1 Einleitung
Es gibt unterschiedliche Gesprächsbereiche und Gesprächstypen, zudem verschiedene Verwendungsweisen und Beschaffenheiten von Konversationen. Von großer Bedeutung sind vor allem der gesellschaftliche Kontext und der Handlungszusammenhang, in dem ein Gespräch stattfindet, da sie die Art und Weise des Gesprächs stark beeinflussen können. 1 In der vorliegenden Hausarbeit, die im Rahmen des linguistischen Seminars „Gesprochene Sprache“ angefertigt wurde, ist die Analyse eines Gesprächs Aufgabengegenstand. Im Fokus steht ein Sprechstundengespräch an einer deutschen Hochschule. Mittels der Gesprächsanalyse werde ich unter anderem versuchen aufzuzeigen, auf welche Art und Weise Informationen vermittelt werden und der Kommunikationsprozess stattfindet.
Zunächst werde ich mich mit dem theoretischen Aufbau eines Gesprächs bzw. der gesprochenen Sprache befassen. Darin möchte ich unter anderem klären, wie die Beschaffenheit eines Gesprächs aussieht und welche Voraussetzungen überhaupt gegeben sein müssen. Des Weiteren werde ich mich nach einer umfassenden Transkriptanalyse im späteren Verlauf meiner Hausarbeit auf die Frage konzentrieren, inwiefern die Kategorie „Kommunikative A-/Symmetrie/Hierarchie“ innerhalb eines Gesprächs von Bedeutung ist und sie sich auf die Entwicklung eines Gesprächs auswirkt. Ich habe dieses als gesondertes Kapitel für meine Hausarbeit gewählt, da die Kategorie „Kommunikative A-/Symmetrie/Hierarchie“ für mich einen wichtigen Aspekt in der Gesprächsforschung darstellt und ein Gespräch und somit den Kommunikationsprozess von Grund auf beeinflussen kann. Auch aus psychologischer Sicht offenbart dieser Punkt einige spannende Aspekte, auf die ich gerne eingehen möchte. Im Anschluss an dieses Kapitel folgt ein Resümee ziehendes Fazit. Als Grundlage für meine Hausarbeit dient das Sprechstundentranskript Nr. 7 („ich würd Ihnen da auch von mir aus ungern eher Vorgaben machen“ - Absprache zur Textgrundlage einer Hausarbeit, Aufnahmedatum: 01.06.1992), bearbeitet und veröffentlicht von der Ruhr-Universität Bochum (s. BOETTCHER et al. 2005: 44 - 47), welches im Anhang dieser Hausarbeit vorzufinden ist.
1 vgl. CÖLFEN: http://www.linse.uni-essen.de/miteinanderreden/pack04_alltag/alltag01.htm, zitiert: 2.3.07
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2 Gesprochene Sprache und das Gespräch: Voraussetzungen und Aufbau
Die Sprache ist Gegenstand des linguistischen Forschungsbereichs. Grundlegende Unterschiede gibt es jedoch zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache. So besteht die gesprochene Sprache beispielsweise aus spontanen, nicht vorher festgelegten Formulierungen. Die geschriebene Sprache ist im Gegensatz dazu geplant. Da gesprochene Sprache nur geschrieben untersucht werden kann, begann man in den 1960er Jahren damit, Sprache mittels eines Tonbandgerätes aufzuzeichnen und die sprachlichen Merkmale herauszufiltern. Seitdem hat sich die Gesprächsforschung als Forschungszweig sehr gut entwickeln können. Nach SCHWITALLA (2006: 17ff.) ist die Rolle der gesprochenen Sprache - welche im Grunde besser als „Sprachverwendung“ bezeichnet werden kann - in den letzten Jahren in der Sprachgeschichte zum Thema geworden.
Das mündlich realisierte Gespräch ist nach LINKE et al. (2004: 297) „die grundlegende Form des Sprachgebrauchs“ und stellt auch den Mittelpunkt dieser Hausarbeit dar. Gespräche kommen in erster Linie dialogisch vor (Aktion - Reaktion). D.h., dass sie in Kommunikationssituationen eingebettet sind, die zwei oder mehrere Partner räumlich und/oder zeitlich (i.w.S.) verbinden und dass sie in Form einer Wechselrede, bei der die Beteiligten aufeinander folgend als Hörer und Sprecher in Erscheinung treten, vorkommen (s. LINKE et al. 2004: 297). Weitere Voraussetzungen für ein Gespräch sind die zeitliche Begrenztheit, eine Verständnisgrundlage (Bsp. Verwendung der gleichen Sprache), ein Gesprächsgegenstand sowie die Mündlichkeit von Sprache (SCHWITALLA 2006: 20: „Eine Sprache, die nur gedacht werden kann, ist keine Sprache“). Auch außersprachliche Rahmenbedingungen (= Redekonstellation) beeinflussen die Ausgestaltung und Entwicklung eines Gesprächs. Hierzu zählen u.a. neben der Anzahl der Gesprächspartner auch der Grad der Vorbereitetheit einzelner Gesprächsbeiträge, die thematische Fixiertheit sowie der Öffentlichkeitsgrad der Konversation (Freiburger Redekonstellationsmodell, s. LINKE et al. 2004: 325 und BRINKER/SAGER 2006: 115). Zudem spielt der Kontext, in dem das Gespräch stattfindet und der durch das Gespräch immer wieder neu definiert und aufgebaut wird, eine Rolle (AUER 1986: 41: „Damit wir miteinander schnell und problemlos interagieren können, müssen wir nicht nur ‚bedeutungsvolle’ Äußerungen von uns geben, sondern zugleich Kontexte aufbauen, innerhalb derer unsere Äußerungen verstanden werden.“, LINKE et al. 2004: 298: „Gespräche sind eine sprachliche Größe, deren einzelne Elemente sich zum Teil erst aus
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dem Verständnis des Ganzen heraus als sinnvoll erweisen und funktional bestimmen lassen.“).
