Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Begriff und Funktion der „global city“ 4
3. Die Ausprägung von global citiy - Funktionen im Städtevergleich. 7
3.1 Mexico City. 9
3.2 São Paolo. 11
3.3 Santiago de Chile. 12
3.4 Die Bedeutung Miamis für zentralamerikanische Städte. 13
4. Allgemeine Aspekte der Stadtentwicklung in Lateinamerika. 16
4.1 Das Städtewachstum in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. 17
4.2 Auswirkungen der Globalisierung auf die lateinamerikanische Stadt 19
4.2.1 Soziale Folgen der Globalisierung für Lateinamerika. 20
4.2.2 „Gated communities“ als Ausduck residenzieller Segregation 23
5. Schlussgedanke. 27
6. Quellenverzeichnis. 28
7. Anhang. 32
2
1. Einleitung
Die zum Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden Prozesse „wirtschaftlicher Globalisierung“ 1 verursachten überregionale Machtverschiebungen, aus denen sich im Laufe der Zeit die Städte als bedeutende wirtschaftliche Zentren herauskristallisierten. Auf der Basis einer umfassenden Technologisierung von Produktions- und Arbeitsverfahren auf internationaler Ebene entwickelten sich dabei Unternehmen zu internationalen Akteuren, deren Handeln je nach Zielsetzung von jenen Orten gesteuert wird, welcher dafür die geeigneten Voraussetzungen bieten. In Folge eines schrittweisen Rückzugs politischer Entscheidungsträger aus dem schnell wachsenden globalisierter Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, nahm der Machtbereich einiger weniger, den Weltmarkt dominierender Konzerne, unermessliche Ausmaße an. Durch die Liberalisierung des Welthandels wuchs auch die Rolle der Städte in einzelnen Sektoren der Wirtschaft. Mit fortschreitender Globalisierung und unter dem Einfluss politischer bzw. struktureller Transformationsprozesse, konnten sich „Schwellenländern“ 2 innerhalb nun auch die urbanen Zentren in des
Weltmarktgeschehens etablieren. Wenngleich keinerlei Zweifel über die grundlegende Dominanz der Industrienationen im Bereich der Globalwirtschaft besteht, wirft die „neue“ Machtkonzentration in den Städten die Frage auf, welche spezifische Rolle die Städte des „Südens“ 3 im weltumspannenden Verlauf von Informations- und Finanzströmen spielen; dies umso mehr, als dass sich Globalisierung determinatorisch auf die Lebensweise/-fähigkeit eines jeden
1 „Globalisierung“ spielt sich auf vielerlei Ebenen ab, welche sich teilweise gegenseitig beeinflussen. Neben globalen kulturellen und politischen Veränderungen, spielen dabei vor allem weltweite ökonomische Transformationsprozesse eine Rolle: „Als fassbarer Ausdruck dessen stehen die Entgrenzung der Finanzströme, der Märkte und Marktsysteme, des Wettbewerbs, der Regulierungsmechanismen und der Nationalstaaten“. Scholz 2000: 2.
2 Als „Schwellenländer“ sollen hier die von der Weltbank nach dem Kriterium des Pro-Kopf-Einkommens klassifizierten „Upper-middle-income economies“ gelten. Darunter fallen innerhalb Lateinamerikas u.a. die Länder Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Mexiko, Panama, Peru und Venezuela. Vgl.
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20421402~pa gePK:64133150~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html#OECD_membersl.
3 Der Begriff „Süden“ steht nicht für die Länder welche sich südlich des Äquators befinden, sondern hat sich als offener Sammelbegriff zur Bezeichnung von Staaten durchgesetzt, welche in wirtschaftlicher Hinsicht allgemein nicht als „ hoch“-entwickelt angesehen werden.
