1. Problemstellung und Zielsetzung
„... Inflation, das heißt Enteignung ohne Gesetz und Grenzen...“ „Der Staatsbankrott ist ein einmaliger chirurgischer Eingriff, die Inflation ist permanente Blutvergiftung.“ Felix Somary (Bankier, Nationalökonom und politischer Analytiker) Das Thema der Seminararbeit lautet „Arten, Ursachen und Wirkungen der Inflation“. Während Arten und Ursachen der Inflation in der Literatur umfangreich behandelt werden, spielen die Auswirkungen eine eher untergeordnete Rolle. Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, Wissen über die Auswirkungen auf andere wirtschaftliche Größen zusammenzutragen.
Es werden die verschiedenen Erscheinungsformen der Inflation und die unterschiedlichen Ansätze und Hypothesen, was die Ursache für eine Inflation sein können, behandelt. Die Wirkung der Inflation wird oft nur damit beschrieben, dass man weniger Gütereinheiten je Geldeinheit erhält. Die Wirkung der Inflation nur durch den Geldentwertungsprozess zu beschreiben ist unzureichend, denn die Inflation hat auch Auswirkungen auf andere wirtschaftliche Größen. Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit soll die Auswirkungen der Inflation auf andere wirtschaftliche Größen aufzeigen. Diesbezüglich wurde die Auswirkung auf „Einkommen und Vermögen“, „Konsum und Sparen“, „Investitionen und Unternehmensgewinne“, „Wachstum und Beschäftigung“ und „Steuern und öffentliche Ausgaben“ erarbeitet. Zur Einführung in das Thema wird zu Beginn erklärt, was unter Inflation zu verstehen ist, wie sie gemessen wird und wie sich Deflation von ihr unterscheidet. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit und die erarbeiteten Kenntnisse werden am Beispiel der Inflation in den USA nach dem Ölpreisschock von 1973 angewandt.
2. Die Inflation
2.1. Definition Inflation
Das Wort Inflation kommt vom lateinischen „inflare“ (aufblähen, aufblasen) und wurde erstmals im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) verwendet (vgl. Bergold, 2006, S. 38). Unter Inflation versteht man ein anhaltendes und dauerhaftes Steigen des Preisniveaus. Man erhält weniger Gütereinheiten je Geldeinheit. Dieser Geldentwertungsprozess entsteht, wenn sich die Geldmenge stärker ausdehnt als die Gütermenge. Wenn bei einzelnen Gütern hin und wieder die Preise steigen, liegt noch keine Inflation vor. Im Winter steigen beispielsweise die Preise für Obst, weil - bei gleichbleibender Nachfrage - das Angebot abnimmt (vgl. Hartmann, 2007, S. 541). Diese Steigerung von Einzelpreisen gehört für eine Marktwirtschaft zu den normalen Vorgängen und übernimmt für den Marktmechanismus die Lenkungsfunktion. Damit vorübergehende Effekte die Inflation nicht verzerren, wird auch die Kerninflation ermittelt. Die Inflationsrate wird um Güter mit einer hohen Volatilität (Energie) oder saisonalen Schwankungen (Lebensmitteln) bereinigt (vgl. Altmann, 2007, S. 138). Im Falle eines anhaltenden Preisniveauanstiegs kann verfolgt werden, dass sich bei den Wirtschaftsteilnehmern Erwartungen und Ängste auf weitergehende Kaufkrafteinbußen
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herausbilden. Das Geld wird in seiner Funktion als Zahlungsmittel beeinträchtigt und die Wirtschaftssubjekte verlieren ihr Vertrauen in die Währung. Inflation entsteht aus einem bestimmten Ursachenkomplex in einem wirtschaftlichen System und wirkt wieder auf dieses zurück (vgl. o.A., 2000, S. 1511).
Die Inflation wird auch mit der „Quantitätsgleichung“ (Fisher, 1911) dargestellt: M · V = Y · P
M bezeichnet die nominale Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, Y die reale Produktion und P das Preisniveau. Man geht davon aus, dass die Umlaufgeschwindigkeit kurzfristig konstant und das Wachstum der Realproduktion gegeben ist. Es besteht ein proportionaler Zusammenhang zwischen der Höhe der Geldmenge und der Höhe des Preisniveaus. Die Inflationsrate ist stets gleich dem Geldmengenwachstum abzüglich der Wachstumsrate der Realproduktion (vgl. Wildmann, 2007, S. 89).
