1 Einleitung. 3
2 Historische Einordnung 4
3 Die US-Anti-Drogenpolitik 6
4 Auswirkungen 7
4.1 Geografische Verlagerung des Kokaanbaus 8
4.1 Verschärfung des bewaffneten Konflikts - Politik der Militarisierung. 9
4.3 Destabilisierung demokratischer Institutionen und Delegitimierung des Staates
12
4.4 Ökologische und soziale Auswirkungen. 13
4.6 Auswirkungen auf die Nachbarstaaten 14
5 Fazit 15
Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
Kolumbien wird häufig als eine der ältesten Demokratien Amerikas bezeichnet. Jedoch herrscht seit mehr als 40 Jahren ein scheinbar nicht enden wollender bewaffneter Konflikt zwischen der Staatsmacht und kriminellen Organisationen, die sich mit illegalem Drogenhandel finanzieren, sowie linksgerichteten Guerillabewegungen. Seit den 1970er Jahren gab es wiederholte Versuche, die Konflikte gewaltsam beizulegen, ohne dabei jedoch auf die grundlegenden strukturellen Probleme des Landes einzugehen. Effektive Lösungsansätze, wie Strategien für eine ländliche Entwicklung zur nachhaltigen Sicherung von Lebensgrundlagen der kolumbianischen Kleinbauern wurden ausgeblendet (Lemus et al 2005: S. 99 ff.). Auch die US-Drogenpolitik setzt bei der Bekämpfung der Symptome, nicht aber der grundlegenden, historisch tief verankerten Ursachen des Konfliktes an.
Ziel dieser Arbeit ist es die Auswirkungen der US-Anti-Drogenpolitik und deren Maßnahmen, namentlich des Plan Colombia während der Präsidentschaft von Pastrana und Clinton und der daran anknüpfenden Andean Regional Initiative unter deren Nachfolgern Uribe und Bush, genauer zu beleuchten. Die US-Anti-Drogenpolitik hat zur Verschärfung des bewaffneten Konflikts in Kolumbien und zur Verschlechterung der humanitären Lage im Land beigetragen, ohne ihr Ziel der Drogenvernichtung, erreicht zu haben. Dem >Drogenkrieg< fielen zahlreiche Menschen zum Opfer; er zog (und zieht immer noch) Armut, Krankheiten sowie Destabilisierung mit sich und hat fatale Auswirkungen auf die ökologische Vielfalt des Landes.
Aufgrund der hohen Komplexität und der historisch weit reichenden Verankerungen des kolumbianischen Konflikts ist es unmöglich, alle Probleme und Entwicklungen en Detail zu erörtern. Die gewählte Gliederung dient dazu, die Komplexität nicht aus den Augen zu verlieren, und um die fest miteinander zusammenhängenden, sich gegenseitig bedingenden Ursachen und Auswirkungen präsent zu halten.
Im Folgenden werden zunächst kurz die historischen Vorbedingungen zum besseren Verständnis der Rahmenbedingungen dargestellt. Kapitel 3 führt die zwei wichtigsten Strategien der US-Anti-Drogenpolitik seit 1999 auf. Kapitel 4 bezieht sich
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auf den Kern der Arbeit, die Auswirkungen der US-Drogenpolitik auf die Bereiche Anbau (d.h. vor allem die Kleinbauern), Produktion und Handel. Im abschließenden Kapitel wird eine Bewertung vorgenommen sowie ein knapper Ausblick gegeben.
2 Historische Einordnung
Die Wurzeln des bewaffneten Konflikts in Kolumbien liegen in der Periode La Violencia, die von landesweiten Kämpfen zwischen Liberalen und Konservativen geprägt war. 1959, nach einer sechsjährigen Diktatur, schlossen beide Parteien ein Übereinkommen zur wechselnden Regierungsübernahme. Die dadurch entstandene Exklusion anderer Gruppen vom politischen Prozess führte schon vor 1974, dem Ende des Übereinkommens, zur Gründung verschiedener Guerillabewegungen. Schon in den 1960er Jahren unterstützte die US-Regierung die kolumbianische Armee bei der Bekämpfung aufständischer Gruppen und war auch am Angriff auf Marquetalia, einer bewaffneten Bauerngemeinde beteiligt. Dieser Angriff führte zur Gründung der heute größten Guerillagruppe Kolumbiens, den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejército del Pueblo (FARC-EP; deutsch: Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee). Die FARC gelten als Hauptgegner im aktuellen Kampf gegen die Drogen.