3
Individuums auswirkt. In der vorliegenden Arbeit soll daher am Beispiel Lateinamerikas die Integration bzw. Nichtintegration von Städten der Schwellenländer in den Globalisierungsprozess erläutert werden. Ausgehend von der Annahme, dass diese Städte auf ganz spezielle Weise in den Globalisierungsprozess eingebunden sind und diesbezüglich gemeinsame Charakteristika aufweisen, wird die These vertreten wonach „die“ lateinamerikanische global city also solche existiert. Dabei gilt es zunächst, den Begriff der „global city“ zu erfassen, um anschließend auf eine eventuelle Erfüllung der Definitionskriterien anhand einer Städteauswahl zu überprüfen. Grundlegend für diese Auswahl ist das Heranziehen eines global city -Rankings, bei dessen Erstellung die entsprechenden Kriterien im Vordergrund standen. Im Anschluss an die Klärung der Frage, inwieweit die Städte Lateinamerikas global city - Funktionen erfüllen, konzentriert sich der zweiten Teil der Arbeit auf die speziellen strukturellen Merkmale der „lateinamerikanischen Stadt“. Anhand des „Modells der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt“ 4 werden räumliche Wandlungsprozesse innerhalb der
Globalisierungsphase angeführt um anschließend festzustellen, inwieweit Zusammenhänge zwischen der global-city-Formierung und der
Stadtentwicklung bestehen. In welcher Form äußern sich die speziellen Eigenschaften der lateinamerikanischen global city? Lassen sich aus die stadträumlichen Veränderungen als Folgen der Globalisierung begreifen? Um diese Fragen zu beantworten bedarf es zunächst einer klaren Erfassung des Konzepts der global city.
2. Begriff und Funktion der „global city“
Der Terminus „global city“ 5 ist deutlich von jenem der „Metropole“, welcher die Vorreiterrolle „einer“ Stadt hinsichtlich bestimmter Funktionen innerhalb einer Region hervorhebt, sowie von der Bezeichnung „Megacity“ zu unterscheiden. Letztere „betont zweifellos die quantitative Dimension, und zwar sowohl mit Blick auf die Bevölkerungszahlen als auch mit Bezug auf die
4 Vgl. Borsdorf/Bähr/Janoschka 2002: 305.
5 Schon vor der Prägung des Begriffes „global city“ durch Saskia Sassen (1991), hatte sich die Bezeichnung „world city“ bzw. „Weltstadt“ durchgesetzt. Fortan wurden die beiden Begriffe in der Regel synonym verwendet, weshalb dies sinnvollerweise auch in der vorliegenden Arbeit geschehen soll.
4
räumliche Ausdehnung der Stadt bis hin zur urbanen Agglomeration“ 6 . Für deren Bestimmung geht man üblicherweise, entsprechend der UN- Definition 2002 7 , von einer Mindestbevölkerungszahl von 8 Millionen aus. Mit einer Verstädterungsquote von 77 Prozent 8 befinden sich in Lateinamerika besonders viele Agglomerationen die mehrere Millionen Einwohner zählen. In der Regel handelt es sich dabei, mit wenigen Ausnahmen, um die Hauptstädte Zentral-und Südamerikas. Genau wie das nordamerikanische Mexico City mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 18,1 Millionen 9 , lassen sich diese Städte als Megacitys Lateinamerikas bezeichnen. Auf nationalem Niveau erfüllen sie meist die Funktion der zentralen Metropole was ihr wirtschaftliches, kulturelles und politisches Gewicht anbelangt. Vor dem Hintergrund herausragender nationalen Funktionen stellt sich vor allem die Frage, inwieweit sich deren Einflussbereich über weltweite Globalisierungsprozesses erstreckt? Jene Fragestellung führt zu den maßgeblichen Kennzeichen der global city. Einen Hinweis darauf, dass es sich bei einer Megacity nicht notwendigerweise auch um eine bedeutende global city handeln muss, liefert der „Global Cities Index“ (2008) 10 : Innerhalb einer Rangfolge der 60 bedeutendsten global cities belegt Mexico City Platz 25, direkt hinter Stockholm und vor Zürich. Der Index stellt die weltweite Bedeutung von Städten in 5 Dimensionen dar: „Business Activity“, „Human Capital“, „Information Exchange“, „Cultural Experience“ und „Political Engagement“. 11 Danach kennzeichnet sich eine global city nicht ausschließlich durch ihre ökonomische Handlungskraft, sondern zudem durch das Vorhandensein geistigen Kapitals und Institutionen, welche einer Stärkung der Wirtschaftsaktivität zuträglich sind. Der Herausgeber des Index', das „Foreign Policy Magazine“, beantwortet die Frage was eine global city ausmacht wie folgend:
The term itself conjures a command center for cognoscenti. It means power, sophistication, wealth, and influence. To call a global city your own suggests that
6 Schwentker 2006: 10.
7 Vgl. http://www.un.org/esa/polulation/publications//wup2001/wup2001dh.pdf.
8 Vgl. http://www.berlin-
institut.org/fileadmin/user_upload/handbuch_texte/pdf_Baehr_Entwicklung_Urbanisierung.pdf.
