Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
1. Begriffsklärung 2
2. Ursachen für das Auftreten von Wald- und Vegetationsbränden 5
2.1. Natürliche Ursachen 5
2.2. Anthropogen verursachte Feuer 6
2.2.1. Kontrollierte Feuer 6
2.2.2. Unkontrollierte Feuer 9
2.3. Einflussfaktoren 11
2.4. Katalysator Mensch 12
2.5. Der Einfluss des El Niño 14
3. Auswirkungen 17
3.1. Feuer in ausgewählten Ökozonen der Erde 17
3.1.1. Feuer im tropischen Regenwald 18
3.1.2. Feuer in der Savanne 20
3.1.3. Feuer in den mediterranen und mediterran-ähnlichen Zonen 22
3.1.4. Feuer in borealen Wäldern 24
3.2. Anpassung der Vegetation 26
3.2.1. Feuerangepasste Borke 26
3.2.2. Überdauern der Samen 28
3.2.3. Stockausschlag 29
3.3. Anpassung der Tierwelt 30
3.4. Effekte auf den Boden 31
3.5. Emissionen 32
3.6. Vegetationsbrände und Klimawandel 34
3.7. Große Feuerereignisse 37
3.7.1. Australien 2001/2002, 2002/2003 und 2008/2009 37
3.7.2. Griechenland und Italien 2007 39
3.7.3. Kalifornien 2008 42
4. Handlungsmöglichkeiten 44
4.1. Brandbekämpfung 44
4.1.1. Löschmittel 44
I
4.1.2. Mobiles Equipment/Einsatzgeräte und -maschinen 47
4.1.3. Brandschneisen und Wundstreifen 48
4.1.4. Vor- und Gegenfeuer 50
4.2. Künstliches Auslösen von Regenfällen 51
4.3. Information der Bevölkerung 52
4.4. Gesetzliche Grundlagen 55
4.5. Wachtürme 56
4.6. Satellitenüberwachung 58
4.7. Global Fire Monitoring Center 62
4.8. Integriertes Feuermanagement - Let burn 62
5. Fazit 66
Literaturverzeichnis 67
Abbildungsverzeichnis 73
Tabellenverzeichnis 79
II
Einleitung
So dichtete Friedrich von Schiller in der „Glocke“. Schon seit 1,5 Millionen Jahren versucht der Mensch diese Naturkraft zu zähmen und nutzt die Eigenschaften des Feuers - sein Licht, seine Wärme und seine Brennkraft. Jedoch brachten die Flammen auch oft Unheil, wenn sie die Zivilisation gefährdeten oder schädigten. Ein negativer und bedrohlicher Aspekt haftet der Naturkraft noch heute an - sie wird als zerstörerisch empfunden und muss unter allen Umständen kontrolliert werden.
Doch ist Feuer tatsächlich eine derart gefährliche und destruktive Kraft, die Mensch und Natur schadet?
In der vorliegenden Arbeit soll dies untersucht werden. Negative sowie positive Aspekte dieser vermeintlichen Naturkatastrophe sollen dargestellt und erläutert werden, um ein differenziertes Bild des Faktors „Feuer“ im Zusammenhang mit natürlichen und anthropogenen Einflüssen zu schaffen.
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1. Begriffsklärung
Der Begriff Feuer, bzw. Brand beschreibt einen „ökologischen Faktor, der einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Böden, Vegetation, Tierwelt und nicht zuletzt den Menschen in seinem Lebensraum ausübt.“ (MEUSBURGER 2002b, 378)
Tritt ein Schadfeuer in einem Trockengebiet auf, wird der Begriff Buschfeuer verwendet (BROCKHAUS 2006, 360).
Es können folgende Brandformen in der Natur unterschieden werden (vgl. KÖNIG 2007b, 50ff u. BAY. LANDESAMT FÜR BRAND- U. KATASTROPHENSCHUTZ 1988, 5f):
• Boden- und Lauffeuer (Abbildung 1):
Unmittelbar im Bodenbelag oder -bewuchs entzündet, dehnt sich ein Boden- oder Lauffeuer zunächst auf alle Seiten hin aus, um sich schließlich zu der dem Wind hingewandten Seite, der Luv, elliptisch auszubreiten, da dort die Sauerstoffzufuhr am höchsten ist. In Hanglagen bewegt sich das Feuer hangaufwärts rascher fort, in steilen Bereichen ist eine Ausbreitung auch bergab durch Steinschlag möglich.
