Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Begriff der Politikberatung 4
2.1 Die Politikberatung im weiteren Sinn 6
2.2 Die Politikberatung im engeren Sinn 7
3. Die Akteure der Politikberatung 8
4. Der Begriff des Unternehmensberaters 9
5. Die Tätigkeitsfelder von Unternehmensberatern 10
6. Die Entwicklung ab 1990 und der Weg in die Politikberatung 13
7. Gibt es einen gestiegenen Einfluss der Unternehmensberater? 14
7.1 Die Anzahl der Unternehmensberater 14
7.2 Das finanzielle Volumen von Beratungstätigkeiten 15
7.2.1 Der Vergleich der beiden kleinen Anfragen von 1977 und 2004 16
8. Konklusion 17
Literaturverzeichnis 21
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Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung „Ein Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen, Wetten oder die Befragung von Fachleuten“ Georges Pompidou
1. Einleitung
In den vergangenen Jahren kam es in den Medien regelmäßig zu Berichterstattungen über das Thema Politikberatung. Besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle von Unternehmensberatern wie Roland Berger oder McKinsey. Magazine wie Der Spiegel oder Wochenzeitungen wie Die Zeit berichteten in ihren Themenausgaben über die Vergabepraxis von öffentlichen Aufträgen durch die Bundesregierung sowie über finanzielle Volumina solcher Aufträge. So wurden angeblich 11,7 Millionen Euro für die Beratung des
Bundesverteidigungsministeriums und der Bundeswehr während der Rot-Grünen Regierungszeit an Unternehmensberater gezahlt (vgl. Weiland 2003). Durch eine derartige Berichterstattung erzeugten diese Medien ein Bild, welches der Öffentlichkeit suggerierte, dass nicht nur eine Art Vetternwirtschaft zwischen Regierungen und Beratern bestehen würde, sondern auch der Einfluss der viel umschriebenen Unternehmensberater enorm gestiegen sei. Doch gibt es tatsächlich einen gestiegenen Einfluss der in Deutschland operierenden Unternehmensberater auf die Politik?
Um diese Frage zu beantworten, werden in den folgenden Kapiteln zunächst zentrale Begrifflichkeiten definiert. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Definition des Begriffes der Politikberatung, wobei aufgrund der Vielfältigkeit der existierenden Definitionen zwischen externer und interner Politikberatung, Politiker- und Politikberatung sowie zwischen Politikberatung im weiteren und engeren Sinn unterschieden wird. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch diese Arbeit keine allgemein gültige Definition finden kann. Es werden lediglich bereits bestehende Erklärungsansätze zusammengeführt. Im daran anschließenden dritten Kapitel werden kurz Akteure der Politikberatung erläutert. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Unternehmensberatern in der Politikberatung liegt, soll im vierten und fünften Kapitel erklärt werden, was unter einem Unternehmensberater verstanden wird und welche Tätigkeitsfelder von solchen Beratungsunternehmen wahrgenommen werden. Die Kapitel sechs und sieben werden dann empirisch zum einen den Weg der Unternehmensberater in die Politikberatung nachzeichnen und zum anderen die Kernfrage dieser Arbeit beantworten. Hierfür wird zunächst eine quantitative Analyse des Marktes für Unternehmensberater im öffentlichen Sektor durchgeführt. Anschließend daran, sollen zwei kleine Anfragen von 1977 und 2004 miteinander verglichen werden, um festzustellen, ob der Einfluss von Unternehmensberatern tatsächlich gestiegenen ist. In der abschließenden
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Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung Konklusion werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und es soll ein Fazit gezogen werden.
