“Ohne das Frühere kann ein Staat überhaupt nicht sein, ohne das Spätere kann er nicht gut regiert werden“. (Hoerster 1976: 56)
Der griechische Universalgelehrte Aristoteles beschäftigt sich in seinem Text „Der Staat als natürliche Voraussetzung des glücklichen Lebens“ mit dem Begriff Staat und zeigt auf, welche Grundlagen gegeben sein müssen, damit man von Staat überhaupt sprechen kann und er macht ferner deutlich, in welcher Korrelation die verschiedenen Regierungsformen zu einander stehen. Dazu geht er auf verschiedene Punkte ein, die ich im Folgenden kurz skizzieren werde.
Die Grundlage seiner Ausführungen ist der Drang, die Dinge von Beginn an zu untersuchen, sozusagen von der Zelle bis hin zum endgültigen Dasein. Somit sieht er auch die Beziehung zwischen Regierenden und Regierten als maßgeblich, als Naturzustand, und hier beginnt er beim Mann, dem er den Verstand zuschreibt und damit die Möglichkeit, zu regieren. Die Frau, die qua natürlicher Bestimmung das Gebären von Kindern und Nachkommen als Aufgabe hat, ist eindeutig in der Position des Regierten oder der Dienenden, doch auch keine Sklavin. Insgesamt führt er den Menschen als das hochwertigste Lebewesen an, da es die Sprache besitzt, um sich auszudrücken und Schädliches, Gerechtes oder Nützliches mitzuteilen. Dieses bildet die Grundlage, in einer Gemeinschaft zu leben und das Gebilde zu beleben, das er Staat nennt. Der Mensch hat den natürlichen Drang zu dieser Gemeinschaft, und ist jemand nicht fähig zu solch einer Form, so ist er ein klares Untier oder Gott selbst. Voraussetzung für ein maßvolles und gerechtes Miteinander innerhalb einer Gemeinschaft ist die Tugend. Nur durch sie ist es möglich, zum vollendetsten aller Lebewesen zu werden, das mit der Beachtung von Gesetz und Recht Teil der staatlichen Gemeinschaft werden kann. Im Weiteren geht er auf den Ursprung der Sklaverei ein, da er bereits die Geburt des Menschen als entscheidendes Spezifikum charakterisiert, das über Herrschen und Dienen entscheidet: Was von besseren zustande gebracht wird, ist auch eine bessere Leistung (Hoerster 1976: 51). Das Lebewesen besteht immer aus Leib und Seele, wobei der letztgenannten die deutlich entscheidendere Position zufällt. Die Seele muss den Körper regieren, Herr über ihn sein, damit es nicht zu einem (aus seiner Sicht) anatürlichem Verhältnis kommt, wo vielleicht der Körper die Seele beherrscht. Genauso sieht er es im Verhältnis zu anderen Lebewesen, denn für alle zahmen Tiere ist es besser, wenn sie regiert werden, denn so bleiben sie am Leben.
Arbeit zitieren:
Roman Behrens, 2009, Aristoteles und der Staat, München, GRIN Verlag GmbH
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