Abbildung 1: Bodenfeuer
Die Flammen bleiben aufgrund der geringen Brandlast der Bodenvegetation verhältnismäßig niedrig (selten übersteigen sie die 2 m-Grenze) und auch der Feuersaum erreicht mit 70 - 200 cm keine große
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Tiefe. Die Laufgeschwindigkeiten können 10 - 1 200 m/h betragen, üblicherweise liegen sie allerdings nicht über 500 m/h. Das Brennmaterial bedingt eine helle Rauchfärbung, was die Identifikation eines Bodenbrandes auch aus der Ferne erlaubt. In Deutschland sind durchschnittlich 75% aller Waldbrände Bodenfeuer.
• Vollfeuer/Totalfeuer (Abbildung 2):
Ein Bodenfeuer kann sich im Wald zu einem Vollfeuer entwickeln. Entzünden die am Boden brennenden Flammen die Borke und die unteren, trockenen Äste der Bäume, können sie sich bis in den Kronenbereich ausbreiten, wo das Brennmaterial grüner und harzreicher ist. Dies zieht eine Veränderung des Rauches nach sich: er färbt sich dunkelgrau bis schwarz - ein eindeutiges Erkennungsmerkmal eines Totalbrandes.
Durch den enormen Sauerstoffverbrauch entwickelt ein Vollbrand eine eigene Thermik: ein vertikal und nach allen Seiten hin wirkender Luftsog. Dieser ist derart stark, dass Windgeschwindigkeiten unter 10 m/s die Laufrichtung des Brandes nicht beeinflussen.
Abbildung 2: Vollfeuer in Russland
Ist die Windstärke höher, besteht die Möglichkeit, dass sich das Feuer in den Wipfeln der Bäume schneller ausbreitet als das darunter brennende Bodenfeuer. Solche Wipfel-, Kronen- oder Flugfeuer können durch
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herabfallende Glut- oder brennende Ast- bzw. Borkenstücke selbst neue Brände entzünden.
Totalbrände können stark qualmende, lange Feuerfronten bilden, die ab einer Größe von über 50 ha Laufgeschwindigkeiten von 100 ha/h oder annähernd 2 ha/min erreichen können. Vollbrände werden in Deutschland immer seltener, da die Früherkennung und Bekämpfung von Bränden ständig weiterentwickelt wurde und wird (siehe 4.1 bis 4.6).
• Erdfeuer (Abbildung 3):
Diese eher selten auftretende Brandform tritt überwiegend in Moorgebieten auf. Material unter der Bodendecke glimmt meist nur mit schwacher Rauchentwicklung vor sich hin; zudem tritt der Rauch und Wasserdampf meist nicht senkrecht über dem Brandherd aus, so dass sich eine präzise Ortung dessen äußerst schwierig gestalten kann. Teilweise bestehen derartige Brände sogar unbemerkt über Monate hinweg. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit
von Erdfeuern ist sehr gering: 100 m bis 1 000 m/24h können erreicht werden.
Die Bekämpfung gestaltet sich durch den hohen Energie- und Kostenaufwand problematisch; ein konzentrierter und intensiver Einsatz von großen Mengen Löschwasser ist nur selten durchführbar. Zudem ist ein Löscheinsatz über Erdfeuern lebensgefährlich: ausgebrannte Hohlräume bergen die Gefahr beim Betreten einzustürzen. Aus diesen Gründen erfordern diese Brände lang anhaltende und kontinuierliche Kontrolle - auch nach ihrem Erlöschen.
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• Stammfeuer:
Auch diese Brandform tritt sehr selten auf. Auslöser ist Blitzschlag, betroffen sind einzelne, meist alte Bäume. Wird ein hohler Baumstamm entzündet, brennt er im Inneren und ist zumeist einfach zu löschen. Besonders Kiefern mit alten Harzungslachen brennen aufgrund ihres hohen Kiengehaltes nach einem Blitzeinschlag lichterloh. Stammfeuer können sich zu Bodenfeuern weiterentwickeln.