2. Der Begriff der Politikberatung
Grundsätzlich lässt sich zunächst festhalten, dass es sich bei dem Begriff der Politikberatung um einen „Untersuchungsgegenstand mit beträchtlicher Variationsbreite“
(Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) handelt. Demnach wird der Begriff häufig missverständlich sowie allumfassend und besonders durch die Medien verwendet. Über Jahrhunderte hinweg wurde unter Politikberatung „das Einflüstern in die Ohren der Mächtigen“ (Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) verstanden. Diese Beratung der führenden Elite geschah vornehmlich durch Höflinge, Hofnarren, Einzelberater sowie Stabsmitarbeiter (vgl. Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13). Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde jedoch unter dem Begriff der Politikberatung „das institutionalisierte Liefern wissenschaftlicher Informationen an politisch Handelnde“
(Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) verstanden. Bevor der zentrale Begriff dieser Arbeit weiter konkretisiert und definiert wird, soll auf den zweiten Teil des Wortes näher eingegangen werden.
Das Wort „Beratung“ kommt von „Rat geben“. Bei Beratungen handelt es sich um kommunikative Tätigkeiten, die bis in die Antike zurückverfolgt werden können. Um 800 nach Christus werden dann die Verben „raten“ und „beraten“ im Althochdeutschen geläufig. Schon zur damaligen Zeit bedeuteten diese Begriffe, dass jemandem etwas empfohlen wird beziehungsweise, dass „das Richtige durch Überlegen herauszufinden“ (Müller 2006: 88) sei. Weiterhin ist mit dem Begriff „Rat“ das Wort „Tat“ eng verbunden. Werden beide Begrifflichkeiten zusammengefügt, so entsteht die Formel „mit Rat und Tat helfen“ (Müller 2006: 88), was sowohl materielle als auch immaterielle Güter, die zur Hilfe dienen, meint. Unter Rat können sämtliche Dinge verstanden werden, die „dem leiblichen Leben diente[n]“ (Müller 2006: 88). So zum Beispiel der Hausrat, der Vorrat oder sämtliche Geräte. Aus historischer Sicht sind demnach materielle sowie immaterielle Güter untrennbar miteinander gekoppelt (vgl. Müller 2006: 88). Wird Beratung aus einer anderen, moderneren Perspektive betrachtet, so ergibt sich eine weitere Definition. Demnach sind Beratungen „Kommunikationen, die eine gemeinsame Struktur aufweisen und sich dadurch von anderen Kommunikationsformen unterscheidbar machen“ (Schützeichel 2008: 5). Es kann zwischen verschiedenen Beratungstypen − wie Lebensweltliche Beratung, kommerzielle Beratung
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Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung massenmediale Beratung und auch Politikberatung − unterschieden werden. Wichtig für diese Arbeit ist, dass es sich bei Beratungen um kommunikative Aktivitäten zwischen Akteuren handelt.
Wie bereits angedeutet, beinhaltet der heutige Politikberatungsbegriff mehr als nur eine kommunikative Tätigkeit. So wurde der Begriff nicht nur ausgeweitet und ausdifferenziert, sondern auch umgangssprachlich und in den Medien „höchst freizügig verwendet“ (Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 14). Durch eine allgegenwärtige Nutzung des Begriffes verschwammen zunehmend die Trennlinien mit anderen Begrifflichkeiten wie Lobbying oder Public Affairs (vgl. Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 14). In den Medien gelten all jene Akteure als Politikberater, „die Parteien und Kandidaten bei Wahlen, Kampagnen oder der Werbung für politische Programme sowie in der Regierungskommunikation und im politischen Marketing beraten“
(Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 14).
Um nun diesen offensichtlich breit gefächerten Begriff Politikberatung etwas klarer zu strukturieren, bietet es sich an, in einem ersten Schritt zwischen interner und externer Beratung zu unterscheiden. Interne Beratung meint nichts anderes als die Beratung von politischen Entscheidungsträgern durch die „verwaltungseigenen Dienststellen und Fachleuten“ (Wollmann 2007: 413). Demzufolge findet externe Beratung dann statt, wenn nicht die eigene Verwaltung beratend tätig wird, sondern Dienstleistungsanbieter wie zum Beispiel wissenschaftliche Organisationen und Unternehmensberater (siehe Kapitel 3). In einem zweiten Schritt kann zwischen Politik- und Politikerberatung unterschieden werden. Erstere ist im Allgemeinen öffentlichkeitsbezogen und trägt zur Aufklärung des Bürgers bei. Im Gegensatz dazu muss Politikerberatung die Eigeninteressen des Politikers berücksichtigen. Diese Form der Beratung ist somit nicht an die Öffentlichkeit gerichtet und orientiert sich auch nicht an der Aufklärung des Bürgers. Viel mehr geht es dem Politiker darum, Wahlen zu gewinnen, wieder gewählt zu werden, Macht zu erhalten und diese zu sichern (vgl. Jens 2006: 126). Demnach wäre Politikerberatung eine auf einen speziellen Politiker gerichtete Beratertätigkeit, die hauptsächlich dessen Interessen und Absichten berücksichtigt. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit wird diese Form der Beratung allerdings keine große Rolle spielen.
