Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2 NA
Inhaltsangabe von La Religieuse....………….……………………………………3
1. Hintergründe 4
1.1 Der charmante Marquis 4
1.2 Die Nonne(n) 6
2. Auf der Suche nach der Gattung 7
2.1 Form: Memoiren- oder Briefroman 8
2.1.1 Memoirenroman 8
2.1.2 Briefroman 10
3. Die Religieuse und die sensibilité 12
3.1 Die sensibilité als wirkungsästhetisches Ziel 12
3.2 Die sensibilité als Normbezug im Roman: Pervertierung 13
Schlussbetrachtung 15 NA
Literaturverzeichnis 16 NA
Anhang……………………………………………………………………………..17 NA
1 NA
Einleitung
Diese Arbeit schließt sich an das Proseminar „Denis Diderot und die französische Aufklärung“ an und behandelt La Religieuse, welche im Jahre 1760 entstanden ist.
Bereits beim Betrachten der ‚Veröffentlichungsgeschichte’ bzw. der ‚Bearbeitungsgeschichte’ wird erkennbar, wie lange dieses Werk seinen Autor beschäftigt hat.
Aus gegebenem Anlass, auf den ich im ersten Teil der Arbeit noch gesondert eingehen werde, begann Diderot im November des Jahres 1760 mit dem Niederschreiben der Religieuse. In einem Brief an Mme d’Epinay 1 schrieb er wie folgt: « Je me suis mis à faire la Religieuse et j’y étais encore à trois heures du matin. Je vais à tire-d’aile. Ce n’est plus une lettre, c’est un livre. » (Diderot zitiert nach Desné 1968: 9)
Die erste Veröffentlichung sollte dann aber erst in den Jahren von 1780 bis 1783 erfolgen - und dies auch ‘nur’ als Feuilletonausgabe in der „Correspondance littéraire“ 2 .
Im Jahre 1781 war dann bereits eine zweite Überarbeitung des Buches durch Diderot erfolgt, die er schließlich im Jahre 1783 nochmals zur Hand nahm. Diese letzte Bearbeitung wurde dann im Jahre 1796 als Ganzfassung und posthum (im Übrigen zur selben Zeit und vom selben Verleger wie „Jacques le Fataliste“) veröffentlicht.
In dieser Arbeit sollen nun folgende Aspekte näher betrachtet werden, die bei der Interpretation der Religieuse von Bedeutung sind.
Nach einer kurzen Inhaltsangabe werden im ersten Teil die Hintergründe bzw. die Entstehungsgeschichte der Religieuse aufgedeckt. Wie kam es zur Wahl dieser Thematik? Welche Aspekte der Biographie Diderots sind hier eventuell mit eingeflossen?
Der zweite Teil beschäftigt sich folgend mit der Gattungsproblematik dieses Werkes, wobei gesondert auf die Gattungen Memoiren- und Briefroman eingegangen werden soll.
1 Sie wird bei Desné (1968: 17) als Besitzerin des Salons vorgestellt, in dem Diderot und seine Freunde in Paris regelmäßig verkehrten.
2 Eine handschriftlich verbreitete ‚Geheimrevue’, die ‚am europäischen Hof’ kursierte und nur „Privilegierten“ zugänglich war. (vgl. Fontius 1978: 310)
2
Im letzten Teil soll schließlich die Zielstellung Diderots, in Anknüpfung an die Diskussion des Begriffs der „sensibilité“ (einerseits als wirkungsästhetische Kategorie des Romans und andererseits als normativer Bezugspunkt der Darstellung), herausgearbeitet werden. Was genau ist gemeint, wenn man in Zusammenhang mit der Religieuse von der ‚Pervertierung’ der sensibilité spricht?
Inhaltsangabe von La Religieuse
Suzanne, eine von drei Töchtern der Familie Simonin, wird von ihren Eltern in ein Kloster geschickt, nachdem offensichtlich wird, dass sich der Werber einer ihrer Schwestern vielmehr für sie, die jüngste Schwester, interessiert.
