Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 4
1.1 Verankerung des Radsports in den Lehrplänen in NRW. 6
2 Material und Methoden. 10
2.1 Erstellung des Fragebogens. 10
2.1.1 Umfang der Befragung. 11
2.1.2 Zielsetzung und Sortierung der Fragen. 11
2.1.2.1 Frageblock I: Fragen zu demografischen
Daten. 12
2.1.2.2 Frageblock II: Fragen zum Inhaltsbereich: Gleiten,
Fahren , Rollen Rollsport/ Bootssport/ Wintersport. 13
2.1.2.3 Frageblock III: Fragen zu außer-
unterrichtlichen Radsportangeboten. 15
2.1.2.4 Frageblock IV: Fragen zum sportlichen
Hintergrund der Lehrer. 18
2.1.2.5 Frageblock V: Fragen zu Aussagen über
Radsport an Schulen. 19
2.2 Auswahl der Schulen. 20
2.3 Versand der Fragebögen. 21
2.4 Aufbereitung der erhobenen Daten. 23
3 Ergebnisse. 24
3.1 Rücklaufquoten. 24
3.2 Antworten zum Inhaltsbereich Gleiten, Fahren, Rollen -
Rollsport /Bootssport/Wintersport. 26
3.3 Antworten zu außerunterrichtlichen Radsportangeboten. 32
3.4 Antworten zum sportlichen Hintergrund der Lehrer. 35
3.5 Antworten zu Aussagen über Radsport an Schulen. 38
3.6 Anmerkungen zum Fragebogen. 42
4 Diskussion der Ergebnisse. 44
4.1 Unterscheidet sich das Angebot von Radsport zwischen verschiedenen
Schulformen in NRW? Wenn ja, welche Gründe gibt es
daf ür? 44
4.2 Wie ist das Radsportangebot im Schulsport im Vergleich
zu anderen Rollsportarten? 46
2
4.3 Wie beurteilen die befragten Lehrer, die Möglichkeiten
Radsport an ihren Schulen durchzuführen? 46
4.4 Welche Rolle spielt die Qualifikation und die Einstellung
der Sportlehrer bei der Entscheidung über Radsport an den
befragten Schulen? 52
4.5 Wie hoch ist der Kenntnisstand bei den Sportlehrern, über Pro-
jekte die den Radsport / das Rad fahren an Schulen unterstützen? 58
4.6 Welche Bedeutung hat die Kooperation, mit Radsportvereinen
bei der Durchführung von Radsport in der Schule? 60
4.7 Fazit. 62
5 Zusammenfassung. 63
6 Literaturverzeichnis. 65
6.1 Quellen aus dem Internet. 66
7 Abbildungsverzeichnis. 68
8 Tabellenverzeichnis. 71
9 Anhang. 72
3
1 Einleitung
Das Fahrrad ist eines der am weiten verbreiteten Fortbewegungsmittel in Deutschland. Es bietet sehr differenzierte Einsatzmöglichkeiten. Einige Menschen nutzen es für die Bewältigung des Arbeitsweges oder verwenden es als Lastenesel und erledigen damit ihre Einkäufe. Wieder andere verbringen große Teile Ihres Urlaubs auf dem Rad. Das Fahrrad ist aber auch ein beliebtes Mittel für gemeinsame Touren mit der Familie, Freunden und Bekannten. Von vielen Menschen wird es auch als Sportgerät verwendet. Die Vorteile des Fahrrades liegen auf der Hand. Es ist nahezu überall einsetzbar. Da es ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe auskommt, ist es eine sehr umweltfreundliche Art der Fortbewegung und besonders klimaschonend. Durch das regelmäßige Fahren mit dem Rad kommt es aufgrund der körperlichen Aktivität zu positiven Effekten auf das Herzkreislaufsystem.