Die paramilitärischen Gruppen, die heute in der Dachorganisation „Vereinigte Selbstverteidigungsgruppen von Kolumbien“ (Autodefensas Unidas de Colombia, AUC) organisiert sind, entstanden ebenfalls in den 1960ern. Ihre Gründung geht auf ein Dekret von 1965 zurück, welches der Regierung erlaubte, die Zivilbevölkerung militärisch in so genannten Selbstverteidigungsgruppen zu organisieren, um sich gegen die Guerilla wehren zu können. Die Armee involvierte vor allem Geschäftsleute, Landbesitzer und führende Politiker in den finanziellen Aufbau solcher Gruppen mit ein. In den 1980er und 90er Jahren formierten sich viele solcher Selbstverteidigungsgruppen oder wurden direkt von den Drogenkartellen organisiert, was ihre bis heute bestehende enge Verbindung mit dem Drogenhandel erklärt. Aufgrund der steigenden Gewaltbereitschaft wurden sie 1989 illegalisiert. Kritisch ist zusätzlich ihre Verbindung zu den regulären Streitkräften, was im Laufe der Arbeit wieder aufgegriffen wird (Holmes/Piñeres/Curtin 2006: S.168).
4
Die Drogenkartelle beschränkten sich hauptsächlich auf Produktion und Vertrieb des Kokains, eigene Anbaufelder unterhielten sie hingegen kaum. Auch wenn Kolumbien das Zentrum des internationalen Drogenhandels war, wurde nur knapp ein Viertel des weltweiten Kokas angebaut, wohingegen im Jahr 1995 Peru und Bolivien mehr als drei Viertel produzierten. Die US-Anti-Drogenpolitik der späten 1990er Jahre bestand vor allem in der Vernichtung der Kokafelder in den Anbauregionen und der Unterbrechung der Verkehrswege nach Kolumbien. Die weitgehend erfolgreiche Vernichtung großer Teile des Kokaanbaus in Peru und Bolivien hatte eine Verlagerung des Anbaus nach Kolumbien zur Folge. Auch der Wegfall der großen Kartelle begünstigte diese Entwicklung, da kleinere Drogenhändler Kokablätter von heimischen Bauern kauften und so lange riskante Transportwege vermieden. Bis zum Jahr 2001 hatte sich die Kokaanbaufläche derart ausgeweitet, dass Kolumbien mit über 75% der weltweiten Produktion zum führenden Erzeugerland wurde (Rensselaer 2002: S. 540).
In den späten 1980er Jahren begann die US-Drogenhilfe verstärkt mit der Bekämpfung der großen Drogenkartelle, vor allem der rivalisierenden Kartelle aus Medellín und Cali, welche fast die gesamte kolumbianische Drogenindustrie auf sich konzentrierten. Ihre Zerschlagung (Medellín 1993 mit der Ermordung von Pablo Escobar, dem Kopf des Kartells, und Cali 1996/97) galt als großer Erfolg der Drogenbekämpfung. Dieser Erfolg währte jedoch nicht lange. Vielmehr führte er lediglich zu einer Fragmentierung und Dezentralisierung der Strukturen der kolumbianischen Kokainindustrie. Die kleineren Nachfolgegruppen, die im Drogenhandel ein lukratives Geschäft wahrnahmen, agieren bis heute teilweise unidentifiziert und existieren in keiner Kartei. Sie hinterlassen kaum Spuren, da sie in Internetforen oder über Mobiltelefone kommunizieren (Livingstone 2003: S. 131 f.; Rensselaer 2002: S. 543). Um das stabil gebliebene Kokain- und das wachsende Heroinangebot in den USA zu verringern, entschloss sich Washington für härtere Strategien zur Drogenbekämpfung an der Quelle, welche in Kapitel 3 genauer erläutert werden. Obwohl die Vernichtung der Kokaplantagen anhand von Besprühungen mit Herbiziden gravierende Folgen nach sich zog und kaum Erfolge zeitigte, werden diese als zentrales Mittel der Drogenbekämpfung bis heute fortgesetzt (Lemus et al 2005: S. 101).
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Arbeit zitieren:
Miriam Heins, 2010, Der Krieg gegen Drogen, München, GRIN Verlag GmbH
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