Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Begrifflichkeiten und Definitionen 5
2.1 Kollektive Identität 5
2.2 Politische Identität 7
3. Überlegungen zur Europäischen Identität 8
3.1 Europa als Erinnerungsgemeinschaft?
Die Europäische Identität als historische Konstruktion 9
3.1.1 Gemeinsame Geschichte und geteilte Werte 9
3.1.2 „In Vielfalt geeint“ 11
3.1.3 Zwischenfazit: Europa als Erinnerungsgemeinschaft 12
3.2 Europa als Diskursgemeinschaft?
Die Europäische Identität als politische Konstruktion 13
3.2.1 Verfassungspatriotismus 14
3.2.2 Partizipationsrechte, Bürgeridentität und Zivilgesellschaft 15
3.2.3 Zwischenfazit: Europa als Diskursgemeinschaft 17
4. Fazit 18
Literaturverzeichnis 20
Abkürzungsverzeichnis
Art. Artikel bzw. beziehungsweise ders. derselbe d.h. das heißt ebd. ebenda EU Europäische Union etc. et cetera f. folgende ff. fort folgende Hrsg. Herausgeber S. Seite vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
2. Begrifflichkeiten und Definitionen
2.1 Kollektive Identität
Bevor die Europäische Identität betrachtet werden kann, muss geklärt werden, was kollektive Identität ist und worauf sie sich bezieht:
Kollektive Identität ist eine gedachte Gemeinschaftlichkeit, die „symbolisch konstruiert“ und durch „Rituale und Institutionalisierungen befestigt“ wird (Bach 2008: 177). Sie weist alsoso die weit verbreiteten These - einen konstruktivistischen Charakter auf, stellt etwas ‚Gemachtes‘ dar und muss immer wieder bekräftigt werden, um Bestandskraft zu erlangen (vgl. Roose 2004: 9, Giesen 1999). Kollektive Identitäten schaffen soziale Grenzen und sind die Voraussetzung für das Bestehen moderner Gesellschaften (Weidenfeld 2002: 2 f.), da sie dazu dienen und notwendig sind, „den Zusammenhalt von individuellen Akteuren zu sichern“. (Eder 2006, Pollmann 2004: 11)
Als Attribute der kollektiven Identität nennt Klaus Eder einen kontingenten Inhalt, eine affektive Bindung an das Kollektiv und die Definitionsmacht zu bestimmen, „wer dazu gehört und wer nicht“. Sie besitzt also Exklusionspotenzial: „Identität [ist] immer die Identifizierung eines »Einen« durch Abgrenzung von »Verschiedenem«.“ (Eder 1999: 148) Neben dieser exkludierenden Funktion weist sie aber auch eine inkludierende auf: Durch „spezielle Prozesse“ werden die Mitglieder in die Gruppe eingebunden, erfahren dadurch ihre Inklusionskraft (vgl. Eisenstadt 1999: 372 f.). Interne Verschiedenheiten werden überwunden und Gleichheiten und Gemeinsamkeiten herausgestellt (Giesen 1999: 134). Besonders entscheidend ist hierbei das „Attribut der Ähnlichkeit“, welches selbst auch symbolisch konstruiert und definiert werden kann und durch welches eine Gruppe in die Lage versetzt wird, sich von anderen Kollektiven deutlich abzugrenzen (Eisenstadt 1999: 373). Sehr metaphorisch formuliert kommt man also zu folgendem Bild: Die kollektive Identität beinhaltet zwei Dimensionen: „den Spiegel, in dem die Gruppe ihre Erscheinungen im Gespräch der Angehörigen einer Gruppe untereinander reflektiert und neu definiert (Entwicklung einer gemeinsamen politischen Kultur, verfassungsgebende Debatten) und die Mauer, mit deren Hilfe die Gruppe (Nation, politische Partei, soziale Gemeinschaft) sich selbst ein eigenständiges Image verleiht, das auf offenere, exklusivere oder aggressivere Weise auch ihr Verhältnis zu anderen Gruppen definiert.“ (Cerutti 2009: 253)
Hier ist nun interessant, wie die Abgrenzung von „ingroup“ und „outgroups“ bzw. die Distinktion nach außen genauer funktioniert, d.h. wie die Gegendefinition der Gesellschaft zu
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ihrer „natürliche[n] und soziale[n] Umgebung“ institutionalisiert wird (Karolewski 2007: 3). An dieser Stelle müssen die einzelnen Bezugspunkte kollektiver Identitäten erörtert werden, um den Begriff der kollektiven Identität später auf das EU-Europa transferieren zu können.
Furio Cerutti beschreibt als eine Grundlage für die Herausbildung einer kollektiven Identität „eine[n] gewisse[n] Grad an Homogenität in der politischen Kultur (z.B. eine die liberale Demokratie begünstigende Ausrichtung)“ was allerdings nicht als „Konvergenz der gesamten kulturellen Welt“ verstanden werden darf, die beispielsweise Sprache, Religion, Sitten und Weltvorstellungen umfasse (Cerutti 2009: 254). Vielmehr ist hier das gesamte politische System gemeint, welches sich dann zum Beispiel in der Ausgestaltung von Prozessen zur Entscheidungsfindung ausdrückt.
Andererseits nennt Jens Hacke Möglichkeiten der Klassifizierung, die bisher den Nationalstaaten als Unterscheidungsmerkmale gedient haben: „Ethnie, (…) Tradition, [und]
Geschichte.“ (Hacke 2008: 1) 1 Identität kann also auch auf primordialen Merkmalen wie der Geschichte aufbauen, mit der sich die Menschen identifizieren können.
Die Ausprägung und sowohl In- als auch Exklusionskraft einer kollektive Identität sind dabei abhängig von der Größe und Mitgliederzahl der Gruppe, auf die sie sich bezieht. Sie ist umso fragiler, je größer das Kollektiv ist, was vor allem an der „Kommunikative[n] Erreichbarkeit“ liegt (Bach 2008: 178). Die Binnenkommunikation innerhalb einer Gruppe ist also zentral an der Stabilisierung einer Gruppenidentität beteiligt.
Eine entscheidende funktionale Annahme ist, dass kollektive Identitäten plural sein können. Das heißt, dass besonders mit Blick auf „Organisations- und Repräsentationseinheiten, die, wie etwa der Staat, eine integrierende Funktion ausüben“ die Möglichkeit einer parallelen
Existenz kollektiver Identitäten unterstellt werden kann. 2 (Hacke 2008: 2 f.)
1 Hacke räumt an dieser Stelle ein, dass es umstritten ist, „inwiefern die Paradigmen des klassischen Nationalstaats heute noch Gültigkeit besitzen“ (Hacke 2008: 1).
2 Bei der Europäischen Union handelt es sich - genau wie beim Nationalstaat - um eine Organisationsform, bzw. einer Vergesellschaftungsform. Auf Grundlage dieser Annahme wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit davon abgesehen, die Europäische Identiät in Konkurrenz zu den nationalen Identitäten der Mitgliedstaaten zu setzten. Es wird davon ausgegangen, dass die Bindung an das europäische Kollektive die Bindung an den Nationalstaat nicht zwangsläufig ausschließt und umgekehrt.
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Arbeit zitieren:
Milena Tmava, 2010, Europa als Erinnerung- oder Diskursgemeinschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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