„Regelmäßige körperliche Aktivität ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Durch gezielte Förderung eines aktiven Lebensstils lässt sich in jedem Alter der Entwicklung von Krankheiten und Beschwerden vorbeugen. Dazu gehören Herz - Kreislauf - Krankheiten, Diabetes mellitus Typ II, Darmkrebs, Osteoporose und Rückenschmerzen. Ebenso wird eine Verminderung physiologischer und verhaltensbezogener Risikofaktoren erreicht, die bei der Entstehung chronisch- degenerativer Krankheiten eine Schlüsselrolle spielen.“ 1
Besonders in der heutigen Zeit, in der viele Menschen in den sogenannten Industriestaaten Ihrem Körper permanent mehr Energie zuführen als Sie verbrauchen, ist es wichtig, Bewegung in den Alltag zu integrieren. Von dieser Veränderung der Lebens- und Ernährungsweise sind besonders die Jugendlichen betroffen. „Insbesondere im Kindes- und Jugendalter ist die verminderte körperliche Aktivität eine wesentliche Ursache für die steigende Prävalenz der Adipositas.“ 2 Übergewicht und die daraus resultierenden Krankheiten stellen nicht nur für den Einzelnen ein großes Problem dar, sondern belasten auch mit den damit verbundenen Kosten die sozialen Sicherungssysteme unserer Gesellschaft. Durch die regelmäßige Verwendung eines Fahrrades kann man dem sinkenden Energieverbrauch vieler Menschen entgegenwirken.
1 www.kiggs.de 2007
2 HAHN und Mitarbeiter, 2006, S. 354
4
„Auch im alltäglichen Leben von Kindern und Jugendlichen spielt die körperliche Aktivität eine immer geringere Rolle. Wie eine Untersuchung des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe zeigt, verbringen Kinder einen zunehmend größeren Anteil ihrer Freizeit zu Hause vor dem Fernseher oder Computer. Ein Viertel der befragten Grundschüler im Alter von 6 - 10 Jahren gab sogar an, nur noch maximal einmal in der Woche im Freien zu spielen. Im Durchschnitt verbrachten die Kinder etwa 9 Stunden am Tag im Sitzen ebenfalls 9 Stunden im Liegen, 5 Stunden stehend und lediglich eine Stunde in Bewegung.“ 3
Die Anschaffung eines Fahrrads ist zumeist nicht mit großen Kosten verbunden und verursacht in der Regel auch keine größeren Folgekosten. Somit stellt es nicht nur eine gesunde, sondern auch eine überaus günstige Art der Fortbewegung dar. Dem Radfahren kommt also eine große gesellschaftliche Bedeutung zu. Die meisten Kinder bekommen das Radfahren in frühester Kindheit von Familienangehörigen beigebracht, um aber die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten nutzen zu können, die das Fahren mit dem Rad bietet, ist eine professionelle Vermittlung dieser Bewegungsmöglichkeiten notwendig. In den meisten Sportarten übernimmt diese Aufgabe der Schulsport und der Vereinssport. Die gesellschaftliche Bedeutung des Radsports sollte sich also auch in der Schule widerspiegeln. Die Aufgaben und Inhalte des Sportunterrichts werden in den Lehrplänen für die jeweilige Schulform festgelegt. In der Arbeit wird untersucht, wie sich der Radsport bzw. das Radfahren in den Lehrplänen für die Schulformen Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule und Realschule in der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen (NRW) wieder finden. Es soll untersucht werden, ob und wie die Lehrer an verschiedenen Schulen in NRW den Radsport unterrichten. Weiterhin soll untersucht werden, welche außerunterrichtlichen Maßnahmen und Radsportfördermaßnahmen zur Förderung des Radsports an Schulen durchgeführt werden. Es gibt Projekte, die den Lehrern bei der Durchführung des Radsports Hilfestellung bieten. In der Arbeit soll untersucht werden, ob den Lehrkräften einige dieser Projekte bekannt sind. Es soll auch geklärt werden, welche Sportart die Lehrer 4 in Ihrer Freizeit betreiben und wofür Sie ein Fahrrad nutzen? Es soll darüber hinaus erkundet werden, welche häufig getroffenen Aussagen
3 http://www.kiggs.de 2007
4 Aus Gründen der Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet, es sind jedoch immer beide
Geschlechter gemeint.
5
zum Thema Radsport im Schulunterricht von den Lehrern eher bestätigt oder eher abgelehnt werden.