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Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung
2.1 Die Politikberatung im weiteren Sinn
Um den Begriff der Politikberatung nicht nur von anderen Begrifflichkeiten abzugrenzen, sondern auch zu systematisieren, bietet es sich an, Tätigkeiten von Politikberatern an den drei Dimensionen des Politikbegriffes zu verdeutlichen.
So kann von Polity-Beratung gesprochen werden, wenn die Beratung gezielt auf eine „Verbesserung von Abläufen und Strukturen“ (Bogomil/Jann 2009: 182) der öffentlichen Verwaltung abzielt. Ziel dieser Beratungsform ist die Effizienz- und Effektivitätssteigerung von Organisationen. Diese organisatorische und institutionelle Beratung ist eine „Domäne der Betriebswirtschaft sowie kommerzieller Managementberater und Beratungsfirmen“ (Bogomil/Jann 2009: 182). An dieser Stelle könnte auch von Verwaltungsberatung gesprochen werden. Im Gegensatz zur Politikberatung richtet sich Verwaltungsberatung nicht an „politische Entscheidungsträger, wenn diese Rat bei der Vorbereitung politischer Entscheidungen suchen“ (Raffel 2006: 4). Somit setzt Verwaltungsberatung erst dort an, wo bereits Maßnahmen, welche möglichst effizient und effektiv umgesetzt werden sollten, beschlossen wurden (vgl. Raffel 2006: 4). Verwaltungsberatung lässt sich allerdings nicht von Politikberatung trennen, weshalb hier die Verwaltungsberatung als Synonym für die Polity-Beratung angesehen wird.
Eine zweite Möglichkeit der Politikberatung erfolgt auf der Dimension von Politics, weshalb von Politics-Beratung gesprochen werden kann. Hierbei geht es um strategische und taktische Beratung, welche zum Ziel hat, die Chancen eines Kandidaten - zum Beispiel im Wahlkampf - zu erhöhen (vgl. Bogomil/Jann 2009: 183). Betrifft diese Beratungsform lediglich einen Politiker, so könnte Politikerberatung mit Politics-Beratung gleichgesetzt werden. Beratungen auf dieser Ebene richten sich jedoch nicht ausschließlich an einzelne Politiker, sondern auch zum Beispiel an ganze Parteien. Deshalb wäre es nicht richtig, Politikerberatung als Synonym für Politcs-Beratung zu verwenden. Auf inhaltlicher Ebene besteht die dritte Möglichkeit politikberatend tätig zu werden. Im Folgenden ist deshalb von Policy-Beratung die Rede. Diese Programmberatung beschäftigt sich mit der Ausarbeitung, Planung, Evaluierung und Bewertung politischer Programme. Auf dieser Ebene ist eine Beratung in sämtlichen Politikfeldern denkbar. Sozial-und wirtschaftswissenschaftliche Policy-Forscher sind in der Politikfeldberatung (Policy-Beratung) vorherrschend. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch zunehmend Interessengruppen und Unternehmensberater in diese Beratungsebene vorstoßen (vgl. Bogomil/Jann 2009: 183). Da diese drei Dimensionen ein sehr großes und weites Spektrum an
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Arbeit zitieren:
Mathias Kunz, 2010, Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung, München, GRIN Verlag GmbH
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