ihre spezifische Funktion lagen also in der Einordnung unterhalb der Politik und oberhalb der Taktik. Strategie wurde deshalb von Clausewitz definiert als "der Gebrauch des Gefechts zum Zwecke des Krieges" 6 , die Taktik demgegenüber als "die Lehre vom Gebrauch der Streithafte im Gefecht" 7 . Operation bedeutete für ihn "eine Heeresbewegung nach einem im Rahmen der Strategie festgelegten Operationsplan" 8 , also einen Teil der Taktik.
Dennoch trennte Clausewitz Politik von Krieg nicht gänzlich, eher erwartete er eine stete Interaktion zwischen Staatsmann und Feldherr. Darüber hinaus verblieben die Funktionen der Staatslenkung bzw. der Kriegführung allerdings bei den Genannten. Eine Ebene, auf der das politische Ziel in militärisches Handeln umgesetzt werden sollte, sah er nicht begründet, da Krieg für ihn Politik bedeutete.
Graf von Moltke (1800-1891), ehemaliger Generalstabschef während des preußischösterreichischen (1866) und des deutsch-französischen Krieges (1870/71), war ebenfalls wie Clausewitz Verfasser mehrerer militärpolitischer Schriften. Hervorgehoben seien an dieser Stelle seine mehrere Bände umfassenden "Militärischen Werke", u.a. das "über Strategie", um die Weiterentwicklung des Clausewitzschen Gedankens, in dessen geistiger Tradition sich Moltke bewegte, aufzuzeigen.
Hierin formulierte er aus seiner Sicht den Zusammenhang zwischen Politik und Krieg, sowie den Beziehungscharakter der Begriffe Strategie, Operation und Taktik. "Die Politik bedient sich des Krieges für Erreichung ihrer Zwecke, sie wirkt entscheidend auf den Beginn und das Ende desselben ein, […] Bei dieser Unbestimmtheit kann die Strategie ihr Streben stets nur auf das höchste Ziel richten, welches die gebotenen Mittel überhaupt erreichbar machen. Sie arbeitet so am besten der Politik in die Hand, nur für deren Zweck, aber im Handeln völlig unabhängig von ihr." 9
Wie bei Clausewitz wird auch hier die grundsätzliche Anerkennung des Primats der Politik deutlich, eine Verknüpfung von Politik und Strategie jedoch nicht vollzogen. Der Strategie wird zum Einen die Aufgabe der "Bereitstellung der Streitmittel“ 10 zugeordnet, sie ist nicht Teil einer politischen Gesamtstrategie. Zum Anderen hat sie die Aufgabe, die Operationen ("kriegerische Verwendung der bereitgestellten Mittel") zu führen. Als Mittel der Taktik bezeichnet Moltke kurz "die Gefechte". Festzuhalten bleibt also, dass bei den hier angeführten Denkern die politische Entscheidung zu einem Krieg auf der Ebene der Staatsführung getroffen wurde, die Durchführung desselben auf militärischer Seite verblieb. Die direkte Umsetzung eines politischen Ziels auf einer operativen Ebene militärischer Führung zwischen Politik und Streitkräften fand jedoch nicht statt. 5 Clausewitz, Carl von: Vom Kriege, vollständige Ausgabe im Urtext, 19. Ausgabe, Bonn 1991, S. 210. 6 Ebd., S. 271. 7 Ebd.
8 Übersicht Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen in den Jahren 1810, 1811 und 1812 von Clausewitz erteilten militärischen Unterrichts, S 941 und „Strategie aus dem Jahre 1804 mit Zusätzen von 1808 und 1809“, Hamburg 1937, hrsg. von E. Kanel.
Hecker, Dr. Gerhard: Ausgewählte Militärstrategien des 19. und 20. Jahrhunderts, 9
Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg 1997, S. 17.
10 Vgl. Moltke, Helmuth Graf von, in: Militärische Werke, herausgegeben vom Großen Generalstab, Kriegsgeschichtliche Abteilung I, 2. Band, 2. Teil, Über Strategie, Berlin 1892-1912, S. 293.
5
2.1.2 Der Begriff der Operation
Wurden im vorhergehenden Kapitel Persönlichkeiten des militärtheoretischen Denkens vorgestellt und ihre grundlegenden Ideen skizziert, so soll dieses Kapitel dazu dienen, die Entstehung und Entwicklung des Begriffs Operation zu klären, damit im späteren Verlauf der Arbeit verständlich wird, welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich zum heutigen Verständnis der "Operativen Führung" angesichts veränderter gedanklicher, politischer oder auch nur technischer Rahmenbedingungen ergeben.