Die folgenden Kernfragen sollen durch die Examensarbeit beantwortet werden.
1. Unterscheidet sich das Angebot von Radsport zwischen verschiedenen Schulformen in NRW? Wenn ja, welche Gründe gibt es dafür?
2. Wie ist das Radsportangebot im Schulsport im Vergleich zu anderen Rollsportarten?
3. Wie beurteilen die befragten Lehrer die Möglichkeiten Radsport an ihren Schulen durchzuführen?
4. Welche Rolle spielt die Qualifikation und die Einstellung der Sportlehrer bei der Entscheidung über Radsport an den befragten Schulen?
5. Wie hoch ist der Kenntnisstand bei den Sportlehrern, über Projekte die den Radsport / das Radfahren an Schulen unterstützen?
6. Welche Bedeutung hat die Kooperation mit Radsportvereinen bei der Durchführung von Radsport in der Schule?
1.1 Verankerung des Radsports in den Lehrplänen in NRW
Die Inhalte des Sportunterrichts sind in den Richtlinien, Rahmenvorgaben und Lehrplänen für das Fach Sport festgelegt. Die Zuständigkeit für das Schulwesen liegt in Deutschland bei den 16 Bundesländern. Deshalb unterscheiden sich die Richtlinien und Lehrpläne zwischen den einzelnen Bundesländern. Dies gilt auch für das Schulfach Sport. Aber nicht nur zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede, sondern auch zwischen den einzelnen Schulformen innerhalb der Bundesländer. Diese Examensarbeit beschäftigt sich mit dem Radsport an Hauptschulen, Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen in der Sekundarstufe I in NRW. Die Richtlinien geben Auskunft über die Aufgaben und Ziele, über die Rahmenbedingungen und die Prinzipien des Lernens und Lehrens. Sie geben Auskunft über die Gliederung der Schulform und treffen Aussagen zum Schulprogramm. Die
6
Richtlinien gehören zum allgemeinen Teil und sind für alle Fächer der jeweiligen
Schulform und Jahrgangsstufen identisch. 5
Die Rahmenvorgaben regeln die pädagogische Grundlegung für den Schulsport, die
Inhaltsbereiche des Schulsports, die Grundsätze pädagogischen Handelns im Schulsport
und Bewegung, Spiel und Sport im Schulleben und im Schulprogramm.
Aus den Richtlinien und Rahmenvorgaben für den Schulsport ergibt sich der Lehrplan
f ür die jeweilige Schulform. Der Lehrplan regelt die Aufgaben und Ziele des Faches. Er
regelt Bereiche, Themen, Gegenstände, Unterrichtsgestaltung/Lernorganisation und die
Lernerfolgs überprüfungen. Er regelt auch die Abschlussprüfungen, wie beispielsweise
die Abiturprüfungen in der gymnasialen Oberstufe. Im Lehrplan befinden sich auch
Hinweise zur Arbeit mit dem Lehrplan.
F ür die Erstellung des Fragebogens diente insbesondere der Lehrplan als Grundlage.
Die Inhaltsbereiche des Sportunterrichts in NRW werden in neun bzw. zehn
verschiedene Inhaltsbereiche oder auch Bewegungsfelder unterteilt.
Abbildung 2: Inhaltsbereiche des Schulsports
xxxvII NRW Gymnasium 6
5 Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein - Westfalen, Sekundarstufe
1 - Realschule 2001
6 MSWF - NRW 2001, Sekundarstufe I - Gymnasium, 41
7
Durch die Inhaltsbereiche sollen die folgenden sechs Pädagogische Perspektiven verwirklicht werden.
• Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern (A) • Sich körperlich ausdrücken, Bewegungen gestalten (B) • Etwas wagen und verantworten (C) • Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen (D) • Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen (E) • Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln (F) 7
Radsport wird in den Lehrplänen von Gesamtschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium dem Inhaltsbereich „Gleiten, Fahren, Rollen - Rollsport, Bootssport, Wintersport“ zugeordnet.
