Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der soziobiologische Ansatz
2.1 Geschichtlicher Hintergrund 3
2.2 Der Begriff der Soziobiologie 4
2.3 Grundannahmen 5
2.4 Egoismus der Gene 7
3. Kooperative Verhaltensweisen als
genegoistische Strategien 9
3.1 (Reziproker) Altruismus 10
3.2 Nepotismus 12
3.3 Kampf der Geschlechter 13
3.4 Der Generationenkonflikt 14
4. Kritik am soziobiologischen Ansatz 15
5. Literaturverzeichnis 17
1
1. Einleitung
Für uns Menschen ist das Helfen und Unterstützen eines Artgenossen eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht gar ein Muss. So wird jeder von uns definitiv behaupten, er würde in einen reißenden Strom springen um einen Menschen zu retten, und sei es auch kein Nahestehender. Nun bleibt zu hinterfragen, warum man denn sein Leben für das eines anderen aufs Spiel setzt. Stellt denn der Mensch eine Ausnahme in der Natur dar? So schrieb Goethe einst folgende Worte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das alleine unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen“. 1 Es scheint, als vermöge eben nur unsere Spezies uneigennütziges Verhalten an den Tag zu legen. Jedoch drängt sich die Frage auf, ob das kooperative Verhalten lediglich das Mittel zum Zweck ist oder ob es tatsächlich so etwas wie einen „echten“ Altruismus gibt.
Genau an dieser Fragestellung setzt die interdisziplinäre Wissenschaft Soziobiologie an. So gerne der Mensch auch an ein selbstloses Handeln unter Artgenossen glauben mag, um das von ihm selbst geschaffene Menschenbild aufrecht erhalten zu können, letztendlich wird ein „Draufzahler“ und ein „Nutznießer“ niemals ewig in dieser Rolle verharren können. Denn die biologische Evolution ist unberechenbar und kennt kein Gut oder Böse. Ausschlaggebend ist alleine die Eignung der Gene, und das Individuum ist dazu geschaffen, um die erfolgreichste Strategie umzusetzen, die den Fortbestand ebendieser garantiert. Die natürliche Auslese, wie sie von Charles Darwin begründet wurde, tut ihr übriges. Denn mittel- bis langfristig löscht sie jede Strategie aus, die sich nicht rechnet. Aus dem Ansatz der Soziobiologie wird ersichtlich, dass jede Verhaltensweise, selbst die kooperative bzw. altruistische, in der Gesamtbilanz Vorteile für den Fortbestand der eigenen Gene bringen muss, anderweitige würde diese Strategie einfach nicht mehr existieren.
In dieser Ausarbeitung wird zuerst auf die Entwicklung der noch vergleichsweise recht jungen Disziplin Soziobiologie eingegangen. Dabei werden die Grundannahmen durchleuchtet und darauf folgend der Egoismus der Gene vorgestellt. Anschließend wird auf kooperative Verhaltensweisen eingegangen. Unter diesem Punkt wird die Frage geklärt, ob es den so genannten „echten“ Altruismus gibt, oder dieser lediglich als „Wolf im Schafspelz“ zu interpretieren ist. Nachdem dann einige Beispiele zur Erklärung des genegoistischen Verhaltens, wie sie die Soziobiologie begründet, herangezogen werden, wird abschließend noch eine kritische Würdigung auf ebendieses Themengebiet geworfen. Insgesamt soll die
1 Goethe, Johann Wolfgang von, Berliner Ausgabe. Poetische Werke. Kunsttheoretische Schriften und
Übersetzungen, hrsg. von Siegfried Seidel, Berlin/Weimar 1960-78, Bd. 1, S. 332.
Soziobiologie nicht als eine wertende Wissenschaft verstanden werden, die radikale Ideologien vertrete, sondern als eine, die nach den Gesetzesmäßigkeiten der Naturwissenschaften agiert und dessen Erkenntnisgewinne ebendieser Wissenschaft Erwartungen genügen muss. Sie ist dementsprechend vollkommen frei von ideologischen Anschauungen, wobei man den Ansichten einigen ihrer Vertreter auch das Gegenteil zuschreiben könnte. 2
2. Der soziobiologische Ansatz
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
Die Wissenschaft Soziobiologie ist in ihrer geschichtlichen Entwicklung als das Ergebnis der Darwinistischen Evolutionstheorie zu verstehen. Die bereits im Jahre 1859 von Charles Darwin in seinem Buch „Die Entstehung der Arten“ publizierte Theorie geht von der Annahme aus, der Mensch sei das Ergebnis der Evolution. Dies impliziert, dass der gesamte Körperbau und das Verhalten, einschließlich Sozialverhalten, als Konsequenz der natürlichen Auslese/Selektion anzusehen sind. Die Soziobiologie erweitert Darwins Erkenntnisse, indem sie einige Aspekte des sozialen Verhaltens erklärt, die der Theorie der natürlichen Selektion auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. So bietet sie Ansätze zum Verständnis der altruistischen Verhaltensweisen von Lebewesen. Diese ergeben aus der Sicht der Evolutionstheorie jedoch keinen Sinn, da jedes Lebewesen zuerst an das eigene Überleben denkt (Überleben des Tauglichsten) und alle Individuen in Konkurrenz um mögliche Erzeuger, Ressourcen usw. stehen. 3
Um für das soziale Verhalten von Mensch und Tier Erklärungen zu finden, trafen sich im Jahre 1948 Verhaltensforscher in New York. Dabei wurden verschiedene wissenschaftliche Disziplinen zur Hervorbringung von allgemeinen Gesetzesmäßigkeiten im Verhalten von Lebewesen zusammengeführt. Als Ergebnis ist die neue interdisziplinäre Wissenschaft „Soziobiologie“ anzusehen.
