Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Geschichte des Suhrkamp Verlags 3
2.1 Zur Person Peter Suhrkamp 3
2.2 Gründung des Suhrkamp Verlages 4
2.3 Verlagsleitung durch Siegfried Unseld 5
2.4 Die „Suhrkamp-Kultur“ 6
3 Die gegenwärtige Situation des Suhrkamp Verlages 7
3.1 Der Machtkampf um die Geschäftsführung des Verlages 7
3.2 Geschäftsführerin Berkéwicz 9
3.2.1 Der Umzug von Frankfurt nach Berlin 9
3.2.2 Diskussionen in den Medien 11
3.2.3 Autorenstimmen 12
4 Zur Bedeutung des Verlages 13
5 Schlussbetrachtung 14
6 Literaturverzeichnis 15
2
1 Einleitung
Am 6. Februar 2009 kündigt Ursula Unseld-Bercewitz den Umzug des Suhrkamp Verlages von Frankfurt nach Berlin an. Der Verlagkonzern besteht derzeit aus dem Insel-Verlag, dem Deutschen Klassiker Verlag, dem Jüdischen Verlag und - dem von Berkéwicz gegründeten -Verlag der Weltreligionen. Die Medien sprechen vom „Ende einer Ära“ 1 und diskutieren diesen Umzug seit Monaten in den Zeitungen. Ziel der Arbeit ist es, sich mit der Diskussion um den Verlag auseinanderzusetzen. Die Frage, warum dem Umzug des Suhrkamp Verlags gesellschaftlich so viel Bedeutung beigemessen wird, soll erörtert werden. Um diese aktuelle Diskussion in den Medien zu verstehen ist zunächst ein Rückblick auf die Geschichte des Verlages nötig, wem und unter welchen Umständen er seine Gründung verdankt und was den Suhrkamp Verlag von anderen Verlagen unterscheidet. Daher wird sich diese Arbeit zunächst mit den wichtigsten Personen im Verlag beschäftigen: mit dem Gründer Peter Suhrkamp und seinem Nachfolger Siegfried Unseld. Auch die mittlerweile schon sprichwörtlich gewordene „Suhrkamp-Kultur“ und die Beziehungen des Verlages zu seinen Autoren heute und in der Vergangenheit wird Thema der Arbeit sein. Im zweiten Teil wird dann auf die gegenwärtige Situation des Suhrkamp Verlages eingegangen, wobei die Nachfolgeregelung und die vielfältigen Veränderungen, die mit einem Führungswechsel in einem der historisch bedeutendsten Verlage Deutschlands einhergehen, näher untersucht und erörtert werden.
2 Geschichte des Suhrkamp Verlags
2.1 Zur Person Peter Suhrkamp
Johann Heinrich Suhrkamp, genannt Peter, wird am 20. März 1891 als erstes Kind des Landwirts und Tischlers Johann Friedrich Suhrkamp in Kirchhatten geboren. Dem Wunsch des Vaters Bauer zu werden und den Hof der Familie zu übernehmen steht seinem Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Eigenverantwortung entgegen. Von einem Lehrer erhält er heimlich Unterricht im Geigenspiel, wodurch er später zu der Entscheidung bewegt wird, Lehrer zu werden. Nach entscheidenden Lebenseindrücken befragt, nennt Suhrkamp die ländliche Natur, die Jugendbewegung und seine Leidenschaft für Literatur. Das Erwachen seiner Leidenschaft für Dichtung datiert er auf die Oldenburger Feier des 100. Todestages von Schiller. Er liest „Kabale und Liebe“ von Schiller und ist nun für Literatur bereit. 2 „Ich war, indem ich las, Schüler des eigenen Lebens. Das eigene Leben beginnt an dem Erzählten zu erglühen und empfindet Anstoß zur eigenen Gestalt.“ 3 Unseld bezeichnet den Ausdruck