Da der Anteil der anthropogen verursachten Wald- und Vegetationsbrände weltweit bei über 90% liegt (GOLDAMMER 2001, 211) und diese erst durch die Verknüpfung mit der gesellschaftlichen Verfassung eines Raumes zur Katastrophe werden, können Brandereignisse zumeist als „man-made hazards“ bezeichnet werden (GEIPEL 1992, 186).
2. Ursachen für das Auftreten von Wald- und Vegetationsbränden
2.1. Natürliche Ursachen
Blitzschlag wird häufig als einziger natürlicher Auslöser für Waldbrände betrachtet. Die Schätzungen über dessen Beitrag als Brandursache schwanken zwischen 10% (GOLDAMMER 2001, 211) und 15% (NIEDEK u. FRATER 2003, 165). Laut PLATE (2001, 220) ist Blitzschlag in den Industrieländern der Nordhemisphäre zu 2-3% und in den Mittelmeerländer gar nur zu 1% Brandauslöser.
In borealen Wäldern dagegen kann der Anteil an Blitzschlag als Auslöser von Waldbränden die 80%-Marke übersteigen, was durch die geringe Besiedlungsdichte zu erklären ist (MEUSBURGER 2002a, 378). Blitzschlag war wohl auch in vergangenen erdgeschichtlichen Zeiträumen Auslöser großer Brände, wie fossile Baumstämme z.B. aus dem Miozän (23-5,5 Millionen Jahre vor heute) vermuten lassen, in denen Blitzschlagrinnen nachweisbar sind.
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Weitere natürliche Zündquellen können ferner aktive Vulkane sein, die mit ihren heißen Auswurfprodukten (siehe Abbildung 4) die Vegetation in Brand setzen, wie es 1991 auf Sulawesi geschah. In der Folge von starken Eruptionen und der dadurch begünstigte Gewitterbildung wiederum Blitzschlägen kommen.
Auch Funkenschlag von Feuersteinen, der unter Umständen bei Steinschlagereignissen auftritt, kann Auslöser eines Vegetationsbrandes sein. Durch Hangrutschungen, leichte Erdstöße gelöste oder durch Tiere losgetretene Steine, die beim Herabfallen Funken bildeten, wurden im südlichen Afrika und im indischen Himalaya beobachtet. In der südafrikanischen Cedarberg-Region konnte in einer Untersuchung zwischen 1958 und 1974 bei über 25% der Brände Funkenbildung bei Steinschlag als Auslöser ausgemacht werden.
Als eine weitere natürliche Brandursache kommt die Spontanentzündung in Frage. Verrottende, komprimierte Pflanzenreste können beim Zersetzungsprozess derartig hohe Temperaturen erzeugen, dass es zur Selbstentzündung kommen kann. Große Feuerereignisse im Karbon (355 - 290 Millionen Jahre vor heute) werden auf diese Brandursache zurückgeführt und auch heute kommt es in Braunkohlelagerstätten noch zu Spontanentzündungen. (GOLDAMMER 1993, 6f)
2.2. Anthropogen verursachte Feuer
2.2.1. Kontrollierte Feuer
In den Tropen und Subtropen wird Feuer traditionell kontrolliert zur Landnutzungsänderung eingesetzt, um wirtschaftlich nutzbare Flächen zu
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schaffen. Wertvolle, vermarktungsfähige Baumarten der Primärvegetation werden vor dem Kahlschlag abgeholzt, woraufhin schließlich das Rodungsfeuer gelegt wird (siehe Abbildung 5).
Diese „shifting agriculture“ oder „shifting cultivation“ zeichnet sich durch eine verhältnismäßig kurze Periode dauerhafter Kultivierung aus, auf welche eine relativ langfristige, mindestens doppelt so lange Bracheperiode folgt. Werden semi-permanente oder stationäre Kulturen angebaut und verkürzt sich somit die Bracheperiode, wird von einer reinen landwirtschaftlichen Nutzung gesprochen (GOLDAMMER 1993, 9).