Im Jahre 1975 veröffentlichte der Zoologe Edward O. Wilson (*1929 in Alabama) das Werk „Sociobiology - The New Synthesis“, welches die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese neue Disziplin lenkte. Der Amerikaner, der heute oft als Gründervater der Soziobiologie angesehen wird, beschreibt in seinem Buch die verschiedenen Ausprägungen von Sozietäten
2 Vgl. Kapitel 2.1 Geschichtlicher Hintergrund
3 Vgl. F.M. Wuketits, Soziobiologie. Die Macht der Gene und die Evolution sozialen Verhaltens, Heidelberg
1997, S.14.
in der Tierwelt und erweitert die bis dahin geltenden soziobiologischen Ansichten auf den Menschen. So lässt er sich im letzten Kapitel zu der polemischen Behauptung hinreisen, dass die sozialen Strukturen des Menschen ähnlich die der Tiere seien und von genetischen und biologischen Faktoren bestimmt werden. Dies rief nicht zuletzt bei einigen seiner Fachkollegen Empörung hervor, denn das menschliche Wesen könne ja keine Marionette seiner eigenen Gene sein. Außerdem folgerte Wilson aus seinen Erkenntnissen, dass Wissenschaften wie die Philosophie oder Soziologie über kurz oder lang in der Biologie aufgehen werden. Die angespannte Situation erreichte ihren Höhepunkt bei einer Tagung der American Association for the Advancement of Science in Washington, wo Wilson einen Vortrag hielt. Während des Vortrages sprang einer seiner Gegner, ein Mitglied des International Committee against Racism, auf, begab sich zum Podium und übergoss den sprechenden Wilson mit Wasser. Doch dieser fuhr mit seine Rede, nachdem er sein Gesicht abgetrocknet hatte, unbeirrt fort und erntete zum Abschluss tosenden Applaus. Seine Widersacher hatten sich verkrochen. 4
Zu der damaligen Zeit konnte oder wollte noch niemand an den Egoismus der Gene, wie in Richard Dawkins (*1941 in Nairobi) in seinem Werk „The Selfish Gene“ postulier, glauben. Bei diesem wohl bedeutendsten Buch auf diesem Gebiet geht es um die Annahme, dass alle Lebewesen durch egoistische Gene geschaffene Überlebensmaschinen sind und somit jede Verhaltensform, die den Genen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bietet, als positives Ergebnis angesehen werden kann. Demnach sind alle Lebewesen nur „Gepäckträger“ ihrer eigenen Gene, die wiederum durch eigenen Egoismus überlebt haben. 5
2.2 Der Begriff der Soziobiologie
Die Soziobiologie beschreibt die Erforschung des Sozialverhaltens von Mensch und Tier auf evolutionsbiologischer und genetischer Grundlage. Dabei untersucht sie, welche naturgesetzlichen Mechanismen die Verhaltensformen von Lebewesen geprägt haben und bietet Lösungen für vorher nicht zu erklärende Phänomene des Sozialverhaltens, wie z.B. den Infantizid, der unter anderem bei Löwen vorkommt und nach der Theorie der Artenselektion nicht der Arterhaltung dienlich zu sein scheint.
Wie bereits oben beschrieben, ist die Soziobiologie aus der Evolutionsbiologie heraus entstanden und ist ihr somit unterzuordnen.
4 Vgl. F.M Wuketits, Was ist Soziobiologie?, München 2002, S.11-12.
5 Vgl. R. Dawkins, Das egoistische Gen, Reinbek 1996, S.25.
Arbeit zitieren:
Diplom-Ökonom Paul Ramm, 2008, Altruismus oder Egoismus?, München, GRIN Verlag GmbH
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