Speziell der von Moltke benutzte Begriff der Operation bildete die Grundlage für das "operative" Denken der darauffolgenden Zeit. Moltkes großangelegte Aufmärsche des Heeres inklusive der weiträumigen Trennung der Truppenkörper (1866 bei Königgrätz) "mit dem Ziel der Schlachtentscheidung" 11 prägten dieses Verständnis der Operationsführung als rein militärfachliches Handeln bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
Die Fortentwicklung des Operationsbegriffes erfolgte also vorrangig vor dem Hintergrund der Massenheere, der Technisierung und der veränderten Verhältnisse für die Faktoren Kräfte, Raum und Zeit und nicht durch das Denken, die Operation als ein politisch-militärisches Bindeglied zu sehen. Damit war vorbestimmt, dass ein Denken in der Dimension der "Operativen Führung" als einer besonderen Qualität der militärischen Führung nicht geprägt werden konnte. Eine beratende Funktion zur Unterstützung der politischen Führung wurde nicht erkannt, sondern die totale Unterordnung der militärischen Führer unter die Politik gefordert. 12 Vereinfacht wird dies im Handbuch für Heerestaktik aus dem Jahre 1939 dargestellt: "Operation ist die Führung großer Heeresteile zur und in der Schlacht". 13
In der Folge wurde dies u.a. durch die Eingriffe Hitlers in die Führung der Wehrmachtsgeneralität und später sogar durch seine direkte Führung der Streitkräfte deutlich 14 , wodurch den obersten Militärs lediglich noch die Rolle der Taktiker zugestanden wurde.
Letztendlich entwickelte sich aus diesem Verständnis der Operationsführung, weil sie durch ihre Dimension als entscheidend für eine gesamte Kriegführung bewertet wurde, nun sprachlich die "Operative Führung" der damaligen Zeit, welche geknüpft war an die oberste militärische Führungsebene.
Die Konsequenz war, dass ein Denken im Sinne der operativen Führung heutiger Zeit in den Streitkräften lange Zeit nicht entwickelt wurde.
2.2 Entstehung der Operativen Führung in der Bundeswehr
2.2.1 Renaissance des operativen Denkens
Nach Wiederaufstellung deutscher Streitkräfte hat es in Folge der geschilderten Umstände ein Denken in der heutigen Dimension operativer Führung noch nicht gegeben. 15 Erster Anknüpfpunkt waren die aus dem letzten Weltkrieg bekannten Terminologien der Strategie, Operation und Taktik.
Als einem der ersten neueren Beiträge werden die Beck-Studien von 1955 betrachtet, in denen der Herausgeber General Speidel die genannten Begriffe folgendermaßen beschreibt 16 :
11 Vad, Erich:Operative Führung, Grundlagen, Merkmale und Perspektiven, in Österreichische Militärzeitschrift 2/98, S. 129-130.
12 Vgl. Zehrer, Hartmut: Operative Führung - ihre Bedeutung für die Bundeswehr, in Europäische Sicherheit 3/93, S. 144.
13 Gruber, Karl-Jens; Sandrat, Jürgen-Joachim von; Schütte, Bode; Stahl, Wolf-Jürgen: Entwurf einer operativen Leitlinie der Bundeswehr, Führungsakademie der Bundeswehr, Lehrgangsarbeit, Hamburg 1998, S. 5.
14 Rohrschneider, Kai: Perspektiven operativer Führung, Wesen und Wandel operativer Führung seit dem Ersten Weltkrieg, Führungsakademie der Bundeswehr, Lehrgangsarbeit, Hamburg 1998, S. 42. 15 Zehrer, Harmut: Von der Notwendigkeit der Renaissance der operativen Führung, Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg 1993, S. 1.
16 Vgl. Beck, Ludwig: Studien, Vorbemerkungen zur Studie „Strategie“, herausgegeben und eingeleitet
6
Strategie umfasst alle militärischen Gedanken, Entschlüsse und ihre Durchführung, die aus der Gemeinsamkeit der geistigen, politischen, wirtschaftlichen und militärischen Führung in einem modernen Krieg erwachsen (…). So werden im militärischen Bezirke strategische Gedanken sich auf der Ebene der obersten Führung der Streitkräfte ergeben, gegebenenfalls auch auf der des Oberkommandos einer selbständigen Front zu Lande, zur See und in der Luft.
Operation - oft als ein Unterbegriff der Strategie verwandt - ist die Führung der Streitkräfte durch die höchsten Kommandobehörden (…).
Schlacht ist ein größeres Gefecht von entscheidender Wirkung bzw. eine nach Zeit, Raum und Auswirken zusammenhängende Reihe von Gefechten. Gefecht ist ein Zusammenstoß von Waffenwirkung. Taktik ist die Führung der Truppe zum Gefecht und auf dem Gefechtsfeld. Speidel erkennt auch hier den Zusammenhang zwischen einer Gesamt-und Militärstrategie, schreibt aber der Strategie nicht nur die konzeptionellen Aufgaben zu, sondern gleichzeitig deren Durchführung. Er nimmt also ebenfalls keine Trennung der Ebenen militärischer Führung von der militärischen Führungsebene vor im Sinne einer die strategischen Gedanken umsetzenden Führung.