Nachdem nun die beiden älteren Schwestern verheiratet sind, hofft Suzanne, das Kloster wieder verlassen zu dürfen, muss jedoch erfahren, dass sie die ‚Frucht einer Verfehlung’ ihrer Mutter ist, weshalb jene ihr sämtliche Rechte auf eine Gleichbehandlung mit ihren Schwestern verwehrt und sie (gemeinsam mit Suzannes vermeintlichem Vater) zu überzeugen versucht, dem Nonnenstand ganz beizutreten. Trotz all ihrer Zweifel und inneren Ablehnung gegen diesen Stand, willigt Suzanne ein.
Doch am Tag ihrer Weihe (im Kloster Sainte-Marie) kommt es zum ‚Skandal’: Suzanne weigert sich mitten in der Zeremonie die Gelübde abzulegen.
Wieder im Haus ihrer Eltern, wird sie mit Kälte gestraft. Sie führt ein erneutes Gespräch mit ihrer Mutter und willigt schließlich nochmals ein in ein Kloster zu gehen. Sie tritt dem Orden in Longchamp bei. (An die Zeremonie erinnert sie sich nur wie in Trance.) Jedoch erschwert sich ihr Aufenthalt nach dem Tod der ihr vertrauten Oberin und der Ankunft ihrer zänkischen Nachfolgerin. Suzanne wird schlecht behandelt und entschließt sich nun, die Befreiung von ihren Gelübden vor Gericht einzuklagen, was ihr eine noch schlechtere Behandlung einträgt. Sie verliert letzendlich ihren Prozess und wird nach langen Quälereien (durch die Oberin sowie die anderen Nonnen) in ein anderes Kloster in Arpajon (Sainte-Eutrope) versetzt.
Dort verliebt sich dann die Oberin in Suzanne und verfällt, in ständigem Konflikt mit sich und den ihr auferlegten Geboten, nach und nach dem Wahn. Nach dem Tod dieser Oberin verschlimmern sich die Umstände abermals für Suzanne. Sie kann mit Hilfe des Paters Dom Morel aus dem Kloster fliehen.
Nach einer anstrengenden und auch gefährlichen Reise kommt sie nach Paris, wo sie eine Unterkunft findet und mit dem Marquis de Croismare Kontakt aufnimmt, von dem
3
sie sich Hilfe in ihrer misslichen Lage erhofft. 3 Jedoch stirbt sie schließlich an den Folgen einer sich bei der Flucht zugezogenen Verletzung, bevor der Marquis sie zu sich holen kann.
„Am Anfang dieses Meisterwerks steht in der Tat –
1. Hintergründe
Der Hintergrund, vor dem La Religieuse entstand, ist durchaus interessant und bedeutsam für das Verständnis dieses Werks.
In der französischen Ausgabe der Religieuse 4 gibt es hierzu ein einleitendes Kapitel von Roland Desné, in dem der Verfasser verschiedene Aspekte der Biographie Diderots bzw. reale Personen und Ereignisse vorstellt, die Einfluss auf dieses Werk gehabt haben bzw. gehabt haben könnten.
Als erstes wird dort die Geschichte des Marquis de Croismare 5 angeführt: « Il était une fois un charmant marquis, retiré de son château de Normandie, et regretté par des amis parisiens qui cherchaient les moyens de le faire revenir parmi eux » (Desné 1968: 17)
Dieser Marquis war der Anlass, aus dem heraus diese Geschichte überhaupt entstand – und es gab ihn wirklich.
Dies geht aus dem nachgestellten Vorwort zur Nonne (entnommen aus Grimms Correspondance littéraire von 1760) hervor. Genauere Informationen hierzu soll der folgende Abschnitt geben.
Der »charmante Marquis« 6
1.1
Die bereits oben angesprochenen Auszüge aus der « Correspondance littéraire de M. Grimm 7 », die sich im Anhang der Religieuse finden, verweisen auf folgenden Sachverhalt:
3 Dies ist auch die Ausgangserzählsituation des Romans: Die Nonne Suzanne schreibt an den Marquis de Croismare.
4 Siehe Bibliographie zur Primärliteratur.
5 Er ist der Adressat im Roman, an den der Brief der Suzanne gerichtet ist. 6 Siehe Fontius 1978: 311.
7 In der französischen Ausgabe wird dieser Anhang auf das Jahr 1760 datiert, in der deutschen auf 1770, was aber nichts an seinem Inhalt ändert.
4
Arbeit zitieren:
Katharina Brehmer, 2003, Denis Diderot - LA RELIGIEUSE, München, GRIN Verlag GmbH
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