Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 03
2. Leo Kirch und die Anfänge der Kirch Gruppe 04
3. Die Struktur der Kirch Gruppe vor der Insolvenz 07
4. Die Insolvenz der Kirch Gruppe
4.1 Die Insolvenz aus betriebswirtschaftlicher Sicht 09
4.2 Der Weg in die Insolvenz 10
4.3 Gründe der Insolvenz 12
5. Die neuen Eigentümerverhältnisse 14
6. Folgen für die deutsche Medienlandschaft 16
6.1. Mögliche Konsequenzen für den Medienmarkt 16
6.2. Medienpolitik im Fall Kirch 21
7. Fazit 23
Literaturverzeichnis 25
Erklärung 27
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1. Einführung
Mit diesem Zitat von Jules Barbey d´Aurevilly aus dem Jahre 1874 leitet Michael Radtke das von ihm 1996 veröffentlichte Buch „Außer Kontrolle. Die Medienmacht des Leo Kirch.“ ein. Schon damals passte dieses alte Zitat sehr gut, um die Situation rund um den Werdegang und die Lage der Kirch Gruppe zu umschreiben. Und auch heute hat es in diesem Zusammenhang an Aktualität nicht verloren.
Die Insolvenz der Kirch Gruppe, eines der führenden Medienunternehmen Europas, im Mai 2002 war eine der größten der Nachkriegszeit. Wie diese zu Stande kommen konnte und ob sie vorhersehbar war, wurde in den Medien viel diskutiert. Dabei erschien auch die Frage danach, ob bei der Insolvenz alle rechtlichen Bestimmungen eingehalten wurden von großer Bedeutung. Dennoch scheint aus Sicht der Medien das Problem, wie es nach der Zerschlagung der Kirch Gruppe weiter gehen soll, im Vordergrund zu stehen.
Es ist demnach festzustellen, dass dieses Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen und beurteilt werden kann. So lassen sich wirtschaftliche, rechtliche, ethische, politische und mediensystematische Sichtweisen unterscheiden. In dieser Arbeit sollen allerdings hauptsächlich kommunikationswissenschaftliche Aspekte behandelt werden. Zur besseren Verdeutlichung des Sachverhaltes werden aber auch andere Betrachtungsweisen herangezogen.
Im Verlauf der Ausführungen soll gezeigt werden, welche Auswirkungen die Insolvenz der Kirch Gruppe auf die Deutsche Medienlandschaft hat und in Zukunft haben könnte. Dabei steht zu Beginn ein historischer Abriss des Aufstiegs der Kirch Gruppe und ihres Gründers Leo Kirch. Anschließend wird auf die Organisation des Unternehmens unmittelbar vor der Insolvenz eingegangen, um dann aus medienökonomischer Sicht darzustellen, welche Ursachen diese
1 In Radtke 1996.
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ausgelöst haben könnte. Danach soll kurz auf die zukünftigen Eigentümerverhältnisse eingegangen werden. Dies ist besonders wichtig, um abschließend mögliche medienpolitische und – systematische Folgen darstellen zu können.
2. Leo Kirch und die Anfänge der Kirch Gruppe Leo Kirch (Foto 2 ) wurde als Sohn eines Winzers am 21. Oktober 1926 in Würzburg geboren. Nachdem er die Schule mit Abitur abgeschlossen hatte, studierte er in Würzburg und München Betriebswirtschaft und Mathematik. 1952 promovierte er zum Dr. rer. pol. und hatte eine Assistenzstelle an der Universität München. 3
1955 gründete Leo Kirch zusammen mit seinem Studienfreund Hans Andresen in Nürnberg Sirius-Film, Kirch´s erste Firma. 4 Im gleichen Jahr erwarben sie in Barcelona ihre ersten Filmrechte an dem spanischen Film „Marzellino, pane e vino“. Um dies zu realisieren, borgten sie sich Geld von Freunden und Verwandten. 5 1956 stieg Kirch dann mit dem Kauf von 400 Filmen, darunter auch „La Strada“ von Federico Fellini, von United Artists und Warner Brothers endgültig als Rechte-Vermarkter ins Mediengeschäft ein. 6 Dabei nutzte er die Gewinnmöglichkeiten, die sich aus Preisdifferenzen zwischen Beschaffungs- und Absatzmärkten (Arbitrage), Preisdifferenzen, die sich aus zeitlichen und/oder örtlichen Unterschieden oder aus Unterschieden der Produktionsstrukturen
2 < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (30.03.2003) 3 Vgl. Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“ < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003) 4 Vgl. Radtke 1996, S. 19. Und Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“ < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003) 5 Vgl. Radtke 1996, S. 19ff.
