Inhaltsverzeichnis
mm h^^///ZZZ
&ss
'&t>< &d ttttt /^^>DDDD
1 Einleitung
Ausgehend von einer Subprime-Krise auf dem US-amerikanischen Hypothekenmarkt hat sich eine internationale Finanzmarktkrise entwickelt, welche im Frühjahr 2009 schließlich die Realwirtschaft erreicht hat und von der kaum eine Volkswirtschaft der Welt verschont geblieben ist. „Begrenzte Finanzkrisen sind häufige Ereignisse der Geschichte. Man denke nur an die Weltschuldenkrise Anfang der achtziger Jahre, […], an die Savings & Loan Krise Anfang der neunziger Jahre, […], an die Asienkrise der Jahre 1997 und 1998, […], oder die lateinamerikanische Krise der Jahre 1998 bis 2002, […]. Doch keine der genannten Finanzkrisen reichte in ihrem Ausmaß an den Super-GAU der Finanzkrise heran, in der sich die Welt derzeit befindet.“ So beschreibt Sinn (2009) die aktuelle Situation auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft. Er spricht davon, dass sich das Weltfinanzsystem im Oktober 2008 am Rande einer Kernschmelze befunden habe. Nur durch eine zügige Einigung der G7-Länder auf gemeinsame Leitlinien für eine Rettungsstrategie habe diese abgewendet werden können, indem ein Bank Run verhindert worden sei. 1
Diese Arbeit beleuchtet die fiskalischen Rettungsprogramme innerhalb der Europäischen Union, mit denen die Regierungen versuchen, die realwirtschaftlichen Folgen der Krise zu bekämpfen. Insbesondere wird untersucht, welche positiven und/oder negativen externen Effekte die nationalen Konjunkturprogramme auf benachbarte Länder haben und inwiefern Wettbewerbsaspekte bei der Zusammensetzung der Pakete eine Rolle spielen. Abschließend wird die Notwendigkeit der supranationalen Koordination der Konjunkturpakete erläutert, um zu einem wohlfahrtsmaximierenden Ergebnis zu gelangen.
1.1 Übersicht
Im weiteren Verlauf des ersten Kapitels werden die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Finanz- und Wirtschaftskrise beschrieben. Der Leser soll verstehen, worauf sich die riesigen staatlichen Konjunkturprogramme gründen und wodurch sie notwendig geworden sind.
,,t^^^^^<<<^^^^
Im zweiten Kapitel soll zunächst beleuchtet werden, weshalb die geldpolitischen Möglichkeiten der Krisenbekämpfung bereits weitgehend ausgeschöpft sind und nun die Fiskalpolitik in den Vordergrund gerückt ist. Danach wird ein Blick auf die Anfänge und die Entstehung der fiskalpolitischen Theorie geworfen und es wird beschrieben, welche verschiedenen fiskalpolitischen Instrumente den Regierungen zur Verfügung stehen. Abschließend wird die empirische Wirksamkeit expansiver Fiskalpolitik betrachtet und es wird untersucht, welche Ziele die Regierungen mit ihren aktuellen Konjunkturpaketen verfolgen. Ein wichtiger Punkt dabei ist auch, welche Rolle die Staatsverschuldung in diesem Zusammenhang spielt.
Im dritten Kapitel werden anfangs die direkten und die indirekten fiskalpolitischen Maßnahmen der europäischen Länder Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich im Einzelnen beschrieben. Danach wird noch das Konjunkturpaket der Europäischen Union vorgestellt. Es werden zudem die von den Regierungen gewünschten Implikationen der Maßnahmen auf die jeweilige heimische Wirtschaft erläutert.
Zu Beginn des vierten Kapitels wird untersucht, welche verschiedenen Arten von externen Effekten die Fiskalpolitik auf benachbarte Länder haben kann. Danach wird in einem aus dem Gefangenendilemma abgeleiteten Modell die Anreizproblematik zur Durchführung expansiver Fiskalpolitik für kleine, offene Volkswirtschaften beleuchtet. Darauf folgend wird im Rahmen eines theoretischen Modells diskutiert, inwiefern Wettbewerb zwischen den Ländern die Zusammensetzung der Konjunkturpakete beeinflusst. Abschließend wird untersucht, inwieweit die Notwendigkeit einer supranationalen Koordination der Konjunkturpakete besteht und welche Möglichkeiten es dabei gibt.