1 Hierholzer, Michael: Der Verlag und die Stadt. In: FAZ vom 03.02.2009, Nr. 28, S. 37
2 Vgl. Unseld, 2004, S. 12 ff.
3 Suhrkamp, zitiert nach Unseld, 2004, S. 13
3
„Schüler des eigenen Lebens“ als eine charakteristische Prägung Suhrkamps, die einen für Suhrkamp kennzeichnenden pädagogischen Zug verrät. Ab 1911 ist Suhrkamp als Volksschullehrer tätig, bis er sich freiwillig zum ersten Weltkrieg meldet und an vorderster Front die Schlachten miterlebt. Als 1917 sein bester Freund fällt, wächst in ihm die Einsicht der Sinnlosigkeit des Krieges und er erliegt 1918 einem psychischen Zusammenbruch. Ein Jahr später nimmt er seine Lehrtätigkeit wieder auf und lehrt bis 1929 an verschiedenen Schulen, die durch ihr besonderes Lehrprinzip als fortschrittlich gelten. Suhrkamp lernt Berthold Brecht durch gemeinsame Theaterarbeit kennen und eine lang andauernde Freundschaft beginnt. Durch Brecht gelangt Suhrkamp 1929 zunächst als Journalist und Redakteur zu Ullstein nach Berlin. Es folgt 1932 der Wechsel zum S. Fischer Verlag, zunächst als Leiter der Redaktion, dann 1933 als Vorstandsmitglied des Verlages. Als 1936 die Erben von S. Fischer Deutschland verlassen müssen, erwirbt er den Verlag und leitet ihn, ab 1942 führt er den Verlag auf Anordnung des Propagandaministeriums unter dem Namen „Suhrkamp Verlag vorm. S. Fischer“ weiter, später erzwungenermaßen nur noch unter „Suhrkamp Verlag“, bis er am 13. April 1944 wegen „Landesverrats und Hochverrats“ 4 unter Anklage gestellt wird und im folgenden Januar ins Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert wird. Die Gestapo hat viele Anklagepunkte gegen Suhrkamp, der Bücher herausbringt, die in deutlichem Gegensatz zum NS-Regime stehen und zudem Werke von jüdischen Autoren unter Pseudonymen veröffentlicht. Suhrkamp erkrankt im Konzentrationslager an einer schweren doppelseitigen Lungen- und Rippenfellentzündung. Da die Nazis ihn außerhalb des Lagers sterben lassen wollen, wird Suhrkamp am 8. Februar 1945 überraschend entlassen. Suhrkamp überlebt, aber die Krankheit verschlimmert sich in den nächsten Jahren durch Herz- und Kreislaufbeschwerden und seine weitere Tätigkeit als Verleger wird durch Aufenthalte in Krankenhäusern und Sanatorien immer wieder unterbrochen. 5 31. März 1959 stirbt Suhrkamp an Herzversagen. 6
2.2 Gründung des Suhrkamp Verlages
Als erster deutscher Verleger erhält Suhrkamp am 04. Oktober 1945 von der britischen Militärregierung eine Lizenz für einen Buchverlag. In den Jahren 1945 und 1946 knüpft Suhrkamp Kontakte wieder erste Kontakte zu Autoren wie Hermann Hesse und Bertolt Brecht und erhält die von ihm gewünschten Lizenzen für Autoren wie Thomas Mann, Ernest Hemingway, Stefan Zweig. Am 15. November 1949 wird Suhrkamp von Gottfried Bermann Fischer aufgefordert die Berliner Firma nach Frankfurt zu überführen und bietet Suhrkamp eine Stelle an als Verlagsberater an, der jederzeit kündbar ist. Suhrkamp lehnt dies ab, worauf Fischer ihm das Treuhand-Verhältnis kündigt und ihm das Betreten der Verlagsräume