Ein Gespräch lässt sich in eine charakteristische Phasenstruktur untergliedern. Man unterteilt ein Gespräch in eine Eröffnungs- bzw. Startphase, eine Kernphase und eine abschließende Beendigungsphase. In der nachfolgenden Transkriptanalyse eines hochschulischen Sprechstundengespräches werde ich eine solche Phasenunterteilung vornehmen.
3 Transkriptanalyse
In dem vorliegenden Sprechstundentranskript, was als komplettes Exemplar im Anhang vorzufinden ist, wird dargestellt, wie sich eine Studentin im Grundstudium des Fachbereichs Germanistik bei einem Lehrbeauftragten Informationen über die Textgrundlage einer anzufertigenden Hausarbeit einholt. Im Folgenden soll dieses Transkript analysiert werden. Dabei gehe ich wie folgt vor: In einem ersten Schritt werde ich das Sprechstundentranskript in die drei üblichen Gesprächsphasen unterteilen. Generell ist es möglich, dass einige Phasen sich überschneiden oder durcheinander geraten. Nach der Phasenuntergliederung werde ich einige prägnante Stellen genauer untersuchen und gesprächsanalytischen Kategorien zuordnen.
3.1 Eröffnungsphase
Die Anfangsphase, auch als Start- oder Eröffnungsphase bezeichnet, dient nach BRINKER/SAGER (2006: 99) der Situationseinordnung und -definition. Grundlegendes kann vordefiniert werden. Zudem wird hierbei die wechselseitige Gesprächsbereitschaft hergestellt. Diese Phase fällt meistens relativ knapp aus und ist formell gehalten. Begrüßungen werden auf das Wichtigste beschränkt (häufige Paarsequenz: Gruß -Gegengruß) und gehen relativ schnell zu Befindlichkeitsfragen über. In dieser Phase finden häufig keine Namensnennungen statt. Zum Teil läuft die Eröffnungssequenz sogar noch im Stehen ab. Die Phase der Gesprächseröffnung kann für den weiteren Verlauf eines Gesprächs entscheidend sein. Die Vermittlung des ersten Eindrucks, vor allem auf der Seite der nicht-redebevorrechtigten Person (in diesem Fall: Studentin) ist in dieser Phase von Bedeutung und kann ebenfalls auf die Entwicklung des Gesprächs Einfluss haben.
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Textausschnitt 1: Eröffnungsphase
Text 1 zeigt den ersten Abschnitt des transkribierten Sprechstundengesprächs und stellt die Eröffnungsphase dar. Als zusätzliche Vorabinformation 2 wurde gegeben, dass sich die erste transkribierte Äußerung der Studentin („klasse“) auf die Videoinstallation bezieht und dass zu diesem Zeitpunkt der Raum betreten wird. Die Eröffnungsphase beginnt damit, dass der Lehrende die Studentin in den Raum bittet. Eine Begrüßung und namentliche Vorstellung findet ebenso wenig wie eine Befindlichkeitsbefragung statt oder geschah bereits im Vorfeld der Aufzeichnung. Zudem gibt es keine Information zur Platzierung im Raum. Der Gesprächsinhalt bezieht sich auf die Videoinstallation (Z. 002 - 005). Die Aussage „gut“ (Z. 006) seitens des Lehrenden fordert die Studentin zur Beschreibung der Anliegensformulierung auf und bildet somit den Übergang zur Kernphase des Sprechstundengesprächs. Auch wenn die Eröffnungssequenz relativ knapp erfolgt, erfährt der Leser dennoch, dass die Gesprächssituation zu Beginn noch aufgelockert ist. Das kann den beiderseits nonverbalen Äußerungen in Form von Lachen (Z. 002 ff.) entnommen werden.
3.2 Kernphase
BRINKER/SAGER (2006: 100ff.) erklären, dass in der Kernphase, auch als Gesprächsmitte bezeichnet, Kommunikationsgegenstände abgehandelt und
Gesprächsziele verfolgt werden. Kernphasen sind in ihrer Beschaffenheit sehr viel komplexer im Vergleich zu Eröffnungs- und Beendigungsphasen und unterliegen individueller Gestaltungsmöglichkeit. Es haben sich jedoch gesprächsspezifische Ablaufmuster entwickelt, die den Beteiligten eine mehr oder weniger feste Orientierung für ihr Sprachhandeln geben. Bei der vorliegenden Art des Gesprächstyps (Beratungsgespräch) lässt sich die Kernphase sehr deutlich von der Eröffnungsphase abtrennen. Die Kernphase beginnt mit der Anliegensformulierung der Studentin.
2 siehe Basisinformationen Transkript, Anhang
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Arbeit zitieren:
Katharina von Lehmden, 2008, Analyse eines Sprechstundengesprächs, München, GRIN Verlag GmbH
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