Zum Schluss, im fünften Kapitel, werden die grundlegenden Ergebnisse der Arbeit kurz zusammengefasst und kritisch gewürdigt.
1.2 Der Einfluss der US-Immobilienkrise auf die globale Realwirtschaft
Um die Notwendigkeit der in den nachfolgenden Kapiteln beschriebenen staatlichen Rettungspakete verstehen zu können, ist ein Blick auf die Ursachen, die Entwicklung und die Tragweite der Krise unabdingbar.
Der wichtigste makroökonomische Aspekt, der letztendlich zur schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der großen Depression der Jahre 1929 bis 1932 geführt hat, ist das enorme Leistungsbilanzdefizit der USA. Dieses Leistungsbilanzdefizit wurde in den letzten drei Jahrzehnten angehäuft. Man kann dabei sowohl eine private Verschuldung als auch ein hohes Budgetdefizit beim öffentlichen Haushalt betrachten.
Zunächst betrachten wir die Problematik der steigenden privaten Verschuldung der USamerikanischen Haushalte und der sinkenden Immobilienpreise: Lag die private Sparquote in den USA jahrelang weitgehend stabil zwischen 7 % und 10 %, verringerte sie sich seit Anfang der Achtziger auf annähernd 0 % in den Jahren 2005 bis 2007. Da es sich bei den Zahlen um Durchschnittswerte handelt, kann man erkennen, dass viele Haushalte negative Sparquoten aufwiesen und somit mehr konsumierten, als sie verdienten. Dies wurde ermöglicht durch die kontinuierlich steigenden Immobilienpreise. Die amerikanischen Hausbesitzer wähnten sich für das Alter abgesichert, solange die Preise ihrer Häuser weiter stiegen. Zusätzlich nahmen sie laufend neue Kredite auf ihre Eigenheime auf, um mehr Geld für den Konsum zur Verfügung zu haben. Diese Kredite gewährten die amerikanischen Banken ihren Kunden meist ohne sorgfältige Prüfung ihrer Bonität. Möglich war dies für die Banken, weil sie diese Hypothekendarlehen nicht lange in den eigenen Büchern führten, sondern bündelten, um sie anschließend zusammen mit weiteren Ansprüchen wie zum Beispiel Kreditkartendarlehen oder Autoleasingverträgen als sogenannte Collateralized Dept Obligations (CDO) an andere Banken weiterzureichen. Ein großer Teil des Leistungsbilanzdefizits der USA wurde also dadurch finanziert, dass die Warenimporte in die USA mit diesen CDO-Papieren bezahlt wurden. Dadurch landete auch eine große Anzahl dieser Papiere auf den Konten deutscher Banken. Dieses System funktionierte, solange die Immobilienpreise in den USA kontinuierlich stiegen und die Papiere gute Renditen abwarfen. In den Jahren zwischen 1996 und 2006 stieg der Wert der amerikanischen Immobilien um 190 %, was einem jährlichen Durchschnitt von 11,2 % entspricht. Da die jährliche Wachstumsrate des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) weit darunter lag, entwickelte sich eine „Immobilienblase“. Problematisch wurde es, als ab etwa Juni 2006 die Immobilienpreise, anstatt weiter zu steigen, zu sinken begannen. Viele amerikanische Haushalte gerieten nun in Schwierigkeiten, ihre Darlehen zu bedienen. Dies hatte unmittelbare Konsequenzen auf die Finanz- und Realwirtschaft. Auf der finanzwirtschaftlichen Seite mussten die Banken im Geschäft mit Hypothekendarlehen enorme Verluste hinnehmen, was daran lag, dass die CDO-Papiere seit Mitte 2006 enorm