4 Unseld, 2004, S. 18
5 Vgl. ebd., S. 18 ff.
6 Vgl. ebd., S. 230
4
verbietet. Fischer reicht eine Klage gegen Suhrkamp vor der Wiedergutmachungskammer ein. Suhrkamp denkt ans Verzichten, wird jedoch von Autoren wie Hermann Hesse bestürmt, den Verlag nicht wieder aus der Hand zu geben. Schließlich kommt es zu einem Vergleich, bei dem die Autoren, die Suhrkamp während der Nazizeit publiziert hat, bestimmen dürfen, ob sie im alten S. Fischer Verlag oder im neu gegründeten Suhrkamp Verlag bleiben möchten. Von 48 Autoren entscheiden sich 33 für den Suhrkamp Verlag, an erster Stelle Hermann Hesse und Bertold Brecht. Am 1. Juli 1950 wird die Handelsfirma Suhrkamp Verlag Frankfurt ins Handelsregister Frankfurt eingetragen. Das Eröffnungsprogramm der Jahre 1950 und 1951 beinhaltet Autoren wie Theodor W. Adorno, Bertold Brecht, Hermann Hesse, Bernhard Shaw. 7 Das Programm und die Intention Suhrkamps sind durch das Bemühen um den zeitgenössischen Autor gekennzeichnet. Dabei ging es Suhrkamp „nicht um den Einzeltitel, sondern um den Autor in seiner Gesamtphysiogonomie“ 8 . Im Herbst 1951 erscheinen die ersten 6 Bände der ‚Bibliothek Suhrkamp’. „Die Bibliothek Suhrkamp ist dem wahren Bücherfreunde zugedacht, jener Leser-Elite, der anzugehören das Bedürfnis aller ist, denen das gute oder erlesene Buch unentbehrliches Lebensgut geworden ist.“ 9 Das Jahr 1952 ist dem weiteren Auf- und Ausbau des Suhrkamp Verlages gewidmet. Am 02. Januar 1952 tritt Siegfried Unseld in den Suhrkamp Verlag ein. 10
Über den Vorabend des Todes von Suhrkamp berichtet Unseld: „ […] Wir saßen zu dritt am Tisch, die Oberschwester, meine Frau und ich, Suhrkamp im Bett. Dann sagte Suhrkamp leicht spöttisch, überlegen, weise, lächelnd, den Trinkspruch: „Versuchen Sie nie, den Verlag so zu führen, wie ich ihn gemacht habe - das können Sie gar nicht! Versuchen Sie den Verlag so zu machen, wie Sie selbst es für richtig halten, und wenn Sie dann Glück haben, wird’s gut." […] 11 “
2.3 Verlagsleitung durch Siegfried Unseld
Siegfried Unseld war von Hermann Hesses „Siddhartha“ begeistert und von Sätzen wie „Werde, der du bist!“ Er traf den von ihm bewunderten Hermann Hesse um ihn über seine Pläne bezüglich einer eigenen Verlagsgründung u.a. mit dem Autor Martin Walser zu informieren und um seine Meinung zu hören. Hesse riet Unseld von einer Verlagsgründung ab und verwies ihn an Peter Suhrkamp, der mittlerweile schwer erkrankt war und nach einem Nachfolger suchte. Unseld hielt an seinem Vorhaben fest, schrieb an Suhrkamp und bat um eine Lizenz für ein von Suhrkamp nicht verlegtes Buch Hesses mit dem Titel „Wanderungen“. Suhrkamps Antwort ließ nicht lange auf sich warten und er bestellte Unseld nach Frankfurt. Am 01. Januar 1952 trat Unseld in den Suhrkamp Verlag ein und übernahm
7 Vgl. Unseld, 2004, S. 134 ff.
8 Suhrkamp, zitiert nach Unseld, 2004, S. 144
9 Ebd., S. 155
10 Ebd., 2004, S. 157
11 Ebd., S. 230
5
Arbeit zitieren:
Diplom-Bibliothekarin Nicole Fuchs, 2009, Aktuelle Entwicklungen des Suhrkamp Verlags, München, GRIN Verlag GmbH
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