Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Was versteht man eigentlich unter Altruismus? 4
3. Der anthropologische Ansatz. 5
4. Der sozialpsychologische Ansatz 7
5. Fazit. 11
6. Literaturverzeichnis 13
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1. Einleitung
S-Bahnhof Donnersbergerbrücke in München. Zwei Jugendliche zwischen 17 und 18 Jahren bepöbeln und bedrohen zwei Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren sowie zwei 13 und 14 Jahre alte Mädchen. Ein 50-jähriger Fahrgast bemerkt die Situation und versucht, nachdem er per Handy die Polizei alarmiert hat, zu vermitteln. Da seine Bemühungen nicht ausreichend erscheinen, bietet er den Kindern an, mit ihnen zusammen am Bahnhof Solln auszusteigen, um sie im Zweifelsfalle beschützen zu können. Am Ausstiegsbahnhof eskaliert die Situation jedoch, da die Angreifer erneut auf die Kinder losgehen wollen. Während der Mann den ersten Angriff noch abwehren kann, ist er im weiteren Geschehen den beiden Jugendlichen unterlegen. Sie treten und prügeln derart heftig auf ihn ein, dass er bewusstlos zu Boden geht und später seinen schweren Verletzungen erliegt. Der beschriebene Vorgang ereignete sich im September vergangenen Jahres und sorgte für deutschlandweites Aufsehen. Er war Ausgangspunkt für eine Debatte über selbstloses, uneigennütziges und couragiertes Handeln in unserer Gesellschaft. Denn so mutig und ehrenhaft das Verhalten Dominik Brunners war, so fragwürdig erscheint die Tatsache, das eine Vielzahl an beistehenden Passanten, dem brutalen Geschehen tatenlos beiwohnten.
Der folgende Essay versucht das Verhalten der Beteiligten aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel zu betrachten und zu reflektieren, indem das zugrundeliegende Phänomen analysiert wird. Denn das couragierte und selbstlose Eingreifen von Dominik Brunner wird in seiner idealtypischen Ausgestaltung als Altruismus bezeichnet. Ausgangspunkt ist im Weiteren die Frage, ob es in unserem menschlichen Wesen eine fest verankerte Instanz gibt, die darüber bestimmt, wie wir uns in einer solchen Situation verhalten oder ob ausschließlich extrinsische Einflüsse handlungsleitend sind. Ist der Mensch überhaupt in der Lage uneigennützig zu handeln oder wirken immer mehr oder weniger sichtbare egoistische Motive? Die Anthropologie und die Sozialpsychologie bietet für die Analyse dieses speziellen Handlungstyps ein umfangreiches Sammelsurium von Theorien an.
Im Folgenden soll zunächst einmal der Begriff des Altruismus bzw. des prosozialen Verhaltens genauer definiert werden. In einem zweiten Schritt werden dann die Erklärungsansätze beider wissenschaftlicher Disziplinen vorgestellt. Abschließend erfolgt die Gegenüberstellung beider Wissenschaftspositionen.
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2. Was versteht man eigentlich unter Altruismus?
Die Entstehung des Begriffs Altruismus geht auf den französischen Urvater der Soziologie Auguste Comte zurück. Er lässt sich etymologisch aus verschiedenen Sprachen ableiten, z.B. dem Französischen von altruisme, dem Italienischen von altrui oder dem Lateinischen Alteri. Ins Deutsche übersetzt, bedeutet er immer „Anderer“. Doch was versteht man unter dem Phänomen Altruismus? Wie wird der Begriff in der Wissenschaft definiert und verwendet? Comte liefert eine relativ allgemeine Begriffsbestimmung, indem er Altruismus, als den uneigennützigen Wunsch für andere zu leben, bezeichnet (Vgl. Comte, 1875, S. 556). In der internationalen Enzyklopädie der Sozial- und Verhaltenswissenschaften wird Altruismus etwas ausführlicher folgendermaßen definiert: „Altruism is behavior intended to benefit another, even when this action risks possible sacrifice to the welfare of the actor.“ (Monroe, 2004, S. 415) Monroe führt daran anschließend noch weitere Aspekte auf, die in Verbindung mit Altruismus stehen: (a) Es muss eine Handlung vollzogen werden, gute Gedanken sind nicht ausreichend. (b) Die Handlung muss zielgerichtet sein. (c) Das primäre Ziel der Handlung muss die Steigerung des Nutzens des Gegenübers sein und keine unintendierte Nebenerscheinung. (d) Die ursprüngliche Intention des Handelns zählt mehr als die tatsächlichen Konsequenzen. (e) Begünstigt die Handlung eines Einzelnen alle Beteiligten (inklusive des Handelnden), so wird sie nicht als altruistisch, sondern als das Gemeinwohl steigernd, bezeichnet. (f) Altruismus setzt keine Bedingungen und erwartet keine Belohnung. (Vgl. Monroe, 2004, S. 416). Diese von Monroe aufgestellte Definition soll im weiteren Verlauf die Grundlage der Analyse bilden.
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen haben eine Reihe von Erklärungsversuchen unternommen, Existenz und Ursache dieses Phänomens zu erklären und zu beweisen. Sie reichen von der Annahme einer inneren Veranlagung bis zur Hervorhebung der Bedeutung von Sozialisation. Des Weiteren existiert aber auch eine Vielzahl von Interpretationsansätzen, die dem Menschen die Fähigkeit, selbstlos zu handeln, absprechen. Insbesondere für Thomas Hobbes stellt sich Altruismus als eine Utopie dar. Handlungsleitend ist seiner Ansicht nach nicht das innere Bestreben einer bedürftigen oder in Not geratenen Person zu helfen. Vielmehr entsteht bei dem Menschen ein innerer Schmerz oder das Gefühl von Unwohlsein, wenn er andere in Not sieht. Um sich selbst aus diesem Zustand zu befreien, hilft er. Es ist somit streitbar, inwiefern wir eine natürliche Disposition zum guten und selbstlosen Handeln besitzen oder einfach nur einen Mechanismus, der für die Maximierung des eigenen
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Arbeit zitieren:
Stefan Lippmann, 2010, Die Betrachtung von Altruismus aus verschiedenen Perspektiven, München, GRIN Verlag GmbH
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