Seminar: Bildungsbegriffe aus der Antike und dem Mittelalter
Wintersemester 2001/2002
FRAUENBILDUNG IM
MITTELALTER
EST ETIAM ORDO NATURALIS IN HOMINIBUS,,
UT SERVIANT FEMINAE VIRIS..
(AURELIUS AUGUSTINUS)
Thorsten Dollmetsch
März/April 2002
I n h a l t s v e r z e i c h n i s 2
1. E i n l e i t u n g 3
2. D i e a n t i k e n G r u n d l a g e n 5
2.1. Die soziale Stellung der antiken Frauen 5
2.2. Die rechtliche Stellung der antiken Frauen 6
2.3. Die Frauen bei den antiken Autoren 7
2.4. Religiöse Grundlagen 8
3. D i e L a g e d e r F r a u e n i m M i t t e l a l t e r 11
3.1. Einführung 11
3.2. Aurelius Augustinus 12
3.3. Der Beitrag der Scholastik 14
3.4. Das Frauenbild des Mittelalters 15
3.5. Gleichberechtigung der Frauen 16
3.6. Unterordnung der Frauen 18
3.7. Rechtliche Stellung der Frauen 19
3.8. Frauen in der Arbeitswelt 20
3.9. Zusammenfassung 22
4. E r z i e h u n g u n d B i l d u n g d e r F r a u e n i m M i t t e l a l t e r 23
4.1. Frauen bei Hofe 23
4.2. Frauen im Kloster 25
4.3. Frauen im städtischen Handel 29
4.4. Frauen im städtischen Handwerk 31
4.5. Frauen auf dem Land 32
5. S c h l u s s b e m e r k u n g 34
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 36
Q u e l l e n v e r z e i c h n i s 40
Q u e l l e n a n g a b e z u m T i t e l b l a t t 40
1. E i n l e i t u n g
Beschäftigt man sich mit der Frauenbildung im Mittelalter, so stößt man zunächst auf das Problem, dass dieses Thema sehr weit gefasst ist. Im Allgemeinen meint man mit dem Mittelalter einen Zeitabschnitt von rund 1.000 Jahren, nämlich ungefähr vom Jahr 500 bis zum Jahr 1500 n.Chr. Hinzu kommt, dass es in dieser Zeit nicht nur einen großen „Staat“, wie etwa in der Antike das Römische Reich, sondern mehrere große und viele kleine Herrschaftsgebiete gab, die in ihrer politischen, geographischen und religiösen Struktur oft sehr verschieden waren. Außerdem war die mittelalterliche Gesellschaft stark hierarchisch geprägt und in Stände unterteilt, die einen sozialen Aufstieg erheblich schwieriger machen als etwa im Römischen Reich.
Dies alles hat zur Folge, dass es die typische Frau des Mittelalters nicht gab, sondern auch hier verschiedene Gruppen zu betrachten sind. Zusammen mit der sehr unterschiedlichen Quellenlage zu den Gruppen wird deutlich, dass in der vorliegenden Arbeit kein detaillierter Blick auf sämtliche Formen der Frauenbildung im Mittelalter, sondern lediglich auf einzelne Aspekte geworfen werden kann. Ich gehe daher vor allem auf den deutschen Sprachraum, Frauen an den Höfen und die Zeit des Spätmittelalters1 ein, werde aber natürlich die übrigen Bereiche nicht gänzlich außer Acht lassen.
Das Ziel dieser Arbeit ist zu zeigen, dass anhand der behandelten Beispiele trotz aller Probleme doch eine gemeinsame Grundtendenz innerhalb der Frauenbildung des Mittelalters erkennbar ist. Insbesondere wird geklärt werden, ob der Frauenbildung des Mittelalters die Erziehung hin zu einem gebildeten Menschen im Sinne des boethianischen Personenbegriffs oder der viktorinischen Personenbeschreibung zugrunde liegt.