an Wert verloren. Der Marktwert der Papiere der schlechtesten Tranche (BBB-Tranche) 2 liegt heute nur noch bei etwa 3 % des Wertes von Juni 2006. Somit mussten die Banken, die diese Papiere in ihren Konten hatten, gewaltige Abschreibungen tätigen. Die fallenden Immobilienpreise hatten aber auch starke Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Da die Häuserpreise unter den Wert der Baukosten fielen, lohnte es sich nicht mehr, neue Häuser zu bauen. Von der Spitze im Sommer 2005 fiel das Neubauvolumen für private Einfamilienhäuser in den USA bis zum Februar 2009 um 77 %. Die sinkenden Auftragseingänge in der Bauindustrie hatten nicht nur negative Auswirkungen auf die Baubranche selbst, sondern weiteten sich über einen negativen Multiplikatorprozess 3 auf die gesamte amerikanische Wirtschaft aus. 4
Nun beleuchten wir noch die Implikationen der steigenden Staatsverschuldung in den USA seit der Reagan-Ära: Seit den Siebzigerjahren lag das Budget des amerikanischen Staatshaushaltes, bis auf einige wenige Ausnahmen während der Clinton-Ära, stets im negativen Bereich. Die öffentliche Verschuldung, in Verbindung mit einer privaten Sparquote nahe 0 %, war nur möglich, weil laufend genügend frisches Kapital aus dem Ausland importiert werden konnte. Dabei waren die Hauptfinanziers der Amerikaner aufgrund ihrer Exportüberschüsse China, Deutschland und Japan. Die Verschuldungsquote lag bereits 2007 bei 60,8 % des nationalen BIP. Die starke expansive Fiskalpolitik, mit der dieses enorme Verschuldungsvolumen akkumuliert wurde, war eine treibende Kraft des Leistungsbilanzdefizits der USA und somit auch eine treibende Kraft für die Exportwirtschaft der in die USA exportierenden Länder. Dabei importierte die USA seit 1970 Kapital in Höhe von 7,7 Billionen Dollar. Die oben beschriebenen negativen
KKWW////////// dd^d ,,/ Dd dd dd'' s
E/// / ///<< W/< DDDDZZ
,,,t^^^^^<<<
realwirtschaftlichen Folgen der sinkenden Immobilienpreise, also die sinkende Investitions- und Konsumgüternachfrage und eine daraus resultierende steigende Arbeitslosigkeit, schlugen sich negativ auf die Steuereinnahmen des öffentlichen Haushaltes nieder. Somit wurde es immer schwieriger für die amerikanische Regierung, die expansive Fiskalpolitik im selben Maße aufrechtzuerhalten.
Die beschriebenen Konsequenzen der sinkenden Immobilienpreise auf die Realwirtschaft beschränkten sich aufgrund der Verstrickungen und intensiven Handelsbeziehung der Industriestaaten rund um den Globus nicht auf die USA. Über den bereits beschriebenen negativen Multiplikatorprozess weitete sich die Krise schnell auf alle Länder aus, die am internationalen Güterhandel beteiligt sind. Dies belegt ein Blick auf die Kursverläufe der wichtigsten Aktienindizes der Welt, den amerikanischen Leitindex Standard & Poor’s 500, den Deutschen Blue-Chip-Index DAX, den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 und den MSCI World, der die größten Unternehmen der führenden Industriestaaten der Welt beinhaltet.