Auch eine Umwandlung von Flächen in Bauland kann Motiv für eine legale oder illegale Brandrodung sein. Speziell in Tourismusgebieten des mediterranen Raums ist es für viele Landbesitzer im Gegensatz zur forst- oder landwirtschaftlichen Nutzung rentabler, ihren Grund kostengünstig durch einen Brand baulich nutzbar zu machen. (HIRSCHBERGER 2007, 12f) In Südostasien dagegen werden auf dem verbrannten Grund zumeist Plantagen errichtet. 1997/98 wurden dort 60-80% der Brände gelegt, um Fläche für Ölpalmen- oder Holzkulturen zu schaffen.
Beweidung stellt besonders im Bereich des Amazonasregenwalds eine Nutzung der mit Feuer gerodeten Flächen dar. 70% der Flächen, auf denen ehemals Regenwald gedieh, wird zur Viehzucht verwendet. Den zweiten großen Wirtschaftsfaktor in diesem Gebiet stellt der Sojaanbau dar. Die geplante, legale oder oftmals illegale Brandrodung lässt sich durch die Auswertung von Satellitendaten (siehe Abschnitt 4.6) belegen: ein deutlicher Anstieg von
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Hotspots bzw. Brandherden in Amazonasgebiet ist während der Trockenzeit von Juni bis November zu verzeichnen. (HIRSCHBERGER 2007, 12ff) In den laubabwerfenden Trockenwäldern des indischen Subkontinents wird Feuer auf eine weitere Art genutzt: einerseits zum Ausräuchern von Waldbereichen beim Honigsammeln, andererseits um das Sammeln von Waldprodukten und die Jagd während der Trockenzeit zu erleichtern. Während dieser Periode ist die abgeworfene, trockene Laubschicht am Boden hinderlich beim Durchkämmen der Wälder nach Früchten, Blüten und Beutetieren, so dass die Bodenauflage großflächig abgebrannt wird. (GOLDAMMER 1993, 13) Feuer wird traditionell auch in der Weidewirtschaft der Tropen und Subtropen eingesetzt, um die Vegetation zum frischen Austrieb zu stimulieren. Während der Vegetationsruhe in der Trockenzeit, in der dem Weidevieh wenig Futter zur Verfügung steht, werden gezielt Feuer gelegt, um abgestorbene, nicht nutzbare Pflanzenreste zu vernichten und den Aufwuchs frischer Triebe mit hohem Nährwert anzuregen. Einher gehen eine Verhinderung der Überalterung vorhandener Vegetation, eine Verdrängung von unerwünschten Pflanzenarten und ein verlangsamter, verbissgerechter Höhenwuchs von Sträuchern und Bäumen. (GOLDAMMER 1993, 11f)
Der wachstumsstimulierende Effekt von Feuer auf Pflanzen wird auch bei der Tabakproduktion genutzt. Durch das Zurückbrennen von jungen Bäumen schlagen die Stöcke anschließend neu aus und die Ernte von Blättern von hoher Qualität ist gesichert. Dieses Verfahren ist freilich viel günstiger als ein manuelles oder mechanisches Zurücksetzen der Pflanzen. (GOLDAMMER 1993, 13)
Auch das planmäßige Verbrennen der Streuauflage von Kiefernbeständen in Hanglage ist beispielsweise in den submontanen Bereichen des Himalaya eine übliche Vorgehensweise. Die langen Kiefernnadeln bilden nach der Nadelschütte einen rutschigen Untergrund für das Vieh, der beseitigt werden muss, um Verletzungen und Abstürze der Tiere zu verhindern. (GOLDAMMER 1993, 12 zit.n. GOLDAMMER 1988)
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2.2.2. Unkontrollierte Feuer
Neben außer Kontrolle geratenen Rodungsfeuern können sowohl absichtliche Brandstiftung als auch Fahrlässigkeit Ursachen unkontrollierter Vegetationsbrände sein. Die Glut einer achtlos weggeworfenen Zigarette, eine heiße Auspuffanlage oder ein Lagerfeuer können die vorhandene Vegetation entzünden und das Feuer kann sich derart ausbreiten, dass professionelle Feuerbekämpfung von Nöten wird. (HIRSCHBERGER 2007,11) Dass Glasscherben durch einen Brennglaseffekt Vegetation entzünden können, ist allerdings ein Irrglaube. (WITTICH, K.-P., LEX, P. 2005, 625) Die in Tabelle 1 dargestellte Systematik wurde 1971 in der ehemaligen DDR eingeführt und führt im Wesentlichen alle anthropogenen und auch die natürliche Brandursache „Blitzschlag“ auf. (KÖNIG 2007b, 55)
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Für das Jahr 2003 wurde in Deutschland Brandstiftung als Ursache für über ein Fünftel der insgesamt 2.500 Waldbrände ermittelt (siehe Tabelle 2), wobei zu beachten ist, dass bei über 1.200 Feuerereignissen keine eindeutige Ursache zugeschrieben werden konnte. Über 600 Brände (etwa ein Viertel) entstanden durch fahrlässiges Verhalten. (KÖNIG 2007a, o.S.)