„In diesem Inhaltsbereich stehen der Umgang mit dem Gleichgewicht und die Bewegungssteuerung im Mittelpunkt. Über Gleiten, Fahren, Rollen erschließt sich ein Feld besonders reizvoller Bewegungserfahrungen, die vielfach unmittelbar an die außerschulische Bewegungskultur der Schülerinnen und Schüler anknüpfen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Möglichkeiten zur Fortbewegung, vor allem unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Spiel- und Sportgeräte. Entsprechend ihren Einsatzmöglichkeiten lassen sich die Geräte wie folgt unterscheiden: • Geräte zur Fortbewegung auf festem Boden
z. B. Inline-Skates, Skateboards, Kickboards, Roller, Rollbretter, Rollen, Pedalos, Rollenski, Fahrräder, Einräder • Geräte zur Fortbewegung auf dem Wasser z . B. Wasserskier, Ruderboote, Surfbretter, Kanus • Geräte zur Fortbewegung auf Schnee und Eis z. B. Skier, Snowboards, Schlitten, Schlittschuhe“ 8
Der Inhaltsbereich „Gleiten, Fahren, Rollen - Rollsport, Bootssport, Wintersport“ wird mit 20 bis 30 Unterrichtseinheiten für die Jahrgangsstufen 5 - 10 als obligatorisch veranschlagt. Insgesamt sind für den gesamten Sportunterricht etwa 450 Unterrichtseinheiten in den 10 Bewegungsfeldern verplant. Zu diesen verplanten Unterrichtseinheiten kommen zusätzlich etwa 270 Unterrichteinheiten hinzu, die den Lehrern der jeweiligen Schule als Freiraum zur freien Verplanung bereit stehen. Ob
7 MSWF - NRW 2001, Sekundarstufe I - Hauptschule, S. 38
8 MSWF - NRW 2001, Sekundarstufe I - Hauptschule, S. 110
8
letztendlich eine Sportart an der jeweiligen Schule angeboten wird hängt in starken Maße von der Fachlehrerkonferenz ab und davon, ob sich durch die angebotenen Sportarten die Richtlinien für das Fach Sport erfüllen lassen. Neben der Möglichkeit Radsport als Teil des Unterrichts im Bewegungsfeld „Gleiten, Fahren, Rollen - Rollsport, Bootssport, Wintersport“ durchzuführen, räumt der Lehrplan darüber hinaus die Möglichkeit ein, Radsport als Bestandteil des außerunterrichtlichen Schulsports anzubieten. Dazu gehören zum Beispiel Pausensport, Schulsportgemeinschaften, Schulsportfeste, Schulsportwettkämpfe, Schulsporttage oder Schulfahrten mit sportlichem Schwerpunkt. Auch die Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Sportvereinen wird explizit genannt.
9
2 Material und Methoden
In diesem Teil wird die Erstellung des Fragebogens erläutert. Dabei wird die Intention, die hinter jeder Frage steht beleuchtet und auf die Bedeutung von Objektivität, Reliabilität und Validität bei der Erstellung des Fragebogens eingegangen. In einem weiteren Arbeitsschritt wird die Zufallsauswahl der Schulen und der anschließende Versand der Fragebögen an die Schulen beschrieben. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Betrachtung des statistischen Verfahrens zur Auswertung der Fragebögen.