Wenn man die Kursverläufe dieser Indizes von Januar 1993 bis September 2009 betrachtet, kann man eine hohe Übereinstimmung erkennen. Bis Mitte 2000 stiegen die Aktienkurse ohne erwähnenswerte Korrekturen mit einer in der Geschichte einmaligen Geschwindigkeit auf immer neue Altzeithochs. Nach Platzen der sogenannten Dot-Com-Blase gab es starke Kurskorrekturen, bevor sich die Weltwirtschaft ab etwa 2003 wieder zu erholen begann. Diese Konjunkturerholung war vor allem getrieben durch die hohe Konsumnachfrage des amerikanischen Mittelstandes. Als Gründe sind vor allem die bereits erwähnten steigenden Immobilienpreise in den USA zu nennen, die die amerikanischen Banken zu einer äußerst lockeren Kreditvergabe bewogen haben und die den konjunkturellen Aufschwung somit finanzierten. 5
Als unmittelbarer Auslöser der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise und der jüngsten Kurskorrekturen an den internationalen Börsen gilt der Zusammenbruch des Interbankenhandels. Als am 15. September 2008 die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete, schlitterte die internationale Bankenwelt in eine tiefe Vertrauenskrise. Die Banken leben vom gegenseitigen Kredittransfer. Als die Banken Angst bekamen, dass sie die Gelder, die sie an andere Banken verliehen, nicht wieder zurückbekommen würden, wurde dieser Kredittransfer stark zurückgefahren und kam schließlich fast vollständig zum Erliegen. Im Zuge dieser Vertrauenskrise gerieten neben Lehman Brothers auch noch weitere Investment- und Geschäftsbanken in Schwierigkeiten. Als Folge konnten die Banken die Nachfrage nach Krediten seitens der Unternehmen nicht mehr bedienen, weil sie sich ihrerseits nicht ausreichend refinanzieren konnten. Dies führte zu einem Nachfragedefizit bei Investitionen und Konsum und hatte somit unmittelbar Auswirkungen auf die Realwirtschaft.
Dass die Immobilienkrise in den USA zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft wurde, lag daran, dass sich Banken rund um den Globus von den Renditeversprechungen der bereits beschriebenen amerikanischen CDO-Papiere verleiten ließen und diese in großem Umfang in ihren Büchern horteten. Bei Renditen von über 7 % konnten mit diesen Papieren gute Geschäfte gemacht werden. Auch in Deutschland beteiligten sich viele Banken an den zum Teil hochspekulativen Geschäften mit amerikanischen Immobilienkrediten und mussten im Laufe der Krise riesige Abschreibungen tätigen und schließlich vom deutschen Staat
,,,t^^^^^<<<
gerettet werden. Allen voran sind dabei die Landesbank Sachsen, die Westdeutsche Landesbank, die Hessische Landesbank und die Bayerische Landesbank zu nennen. 6
2 Expansive Fiskalpolitik in einer offenen Volkswirtschaft
Im Folgenden soll nun untersucht werden, ob und in welchem Umfang staatliche Stabilisierungsmaßnahmen, insbesondere eine expansive Fiskalpolitik, die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise eingebrochene gesamtwirtschaftliche Nachfrage stützen können.
2.1 Geld- vs. Fiskalpolitik - Was liefert die besseren Lösungsansätze für die aktuelle Krise?
Die moderne Wirtschaftspolitik hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten, entscheidend in die marktwirtschaftlichen Vorgänge einzugreifen. Dies ist zum einen die Geldpolitik, die innerhalb der Europäischen Währungsunion zentral von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Zum anderen haben die europäischen Länder die Möglichkeit, dezentral mittels fiskalpolitischer Maßnahmen Schocks auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage abzufedern. Geld- und Fiskalpolitik haben zusammen die folgenden drei Funktionen 7 abzudecken: allokative Funktion (optimale Koordination privater und kollektiver Bedürfnisbefriedigung), stabilisatorische Funktion (Abfederung von Konjunkturschwankungen, um ein stabiles und stetiges Wachstum zu gewährleisten) und distributive Funktion (Korrektur der Einkommensverteilung, sofern die Verteilung auf dem Markt dem politischen Willen widerspricht). 8