Vorsatz/Brandstiftung: 21,3 %
2.3. Einflussfaktoren
Den größten Einfluss auf die Häufigkeit und die Intensität von Vegetationsbränden haben Klima und Witterung. Niederschlagsmangel und hohe Temperaturen verursachen optimale Brandbedingungen, auch die Zeit vor dem Einsetzen der neuen Vegetationsperiode ist brandgefährlich. (KÖNIG 2007b, 45)
Offensichtlich wird dies in der Waldbrandstatistik Deutschlands: die extrem hohen Temperaturen und geringen Niederschlagsmengen des
„Jahrhundertsommers“ 2003 schlagen sich deutlich in den Werten nieder; in diesem Jahr traten etwa viermal mehr Brände auf (siehe Tabelle 3, Seite 12). Im Jahresverlauf betrachtet, steigt die Vegetationsbrandwahrscheinlichkeit an Wochenenden und Feiertagen deutlich an; in Deutschland entstehen gar 50% der Waldbrände an diesen Tagen.
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Tabelle 3: Waldbrände in Deutschland von 2001 bis 2005 (verändert nach KÖNIG 2007b)
Dieses Phänomen lässt sich durch die erholungssuchende Bevölkerung erklären, die ihre Freizeit in der Natur verbringen will und dort selbst - sei es absichtlich oder unabsichtlich - zum Verursacher von Bränden werden kann. (KÖNIG 2007b, 47)
Auch lokale Winde können zu einer höheren Brandgefährdung führen, wie es zum Beispiel in Kalifornien der Fall ist. Der Santa-Ana-Wind, ein föhnartiger Fallwind aus der Wüste, kann die Temperaturen im Becken von Los Angeles auf über 40°C ansteigen und die Luftfeuchtigkeit au f bis zu 2% fallen lassen, so dass die Landschaft regelrecht ausgedörrt wird. Feuer können sich so extrem schnell ausweiten und katastrophenartige Ausmaße annehmen - deswegen wird dieser Wind auch Satanswind genannt. (JACOB 1995, 108)
2.4. Katalysator Mensch
Der Mensch kann im Zusammenhang mit Wildfeuern als Täter und Opfer zugleich betrachtet werden.
Das Ausmaß und die Zerstörungskraft von Bränden werden durch den anthropogenen Eingriff in die Natur um ein Vielfaches erhöht, so dass Ökosysteme nachhaltig Schaden nehmen. Gleichzeitig ist der Mensch oft selbst von der destruktiven Kraft des Feuers betroffen wenn er in brandgefährdeten Gebieten siedelt oder wirtschaftet und dort im schlimmsten Fall Haus und Hof den Flammen zum Opfer fallen.
Somit kann der Mensch als Katalysator bezeichnet werden, der durch sein Eindringen in den Naturraum Feuer erst zur Naturkatastrophe macht.