2.1 Erstellung des Fragebogens
Bei der Erstellung des Fragebogens war es wichtig, dass dieser in einem möglichst hohen Grad den Ansprüchen von Objektivität, Reliabilität und Validität genügt. „Der Grad der Objektivität bringt zum Ausdruck, in welchem Ausmaß die Ergebnisse unabhängig sind von der jeweiligen Person, die das Messinstrument anwendet.“ 9 Vollständige Objektivität liegt dann vor, wenn zwei oder mehrere Anwender mit dem gleichen Instrument zum gleichen Ergebnis kommen. Die schriftlich zu beantwortenden Fragebögen werden dem Kriterium der Objektivität in hohem Maße gerecht. Es spielt keine Rolle, wer Ihn letztendlich an die einzelnen Schulen versendet, die Ergebnisse müssten identisch sein. „Die Reliabilität eines Messinstruments ist ein Maß für die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen.“ 10 Würden bei einer weiteren Befragung der gleichen Lehrer, die gleichen Ergebnisse erzielt werden, so würde das für eine hohe Reliabilität des Messinstruments sprechen. Es bestand jedoch die Gefahr, dass die Lehrer durch die Befragung ihre Einstellungen zum Thema Radsport ändern könnten und es dadurch bei einer weiteren Befragung zu anderen Ergebnissen kommen könnte. In dieser Befragung diente der Fragebogen einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, eine Änderung des Lehrerverhaltens ist durchaus möglich. Wenn sich diese Änderung positiv auf das Unterrichten von Radsport im Unterricht auswirkt, dann ist das eine durchaus gewollte Änderung der Einstellung der Befragten. „Objektivität und zuverlässige Messinstrumente müssen nicht notwendigerweise valide sein. Wer wiederholt lügt, mag zwar die Reputation eines zuverlässigen Lügners erhalten, nur sagt er uns eben nicht die Wahrheit.“ 11 Deshalb war es das Ziel, einen möglichst validen Fragebogen zu gestalten. Bei dem verwendeten Fragebogen ist besonderer Wert auf die sogenannte Konstruktvalidität gelegt worden.
9 DIEKMANN, 2007, S. 249
10 DIEKMANN, 2007, S. 250
11 DIEKMANN, 2007, S 256
10
„Mit der Konstruktvalidität (construct validity) wird die Aufmerksamkeit auf die Brauchbarkeit von Messinstrumenten für die Entwicklung von Theorien gelenkt. Konstruktvalidität verlangt, dass das von einem Messinstrument erfasste Konstrukt mit möglichst vielen anderen Variablen in theoretisch begründbaren Zusammenhängen steht und hieraus Hypothesen ableitbar sind, die einer empirischen Prüfung standhalten.“ 12
2.1.1 Umfang der Befragung
Der Umfang des Fragebogens koreliierte mit den Zielen der Befragung. Da die Akzeptanz des Fragebogens im starken Maße von dem notwendigen Zeitaufwand für dessen Beantwortung abhängt, wurde er so konzipiert, dass man ihn in etwa 15 Minuten beantworten konnte und er dennoch so viele Fragen (Items) enthält, dass man zu auswertbaren Ergebnissen gelangt.
Der Fragebogen bestand aus 27 Fragen, die auf einem beidseitig bedruckten A4 Blatt angeordnet waren. Den eigentlichen Items war ein Einleitungstext vorangestellt. Er sollte dem Empfänger des Fragebogens einen kurzen Überblick über den Inhalt der Examensarbeit liefern. Er sollte weiterhin dem jeweiligen Lehrer dazu zu animieren, die Items zu beantworten. Zu diesem Zweck wurde im Einleitungstext darauf hingewiesen, dass es sich um einen anonymisierten Fragebogen handelt und dass die Lehrer durch das Ausfüllen des Bogens zur Aussagefähigkeit der Umfrageergebnisse beitragen. Der Einleitungstext schloss mit einer Dank - und Grußformel sowie der Handynummer und E-Mailadresse unter der man den Verfasser des Fragebogens für etwaige Rückfragen erreichen konnte.
2.1.2 Zielsetzung und Sortierung der Fragen
Der Fragebogen bestand aus fünf Frageblöcken. Jeder Frageblock bestand aus mehreren Items. Der Fragebogen enthielt Fragentypen mit den Einstellungen, Verhalten oder sozialstatistische Merkmale erfragt wurden.