Die wesentlichen Eigenschaften einer boethianischen Person sind „Substantialität“ (in-sich und- aus-sich existieren) und „Vernunft“. Eine viktorinische Person besitzt darüber hinaus noch die Eigenschaft „Relationalität“ (sich vom anderen her erkennen und anzuerkennen). Die viktorinischen Personenbeschreibung stellt aber nicht nur eine Erweiterung des boethianischen Personenbegriffs dar, sondern hier werden „Substantialität“ und „Vernunft“ und das ist das entscheidende von der „Relationalität“ her betrachtet. Kurz und vereinfacht gesagt, könnte man wohl sagen, dass also ein boethianischer Erzieher letztendlich seinen Zögling in der Art und Weise erzieht, von der er für sich selbst Vorteile erhofft, während ein viktorinischer Erzieher darauf bedacht ist, dass sowohl Erzieher als auch Zögling die größtmöglichen Vorteile haben.
Am Anfang der Beschäftigung mit dem Thema dachte ich, dass der Frauenbildung die viktorinischen Personenbeschreibung zugrunde liegt, schließlich ist das Mittelalter gerade für die Wichtigkeit der personalen Beziehungen zu anderen auf allen Ebenen bekannt (Personenverbandstaat). Ein weiteres Anliegen dieser Hausarbeit ist aus diesem Grund zu belegen, dass für die mittelalterliche Frauenbildung tatsächlich jedoch der boethianische Personenbegriff kennzeichnend ist.
Im zweiten Kapitel werden daher zunächst die Grundlagen zum Thema erarbeitet. Es wird also auf Erziehung, Bildung und Rolle der Frau in der Antike eingegangen. Im dritten Kapitel wird dann das Mittelalter betrachtet. Hierbei wird nach einer Einführung ein kurzer Blick auf Leben und Lehren des Aurelius Augustinus geworfen, weil vor allem er das Mittelalter maßgeblich beeinflusste. Daran anschließend wird auf die mittelalterliche Frauenerziehung und –bildung, sowie allgemein das Frauenbild und die gesellschaftliche Stellung der Frau im Mittelalter eingegangen. Ziel hierbei ist vor allem zu zeigen, welche Wertvorstellungen im Mittelalter in bezug auf Frauen herrschten, damit man verstehen kann, wieso Erziehung und Bildung der mittelalterlichen Frauen so gestaltet wurden wie sie gestaltet wurden. Gerade die Beschäftigung mit den Hintergründen war für mich reizvoller als die pure Darstellung der Frauenbildung im Mittelalter. Im vierten Kapitel werden dann die von den mittelalterlichen Frauen erwarteten Rollen und die sich hieraus ergebende Erziehung und Bildung dargestellt. Im letzten Kapitel trage ich schließlich die Ergebnisse zusammen und kommentiere diese.
2. D i e a n t i k e n G r u n d l a g e n
2.1. Die soziale Stellung der antiken Frauen
Die Autorität und die Macht antiker Frauen waren an ihren Status und ihr Alter gebunden und differierten entsprechend dem politischen System der einzelnen Städte.2 In den oligarchisch geprägten Poleis des archaischen und klassischen Griechenlands konnten Frauen zwar keine politischen Ämter übernehmen, aber alte und ranghohe Frauen konnten hohes Ansehen erlangen, wodurch es ihnen beispielsweise möglich war Schutzflehende aufzunehmen.3 Diese Frauen konnten auch hohe Priesterämter übernehmen und so den Tempelschatz verwalten und Kulthandlungen leiten.4 Frauen und Männer traten in den Kulten der griechischen Poleis getrennt voneinander auf: Während die Männergruppen öffentlich als Speise- und Kampfgemeinschaft agierten, waren die Kulthandlungen der Frauen eher privater Natur und bestanden vor allem in deren Verantwortung für die Kontinuität der Hausgemeinschaft (oi?koV) und für die Stabilität des Gemeinwesens.5 Frauen sorgten daher für den Totenkult und die Veranstaltung von Festen, die ebenso die menschliche wie die agrarische Fruchtbarkeit betrafen.6 In Rom gab es dagegen auch gemischte Kulthandlungen.7 Innerhalb des Hauses hatten Frauen wichtige organisatorische Funktionen und Autoritätspositionen inne.8 In Rom nahmen Frauen anders als in Griechenland auch an Gastmählern und Empfängen teil.9 Arbeit die für den eigenen Bedarf geleistet wurde, war anders als eine abhängige Tätigkeit angesehen, insbesondere die häusliche Textilherstellung wurde geschätzt.10
[....]