9 „Demographia World Urban Areas & Population Projections“ - Bericht 2009: 27 auf http://www.demographia.com/db-worldua.pdf
10 http://www.city-data.com/forum/general-u-s/501225-2008-global-cities-index.html
11 Vgl. Ebd.
5
the ideas and values of your metropolis shape the world. And to a large extent that is true. The cities that host the biggest capital markets, elite universities, most diverse and well-educated populations, wealthiest multinationals, and mist powerful international organizations are connected to the rest of the world like nowhere else. But, more than anything, the cities that rise to the top of the list are those that continue tot forge global links despite intensely complex economic environments. They are the ones making urbanization work to their advantage by providing the vast opportunities of global integration to their people; neasuring cities' international presence captures the most accurate picture of the way the world works. 12
Die global city weist demnach einerseits ein hohes Maß an Beteiligung von Stadtbewohnern, Unternehmen und Institutionen am Globalisierungsprozess auf. Andererseits verfügt sie über ein hohes Maß an Bildungsvoraussetzungen. Es handelt sich hierbei um eine erweiterte Definition der global city, welche von der ursprünglichen Begriffsprägung durch Saskia Sassen in den 1990ern insofern abweicht, als dass sich die global city-Funktion nach Sassen vor allem am Grad der Aktivität und Vernetzung im weltweiten Wirtschaftssystem bemisst: „Gobal Cities sind zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen, wie sie für die Durchführung und das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten erforderlich sind.“ 13
Saskia Sassen stellt in „Metropolen des Weltmarkts“ einen der Kernpunkte der weltwirtschaftlicher Entwicklung zu Beginn der 1990er dar, indem sie betont: „Die mit der Globalisierung einhergehende territoriale Streuung der Wirtschaftstätigkeit auf nationaler wie auf weltweiter Ebene brachte neue Formen der Konzentration hervor.“ 14 Aus jenen mit der Globalisierung einhergehenden Umstrukturierungsprozessen ergeben sich für global cities zentrale Steuerungsfunktionen. Darüber hinaus haben diese Städte laut Sassen „zwei weitere Funktionen: Erstens fungieren sie als post -industrielle Produktionsstätten der führenden Gewerbezweige unserer Zeit, des Finanz- und spezialisierten Dienstleistungsgewerbes, und zweitens erfüllen sie die Funktion transnationaler Marktplätze, auf denen Unternehmen und Staaten Finanzinstrumente und spezielle Dienstleistungen erwerben können.“ 15 Auch John Friedmann legt in seiner „World City Hypothesis“ (1986) den Schwerpunkt auf die Rolle der Weltstädte als wirtschaftliche Knotenpunkte,
12 http://www.foreignpolicy.com/articles/2008/10/15/the_2008_global_cities_index.
13 Sassen 1994: 39 f.
14 Ebd.
15 Ebd.
6
deren Struktur des Produktionssektors auf das globale Wirtschaftsgeschehen Einfluss nimmt, und welche sich durch Akkumulation internationalen Kapitals auszeichnen. Allerdings führt Friedmann zusätzlich das Kriterium der Präsenz einer hohen Anzahl In- und/oder Ausländischen Migranten an. Darüber hinaus betont er den Aspekt der sozialen Spaltung und die immense steuerliche Belastung, welche damit einher geht. 16 Fast zehn Jahre später, unter dem Eindruck fortschreitender Globalisierung, ergänzt Friedmann die „World City Hypothesis“ durch die strukturelle Beschaffenheit der global city/world city, sowie in Bezug auf die dominierenden Klasse in solchen Städten:
World Cities sind grosse, verstädterte Räume intensiver ökonomischer und gesellschaftlicher Beziehungen. […] Die gesellschaftliche Schicht, die die World Cities kontrolliert, wird als transnationale kapitalistische Klasse bezeichnet. Sie ist am reibungslosen Funktionieren des globalen Akkumulationssystems interessiert, ihre Kultur ist kosmopolitisch, und ihre Ideologie ist konsumorientiert. Ihr Vorhandensein löst oft ernsthafte Konflikte mit subalternen Klassen aus, die eher lokal definierte territoriale Interessen verfolgen und deren Aufstieg in die transnationale Klasse blockiert ist. 17
Neben den Folgeerscheinungen massiver Einwanderung, lässt sich das durch Dominanz einer von ökonomisch motivierten Klasse hervorgerufene Konfliktpotential, als spezifisches Kennzeichen der „global city“ betrachten. Maßgeblich für deren Identifizierung ist jedoch ihre zentrale Rolle als Akteur in einem globalisierten Weltwirtschaftssystem. Aus diesem Grund dienen im Folgenden gleichermaßen die Begriffsbestimmung durch Saskia Sassen sowie jene John Friedmanns als Grundlage für die funktionale Einordnung lateinamerikanischer global cities.