Um die Vergleichbarkeit der Antworten zu erleichtern bestand der dominierende Teil des Fragebogen hauptsächlich aus geschlossenen Fragen mit vorgegebenen Antwortkategorien. „Insbesondere in schriftlichen Interviews sind geschlossene Fragen
12 DIEKMANN, 2007, S 257
11
leichter und schneller beantwortbar als offene Fragen, die von der interviewten Person verlangen, einen Text niederzuschreiben.“ 13
Der Fragebogen enthielt eine Vielzahl von formal offenen Fragen, mit deren Hilfe die Häufigkeit einer Aktivität bzw. Mengenangaben erfragt wurden. Im Fragebogen waren auch einige Hybridfragen enthalten. Sie stellen einen Kompromiss zwischen geschlossenen Fragen und offenen Fragen dar. Es handelt sich um eine geschlossene Frage, die mit einer offenen Antwortmöglichkeit ergänzt wird. Der Fragebogen enthielt auch eine Filterfrage. „Filterfragen werden Frageblöcken vorgeschaltet, die sinnvollerweise nur von einer Teilmenge der interviewten Personen beantwortet werden sollten.“ 14
2.1.2.1 Frageblock I: Fragen zu demografischen Daten
Am Anfang des Fragebogens befanden sich sechs demografische Fragen. Dadurch sollte erreicht werden, dass der Ausfüllende zu Beginn der Befragung einfache und schnell zu beantwortende Fragen vorfindet. Mit diesem Vorgehen verband sich die Vermutung, dass man den Fragebogen komplett beantwortet, wenn man schon einige Items beantwortet hat. „1. demografische Fragen an den Anfang eines Fragebogens stellen Begründung: Sie sind sehr einfach und schnell zu beantworten. “ 15 1. Welches Geschlecht haben Sie? Weiblich Männlich
Im ersten Item wurde das Geschlecht, des Lehrers erfragt. Damit sollte das Ziel verfolgt werden, bei der Auswertung der Fragen eventuell Unterschiede zwischen dem Radsportangebot von weiblichen und männlichen Sportlehrern aufzeigen zu können. 2. Wie alt sind Sie? ______ Jahre
3. Seit wie viel Jahren sind Sie als Sportler/in tätig? Seit ______ Jahren 4. Wie viel Stunden Sportunterricht erteilen Sie pro Woche in der Sekundarstufe I? ______ Stunden
Der zweite Item erfragte das Alter der Lehrkraft und der dritte Item die Zeit in Jahren, die der Lehrer bereits Sport unterrichtet. Dadurch sollten bei der Auswertung der Fragen eventuell Tendenzen, die mit dem Alter oder der Berufserfahrung des Lehrers und der Durchführung von Radsport zusammenhängen könnten aufgedeckt werden. Die vierte Frage sollte aufzeigen, ob vielleicht ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der erteilten Sportstunden und dem Radsportangebot besteht.
13 DIEKMANN, 2007, S. 477
14 DIEKMANN, 2007, S. 478
15 www.2ask.de 2010
12
5. Wie viele Einwohner hat der Ort/ die Stadt in der Ihre Schule ansässig ist? < 5.000 EW 5.000 - 20.000 EW 20.000 - 100.000 EW >100.000 EW
In der fünften Frage sollten die Lehrer die Einwohnerzahl der Stadt angeben in der sich Ihre Schule befindet. Dadurch sollten in der Auswertung eventuelle Zusammenhänge zwischen Radsport und dem Urbanisierungsgrad der Region, in der die Schule angesiedelt ist, sichtbar gemacht werden. Um die Befragung dieser Frage zu vereinheitlichen und zu vereinfachen wurden Kategorien vorgegeben. Die Kategorien reichen von Landstädten mit weniger als 5.000 Einwohnern (EW) über Kleinstädte von 5.000 EW - 20.000 EW und Mittelstädte mit einer Einwohnerzahl von 20.000 EW -100.000 EW bis hin zu Großstädten von mehr als 100.000 EW. 16 6. An welcher Schulform unterrichten Sie? Gesamtschule Hauptschule Realschule Gymnasium
Der demografische Block schloss mit der Frage nach der Schulform, an der die Lehrkraft tätig ist, ab. Mit Hilfe dieses Items sollte der Zusammenhang von Schulform und Radsportunterricht untersucht werden.