2.2. Messung
In Deutschland wird die Preisveränderung der Konsumgüter, die sich auf die privaten Haushalte auswirken mit Hilfe eines Preisindex ermittelt. Der „Verbraucherpreisindex für die Bundesrepublik Deutschland“ wurde vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden entwickelt und erfasst die Preisänderungen von rund 750 Gruppen von Sachgütern und Dienstleistungen, die von einem durchschnittlichen privaten Haushalt gekauft werden. Die verschiedenen Waren und Dienstleistungen werden unterschiedlich gewichtet, auch ändert sich die Verbrauchsstruktur von Zeit zu Zeit. So gab z.B. der durchschnittliche private Haushalt 1970 noch 33,3% seines Einkommens für Nahrungs- und Genussmittel aus. Im Jahr 2000 betrug dieser Anteil nur noch 14 % (vgl. Hartmann, 2007, S. 538). Schwierigkeiten bei der Messung ergeben sich aus Veränderungen der Güter- und Verbrauchsstruktur, Qualitätssteigerungen, der Auswahl der relevanten Güterpreise (Listen- und Sonderpreise, Brutto- oder Nettopreise, Berücksichtigung von Steuern) und Effekte, bei denen es angeraten ist, sie nicht als inflationäre Tendenz zu werten, obwohl sie zu einem Ansteigen des Preisindex führen, wie etwa steigende Umweltkosten (vgl. o.A., 2000, S. 1512).
Der Verbraucherpreisindex entwickelt sich wie folgt (Basisjahr 2005):
Zusätzlich für europäische Zwecke berechnet das Statistische Bundesamt den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland (siehe Grafik 1 im Anhang). Die wichtigste Zielsetzung des HVPI ist der Vergleich der Preisveränderungsraten zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). Erforderlich ist die Berechnung des HVPI, da sich die nationalen Verbraucherpreisindizes in vielfältiger Weise unterscheiden. Diese Unterschiede sind zum Teil historisch bedingt, resultieren aber auch aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oder abweichenden Strukturen des statistischen Systems. Für die Europäische Zentralbank ist die Verwendung des Verbraucherpreisindex für die Europäische Währungsunion (VPI-EWU), der aus den nationalen HVPI der Mitglieder der Euro-Zone berechnet wird, Maßstab für die Geldwertstabilität des Euro (vgl. o.A.,
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2010, S.1). Der HVPI und die Kerninflation entwickeln sich unterschiedlich (siehe Grafik 2 im Anhang).
2.3. Abgrenzung zur Deflation
Die Deflation im traditionellen Sinne ist das „Gegenteil“ der Inflation. Man versteht darunter ein anhaltendes Sinken des Preisniveaus. Die Unternehmen und privaten Haushalte erwarten weiter sinkende Preise und halten sich mit Käufen und Investitionen zurück. Wenn eine Deflation lange anhält, sparen die Wirtschaftssubjekte, Arbeitsplätze gehen verloren, die Einkommen sinken, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft. Eine Deflation im traditionellen Sinne ist heute nicht mehr so wahrscheinlich wie früher, weil stabilisierende Faktoren wie zum Beispiel Mindestlöhne, einkommens- und gewinnunabhängige Steuern, langfristige Miet- und Lieferverträge und gesetzlich festgelegte Staatsausgaben ein drastisches Sinken des Preisniveaus verhindern. Nachfragerückgänge bewirken deshalb vor allem den Rückgang der Beschäftigung (vgl. Hartmann, 2007, S. 545). Das es auch heute noch zu einer langwierigen Deflation kommen kann, zeigt das Beispiel Japan.
3. Erscheinungsformen der Inflation
Je nach den Erscheinungsformen unterscheidet man verschiedene Arten der Inflation.
3.1. Offene und verdeckte Inflation
Eine Unterscheidung nach ihrer Wahrnehmbarkeit führt zur Differenzierung zwischen offener und verdeckter Inflation. Eine offene Inflation liegt vor, wenn sich der Anstieg des Preisniveaus ungehindert vollzieht und sich in der Statistik niederschlägt. Der Staat schreibt weder Höchst- noch Festpreise vor. Das Preisniveau steigt „offen“ gemäß den Marktbedingungen. Bei der verdeckten Inflation gibt der Staat Höchst- oder Festpreise vor, ohne die inflationären Antriebskräfte zu beseitigen. Das Preisniveau wird, gemessen an den administrativen Preisen, verhältnismäßig stabil gehalten. Die Menschen können mit ihrem Geld wenig anfangen, weil das Güterangebot zu gering ist. Vor den Geschäften bilden sich Schlangen, der Staat muss rationieren bzw. es stehen keine Güter zur Verfügung und Schwarzmärkte entstehen (vgl. Lachmann, 2006, S. 260).