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Das Bedürfnis, der Natur so nah wie möglich zu sein führt dazu, dass mögliche Gefahren bewusst in Kauf genommen werden. Aber auch die Urbanisierung und der wachsende Siedlungsdruck in einigen Regionen der Erde, z.B. Australien, zwingt die Bevölkerung in feuerexponierte Bereiche vorzudringen, so dass überlappende Konfliktzonen zwischen Vegetation und Siedlungen, die „Wildland urban interfaces“, entstehen. GOLDAMMER drückt es im Interview folgendermaßen aus: „Der Mensch siedelt dort, wo das Feuer wohnt.“ (BROTZ 2003, 8)
Ein kotrolliertes Abbrennen von Vegetation zur Verminderung von Brennmaterial ist dann nicht mehr möglich, so dass sich große Mengen trockenen Unterholzes und Laub ansammeln. (JACOB 1995, 107) Zudem wird die Gefahr erhöht, indem leicht brennbare Materialien verbaut werden. Ein Holzhaus mag zwar mancherorts ins Landschaftsbild passen, jedoch unterliegt Holz, aber auch andere organische Baustoffe wie Ried, Gras oder Bambus, dem gleichen Austrocknungsrhythmus wie die umgebende Vegetation. So steigt natürlich die Brandgefahr immens und bricht tatsächlich ein Feuer aus, ist es meist fast unmöglich, die Siedlungen zu retten. (GOLDAMMER 1993, 15)
Auch die in vielen Ländern vonstatten gehende Landflucht kann Einfluss auf Wildfeuer haben. Besonders im Mittelmeerraum wird dies deutlich: Maccien-und Kiefernwaldflächen werden nicht mehr gepflegt oder traditionell bewirtschaftet, das Totholz wird nicht mehr als Brennholz eingesammelt und häuft sich an. Während die Landwirtschaft den Rückzug antritt, steigt das Touristenaufkommen. Die erholungssuchenden Urlauber strömen in die Natur und werden oft aus Leichtsinn oder Unwissenheit zum Brandstifter in einem Gebiet, das schon lange auf das nächste Feuer „wartet“. (HEILEMANN 2005, 7) Ein weiterer Aspekt ist die Veränderung und Störung der
Vegetationszusammensetzung zur Ausübung von Land- oder Forstwirtschaft in Gebieten, in denen Feuer häufig auftreten. Die Aufforstung mit Eukalyptus oder Kiefer in Reinbeständen, wie es beispielsweise in Portugal betrieben wird, erhöht durch deren leichte Entflammbarkeit die Großbrandgefahr enorm. Werden diese Kulturen nicht richtig bewirtschaftet und verbleiben Totholz, Rindenreste und Laub am Boden, steigt das Energiepotential und schwer zu kontrollierende Brände können sich entwickeln. (HEILEMANN 2005, 7)
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Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass auch der anthropogen verursachte Klimawandel einen Einfluss auf das Feuergeschehen auf der Erde hat und auch weiter haben wird. Auf diesen Aspekt soll jedoch in Abschnitt 3.6 näher eingegangen werden.
2.5. Der Einfluss des El Niño
Das Klimaphänomen El Niño entsteht durch ein verändertes Strömungsmuster der Warmwassermassen des Pazifiks. Verursacht wird dieses durch eine Abschwächung der sogenannten „Druckwippe“, der Luftdruckgegensätze zwischen der südostpazifischen Hochdruck- und der nordaustralischindonesischen Tiefdruckzone. Bei normalen klimatischen Verhältnissen strömt warmes Meereswasser, „angeschoben“ von dem durch den Druckunterschied hervorgerufenen Ostpassat, in den Westpazifik. Im Bereich vor der südamerikanischen Küste strömt ausgleichend kaltes Tiefenwasser nach. Beim Zusammentreffen des Ostpassats mit den Westwinden und dem darauf folgendem Aufsteigen der Luftmassen kommt es bei Indonesien zu Niederschlägen; anschließend strömen die Luftmassen nach Osten zurück und sinken über dem Zentral- und Ostpazifik wieder ab.
Umgekehrt zu diesem normalen Verlauf strömt in El Niño-Jahren aufgrund einer Abschwächung (oder sogar des völligen Zusammenbruchs) des Passatsystems warmes Wasser aus dem West- in den Ostpazifik. Dies hat zur Folge, dass die warmen Wassermassen östlich von Südostasien und Australien nach Osten zurückfließen, die Temperatur im Westpazifik so sinken und im Ostpazifik ansteigen. Vor Südamerika steigt die erwärmte, feuchte Luft auf und es kommt zu vermehrten Niederschlägen an dieser Küste. (vgl. HAMMANN 2008, o.S. u. GOLDAMMER 1993, 34f)
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Arbeit zitieren:
Eva-Maria Greulich, 2009, "Let burn" – Feuer als verheerende Naturkatastrophe?, München, GRIN Verlag GmbH
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