2.1.2.2 Frageblock II: Fragen zum Inhaltsbereich: Gleiten, Fahren,
Rollen - Rollsport/Bootssport/Wintersport
Im zweiten Frageblock ging es um die konkrete Ausgestaltung des Inhaltsbereiches „Gleiten. Fahren, Rollen - Rollsport/Bootssport/Wintersport.“ In Frage 7 sollten die Lehrer die Anzahl der Unterrichtseinheiten (UE) eintragen, die Sie von der jeweiligen Sportart in dem Inhaltsbereich pro Jahrgangsstufe unterrichten. Die Einteilung in die Bereiche „Fortbewegung auf festem Boden, Fortbewegung auf Wasser und Fortbewegung auf Schnee und Eis“ wurden den Lehrplänen für die vier Schulformen entnommen und müssten den Lehrern vertraut sein. Die einzelnen Bereiche wurden nochmals in drei bzw. zwei Kategorien unterteilt. Auch deren Bezeichnungen wurde den Lehrplänen entnommen. Mit Hilfe der Pfeile sollte deutlich gemacht werden, in welche Spalte die Lehrer die Eintragungen vornehmen mussten. Ziel dieser Frage war es einen Überblick darüber zu bekommen, welche Sportart in dem Inhaltsbereich unterrichtet wird.
16 HANNEMANN, 2004, S. 381
13
7. Welche der unten genannten Sportarten führen Sie in den jeweiligen Jahrgangsstufen durch? Bitte tragen Sie in das jeweilige Feld die Anzahl der Unterrichtsstunden (UE), die Sie in dem Inhaltsbereich und der jeweiligen Klassenstufe pro Schuljahr unterrichten ein. Klassenstufe mit Anzahl der UE
Inhaltsbereiche 5 6 7 8 9 10
Fortbewegung auf festem Boden
z.B. (Inline Kickboards)
(Roller, Rollbretter, Rollen, Rollenski) (Fahrräder, Einräder) Fortbewegung auf dem Wasser z.B. (Wasserskier, Surfbretter) (Ruderboote, Kanus) Fortbewegung auf Schnee und Eis z.B. (Skier, Snowboards, Schlitten) (Schlittschuhe)
8. Unterrichten Sie Radsport im Sportunterricht in der Sek. I? Ja Nein (Nein bitte zu Frage 12. weiter gehen)
9. Wie viele Unterrichtsstunden (UE) Radsport führen Sie in der Sek. I pro Schuljahr durch? _______ UE
Die achte Frage war eine Filterfrage. Sie erfragte, ob die Lehrer Radsport im Unterricht unterrichten oder nicht. Sollten die Lehrer keinen Radsport unterrichten, so konnten die Befragten die kommenden drei Fragen überspringen und direkt zum Item zwölf weitergehen. Sollte die achte Frage bejaht werden, so sollten die Befragten in der neunten Frage die Anzahl der Unterrichtseinheiten eintragen, die Sie Radsport unterrichten
10. Welche Form von Radsport unterrichten Sie in der Sekundarstufe I? Auch Mehrfachnennungen möglich. Radfahren allgemein Mountainbike Bahnradsport Kunstradsport Radrennsport Radball
BMX Radtouren/Wandertouren mit dem Fahrrad
11. Unterrichten Sie eine Form von Radsport, die bei Frage 10 nicht aufgeführt ist? Wenn ja: Welche? ______________________________
14
Im zehnten Item sollten die Lehrer ankreuzen, welche Form von Radsport Sie unterrichten. Sollten Sie eine Form von Radsport unterrichten, die bei Frage zehn nicht aufgeführt worden war, so hätte der Sportlehrer diese Form in Frage 11 aufführen können.
Das Ziel der Fragen acht bis elf bestand darin, herauszufinden, wie viele der Befragten Radsport durchführen und in welchem Umfang und Form Sie dies taten.
2.1.2.3 Frageblock III: Fragen zu außerunterrichtlichen
Radsportangeboten
In diesem Frageblock, der sechs Fragen umfasste, sollte erkundet werden, an welchen Schulen es außerunterrichtliche Radsportangebote gibt. Es war auch ein Ziel zu erfahren, ob der Befragte Projekte/Angebote zur Förderung von Radsport kennt.
