I. Einleitung, S. 3.
II. Die Tugend der Freundschaft, im Besonderen: die der
vollkommenen, S. 3-10.
2.1.: Umrisshafte Klärung einiger zentraler Begriffe, Hilfen zum Grundverständnis. 2.2.: Der Umfang und die Bedeutung der Tugend der Freundschaft. 2.3.: Aristoteles Aufteilung der Freundschaft nach den `Dingen' die ihr als Grundmotivation zu Eigen sind. 2.4.: Die vollkommene Freundschaft.
III. Konflikte, S. 10-15.
IV. Fazit, S. 15.
V. Literatur, S. 16.
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I. Einleitung.
Die Nikomachische Ethik des Aristoteles ist einer der Grundtexte der abendländischen Philosophie und setzt sich umfassend mit den ethischen und handlungstheoretischen Problemen praktischer Philosophie auseinander. Sie stellt ein heute noch wichtiges Werk dar, insbesondere, da es mehr enthält als Moraltheorie. Das Buch versucht eine gesamte Theorie des guten Lebens und richtigen Handelns aufzustellen, weswegen der “Tugend der Freundschaft” eigens zwei der 10 Bücher gewidmet sind. Mit diesen wird sich diese Hausarbeit auseinander setzen, im Besonderen jedoch mit der darin vorgestellten “vollkommenen Freundschaft”. Da die Freundschaft im VIII. und IX. Buch ihre Abhandlung findet, wird zunächst eine Klärung der zum Verständnis des Themas notwendigen Begrifflichkeiten, die in den Büchern zuvor eingeführt werden, von `Nöten' sein. Danach wird umrisshaft geklärt, wie Aristeles Konzeption der Tugend der Freundschaft allgemein gestaltet ist, um dann auf die vollkommenen Freundschaft im genaueren einzugehen. Dabei wird der Konflikt auftreten, dass Aristoteles die vollkommene Freundschaft als schlechthin beständig und gerecht ansieht. Dies wird dann angezweifelt werden und die daraus resultierenden Probleme werden vorgestellt und erörtert. Die Bücher XIII und IX enthalten weitaus mehr als hier vorgestellt werden wird, es umfasst einen deutlich weiteren Begriff der Freundschaft wie man ihn heute kennt oder benutzt. Familiäre Beziehungen, gesellschaftliche (Zweck-) Bündnisse u.ä. werden ebenso thematisiert wie eben auch die Beziehung zwischen gleichen und ungleichen Menschen. Das politische und familiäre Spektrum des aristotelischen Freundschaftsbegriffes wird hier im Zuge des Schwerpunktes der Arbeit ausgeklammert bleiben, auch um in dem dann abgehandelten Bereich mehr Klarheit aufweisen zu können.
II. Die Tugend der Freundschaft, im Besonderen: Die der
Vollkommenen.
2.1.: Umrisshafte Klärung einiger zentraler Begriffe, Hilfen zum Grundverständnis. Der “Objektivitätsanspruch” Aristoteles innerhalb der praktischen Philosophie muss, um evtl. Fehler im Verständnis des Textes zu vermeiden, kurz erläutert werden. Im genannten Bereich herrscht nämlich eben nicht der Anspruch `die Wahrheit gepachtet' zu haben, Aristoteles betont geradezu den ambivalenten Charakter praktischer Philosophie und gestaltet
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die Nikomachische Ethik dementsprechend. 1
“Was die Darlegung betrifft, so muss man zufrieden sein, wenn sie denjenigen Grad an Bestimmtheit erreicht, den der gegebene Stoff zulässt.” 2 Daraus folgt zweierlei: Weder kann man eine `konkrete' Aussage, im Sinne einer `Handlungsbeschreibung' oder ähnlichem, erwarten, noch kann man die von ihm vertretene Position über die verwendeten Beispiele tatsächlich angreifen oder widerlegen. Letzeres vor allem aus dem Grund, dass sie in einem anderen zeitlichen und weltbildhaftem Zusammenhang stehen. Dies also ist erster und wichtigster Schritt zum Verständnis Aristoteles' praktischer Philosophie. Erster inhaltlicher Aspekt ist der, dass Aristoteles vom Menschen als ein `soziales und vernunftbegabtes Wesen' ausgeht, für dessen Lebensglück es 3 sehr gewichtig ist sich in seinem sozialen Umfeld wohlzufühlen. Zentraler, wenn nicht zentralster, Begriff der Nikomachischen Ethik ist der der “eudaimonia”, der zumeist mit 4 “Glückseligkeit” oder auch “gelingendem Leben” übersetzt wird. Sie ist für Aristoteles gleichzeitig `Ur- und Erstmotivation, Ursache und Grund menschlichen Handelns' und das 5 prinzipiell und sinnvollerweise immer zu Erstrebende “Gut”. Man begeht oder unterlässt eine Handlung, sucht man nach dem Grund für das Handeln oder Nicht-Handeln, so wird sich bei einer gründlichen Suche immer herausstellen, dass es zur Erlangung, Förderung oder 6 Erhaltung der “eudaimonia” getan oder gelassen wurde. So ist die eudaimonia denn auch für jedes freundschaftliche Handeln, Empfinden und Denken die treibende Kraft. Da nun geklärt sein sollte, warum der Mensch der Freundschaft oder der Geselligkeit benötigt und durch welches Streben die Ausführung dieser charakterisiert ist, muss nun der die Freundschaft näher bestimmende Begriff der Tugend erläutert werden. Der Begriff der “Tugend” ist nicht