Zur Geldpolitik: Durch sie wird versucht, über Offenmarktgeschäfte die Liquidität zu steuern und somit implizit den realen Zins auf ein gewünschtes Niveau zu navigieren. In
,,,t^^^^^<<<
,,^ZZZZD P,D ^^^^^^
hdd'<
den Ländern der Europäischen Währungsunion (EWU), also in den Ländern, die den Euro als Währung eingeführt haben, ist das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) für die Geldpolitik verantwortlich. Die ESZB wird von der EZB geleitet. Grundsätzlich entscheidet der EZB-Rat über die geldpolitischen Aktivitäten im Euroraum. Die getroffenen Entscheidungen sind dann gemäß dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und der ESZB-Satzung bindend für alle Mitgliedstaaten der EWU. Vorrangiges Ziel dieser Aktivitäten ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Des Weiteren soll das Eurosystem die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Europäischen Gemeinschaft unterstützen, sofern dies mit dem Ziel der Preisstabilität zu vereinbaren ist. 9 Die Geldpolitik wird häufig als erstes Instrument eingesetzt, wenn es darum geht, ein Konjunkturtal zu überwinden. Grund dafür ist die schnelle, einfache und kostengünstige Einsetzbarkeit über die Offenmarktgeschäfte. Mittels expansiver Geldpolitik werden die Zinsen gesenkt; das Ziel dabei ist, die Investitionen anzuheizen. Doch die Geldpolitik hat auch ihre Grenzen. Die amerikanische Zentralbank hat beispielsweise als unmittelbare Reaktion auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise den Bestand an Zentralbankgeld im privaten Sektor innerhalb eines Jahres (Juni 2008 bis Mai 2009) um 936 Milliarden Dollar erhöht und somit mehr als verdoppelt (Anstieg um 108 %). Auch die Leitzinsen in den USA wurden bis auf ein Intervall von 0 - 0,25 % gesenkt. 10 In Europa erhöhte die EZB den Zentralgeldbestand von April 2008 bis Juli 2009 immerhin um 42,1 % und senkte den Leitzins auf 1,00 %. 11 Die gewaltigen Summen, die aufgrund dieser Politik in Europa und in den USA seit Beginn der Krise bereits in die Wirtschaft gepumpt wurden, ziehen nicht unerhebliche Inflationsrisiken nach sich. So machte sich auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im April dieses Jahres in einem Interview gegenüber der Bild-Zeitung Sorgen „[…], dass wir weltweit mit den enormen schuldenfinanzierten Gegenmaßnahmen die nächste Krise auf den Weg bringen: Es wird so viel Geld in den Markt gepumpt, dass die Gefahr einer Überlastung der Kapitalmärkte und einer weltweiten Inflation im
&&Z^^^^>Ddddddhhht&tZ/////// Z::^^^^>&&&& DDd
D:^
Wiederaufschwung drohen könnte.“ Insbesondere sieht er die EZB in der Pflicht, die Preisstabilität als oberstes Ziel zu verfolgen: „Mittelfristig müssen wir uns aber darum kümmern, wie wir die Milliarden an Liquidität wieder aus der Welt bekommen, die wir jetzt in die Wirtschaft pumpen. Das wird eine besondere Herausforderung für alle Zentralbanken - also auch für die Europäische, die dann für Geldwertstabilität sorgen muss wie früher die Bundesbank“ (Steinbrück, 2009). 12 Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten für weitere Zinssenkungen großenteils ausgereizt sind, da sie sich weltweit bereits nahe null befinden. Zudem ist zu beachten, dass die EZB weitgehend nur den kurzfristigen Zinssatz beeinflussen kann. Die privaten Haushalte finanzieren ihre Ausgaben aber über langfristige Konsumkredite, daher spielen diese Zinssätze nur eine untergeordnete Rolle. 13 Zusammenfassend kann man sagen, dass die Geldpolitik ein wichtiges Instrument für eine schnelle, direkte Krisenbekämpfung ist. Aktuell sind die geldpolitischen Möglichkeiten für eine aktive Bekämpfung des realwirtschaftlichen Nachfrageinbruchs jedoch weitgehend ausgeschöpft, weshalb sich die Politik nun auf fiskalpolitische Maßnahmen konzentriert.