12. Sind Ihnen folgende Projekte/Angebote zur Förderung des Radsports an Schulen bekannt?
Projekte/Angebote von Unternehmen und Organisationen Ja Nein
VCD-Kampagne "FahrRad“
ADAC Fahrrad-Turnier (jede Schule die teilnimmt, bekommt
30,00 € pauschal und zusätzlich 0,80 Cent pro Schüler/in vom ADAC) Online Portal "RADschlag" (www.radschlag-info.de)
„Aktion Helm auf“ vom Möbelhaus Porta
(www.porta.de/start/aktion-helm-auf.html) Das Möbelhaus verschenkt
jedes Jahr 15.000 Fahrradhelme an Schüler/innen
Online Portal „Fette Reifen vom Rad Club“ (www.fettereifenrennen.de)
13. Sind Ihnen andere Projekte/ Angebote bekannt die zur Förderung des Radsports an Schulen beitragen?_________________________________ Neben dem Interesse am Wissensstand der Lehrer über die aufgeführten Projekte, die man durch eine kurze Internetrecherche sehr einfach finden kann, hatte das zwölfte Item noch ein weiteres Ziel. Dieses bestand darin, die Lehrer auf diese Projekte aufmerksam zu machen und das Interesse am Radsport zu steigern. Deshalb wurde bei einigen Projekten, wie zum Beispiel dem ADAC Fahrradturnier auf die finanziellen Vorteile dieses Projektes hingewiesen. Bei der „Aktion Helm auf“ vom Möbelhaus Porta wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, Fahrradhelme für die Schüler zu bekommen. Bei anderen Aktionen war im Fragebogen die Internetadresse, unter der man mehr
15
Informationen über die Aktion bekommen kann, mit angegeben. Durch diese Informationen bot der Fragebogen dem Befragten auch einen Zusatznutzen in Form von Informationen.
Die VCD-Kampagne "FahrRad“ wird seit einigen Jahren vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) gefördert.
„Mit »FahrRad!« möchte der VCD das Image des Fahrrades bei den Jugendlichen verbessern und sie für das umweltschonende Zweirad gewinnen. *Denn Rad fahren ist gesund, stellt einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz dar und trägt dazu bei, dass sich Kinder in der Schule besser konzentrieren können", begründet Gabriele Kuczmierczyk vom VCD-Bundesvorstand das Engagement des VCD. *Wer den Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegt, verbessert darüber hinaus seine sozialen Kontakte und übt verkehrssicheres Verhalten." 17
Die Kampagne steht in jedem Jahr unter einem anderen Thema so stand sie beispielsweise im Jahr 2006 unter der Überschrift „FahrRad! - Wer zur Schule fährt, gewinnt 2006“. Im Jahr 2009 stand Sie unter der Überschrift "FahrRad! Fürs Klima auf Tour 2009".
Das Projekt vom ADAC steht: „Unter dem Motto "Mit Sicherheit ans Ziel" halten der ADAC und E-Plus für junge Radfahrer im Alter von 8 bis 15 Jahren mit dem Fahrradturnier ein praxisnahes Übungsprogramm bereit.“ 18 Der ADAC stellte zur Durchführung eines Fahrradturniers, indem es darum geht die Freude am Radfahren zu vermitteln und den sicheren Umgang mit dem Rad zu erlernen alle notwendigen Materialien kostenlos zur Verfügung. Dazu gehören auch die benötigten Fahrräder, die vom Lehrer in einem bereitgestellten Radanhänger abgeholt werden können. Darüber hinaus bestand die kostenlose Möglichkeit, eine Sicherheitsüberprüfung der Fahrräder der Schüler durchführen zu lassen. Darüber hinaus erhielt jede Schule, die teilnimmt 30,00 € pauschal und zusätzlich 0,80 Cent pro Schüler/in vom ADAC. Wenn man bei Google die Wortkombination „Fahrrad Sicherheitstraining“ eingibt erscheint die Seite des ADAC als erste.
„Mit der Aktion „Helm auf!“, die seit 2007 bereits zum dritten Mal stattfindet, möchte das Möbelhaus Porta helfen, Unfälle zu vermeiden. Unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und in
17 www.nationaler-radverkehrsplan.de 2010
18 www.adac.de 2010
16
Arbeit zitieren:
Mark Heyde, 2010, Eine empirische Untersuchung zum Angebot von Radsport im Inhaltsbereich "Gleiten, Fahren, Rollen" an ausgewählten Schulen in NRW, München, GRIN Verlag GmbH
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