1 Höffe, Otfried: Ethik als praktische Philosophie, in: Höffe, Otfried (Hrsg.): Die Nikomachische Ethik.
S. 19-30.
2 Buch I/1: 1094a, Z. 14. Anm.: Dies sei absofort die Zitierweise: Buch/Kapitel: Stelle, Zeile(falls ein best.
Punkt gemeints ist). 3 Buch VIII/1: 1155a: “Ferner ist sie [gemeint ist die Freundschaft] fürs Leben das Notwendigste.”
4 Anm.: Nicht gemeint ist das Lottoglück, das bloße Empfinden von Lust o.ä. 5 Vgl. Buch I/6: 1097b, Z.20f. 6 Anm.: Oder der Tat/ dem Tun von dem man glaubte es diene der eudaimonia.
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als moralisch verengter Begriff zu verstehen, sondern als sehr weit gefasster: die Fähigkeit ein 7 `Tätig-Sein' bzw. eine Tätigkeit seinem bzw. ihrem Zwecke nach gut zu tun. `Gut' ist im 8 Sinne des Treffens der “vernünftigen oder rechten Mitte” zu verstehen. Wenn man die Fähigkeit des `Nagel-Schmiedens' gut beherrscht, also bei der Tätigkeit `ihrem Zweck entsprechende Nägel' geschmiedet werden, so ist man ein tugendhafter Nagelschmied. Diese erworbene `Tugendhaftigkeit' bezieht sich jedoch nur auf die Tätigkeit als Nagelschmied, nicht auf den `Menschen' der der Tätigkeit nachgeht im Allgemeinen. Diese Fähigkeiten, 9 Tugenden erwirbt man durch Übung und Aneignung. Fähigkeiten oder Lebensweisen die nicht innerhalb der Möglichkeiten der menschlichen Natur liegen oder diesen gar widersprechen, können im aristotelischen Tugendsystem keine Tugenden sein oder werden, da man sich nicht an sie gewöhnen kann und sie der eudaimonia entgegenwirken würden, was 10 für Aristoteles ein Widerspruch darstellen würde. Genauso verhält es sich für Aristoteles mit der Freundschaft: Sie ist eine Fähigkeit die potential innerhalb des sozialen Wesens Mensch liegt und durch Erfahrung, Aneignung und Übung zur aktualen Fähigkeit und damit auch Tugend werden kann. 11
2.2.: Der Umfang und die Bedeutung der Tugend der Freundschaft.
Die Tugend der Freundschaft hat, für Aristoteles, in Bezug zur Notwendigkeit zum Erreichen und Vollziehen eines Lebens in “Eudaimonia”, universellen Charakter, ein Leben in 12 Eudaimonia wäre ohne dieselbe nicht möglich. Ob Arm, Reich, Jung oder Alt, so Aristoteles 13 Beispiele , man benötigt der Freundschaft, bzw. bezieht aus ihr Lust oder Vorteile und im
7 Vgl. Buch II/5: 1106a, Z. 16-25. 8 Vgl. Buch II: Die Kapitel 5 und 6. 9 Vgl. Buch I/13: 1103a. Und Buch II/1:1103 b. 10 Vgl. Buch II/1: 1103b, Z. 20. Anm.: Zur Begrifflichkeit der Tugend lese man das 2. Buch der
Nikomachischen Ethik.
11 Vgl. Buch VIII./1: 1155a. 12 Vgl. ebd. 13 Vgl. Buch VIII/1: 1155a.
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Wolf Single, 2008, Die Tugend der Freundschaft, im besonderen die der vollkommenen, auf Grundlage Aristoteles' Nikomachischer Ethik, München, GRIN Verlag GmbH
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