Dieses Verständnis des operativen Denkens wurde in den folgenden Jahren beibehalten. "Die in der NATO einzigartige Bündnisorientierung deutscher Politiker und Militärs hatten zur Folge, dass der Gebrauch von Streitkräften nun zum Zwecke der politischen Interessenverfolgung nur unter bereits im Frieden genau definierten politischen Vorgaben (…) gedacht wurde.“ 17 Es ergab sich keine Notwendigkeit, über eine Umsetzung politischer Forderungen nachzudenken, da sie schon, in Plänen beschrieben, existierte.
Bei genauerer Betrachtung der im Jahre 1963 erlassenen Heeresdienstvorschrift (HDv) 100/1 und der 1973 herausgegebenen HDv 100/100 (TF/G 73) wird dies sehr anschaulich.
In Ersterer werden Operationen den Korps und Führungsebenen darüber zugewiesen, welche "die Operationen zu leiten und die Schlacht zu führen "18 hatten, die Taktik wurde Aufgabe der Ebene Division und darunter 19 . Eine Einordnung in ein "militärtheoretisches Gedankengebäude" fand nicht mehr statt. In der zweitgenannten Vorschrift (100/100) wurde anschließend völlig auf eine Zuordnung des Begriffs der Operation zu einer festgelegten Führungsebene verzichtet. Operationen waren demnach "zeitlich und räumlich zusammenhängende Handlungen von Kräften einer Seite. Sie sind immer auf ein bestimmtes Ziel gerichtet und umfassen Bewegungen, Kampfandlungen und sonstige Maßnahmen jeder Art und jeden Umfanges“ 20 . Erst 1987 wurde aufgrund der Initiative durch den damaligen Inspekteur des Heeres, General von Sandrart, eine erste "Operative Leitlinie des Heeres" erstellt. Sie hatte zum Ziel, aus dem bisherigen "Denken der militärischen Führer auszubrechen“ 21 . Dazu wird schon im Vorwort der Leitlinie darauf hingewiesen, dass "einem weiträumig angesetzten, von einer umfassenden operativen Idee getragenen Angriff“ nicht "vorwiegend statisch und in nationalen, schmalen Gefechtsstreifen" begegnet werden kann 22 . "Hierzu
von Hans Speidel, Stuttgart 1955.
17 Vgl. Zehrer, Hartmut: Operative Führung - ihre Bedeutung für die Bundeswehr, in Europäische Sicherheit 3/93, S. 144.
18 Zehrer, Hartmut: Von der Notwendigkeit der Renaissance des operativen Denkens, zitiert aus HDv 100/1 (TF 62), Nr. 55, Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg 1993, S. 2. 19 Vgl. Führungsakademie der Bundeswehr: Arbeitspapier operative Führung, Lehrunterlage, Hamburg 1991, S. 6.
20 Zehrer, Hartmut: Von der Notwendigkeit der Renaissance des operativen Denkens, a.a.O., S. 2. 21 Vgl. Milotat, Christian u. Roth, Friedrich: Die operative Ebene militärischer Führung, Zur Beweglichkeit und deren Missbrauch, in Soldat und Technik 8/1998, S. 494. 22 In diesen Jahrzehnten galt es, durch das aus der damaligen Militärstrategie „Flexible Response“ (NATO-Dokument MC 14/3) abgeleitete Konzept der Vorneverteidigung, zusammen mit
7
Arbeit zitieren:
Harry Horstmann, 2010, Historische Entwicklung der operativen Führung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Harry Horstmann hat einen neuen Text hochgeladen
The Book of War: Sun-Tzu the Art of Warfare & Karl Von Clausewitz on W...
Carl Von Clausewitz, Modern Library, Sun Tzu
El arte de la paz : equilibrio, en lugar de conflicto, en "El arte de ...
Philip Dunn, Blanca González Villegas
Sun-Tzu on the Art of War: The Oldest Military Treatise in the World (...
Sun Tzu, Sunzi, Lionel Giles
Preparing for the Proven Inevitable: An Urban Operations Training Stra...
Russell W. Glenn, Jody Jacobs, Brian Nichiporuk
France and the Algerian War, 1954-62: Strategy, Operations and Diploma...
Martin S. Alexander, J. F. V. Keiger
France and the Algerian War, 1954-1962: Strategy, Operations and Diplo...
Martin S. Alexander, J. F. Keiger
Aviation Safety, Human Factors - System Engineering - Flight Operation...
H. M. Soekkha, Hans M. Soekkha
0 Kommentare