1 Eine sehr schöne Darstellung zur Frauenbildung aus der Zeit des Frühmittelalters findet sich in dem historischen Roman „Die Päpstin“ von Donna W. Cross. Die Autorin schreibt im Nachwort, dass sie eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit verfassen wollte, aber aufgrund nicht ausreichender Belege für einen weiblichen Papst von ihrem Vorhaben Abstand nehmen musste. Neben dem Genannten besteht ein Mangel in der etwas verfälschten Chronologie der im Buch enthaltenen Ereignisse, aber nicht in Bezug auf die Beschreibung der Lebensverhältnisse, so dass das Buch zumindest mir als angehendem Lehrer für meinen Unterricht als geeignet erscheint, auch wenn ich es hier nicht verwenden kann.
2 WAGNER-HASEL, BEATE (1998): Frau. II. Griechenland und Rom. A. Die Frau im System symbolischer Ordnungen. B. Politische und soziale Stellung der Frau. C.Frauenarbeit. D. Verhaltensnormen, in: CANCIK, HUBERT ; SCHNEIDER, HELMUTH (Hg.) (1998): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Band 4. Epo bis Gro, Stuttgart / Weimar: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, Spalten 634-636, hier Spalte 635
3 ebd.: Spalte 635
4 ebd.: Spalte 635
5 ebd.: Spalte 634
6 ebd.: Spalte 634
7 ebd.: Spalte 634
8 ebd.: Spalte 635
9 ebd.: Spalte 635
10 ebd.: Spalte 636
Arbeit zitieren:
Thorsten Dollmetsch, 2002, Frauenbildung im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Problemorientierter Geschichtsunterricht - Definition und Beispiel
Seminararbeit, 12 Seiten
Frauen- und Mädchenbildung im deutschen Hochmittelalter: Klösterliche ...
Am Beispiel der Biographien Hi...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 14 Seiten
Transformation des historischen Woyzeck in die literarische Figur Büch...
Mittel und Wirkung
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Essay, 13 Seiten
Die "Entscheidung zur Endlösung der Judenfrage" - Ein komple...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 29 Seiten
Zum Verhältnis von Schmerz, Utopie und diskursivem Sprechen in Ingebor...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 24 Seiten
Alexander der Große in der mittelhochdeutschen Literatur am Beispiel d...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Unterrichtsentwurf: Argumentation und das Verfassen einer Einleitung f...
Deutsch - Erörterungen und Aufsätze
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Goethe, Johann Wolfgang von - Ulysses - Zwischen Universalität und Int...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 23 Seiten
Emanzipation in der Liebelei. Ausbruch und Ausweglosigkeit der Protago...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 29 Seiten
Praktikumsbericht Lehramt an Grund- und Hauptschulen
Praktikumsbericht / -arbeit, 67 Seiten
Unterrichtseinheit: Reim und Metrum
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 22 Seiten
Frauen im Spätmittelalter (1250-1500)
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Mittelalterliche Erziehung mit Schwerpunkt ritterliche Erziehung
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Abfall Mytilenes und die Mytilene-Debatte bei Thukydides
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hauptseminararbeit, 34 Seiten
Erasmus von Rotterdam - Das Lob der Torheit
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 36 Seiten
Pädagogik - Geschichte der Päd.: Frauenbildung im Mittelalter ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Thorsten Dollmetsch hat den Text Frauenbildung im Mittelalter veröffentlicht
Thorsten Dollmetsch hat einen neuen Text hochgeladen
Der Kommentar In Antike Und Mittelalter: Beitrage Zu Seiner Erforschun...
Wilhelm Geerlings, Christian Schulze
Der Bildungsbegriff in der Psychoanalytischen Pädagogik
Eine paradigmatologische Unter...
Monika Paramita Engel
Spätantike Band 01. Perspektiven des Mittelalters. Europäische Grundla...
Kelten, Germanen, Slaven
Alfred Haverkamp, Friedrich Prinz
0 Kommentare