Zur Fiskalpolitik: Zunächst muss festgehalten werden, dass die Fiskalpolitik gegenüber der Geldpolitik den entscheidenden Nachteil hat, dass sie signifikant mehr Zeit zu deren Durchführung in Anspruch nimmt. Am Beispiel der USA beschreibt Taylor (2002), dass die amerikanische Notenbank FED das Zinsniveau relativ schnell auf aktuelle konjunkturelle Entwicklungen anpassen kann. Im Gegensatz dazu ist der Entscheidungs-und Implementierungsprozess bei der Fiskalpolitik langwierig und wird von verschiedensten Interessengruppen beeinflusst. Somit hat die Geldpolitik für die antizyklische Konjunkturpolitik einen entscheidenden Vorteil in der
Reaktionsgeschwindigkeit. 14 Wie bereits erwähnt, ist jedoch der geldpolitische Handlungsspielraum begrenzt. Somit ist im Rahmen der aktuellen Krisenbekämpfung die expansive Fiskalpolitik in den Mittelpunkt gerückt. Noch bis unmittelbar vor der Krise wurde von den meisten Experten die Geldpolitik als das alleinige ernsthafte Instrument zur
^^^^^^^^^^///&W^^W />
Ztdddd DD',,>>
:::d::WsEZZZ&W ^^^^^^^
Stabilisierung der Wirtschaft betrachtet. Heute hat sich diese Sichtweise jedoch komplett verändert und die klassische keynesianische expansive Fiskalpolitik steht im Mittelpunkt der Debatten. 15 Im Allgemeinen versucht der Staat bei einer expansiven Fiskalpolitik den Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage dadurch zu bekämpfen, dass er selbst Güter in der Privatwirtschaft kauft, staatliche Transfers erhöht 16 oder die Steuern senkt. Damit soll die Auftragslage der Unternehmen und somit die Beschäftigung so lange gesichert werden, bis das Konjunkturtal durchschritten ist. Für fiskalpolitische Maßnahmen in Europa ist größtenteils nicht eine übergeordnete Institution verantwortlich, sondern die Mitgliedsländer entscheiden dezentral und selbstständig. Als unmittelbare Reaktion auf die Krise haben die größten Industrienationen der Welt bereits große Konjunkturpakete geschnürt, um dem negativen Nachfrageschock auf die Realwirtschaft entgegenzuwirken. Diese Konjunkturpakete sind nichts anderes als die von John Maynard Keynes bereits 1936 in „The General Theory of Employment, Interest and Money“ zur Überwindung von Konjunkturflauten empfohlenen Maßnahmen. 17 Grundsätzlich stehen den Regierungen zwei Möglichkeiten der Fiskalpolitik zur Verfügung. Dies ist zum einen die klassische, budgetwirksame Fiskalpolitik, also eine Erhöhung der Staatsausgaben oder eine Steuersenkung (direkte Fiskalpolitik). Zum anderen haben die Regierungen die Möglichkeit, über Kredit- und Bürgschaftsprogramme die Unternehmen bei entstandenen Finanzierungsproblemen zu unterstützen (indirekte Fiskalpolitik). Wie in Kapitel 3 beschrieben wird, bedienen sich die Regierungen im Rahmen der aktuellen Krisenbekämpfung beider Instrumente.
''^^^dddd'Z^^^ , Wh>''
Z',,/s
&&&:::D<<
2.2 Die expansive Fiskalpolitik zwischen Theorie und Empirie
Im Folgenden soll nun beschrieben werden, welche verschiedenen Arten expansiver Fiskalpolitik es gibt, welche volkswirtschaftliche Theorie zugrunde liegt und inwiefern frühere Krisen ihre Wirksamkeit belegen.
2.2.1 Die Weltwirtschaftskrise von 1930
Bis zur ersten großen Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929−1932 dominierte die neoklassische Theorie das ökonomische Denken. Sie geht davon aus, dass der Markt stets stabil und im Gleichgewicht ist. Störungen und Krisen sind nur exogene Erscheinungen, und der Markt bewegt sich nach einer kurzen Zeit im Ungleichgewicht von sich aus wieder ins Gleichgewicht. Die Neoklassik führt alles wirtschaftliche Geschehen auf die individuellen Optimierungsentscheidungen der Marktteilnehmer zurück. Zum einen maximieren die Unternehmen ihren Profit, woraus sich die Faktornachfragekurve und die Güterangebotskurve ergeben. Zum anderen maximieren die Haushalte ihren Nutzen, woraus sich wiederum die Faktorangebotskurve und die Güternachfragekurve ergeben. Als Ergebnis herrscht auf beiden Märkten ein Gleichgewicht, welches implizit die Preise der Konsumgüter und der Produktionsfaktoren bestimmt. Die neoklassische Theorie schließt die Existenz von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und Überproduktion aus, da eine Kombination aus individueller Optimierung und Gleichgewichtsdenken stets zu stabilen und geräumten Märkten führt. Dies ist jedoch nur so lange der Fall, wie die Märkte nicht durch externe Verzerrungen 18 an ihrer Funktion gehindert werden. 19
Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet die Neoklassik jedoch in eine Glaubwürdigkeitskrise. Die auftretende unfreiwillige Massenarbeitslosigkeit in Verbindung mit einem starken Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage konnte von ihr nicht erklärt werden. Die von ihr postulierten Selbstheilungskräfte des Marktes schienen zu versagen.
