können. Die inter- und intradisziplinären Definitionen sind der Beweis dieses Missverständnisses. Dabei liegt die Lösung im Wort: definieren bedeutet nichts anderes als abgrenzen.
Krieg wird fleißig abgegrenzt von Konflikten, Fehden, Terrorismus, Friedensmissionen und reiner Kriminalität. Denn Krieg bedeutet egal zu welcher Zeit einen Raum besonderen Rechtsverhältnisses. Ein derartiger Ausnahmezustand muss legitimiert werden. Im Bretonischen Erbfolgekrieg (1341-1364) legitimierte das Pariser Parlament 1341 die Eroberung von Nantes, das es, rechtsgültig, mit der Bretagne Karl von Blois zusprach. Eduard III. legitimierte die Sendung von Truppen auf das französische Festland 1339 offiziell mit seinem Anspruch auf die französische Krone. Speziell in der christlich geprägten (westeuropäischen) Gesellschaft des Mittelalters bedurfte es der kirchlichen, im Selbstverständnis des Vikariats, göttlichen Legitimation, einen Krieg gegen Christen zu führen. Der Legitimationsdruck steigt durch die Tatsache, dass Krieg kein Akt ist, sondern ein Zustand. „Es herrscht Krieg“. Notwendigerweise folgt daraus, dass Krieg nicht dadurch hinreichend definiert sein kann, wenn er umschrieben wird als strategisch geplantes Vorgehen von Parteien mit übergeordneter Idee unter Benutzung von Waffen zur Durchsetzung ihrer Ziele. Diese Eingrenzung beinhaltet die aktiven Kombattanten und grenzt gleichzeitig den Teil aus, der passiv zum ganzen des Kriegsraumes gehört.
Der Hundertjährige Krieg fand ausschließlich auf französischem Boden statt. Vor der Schlacht von Poitiers zog Eduard von Woodstock, der schwarze Prinz, durch das französische Languedoc bis Narbonne und Carcassonne, wobei sie die Region mit Plünderungen und Zerstörungen hinterließen. Dies wurde und wird allgemein als Auswirkung des Krieges kategorisiert und als unvermeidliches Übel moralisch zwar abgelehnt, aber inoffiziell dem Wesen des Krieges zugestanden. Weitere kleinere englische Soldheere bedienten sich solcher Chevauchée genannten Raubzüge, nicht allein wegen der Möglichkeit, persönlichen Gewinn mit Gewalt zu erlangen. Strategisch dienten sie dem Beweis der eigenen Stärke gegenüber der Ohnmacht des eigentlichen, dem Schutz verpflichteten Lehnsherrn. Bedenkt man die Situation der Bevölkerung Frankreichs, die selbst in offiziellen Friedensperioden nicht sicher war vor Übergriffen der Routiers, bedenkt man diesen dauerhaften Ausnahmezustand, und stellt nun, mit aller hypothetischer Vorsicht der Terminologie, England und Frankreich gegenüber, so zeichnet sich ein signifikanter Unterschied
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Arbeit zitieren:
Sina Hofmann, 2010, Was ist Krieg?, München, GRIN Verlag GmbH
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