3. Die Ausprägung von global citiy - Funktionen im Städtevergleich
Es hat sich herauskristallisiert, dass über die Charakteristika der „world city“ allein bezüglich ihrer ökonomischen Funktion Einigkeit herrscht. Dabei kann vor allem die Frage nach einer diesbezüglichen Relevanz kultureller und politischer Institutionen bisher noch nicht klar beantwortet werden. Im Kern der global city - Forschung steht daher nach wie vor der Einflussbereich einer Stadt
16 Vgl. Friedmann in Knox/Taylor (Hrsg.) 1995: 317 ff.
17 Friedmann in Hitz u.a. (Hrsg.)1995: 27 f.
7
in inter- und supranationalen Wirtschaftsaktivitäten. Wie oben bereits angeführt stellt jene „Business Activity“ im „Global Cities Index“ (2008) des Foreign Policy Magazines - welcher u.a. durch die Beratung von Saskia Sassen erstellt wurde - lediglich eine von vier Beurteilungskategorien dar. Auf eine andere Art und Weise wurde bei der Erstellung des „Inventory of world cities“ (2008) des Forschungsnetzwerks „Globalization and World Cities“ (GaWC) vorgegangen. Hierbei lag der Schwerpunkt entsprechend der frühen Definition durch Sassen, auf global cities in ihrer Eigenschaft als „zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und
Telekommunikationseinrichtungen“ 18 . Das GaWC beschränkte sich bei der Städtebewertung auf die Präsenz global - agierender Dienstleistungszentren: „Global Service Centres in Accountancy“, „Global Service Centres in Advertising“, „Global Service Centres in Banking“ und „Global Legal Service Centres“. 19 Zudem werden die world cities nicht in einfacher Rangfolge dargestellt, sondern in alpha, beta, und gamma world cities untergliedert 20 . Danach befinden sich die Städte Buenos Aires, São Paolo, Mexico City, Caracas und Santiago de Chile unter den Alpha Minus-Städten, womit sie das GaWC zu den „very important cities that link major economic regions and states into the world economy“ 21 zählt. In den Beta-Bereich der etwas weniger bedeutenden Städte, welche vor allem als Bindeglied einer Region („oder“ des Staates) und der Weltwirtschaft dienen, fallen neben Bogotá auch Lima, Montevideo und Rio de Janeiro. Unter die gamma-Städte fallen die bedeutendsten Hauptstädte Zentralamerikas 22 wobei die Frage offen bleibt, inwiefern diese überhaupt als global cities oder vielleicht eher als Anwärterstädte zu bezeichnen sind. Anders verhält sich dies im Falle der alpha world cities. Entsprechend der Forschungslage und des jeweiligen Bedeutungsgrades erläutert das folgende Kapitel die global city-Funktion der Städte São Paolo, Santiago de Chile.und Mexico City, wobei abschließend auf die interamerikanische Einbindung Miamis im Weltstadtnetzwerk eingegangen wird.
18 Sassen 1997: 40.
19 Vgl. http://www.lboro.ac.uk/gawc/rb/rb5.html.
20 Vgl. Abb. 1-3 in Kapitel 7 der vorliegenden Arbeit.
21 http://lboro.ac.uk/gawc/gawcworlds.html.
22 Vgl. hierzu Kapitel 3.4 .
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Arbeit zitieren:
Felix Zimmermann, 2010, Global Cities in Schwellenländern am Beispiel lateinamerikanischer Städte, München, GRIN Verlag GmbH
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