6 Vgl. Radtke 1996, S. 19-28. Und Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“ < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003)
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ergaben. Durch den gerade erst begonnenen Wiederaufbau der Medienindustrie im Nachkriegsdeutschland, konnten im Gebiet des Filmrechte - Handels gute Gewinne erwartet werden. Besonderes Augenmerk richtete Kirch dabei auf das damals noch junge Medium Fernsehen. 7 So nutzt er Lücken der Boykottregelung 8 , bei der die Filmwirtschaft „Keinen Meter Film dem Fernsehen!“ geben wollte, um am Anfang vor allem ARD mit den dringend benötigten Programmen zu versorgen. 9 Mit der Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1963 versorgte Kirch auch diese mit Filmen, da sie keine eigene Einkaufsorganisation hatten. 10 Ebenfalls zum Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen gründete Kirch 1959 BetaFilm und 1963 TaurusFilm. 11 Kirch konnte sich, durch richtige ökonomische Einschätzung und Gewinnmöglichkeiten, schließlich als Filmrechte – Händler etablieren 12 und bewies somit einen guten Geschäftssinn und ein hervorragendes Gespür für den schnell wachsenden Medien-Markt. 13 Anfang der 1980er Jahre wurden dann Pläne für privaten Rundfunk in Deutschland politisch und wirtschaftlich konkret, in denen Kirch neue Chancen zum Ausbau seiner geschäftlichen Aktivitäten sah. 14 Um dies zu erreichen, beteiligte er sich aktiv an der Durchsetzung des Privatfernsehens und erwarb zunächst Beteiligungen an geplanten privaten Fernsehsendern und Pay-TV Gesellschaften. 15 So startete 1984 die Vorläuferin von SAT. 1, die PKS (Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk), erste Gehversuche. Kirch sicherte sich hier spätere Beteiligungen und Einfluss dadurch, dass er zwei Jahre lang das gesamte Unterhaltungsprogramm ohne Entgelt zur Verfügung stellte. 1989 wuchs die Fernsehfamilie rund um Kirch noch einmal, indem der neue Sender ProSieben täglich neun Stunden Programm sendete. Später kamen noch Premiere (1991), DSF (1993) und N24 (2000) dazu. 16
7 Vgl. Kiefer 2002, S. 491f.
8 Vgl. Radtke 1996, S. 19ff.
9 Vgl. Kiefer 2002, S. 492.
10 Vgl. Radtke 1996, S. 19-28.
11 Vgl. Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“ < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003) 12 Vgl. Kiefer 2002, S. 492.
13 Vgl. Ebd.
14 Vgl. Ebd.
15 Vgl. Ebd.
16 Vgl. ZDF heute. „Aufstieg und Fall des Leo Kirch“.
< http://www.t-online.de/ZDFheute/druckansicht/0,1986,181203,00.html > (13.01.2003)
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Um aus seinem Unternehmen ein vertikal integriertes Medienunternehmen zu machen, gründete er 1966 Unitel und 1968 IdunaFilm für Spiel- und Fernsehfilmproduktionen. Dazu kamen 1975 noch ein Servicezentrum der Kirch Gruppe, BetaTechnik, und 1983 TaurusVideo, um auch der damals neuen Videotechnik gerecht zu werden. 17 1985 beteiligte sich Kirch dann mit 10% an dem Hamburger Axel Springer Verlag und konnte sich so auch in der Presselandschaft engagieren. Später wurde dieser Anteil noch einmal auf 40% aufgestockt. 18 So wollte Kirch seine Vision von einem vertikal integrierten Medienunternehmen realisieren. Und bis zur Insolvenz seines Unternehmens, kann man dieses auch als solches bezeichnen.