3.2. Schleichende, trabende, galoppierende und Hyperinflation
Die Inflation kann auch nach der Geschwindigkeit, mit dem sich der Preisniveauanstieg vollzieht unterschieden werden. Eine schleichende Inflation bezeichnet eine geringe, aber stetige Geldentwertung. Die jährliche Inflationsrate bleibt unter 5 % und wird von den Marktteilnehmern gar nicht wahrgenommen. Wenn diese Schwelle überschritten wird spüren die Wirtschaftssubjekte den Kaufkraftschwund. Steigt die Inflationsrate auf bis zu 10 % pro Jahr, spricht man von einer trabenden Inflation. Eine monatliche Preissteigerungsrate, die größer als 50 % ist, bezeichnet eine galoppierende Inflation. Wenn die Druckereien mit dem Drucken neuer Banknoten nicht mehr nachkommen, täglich Gehälter gezahlt werden müssen und wenn jedermann versucht das erhaltene Geld sofort wieder in Sachwerte umzusetzen befindet man sich in einer Hyperinflation,
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wie es in Deutschland 1923 der Fall war (vgl. Lachmann, 2006, S. 259). Eine genaue Abgrenzung zwischen diesen Erscheinungsformen gibt es nicht. In der Literatur gibt es unterschiedliche Prozentangaben zu den jeweiligen Inflationsarten.
3.3. Temporäre und permanente Inflation
Eine Analyse der Inflation nach der Dauer des Inflationsprozesses hat zu der Unterscheidung in temporäre und permanente Inflation geführt. Eine temporäre Inflation bezeichnet eine Erhöhung des Preisniveaus, die durch ein Absinken der Preise im weiteren Verlauf wieder rückgängig gemacht wird. Von einer permanenten Inflation spricht man, wie der Name schon sagt, wenn ein Preisniveauanstieg permanent zu beobachten ist. Eine permanente Inflation liegt dann vor, wenn der Anstieg des Preisniveaus nicht zum Stillstand kommt (vgl. Lachmann, 2006, S. 259).
4. Ursachen der Inflation
Die Ursachen der Inflation liegen in der Veränderung des Angebots- und Nachfrageverhalten.
4.1. Angebotsinflation
Eine Angebotsinflation liegt vor, wenn die Preissteigerungsanstöße von der Güterangebotsseite ausgehen. Hier wird zwischen Gewinn-, Kosten- und Steuerinflation unterschieden.
4.1.1. Gewinninflation
Der Erklärungsansatz der Gewinninflation geht davon aus, dass die Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht in der Lage sind, den Gewinn zum Bestimmungsgrund ihrer Preise werden zu lassen. Dies setzt ein Angebotsmonopol oder Angebotsoligopol, sowie eine hohe Markteintrittsbarriere voraus. Können die Unternehmen ihre Gewinne ausdehnen und so ihren Anteil am Volkseinkommen erhöhen, entsteht Inflation (vgl. o.A., 2000, S. 1515).
4.1.2. Kosteninflation
Wenn es zu Preiserhöhungen kommt, folgt oft eine Welle von Lohnerhöhungen und umgekehrt (Preis-Lohn-Preis-Spirale). Demnach sind die Gewerkschaften in der Lage, Lohnsteigerungen durchzusetzen, die seitens der Unternehmen nicht durch Gewinnkompressionen oder durch Produktivitätssteigerungen aufgefangen werden können. Der wachsende Kostendruck führt bei den Unternehmen zu Preissteigerungen, die aufgrund der Marktmacht auch durchgesetzt werden können. Der einsetzende Verteilungskampf zwischen Gewerkschaften und Unternehmen verursacht eine fortschreitende Inflation. Die Ansprüche der Wirtschaftssubjekte wachsen schneller als das Handelsvolumen (Angebot), deshalb spricht man von einer Anspruchsinflation (vgl. Hartmann, 2007, S. 543). Natürlich erfasst die Kosteninflation auch andere Kosten wie zum Beispiel gestiegene Rohstoff- und Kreditkosten. Die Ursache liegt darin, dass die Kosten stärker steigen, als die Produktivitätszuwächse der Unternehmen (vgl. o.A.,
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Arbeit zitieren:
Markus Schröter, 2010, Arten, Ursachen und Auswirkungen der Inflation, München, GRIN Verlag GmbH
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