^^s///' >>>>>>
&&^,,DDDDD^s^
In einem Versuch, die Kräfte zu beschreiben, die zu dieser Weltwirtschaftskrise führten, und um wirtschaftspolitische Ansätze zur Bekämpfung der Krise zu unterbreiten, entwickelte der britische Ökonom John Maynard Keynes 1936 seine „General Theory of Employment, Interest and Money“. Eine der Hauptaussagen der neoklassischen Theorie war, dass „bei hinreichender Flexibilität der Nominallöhne ein harmonisches Weltverständnis [entsteht], jedenfalls, wenn das Grenzprodukt der Arbeit bei
Vollbeschäftigung
L
genügend hoch ist, um eine ausreichende Lebensgrundlage für Arbeitseinkommensbezieher zu gewährleisten. Förderung der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis senkt den Zins und regt die Kapitalakkumulation an, was zu steigendem
Grenzprodukt der Arbeit F
L
(K,
L
) führt und damit den Wohlstand der Lohnempfänger vermehrt“
(Flaschel, Groh, Proaño, 2008).
20
Keynes hat aufgezeigt, dass dieses Modell aus ökonomischer Sicht unvollständig ist. Er entwickelte ein eigenes Modell, das sogenannte Keynes’sche Basismodell
21
, welches auf viele Fragen völlig entgegengesetzte Antworten im Vergleich zum neoklassischen Modell liefert. Seine gemeinsame Beschreibung von Güter-, Geld- und Finanzmärkten war Grundlage späterer Arbeiten von John Hicks und Alvin Hansen, die einige Jahre danach das IS-LM-Modell entwickelten. Trotz der großen Fortschritte in der modernen Makroökonomik gilt dieses Modell noch immer als zentraler Ansatz, um die volkswirtschaftlichen Vorgänge in der kurzen Frist zu beschreiben.
22
2.2.2 Das IS-LM-Modell
Der Kern dieser Arbeit besteht darin, fiskalpolitische Lösungsansätze zur Überwindung der aktuellen Krise in der Realwirtschaft auszuarbeiten. Dabei wird ein Zeithorizont in der Größenordnung betrachtet, der nötig ist, um das aktuelle Konjunkturtal zu durchschreiten. Man geht heute im Allgemeinen davon aus, dass die Dauer eines Konjunkturzyklus, also Expansion, Boom, Rezession und Depression, in etwa fünf bis acht Jahre beträgt. Somit
W&&&''WW
&&&:::D<<
KK'///DW^^^^^^^
Arbeit zitieren:
Markus Aigner, 2009, Ökonomik von fiskalischen Rettungsprogrammen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Spannungsfeld zwischen Geld- und Fiskalpolitik - Entwicklungen und...
Diplomarbeit, 196 Seiten
Markus Aigner folgt nun Ökonomik von fiskalischen Rettungsprogrammen
Markus Aigner gefällt Ökonomik von fiskalischen Rettungsprogrammen
Volkswirtschaftslehre: neuer Titel erschienen: Ökonomik von fiskalischen Rettungsprogrammen
Europa in der Krise - Chance zur europäischen Erneuerung
Eine kritische Betrachtung
Hans-Erich Kiehne
Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik / Ökon...
Herausforderungen für die Theo...
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn
Finanzkrise und Divergenzen in der Wirtschaftsentwicklung als Herausfo...
Günther Chaloupek, Stefan Ederer, Heiner Flassbeck, Jörg Gude, Fritz Helmedag, Gustav Horn, Jürgen Kromphardt
Muss das staatliche Zentralban...
Peter Altmiks, Andreas Hoffmann, Jörg Guido Hülsmann, Ekkehard A. Köhler, Thorsten Polleit, Frank Schäffler
0 Kommentare