Vertikale Integration bedeutet hier aus medienökonomischer Sicht, dass mehrere aufeinander folgende Wertschöpfungsstufen oder auch Produktionsebenen in einem Unternehmen zusammengefasst sind. Die Abwicklung des Gütertransfers erfolgt dabei nicht über den Markt, sondern wird innerhalb eines Unternehmens gelenkt. Drei zentrale Ebenen der Wertschöpfung sind hier im Bereich der periodischen, publizistischen Medien zu unterscheiden: die Produktionsebene der Inputs, die publizistische Ebene und die Ebene der Multiplikation und Distribution. 19 In seinem Bestreben „ [...] – für Auge und Ohr – ein vertikal integriertes Medienunternehmen zu schaffen.“ 20 , hat Leo Kirch also versucht, all diese Ebenen in sein Unternehmen zu integrieren. Bei der Betrachtung des Aufbaus der Kirch Gruppe wird deutlich, dass ihm dies auch teilweise gelungen ist. Wie also sah nun die Struktur der Kirch Gruppe unmittelbar vor der Insolvenz aus?
17 Vgl. Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“
< http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003) 18 Vgl. Rasscass.com. „Leo Kirch – Biografie rasscass“ < http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=140&RID=1 > (12.03.2003) und ZDF heute. „Aufstieg und Fall des Leo Kirch“.
< http://www.t-online.de/ZDFheute/druckansicht/0,1986,181203,00.html > (13.01.2003 19 Vgl. Kruse 1996, S. 25-52.
20 Kirch, Leo, zitiert nach Kiefer 2002, S. 491.
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3. Die Struktur der Kirch Gruppe vor der Insolvenz Die Konzernaktivitäten der Kirch Gruppe lassen sich in 3 Phasen gliedern: 1. Etablierung des Filmrechtehandels 2. Aktive Beteiligung an der Durchsetzung von privatem Rundfunk und 3. Durchsetzung von digitalem Pay-TV. 21 Diese Aktivitäten und die radikale Umorganisation des Konzerns, wegen Liquiditätsproblemen, prägten die Struktur bis zur Insolvenz. War Kirch zuvor noch Alleineigentümer, so machten es diese Ereignisse notwendig, zu einer kleinen Eigentümergruppe zu wechseln. 22 Die Kirch Gruppe war in drei Teilbereiche geordnet, wobei die TaurusHolding GmbH & Co. KG, als Konzernzentrale, alle Bereiche miteinander vereinte. Die Kirch Unternehmensstiftung hielt dabei alle Anteile an der Kirch Holding. Der erste Bereich ist die Kirch Media, in der vor allem die Tochtergesellschaften und Beteiligungen in den traditionellen Geschäftsbereichen des Konzerns zusammengefasst wurden, wie z.B. Rechtehandel (Film und Sport), die Beteiligungen an werbefinanzierten Fernsehsendern, die Werbezeitenvermarktung und der Produktionsbereich. Die Holding der Kirch Pay-TV bündelte alle Aktivitäten im Pay-TV-Bereich, auch das digitale Sendezentrum und den Pay-TV Rechtehandel. Der dritte Bereich, die Kirch-Beteiligungen, umfasste alle Beteiligungen an Printmedien (Springer) und Kinoketten, die Aktivitäten im Ballungsraumfernsehen sowie die Entwicklung und Vermarktung des digitalen Decoders d-box. 23 Die folgende Abbildung (Abbildung 1) zeigt eine umfassende Darstellung der Struktur der Kirch Gruppe. Es ist zu erkennen, dass Kirch wirklich in fast allen, für die Medien wichtigen, Bereichen Tochterunternehmen und Beteiligungen besaß.
21 Vgl. Kiefer 2002, S. 493.
22 Vgl. Kiefer 2002, S. 492.
23 Vgl. Kiefer 2002, S. 492-493.
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Quote paper:
M.A. Katja Seidel, 2003, Die Insolvenz der Kirch Gruppe und ihre Folgen für die deutsche Medienlandschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Der Fall 'Kirch' in der Berichterstattung der Medien
Communications - Journalism, Journalism Professions
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Die Kirch-Insolvenz und daraus resultierende Konsequenzen
Communications - Media and Politics, Politic Communications
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