HWP - Hochschule für Wirtschaft und Politik
Soziologie
Mobbing - eine moderne Art von Macht und
Herrschaft in Organisationen?
Vorgelegt von:
Richard-Jörg Angermeyer
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 3
2 Mobbing - ein alter Hut oder ein modernes Phänomen? 5
3 Mobbing - mehr als nur ein sozialer Konflikt 6
3.1 Divergente Definitionen von Mobbing 8
3.2 Ursachen des Mobbing 9
3.3 Die verschiedenen Phasen eines Mobbingverlaufes 11
4 Das Verhältnis von Macht in Organisationen 13
4.1 Mobbing - ein Machtinstrument für den Mobber mit Nutzen? 14
4.2 Die Situation von Mobbing in der betrieblichen Hierarchie einer Organisation 16
5 Schlussbetrachtung 17
6 Literaturverzeichnis 19
7 Anhang 20
I. VW-Betriebsvereinbarung 20
II. Verlaufsähnlichkeit Mobbing / Wettbewerb 21
III. Die 45 Mobbinghandlungen nach Leymann 22
1 Einleitung
Mobbing ist mittlerweile auch in Deutschland zu einem festen und bekannten Begriff geworden. Es ist ein Problem, das nahezu in jedem Betrieb anzutreffen ist. Die Ausfallkosten, die durch Mobbing entstehen, werden jährlich allein in Deutschland auf 30 Mrd. DM geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass es rund 1,27 Millionen Mobbingopfer in Deutschland gibt.1
Einen Großteil ihres Lebens verbringen die Menschen in der Arbeitswelt. Die meisten dieser Menschen arbeiten nicht allein, sondern eher in einer Gemeinschaft von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten innerhalb einer Organisation. Wie in jeder Gemeinschaft oder auch Gesellschaft läuft das Miteinander nicht immer ohne Probleme ab. Es kommt zu Spannungen und damit auch zu Reibungsverlusten zwischen den Akteuren. Es geht beim Mobbing aber nicht um die alltäglichen Konflikte am Arbeitsplatz. Diese wird es wohl immer geben. Sie können ein wichtiger Bestandteil von Veränderungen und Weiterentwicklungen sein. Es geht also nicht um den Konflikt an sich, sondern vielmehr um einen zermürbenden Handlungsablauf. Einzelne Handlungen werden erst dann zum Mobbing, wenn sie sich ständig wiederholen.2
Es gibt beim Mobbing eine breite Fächerung verschiedenster Arten der Durchführungen. Auch die Personen und Persongruppen die am Mobbing beteiligt sind, können variieren. Das Ziel von Mobbing ist immer, die Kündigung des Betroffenen zu erreichen. Meistens geht die Kündigung vom Opfer selbst aus, das die psychische Belastung durch das Mobbing nicht mehr erträgt.
Es kommen aber auch ungerechtfertigte Kündigungen durch den Arbeitgeber oder auch Kündigungen aufgrund von durch Mobbing bedingten Leistungsverweigerungen vor, welche ihren Ursprung in einer inneren Kündigung des Opfers haben.
Die Ernsthaftigkeit und Aktualität dieses Themas spiegelt sich auch in der VWBetriebsvereinbarung vom 20.06.1996 über das partnerschaftliche Verhalten am Arbeitsplatz wider, welches in Anhang I zu finden ist.
Diese Abhandlung soll sich nicht, wie in eher vielen populärwissenschaftlichen Werken, mit Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen für Opfer auseinander setzen. Vielmehr sollen die Fragen geklärt werden, ob es sich um ein modernes Phänomen handelt, ob Mobbing inOrganisationen als ein bewusstes Instrument der Macht und Herrschaft eingesetzt wird, und wer es einsetzt.
Im Vorwege bleibt aber eine Betrachtung der Ursachen und Definition von Mobbing nicht aus, vielmehr dient sie als Grundlage zum allgemeinen Verständnis. Desweiteren soll uns auch ein Blick auf die verschiedenen Ausprägungen bzw. »Angriffe des Mobbing« den weiteren Einstieg in das Thema erleichtern.
Um dann in einem letzten Schritt zu betrachten, wie sich das Verhältnis von Macht in einer Organisation widerspiegelt und die Situation von Mobbing in der betrieblichen Hierarchie einer Organisation aussieht.
Bei einem so komplexem Thema wie Mobbing kommt es in Form dieser Arbeit zu notwendigen Auslassungen. Hierzu gehören, wie auch schon oben erwähnt, gesundheitliche Folgen und Gegenmaßnahmen für Opfer.
Aber auch auf strafrechtliche, zivilrechtliche und arbeitsrechtliche Konsequenzen kann hier nicht eingegangen werden. Ebenso wird eine Betrachtung unterschiedlicher Mobbinggruppen, wie z.B. Altersgruppen, Geschlechter und Behinderte, außer acht gelassen. Manche Auslassungen lassen sich aber gegebenenfalls im Ansatz erkennen. Diese Arbeit soll eine andere Blickrichtung zum Thema Mobbing anbieten und Interesse wecken. [RA1]
2 Mobbiing -- eiin alltter Hutt oder eiin modernes Phänomen?
Mobbing wurde in Deutschland erst in den neunziger Jahren zu einem Thema. Betriebliche Probleme und Konflikte gab es zwar schon immer, aber erst der Arbeitswissenschaftler und Psychologe Heinz Leymann3 hat den einschlägigen Begriff des Mobbing geprägt und die theoretischen Überlegungen dazu entwickelt.4 Im Frühjahr 1990, anlässlich einer internationalen Arbeitsschutzkonferenz in Hamburg, stellte Leymann erstmalig der deutschen Presse seine Forschungen über Mobbing am Arbeitsplatz vor. Diese wurden über einen längeren Zeitraum von ihm in den skandinavischen Ländern durchgeführt. Seitdem ist die Forschung auch in Deutschland in Bewegung gekommen. In den Massenmedien wurde immer mehr über dieses Problem berichtet.5
[....]
1Esser, A. / Wolmerath, M.: Mobbing. 2. Aufl. Frankfurt am Main 1998. S. 17.
2Leymann, H.: Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Hamburg 1993. S. 21.
3Vgl. Leymann, H.: Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann, Hamburg 1993.
4Esser / Wolmerath, a.a.O., S. 19.
5Leymann, a.a.O., S. 16.
Arbeit zitieren:
Richard-Jörg Angermeyer, 2000, Mobbing - Eine moderne Art von Macht und Herrschaft in Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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